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Veröffentlicht am 21.08.2025

lesenswert aber nicht unvergesslich

Schattengrünes Tal
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Lisa, die Hauptprotagonistin in diesem Spannungsroman, dem 3. Roman der Autorin Kristina Hauff, ist Hotelierstochter und angesehene Einwohnerin einer Kleinstadt im Schwarzwald. Sie hat einen ausgeprägten ...

Lisa, die Hauptprotagonistin in diesem Spannungsroman, dem 3. Roman der Autorin Kristina Hauff, ist Hotelierstochter und angesehene Einwohnerin einer Kleinstadt im Schwarzwald. Sie hat einen ausgeprägten Helferkomplex, ist mit Simon, einem Förster, verheiratet und Mutter einer Tochter, die aber aktuell ein Auslandsjahr macht. Die Familie lebt ein schönes ruhiges Leben in einem schönen Haus in Waldnähe. Doch die Idylle trügt: Die Ehe mit Simon ist etwas in die Jahre gekommen, Lisas Bruder lässt sich nie zu Hause blicken und Lisas Vater, der trotz hohem Alter das Hotel immer noch leitet, nimmt seine Tochter quasi nur als eine Art Angestellte zur Kenntnis. Sie nimmt das hin, lässt sich demütigen und lächelt dazu. Eigentlich müsste das Hotel dringend renoviert werden, doch davon will der Vater nichts hören. Die dunklen holzgetäfelten Räume, die marode Heizung, das schimmelbefallene Schwimmbad und das ständig schlechte Wetter verhelfen dem Buch zu einer düsteren Stimmung, die gut zu der Fremden passt, die sich im Hotel einnistet und wie ein Krake ihre Tentakel nach allem ausstreckt, was Lisa wichtig ist.
Das Setting wirkt sehr realistisch, ich konnte mir die Gegend, das Tal und das Hotel sofort bildlich vorstellen, das ist richtig gut gelungen.
Die erste Hälfte des Buches hat mir sehr gut gefallen, die düstere, geheimnisvolle Stimmung ist von Anfang an spürbar, der Spannungsaufbau stimmt. Der Generationskonflikt zwischen Lisa und Carl, die Naturbeschreibungen, die Metapher des Schakals und die Erzählung der Kapitel aus der Sicht von insgesamt 4 Personen waren meine Highlights. Was war es also, dass mir in der zweiten Hälfte des Buches nicht mehr so gut gefallen hat? Ich denke, es fehlte mir die Spannung bzw. die Spannung, die erzeugt wurde, wirkte nicht mehr authentisch und das Ende passte für mich nicht. Als Leser weiß man recht schnell, wohin sie die Handlung entwickeln wird und das ist an sich auch nichts Schlimmes nur war es für mich nichts Halbes und nichts Ganzes. Das Ende von Danielas Geschichte kam mir zu einfach vor.
Dennoch: „Schattengrünes Tal“ ist ein feinfühliger Roman über toxische Beziehungen, Manipulation und übermäßiger Anpassung/Abhängigkeit. Die kurzen, wechselnden Kapitel und das tolle Setting machen den Roman auf jeden Fall lesenswert, wenn auch nicht unvergesslich.

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Veröffentlicht am 11.06.2020

Eine Geschichte von Freiheit und neuen Grenzen

Riviera - Der Traum vom Meer
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"Du willst im Juni nach Italien? Im Sommer reist man nicht ans Mittelmeer...Die glühende Sommerhitze ist äußerst gefährlich. Schon durch und durch gesunden Menschen macht sie schwer zu schaffen, erst recht ...

"Du willst im Juni nach Italien? Im Sommer reist man nicht ans Mittelmeer...Die glühende Sommerhitze ist äußerst gefährlich. Schon durch und durch gesunden Menschen macht sie schwer zu schaffen, erst recht leicht erregbaren... Und das Wasser ist doch viel zu salzig. Es heißt, das fördert Schwellungen des Zahnfleisches." (Seite 58/59)


Die Geschichte beginnt in Frankfurt am Main im Jahr 1922. Das Buch ist der erste Teil einer Diologie. Hauptprotagonistin ist die junge Salome Sommer, die nach dem Tod der Mutter von der Großmutter erzogen wird und vom Vater weitesgehend unbeachtet von einer Vertrauten und vom Meer träumt. Die Untermieterin der Familie, Paola, teilt diese Sehnsucht. Sie ist es auch, die in klugen Schachzügen zuerst Salomes Vater von der Idee überzeugt, künftig Reisen an die italienische Riviera anzubieten und sich anschließend gleich selbst als seine neue Ehefrau ins Spiel bringt.

