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Veröffentlicht am 16.09.2025

Verschiedene Welten von Vätern, ähnliche Beweggründe

Firestarter
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Auf zwei Erzählebenen finden in Belfast im Sommer 2014 leider nicht nur speziell am 12. Juli traditionell riesige Freudenfeuer zu Ehren des protestantischen Königs William von Oranien statt. Neben diesem ...

Auf zwei Erzählebenen finden in Belfast im Sommer 2014 leider nicht nur speziell am 12. Juli traditionell riesige Freudenfeuer zu Ehren des protestantischen Königs William von Oranien statt. Neben diesem damaligen historischen Glaubenskrieg geht es im Roman Firestarter auch um die zerstörerische Kraft von Gewalt der Männer, verkörpert durch die Figuren Sammy Agnew und seinen Sohn Mark, einem Psychopathen. Dessen virale Videos sorgen für Aufruhr, Chaos, Zerstörungswut. Thematisiert wird die gewichtige Rolle schwer kontrollierbarer sozialer Medien, die hier die Erinnerung an historische Konflikte intensivieren mit dem Ziel überbordender Spannungen und Krisen. Geht es auf dieser ersten Ebene um Brandstiftung, Fußballfieber und einer Hitzewelle in Belfast, handelt die zweite Ebene von der mythischen Figur einer Sirene und ihrem Baby Sophie. Der Allgemeinarzt Jonathan Murray hadert hier mit sich als verantwortungsbewusster Vater, fürchtet er sich doch vor der zerstörerischen Kraft ihrer Stimme. Beide Väter treffen aufeinander im verzweifelten, offenen Gespräch über ihre gefährlichen Kinder, reflektieren auch über ihr eigenes bisheriges, konfliktbehaftetes Leben. Das übernatürliche Element der Sirene im Leben des Arztes wirkt befremdlich und sehr konstruiert. Der Schreibstil ist in ähnlicher Weise kompliziert zersplittert wie das beschriebene politische Chaos in Belfast.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Wo bleibt notwendiger Raum für Selbstbestimmung neben traditionellen Hierarchien?

Glückscollage
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Die chinesisch-amerikanische Autorin scheint mit ihrem Migrationshintergrund schwer zu hadern. Weder in ihrer alten Heimat China, das in einer Entamerikanisierungs-Kampagne steckt, gelingt ihr eine Heimkehr ...

Die chinesisch-amerikanische Autorin scheint mit ihrem Migrationshintergrund schwer zu hadern. Weder in ihrer alten Heimat China, das in einer Entamerikanisierungs-Kampagne steckt, gelingt ihr eine Heimkehr noch in ihrer neuen, wo sie in den USA taktlose Verunglimpfungen, Ausgeschlossenheit, Antipathien erfährt aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes. Während ihre Mutter in „Pekingente“ die Kraft hat, Kränkungen und jedwedes Leid zu negieren, leidet die Autorin sehr unter Mobbing und Einsamkeit in ihrer Schulzeit. Ihre acht Erzählungen in surrealen, skurrilen, albtraumhaften Szenarien zeigen offene Enden, wirken teilweise autobiographisch hinsichtlich der sehr belastenden Erwartungshaltung der Familie. Eigentlich passt der Buchtitel "Glückscollage" nicht, strahlen die Beiträge doch wenig Glückseligkeit und Freude aus. Selbst die Geschichte betitelt „G“, die unsichtbar machende Droge, endet schließlich befremdlich in dieser überspannten Freundschaft zu Bea. Überhaupt scheinen Beziehungen zur Mutter, zu anderen Frauen und Partnern mit vielen Problemen behaftet zu sein. Die Herkunft und ihr Verhältnis zu ihrem Herkunftsland werden oft thematisiert.
Insgesamt eine bizarre Sammlung von Geschichten.- zum Nachdenken!

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Die industrielle Revolution für bäuerliche Betriebe

Die Zeit der Frauen – Eine große Erfindung
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Die Szenerien zum Ende des 19. Jahrhunderts spielen auf einem großen Bauernhof mit Milchwirtschaft im ostwestfälischen Clarholz, dann auf einem Posthof in Herzebrock und einer alten Kornmühle zwischen ...

