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Veröffentlicht am 15.01.2026

✎ Ewald Arenz - Der große Sommer

Der große Sommer
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„Der große Sommer“ wäre für mich kein Buch gewesen, das ich in einer Buchhandlung spontan mitgenommen hätte und selbst nach dem Hinhören bleibt mir kaum etwas davon im Gedächtnis haften. Ewald Arenz kann ...

„Der große Sommer“ wäre für mich kein Buch gewesen, das ich in einer Buchhandlung spontan mitgenommen hätte und selbst nach dem Hinhören bleibt mir kaum etwas davon im Gedächtnis haften. Ewald Arenz kann schreiben, das lässt sich nicht bestreiten, aber sein Roman hebt sich kaum aus der Masse der Coming-of-Age-Geschichten heraus. Man begleitet Frieder durch seine Sommerferien, in denen er statt am Meer beim strengen Großvater büffeln muss und sich zwischen Nachprüfungen, ersten Verliebtheiten und dem Erwachsenwerden bewegt. Dennoch bleibt dieser Sommer für mich letztlich flach im Nachklang.

Die Sprache ist schlicht und gut zugänglich, die Erzählweise ruhig und nah am Alltag. Darin liegt durchaus eine Qualität. Die Figuren greifen sauber ineinander und stellenweise entsteht ein nostalgisches Gefühl für eine Jugend, die so heute kaum noch existiert.

Trotzdem hat mich das Buch nicht getragen. Motive wie Freundschaft, Nähe, Verlust, Zuneigung oder Anerkennung, die eigentlich nachhallen könnten, verlieren rasch an Gewicht. Alles bleibt sehr glatt, beinahe zu gefällig. Weder die Charaktere noch der Verlauf der Handlung überraschen oder fordern wirklich heraus.

Gleichzeitig gelingt es Arenz, familiäre Beziehungen und Freundschaften glaubwürdig zu zeichnen. In unscheinbaren Situationen blitzen Entwicklung und Reife auf, leise und unaufdringlich, ohne große dramatische Gesten.

Am Ende bleibt es für mich ein Roman, der handwerklich solide ist und durchaus berühren kann, dessen Wirkung jedoch schnell verblasst und keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 01.12.2025

✎ Yvonne Kuschel - Gelber Hund, grüne Katze

Gelber Hund, grüne Katze
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„Gelber Hund, grüne Katze“ von Yvonne Kuschel ist bei uns eher zufällig gelandet. Eine Freundin brachte es vorbei, es wanderte erst auf den Stapel ungelesener Bücher und wartete dort geduldig auf seinen ...

„Gelber Hund, grüne Katze“ von Yvonne Kuschel ist bei uns eher zufällig gelandet. Eine Freundin brachte es vorbei, es wanderte erst auf den Stapel ungelesener Bücher und wartete dort geduldig auf seinen Moment. Der kam, als meine 7-Jährige vom Cover fasziniert war und endlich die Geschichte hinter dem ungewöhnlichen Duo entschlüsseln wollte. Also Buch geschnappt, ab auf die Couch und lesen im Teammodus gestartet.

Als ich sie am Schluss fragte, wie ihr das Buch gefallen hat, konnte sie - genau wie ich - keine richtige Meinung dazu abgeben. Wir haben versucht, zu analysieren, um was es in und zwischen den Zeilen geht, doch so wirklich ist uns das nicht gelungen. Wir hatten verblüffend wenig Handfestes, um das Gelesene klar einzuordnen.

Was blieb, war vor allem ein Gefühl für den Hund. Zwischendurch tat er uns richtig leid, gegen Schluss war die Stimmung dann deutlich heller - und ja, wir haben uns ehrlich mit ihm mitgefreut, als sein Weg doch noch einen guten Dreh bekam. Die Katze hingegen blieb bis zum letzten Bild eine Figur, zu der wir keinen echten Zugang fanden. Diese Distanz lag weniger am Charakter selbst als daran, dass sie kaum emotionale Brücken baut. Sie ist präsent, aber nicht greifbar.

Inhaltlich steckt zwischen den Seiten eine spannende Botschaft, die gerade für Kinder wertvoll sein kann, auch wenn sie nicht laut ausgesprochen wird. Der Hund zeigt, dass Umwege oft Türen öffnen, die man auf der ursprünglichen Route nie entdeckt hätte. Gleichzeitig erzählte das Buch uns leise, dass Persönlichkeitsentwicklung kein abgeschlossenes Kapitel ist. Man trägt immer ungehobene Facetten in sich, die erst in neuen Momenten sichtbar werden. Ein Bilderbuch, das nicht belehrt, sondern wach macht für Wandel, Einsicht und Wachstum.

Die künstlerische Umsetzung mit Filztiften ist handwerklich interessant, aber bei uns nicht ins Herz gewandert. Die Illustrationen wirken oft wie Collagen, mit sichtbaren Kanten zwischen Bildelementen, einer eher groben Farbharmonie und bewusst einfacher Detailtiefe. Die Seiten bieten optisch wenig Such- oder Entdeckungsanlässe, arbeiten stark mit Reduktion und skizzenhafter Komposition.