In Italien arbeitet Familie Sommer mit einem ortsansässigen Hotelier zusammen. Dessen Tochter Ornella wird für Salome zur besten Freundin, zur Schwester, zur Komplizin. Fortan lenken die beiden jungen Frauen geschickt ihre Väter im eigenen Interesse. Probleme und Sorgen entstehen auf gesellschaftlicher Ebene durch den aufkeimenden Faschismus, zuerst in Italien, später dann in Deutschland, und auf privater Ebene durch Ornellas erste Liebe, zu der auch Salome sich hingezogen fühlt.

Das Buch spielt zwischen 1922 und 1936 und ist in 6 Abschnitte eingeteilt. Es lässt sich leicht und flüssig lesen. Einerseits vermittelt die Autorin sehr gut die lebendige Kulisse von der italienischen Riviera und der Cote d'Azur; andererseits schafft sie es ebenso, den Schrecken des aufkommenden Faschismus deutlich vor Augen zu führen ebenso wie die Steine, die beiden Mädchen in den Weg gelegt werden. Sie beschreibt eindringlich die Freundschaft der beiden Mädchen, Erfolge und Mißerfolge des Reisebüros und die Gefühle der 1. Liebe, die beiden Mädchen leider mehr Schmerz als Hochgefühle beschert. Das Buch beginnt voller Leichtigkeit und Optimismus und endet mit der kalten Realität des Nazideutschland von 1936. Die Geschichte ist gekonnt aufgebaut und die Schauplätze stecken voller Sehnsucht. Doch leider wirken die Akteure blass und abweisend und taugen allesam nicht als Symphatieträger. Der Cliffhanger am Ende des Buches sorgt dafür, dass ich auch den 2. Teil lesen werde.

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Veröffentlicht am 19.05.2020

rührende Vater-Sohn-Geschichte

Pandatage
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“Ich glaube, was ich zu sagen versuche, ist Folgendes, Will: Wenn etwas Schreckliches, Unbegreifliches geschieht, dann braucht es manchmal etwas ebenso Unerwartetes, damit wir es begreifen können.” Mr. ...

“Ich glaube, was ich zu sagen versuche, ist Folgendes, Will: Wenn etwas Schreckliches, Unbegreifliches geschieht, dann braucht es manchmal etwas ebenso Unerwartetes, damit wir es begreifen können.” Mr. Colemann (Wills Lehrer) auf S.166

Danny ist der typische Verlierer. Alle wissen das: seine Firma, sein Vermieter, seine Schwiegereltern, eventuell sogar sein Sohn Will. Er hat keinen richtigen Abschluss, arbeitet als Hilfsarbeiter auf dem Bau, wohnt mit Will in einer schäbigen Wohnung und weiß manchmal nicht, wovon er das Essen und die Miete bezahlen soll. Vor einem Jahr hat er das Beste in seinem Leben bei einem Autounfall verloren – Liz, seine Frau. Seitdem versinkt er in Trauer und Problemen. Eins davon ist, dass Will seit dem Tod seiner Mutter nicht mehr spricht. Deshalb wird er in der Schule gemobbt aber sein Vater bekommt von all seinen Schwierigkeiten nichts mit, weil er dazu schlicht und einfach keine Kraft hat.

Zu Beginn des Buches mochte ich Danny nicht besonders, weil er so völlig ergeiz- und antriebslos war und sich seinem Schicksal ergeben zu haben schien. Und überhaupt, was ist das für eine blöde Idee, sich ausgerechnet ein schäbiges Pandakostüm zu kaufen um damit als Straßenkünstler tanzend sein Geld zu verdienen, wenn man nicht mal Tanzen kann? Will habe ich da schon eher ins Herz geschlossen. Der Junge hat mit seiner Mutter auch seine beste Freundin verloren (die ganze Seite 201 rührt mich zu Tränen!), will am liebsten unsichtbar sein und versucht dennoch mit der Situation klar zu kommen. Er schwankt zwischen kindlichem und sehr reifem Verhalten hin- und her.

Als Danny Zeuge des Mobbings gegen seinen Sohn wird, erwacht er endlich aus seiner Starre. Er beginnt zu kämpfen, sucht und findet Hilfe in der Tänzerin Krystal und auch sein Freund Ivan ist zur Stelle.
Die Vater-Sohn-Beziehung entsteht völlig neu und James Gould-Bourn erzählt davon so intensiv und kraftvoll, dass mich das sehr berührt hat. Das Buch lebt von wunderschönen Details wie den kleinen Freundschaftsbeweisen von Ivan oder Mo. Es ist keine Liebesgeschichte notwendig, um Gefühle in die Handlung zu bringen, Freundschaft und die Vater-Sohn-Beziehung bleiben im Zentrum. Die sehr eigenwilligen Protagonisten verschaffen der Geschichte immer wieder heitere Szenen und schlagfertige Dialoge.