Die Szenerien zum Ende des 19. Jahrhunderts spielen auf einem großen Bauernhof mit Milchwirtschaft im ostwestfälischen Clarholz, dann auf einem Posthof in Herzebrock und einer alten Kornmühle zwischen Münster und Paderborn. Katharina Zumwinkel, einziger Nachkomme des Milchbauern und Carl Thiele, eigentlich Maurer. sind das Unternehmerpaar im Mittelpunkt der Geschichte. Gemeinsam entwickeln sie eine Maschine, die die Arbeit auf dem elterlichen Hof revolutioniert: eine Milchzentrifuge Unter Ausnutzung der Zentrifugalkraft werden diese weiterverarbeitenden Maschinen zur Herstellung von Butter, Käse und Quark eingesetzt, zeit- und energieeinsparend. Bis jedoch die offizielle Gründung des gemeinsamen Unternehmens »Zentrifugenfabrik Carl Thiele & Cie.« abgeschlossen ist, entfaltet sich manch prickelnde Situation. Die Rolle, die Katharina spielt, ist schon wichtig für den Erfolg des Unternehmens, berät sie doch wenn auch mehr im Hintergrund ihren Ehemann Carl, bringt wichtige Ideen ein und unterstützt Carls Ideale als aufmerksame Gesprächspartnerin. In den Roman sind wichtige historische Figuren wie der Oberpräsident der Provinz Westfalen, Heinrich Conrad von Studt oder auch Friedrich_Beyer, Unternehmer eingeflochten. Der Schreibstil mit Wiederholung mancher Tatsache hätte etwas kreativer ausfallen können, selbst die Liebesgeschichte wirkt etwas langatmig.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Ein unterhaltsamer Roman über soziale Störfaktoren.

Der gute König
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Die Szenerien spielen im Gewerbegebiet am Rande Frankfurts und im dortigen Villenviertel. Der Ich-Erzähler Fransi, mit Abitur als Letzter angestellt bei dem Klempnermeister und Alkoholiker Hieronymus Bosch, ...

Die Szenerien spielen im Gewerbegebiet am Rande Frankfurts und im dortigen Villenviertel. Der Ich-Erzähler Fransi, mit Abitur als Letzter angestellt bei dem Klempnermeister und Alkoholiker Hieronymus Bosch, mitmenschlich und loyal in seiner Männerfreundschaft auch zu seinem Schulfreund Bashkim in all seiner Ödnis um ihn herum, Im Zentrum der hier angerissenen Gesellschaftskritik steht das eher pietätlose Bataclan-Denkmal von Jeff Koons in Paris, einer Hand mit zehn Meter hohen Tulpen, eher Kitsch als Kunst, gefertigt in einer deutschen Kunstschmiede, von Bashkim in mühsamer Arbeit zusammengeschweißt, lackiert, poliert und vor Ort mit Fransi aufgebaut. In der recht oberflächlichen Auseinandersetzung geht es um fragwürdige Kunstobjekte an sich, um Ausbeutung bei vollem körperlichen, gesundheitsschädigenden Einsatz von Handwerkern, um unbeachtete Zuarbeiter von berühmten Künstlern. Auch wird die unethische Zahlungsmoral und Auftragsvergabe Neureicher thematisiert. Der Sprachstil besonders in den kernigen Dialogen ist oft treffend umgangssprachlich. In ihren Betrachtungen über soziale Unterschiede geht es auch um ihr unerfülltes Leben und ersehnte Liebe.

Die Kunstwelt zwischen Kitsch und Kunst in historischem Rahmen und ein junger Mann im Zwiespalt.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Anna Freud zwischen Lern- und Lehranalyse

Ich bin Anna
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Auf zwei Erzählebenen geht es um Sigmund Freud und seiner jüngsten Tochter Anna, jeweils als Ich-Erzähler. Im Alter von 84 Jahren, 1980 wohnhaft in London, beschreibt zunächst Anna rückblickend ihr Leben ...

Auf zwei Erzählebenen geht es um Sigmund Freud und seiner jüngsten Tochter Anna, jeweils als Ich-Erzähler. Im Alter von 84 Jahren, 1980 wohnhaft in London, beschreibt zunächst Anna rückblickend ihr Leben ab 1917 in Wien, ihre Tätigkeiten für die psychoanalytische Vereinigung und ihre Entwicklung zur Psychoanalytikerin. Über eine (fiktive) Lernanalyse bei ihrem Vater gelangt sie zur Lehranalyse. Neben biographischen Fakten geht es bei dem fiktiven Protagonisten Stadlober um dessen Ödipuskomplex und um „Eros" und „Thanatos“. Anna, voller Loyalität zur Familie, sieht sich selbst als Antigone, als mythische Figur neben der starken Vaterfigur Ödipus.
Die Zuordnung der meist kapitelweise wechselnden Ich-Perspektive von Anna und ihrem Übervater ist nicht immer sofort machbar, auch aufgrund gleichen Schreib- und Wortschatzstils, den Gedankenfluss lähmend. Teils fiktiv, teils biographisch, ist die Idee der Lernanalyse kreativ. Über Annas Biographie nach 1938 in London etc. zu lesen, wäre auch interessant gewesen.
Insgesamt wirkt der Roman eher schleppend im Schreibstil.

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