Trotz aller Unschärfe sorgt „Gelber Hund, grüne Katze“ dafür, dass man ins Gespräch kommt. Nicht darüber, was man verstanden hat, sondern darüber, wie Geschichten jenseits klarer Antworten wirken können - auf Kinder wie auf Erwachsene. Genau dieser Effekt könnte das Buch relevant machen, auch wenn es bei uns kein klassischer Lieblingstitel wird.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 22.09.2025

✎ Jens Schumacher - Lesen NERVT! 2 Bloß keine Bücher!

Lesen NERVT! – Bloß keine Bücher! (Lesen nervt! 2)
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Lesen nervt! Genau diesen Satz würde mein Kind sofort unterschreiben. Obwohl es problemlos liest und mich täglich mit einem Buch in der Hand sieht, will die Begeisterung für Geschichten bisher nicht überspringen. ...

Lesen nervt! Genau diesen Satz würde mein Kind sofort unterschreiben. Obwohl es problemlos liest und mich täglich mit einem Buch in der Hand sieht, will die Begeisterung für Geschichten bisher nicht überspringen. Da aber jeden Tag zehn Minuten Lesezeit fest im Plan stehen, suche ich ständig nach neuen Wegen, um diese Minuten spannender zu gestalten. Text, in denen Worte durch Bilder ersetzt wurden? Kommen gut an. Comics? Fehlanzeige. Lückentexte? Eher ein müdes „geht so“.

Umso neugieriger war ich, was sich Jens Schumacher für seinen zweiten Band „Lesen NERVT! Bloß keine Bücher!“ einfallen lassen hat, um lesemüde Kinder abzuholen. Die Grundidee klingt originell: Verschiedene Kurzgeschichten werden durch spielerische Kniffe verändert. Mal taucht eine Geheimsprache auf, mal sind die Sätze komplett durcheinandergeworfen, in einer anderen Version werden Buchstaben vertauscht, und schließlich gibt es eine Story, deren Seitenreihenfolge durcheinandergerät.

Klingt abwechslungsreich? Teilweise war es das auch. Die Geheimsprache sorgte bei meiner Siebenjährigen für viele Lacher und war das Highlight. Die vertauschten Buchstaben haben uns ebenfalls zum Schmunzeln gebracht, weil absurde Wörter entstanden, die manchmal mehr Spaß machten als der eigentliche Text. Weniger gelungen war die Passage mit den verdrehten Satzbausteinen, die sich kaum flüssig lesen ließ und inhaltlich wenig fesselte. Ganz ähnlich ging es uns mit der Geschichte, deren Seiten durcheinandergewirbelt waren: die Idee war nett, doch die Länge zog sich, sodass wir irgendwann aufgegeben haben.

Ein wiederkehrendes Element ist ein kleiner Skorpion, der sich durch die Bücher frisst und damit die Chaos-Effekte auslöst. Dieser rote Faden hat meiner Tochter am meisten gefallen und sorgte für eine gewisse Leichtigkeit, auch wenn er die schwächeren Stellen nicht immer retten konnte.

Beim Blick auf die Reihe habe ich gesehen, dass es inzwischen vier Teile gibt. Auf der einen Seite mag ich die Kreativität, mit der Kinder spielerisch ins Lesen hineingezogen werden. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass sich der Witz schnell abnutzt und die Texte zu unübersichtlich werden.

Die Ideen sind wirklich originell, aber der Funke ist nicht bei allen übergesprungen. Deshalb werden wir wohl keinen weiteren Band ausprobieren - auch wenn ich grundsätzlich neugierig wäre, welche Tricks in den anderen Teilen zum Einsatz kommen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 21.09.2025

✎ Mechthild Gläser - Emma, der Faun und das vergessene Buch

Emma, der Faun und das vergessene Buch
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In einem öffentlichen Bücherschrank entdeckte ich zwei Jugendfantasyromane von Mechthild Gläser: „Die Buchspringer“ & „Emma, der Faun und das vergessene Buch“. Da ich sie für unsere Schulbibliothek in ...

In einem öffentlichen Bücherschrank entdeckte ich zwei Jugendfantasyromane von Mechthild Gläser: „Die Buchspringer“ & „Emma, der Faun und das vergessene Buch“. Da ich sie für unsere Schulbibliothek in Betracht zog, wollte ich vorab wissen, ob sie sich für unsere Jugendlichen eignen. Also griff ich kurzerhand zu den Hörbuchversionen, um mir selbst ein Bild machen zu können.

Meine Erwartungen waren nach „Die Buchspringer“, das mich eher enttäuschte, deutlich gesunken. Trotzdem hoffte ich, dass „Emma, der Faun und das vergessene Buch“ mich mehr fesseln würde. Tatsächlich gefiel mir diese Geschichte anfangs besser, doch der positive Eindruck hielt nicht lange an. Die Handlung startet spannend und geheimnisvoll, verliert jedoch schnell an Schwung. Viele Wendungen lassen sich früh erahnen, wodurch der Reiz des Unerwarteten fast vollständig fehlt.