Mir persönlich waren die vielen Glücksfälle zum Schluss hin too much und das Ende zu erzwungen. Dennoch geht die Geschichte wirklich zu Herzen und der flüssige Schreibstil lässt einen das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Sprache ist berührend und bildhaft, witzig, warmherzig und traurig. Ich würde das Buch eher als leichte Kost einordnen und könnte mir eine Verfilmung gut vorstellen, da man viele Situationen beim Lesen bildlich vor sich sieht.

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Veröffentlicht am 27.04.2020

Federleichte Wohlfühllektüre

Rendezvous in zehn Jahren
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Die eine große Geschichte ist es nicht, das muss ich leider einräumen. Aber vieles, was ein gutes Buch braucht, ist da: es versprühte gute Laune, brachte mich zum Schmunzeln, trieb aber auch ein paar Tränen ...

Die eine große Geschichte ist es nicht, das muss ich leider einräumen. Aber vieles, was ein gutes Buch braucht, ist da: es versprühte gute Laune, brachte mich zum Schmunzeln, trieb aber auch ein paar Tränen in meine Augen, war an den richtigen Stellen spannend, nahm mich mit an die Sehnsuchtsorte Meer und Berge und lässt mich nun beseelt und zufrieden zurück. Ich habe den Roman in einem Stück durchgelesen und empfehle es denen weiter, die ein paar kurzweilige Lesestunden für zwischendurch suchen.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Ein Roman voller Trauer – doch ohne spürbares Herzklopfen

Unter Wasser
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Leider war für mich „Unter Wasser“ nur mittelmäßig. Dabei wollte ich das Buch schon aufgrund seines wunderschönen Covers unbedingt haben! Auch die Story über ein kleines Mädchen, das mit ihrem Vater nach ...

Leider war für mich „Unter Wasser“ nur mittelmäßig. Dabei wollte ich das Buch schon aufgrund seines wunderschönen Covers unbedingt haben! Auch die Story über ein kleines Mädchen, das mit ihrem Vater nach dem Tod der Mutter nach Thailand zieht und dort in Arielle eine Freundin fürs Leben findet, die ihr aber bei dem Tsunami von 2004, einer der verheerendsten Umweltkatastrophen der jüngeren Geschichte, wieder genommen wurde, hat mich magisch angezogen.
Jetzt musste ich die Geschichte erst einmal ein wenig sacken lassen, bevor ich meine Rezension schreiben konnte, um herauszufinden, was in mir bleibt.
Der Roman ist von Trauer durchdrungen, er fängt den ganz besonderen Schmerz um den Verlust einer Freundin ein, eine Beziehung, die unsere Gesellschaft auch heute noch als zweitrangig betrachtet. Und obwohl ich auf jeder Seite von dem Verlust lese, konnte ich sie doch nicht spüren.
Eventuell waren die zweit Zeitebenen das Problem. Die Handlung erstreckt sich über 8 Jahre und wechselt zwischen Thailand und New York, wo Marissa heute lebt, normalerweise lese ich sehr gern über verschiedene Zeitebenen hinweg. Hier jedoch hätte ich mir gewünscht, länger in einem Handlungsstrang verweilen zu können, die Zeitsprünge kamen mir zu abrupt. Mir fiel es oft schwer, Marissas anhaltende Trauer wirklich nachzuvollziehen. Mir ist bewusst, dass Trauer nicht linear verläuft und oft in Wellen kommt, doch die Intensität des Traumas und der Trauer, die Marissa in der Gegenwart empfindet, wirkte manchmal unverhältnismäßig im Vergleich zu der vergangenen Zeit. Die Freundschaft wirkte auf mich steril. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass sich die Beziehung öffnet, dass ich die Atmosphäre zwischen den Mädchen spüren kann aber da war nichts außer Worte. Auch die Trauer des Vaters wirkte unausgereift. Dabei hätte auch sie viel mehr Raum in der Geschichte verdient.
Die Schilderungen Thailands, des Lebens auf der Insel und der reichen Artenvielfalt ihrer Ozeane waren ein Lesegenuss und machen Lust das direkt zu erleben. Insbesondere die Meeresbewohner hatten es mir angetan. Der Ozean und seine Ökosysteme spiegeln die Instabilität wieder, die sich durch die ganze Geschichte zieht. Das hat wirklich gut funktioniert.
Ich habe diesen Roman beim Lesen bewundert, aber ich konnte leider nicht die emotionale Wucht spüren, die ich mir gewünscht habe.
Ich zolle Menon große Anerkennung für ihren Debütroman und denke, dass viele andere ihn genießen werden, aber konnte ihn leider nicht vollends genießen.

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