Auffällig ist außerdem, wie stark die Autorin auf gängige Muster und Klischees setzt. Es gibt eine vorhersehbare Handlung und Figuren, die nur oberflächlich wirken. Ich persönlich konnte mich mit den Charakteren kaum anfreunden. Besonders die Liebesgeschichte wirkt, als sei sie aus dem Nichts entstanden. Ich fragte mich mehr als einmal, ob mir beim Hören eine entscheidende Passage entgangen war.

Auch die Altersdarstellung passt für mich nicht recht. Emma ist offiziell 16 Jahre alt, doch ihr Verhalten lässt sie deutlich jünger erscheinen. Tiefe, Reife oder innere Entwicklung konnte ich kaum erkennen. Dazu kommt eine Szene, in der Alkohol eine Rolle spielt. Zwar wird niemand dauerhaft betrunken dargestellt, doch gerade in einem Jugendbuch ab zwölf Jahren hätte ich auf diese Episode lieber verzichtet.

Der titelgebende Faun, der auf dem Cover der Hardcoverausgabe eine zentrale Bedeutung suggeriert, tritt zudem viel zu selten auf. Von dieser Figur hätte ich mir mehr Präsenz und Einfluss auf die Handlung gewünscht. Stattdessen bleibt er blass und beinahe austauschbar. Schade, denn gerade hier lag für mich das größte Potenzial der Geschichte.

So bleibt am Ende ein Buch, das mich stellenweise unterhielt, aber nicht wirklich überzeugen konnte. Die Idee ist charmant, aber die Umsetzung nicht ganz ausgereift. Für unsere Schulbibliothek werde ich es daher nur mit Vorsicht empfehlen, denn für mich hat es nicht die Stärke, die ich mir für junge Fantasyfans wünschen würde.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 13.08.2025

✎ Jennette McCurdy - I'm Glad My Mom Died

I'm Glad My Mom Died
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Ich habe selbst eine Mutter-Tochter-Beziehung erlebt, die ich mir so niemals gewünscht habe. Vielleicht ist es genau deshalb mein größter Wunsch, zu meiner eigenen Tochter ein inniges, herzliches und von ...

Ich habe selbst eine Mutter-Tochter-Beziehung erlebt, die ich mir so niemals gewünscht habe. Vielleicht ist es genau deshalb mein größter Wunsch, zu meiner eigenen Tochter ein inniges, herzliches und von Vertrauen geprägtes Verhältnis aufzubauen - und dieses auch zu bewahren. Bücher wie „I’m Glad My Mom Died - Meine Befreiung aus einer toxischen Mutter-Tochter-Beziehung“ von Jennette McCurdy sprechen mich daher besonders an, weil sie den Mut haben, schwierige familiäre Dynamiken offen anzusprechen.

Jennette schildert ihre Kindheit und Jugend mit einer Mutter, deren Kontrolle und übertriebener Ehrgeiz weit über das gesunde Maß hinausgingen. Sie zeigt, wie stark sich ein solches Verhalten auf ein Kind auswirken kann - bis hin zu dem Punkt, an dem es nicht mehr um Freude oder Selbstentfaltung geht, sondern um das Erfüllen elterlicher Erwartungen. Der Gedanke, dass ein Kind die Last tragen muss, die Familie finanziell zu unterstützen, hat mich tief berührt.

Allerdings empfinde ich, dass der Fokus des Buches im zweiten Teil stark auf Jennettes Essstörung, vor allem ihrer Bulimie, liegt. Diese schonungslose Offenheit ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Geschichte, doch ich hätte mir eine noch tiefere Auseinandersetzung mit der Mutter-Tochter-Beziehung gewünscht. Gerade die komplexe Dynamik zu ihrer Mutter, die der Titel verspricht, gerät gegen Ende eher in den Hintergrund.

Auch andere interessante Aspekte, wie die Freundschaft zu ihrer Schauspielkollegin Miranda, werden nur angerissen und nicht weiter beleuchtet. Für ein Werk, das den Anspruch hat, toxische Familienstrukturen aufzuarbeiten, bleibt dieser Teil für mich zu oberflächlich. Ich hatte gehofft, dass die Auseinandersetzung mit den psychologischen Mechanismen hinter solchen Beziehungen ausführlicher ausfallen würde.

Trotz dieser Kritik ist das Buch ein eindringliches Zeitzeugnis darüber, wie belastend es sein kann, in einer von Kontrolle und Leistungsdruck geprägten Umgebung aufzuwachsen. Es regt zum Nachdenken an - besonders für Eltern, die ihren Kindern ermöglichen wollen, ihre eigenen Wege zu gehen, ohne dabei ihre Kindheit zu verlieren.

©2025 Mademoiselle Cake