Profilbild von Buchkomet

Buchkomet

Lesejury Profi
offline

Buchkomet ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Buchkomet über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.09.2025

Stark

Krieg um Sizilien
0

Hab ich letztens noch irgendwas von Krimimüdigkeit erzählt? Tja. Kurz danach hatte ich Krieg um Sizilien in der Hand und damit war es das dann auch schon vorbei mit der Müdigkeit. Keine Ahnung, was vorab ...

Hab ich letztens noch irgendwas von Krimimüdigkeit erzählt? Tja. Kurz danach hatte ich Krieg um Sizilien in der Hand und damit war es das dann auch schon vorbei mit der Müdigkeit. Keine Ahnung, was vorab genau ich erwartet habe, aber sicher nicht so ein Brett von einem Buch.

Ich muss gestehen, ich bin hier komplett quer eingestiegen. Band drei, ohne die ersten beiden gelesen zu haben. Funktioniert das Buch auch ohne Vorwissen? Ja. Tut es. Überraschend gut sogar.

Aber worum geht’s eigentlich? Diana Brandt, Ex-Kommissarin, wurde aus dem Polizeidienst geworfen. Und als wär das nicht genug, wird sie auch noch von Killern verfolgt. Ihre einzige Chance: Flucht. Ausgerechnet zu ihrem Vater. Der allerdings ist kein liebevoller Familienmensch, sondern Orsino Licata, Mafiapate mit ordentlich Dreck am Stecken. Und klar, der Zeitpunkt ihrer Ankunft könnte kaum schlechter sein. Sizilien steht am Rand eines eskalierenden Mafiakriegs.

Was Kühn hier aufzieht, ist kein gemütlicher Sonntagsfall. Es ist ein abgründiges Spiel aus Macht, Loyalität, Schuld und der Frage, wie weit man gehen darf, um das Richtige zu tun. Dabei schreibt er ruhig und straight forward. So mag ich das. Kommen wir aber mal zum dicken Elefanten im Raum: Das Finale. Das war … wow. Ich war ehrlich gesagt ziemlich überrascht, wie heftig das reingehauen hat. Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht mit dem. Was genau man davon hält, hängt vermutlich auch davon ab, wie man zu den Entscheidungen der Figuren steht. Ich fand’s stark. Und mutig.

Unterm Strich bleibt ein Buch, das für mich weit über das hinausging, was ich sonst an Krimis gewohnt bin. Es ist hart, schnell, emotional aufgeladen. Und es hat mit Diana Brandt eine Figur im Zentrum, die nicht perfekt ist, aber genau deshalb überzeugt. Und das Finale erst... Krieg um Sizilien gehört mit zu den besten Krimis, die ich hier lesen durfte.

Und deshalb sag ich: Lest es. Auch wenn ihr die ersten beiden Bände nicht kennt. Auch wenn ihr eigentlich gerade keine Lust auf Krimis habt. Gebt dem Buch eine Chance. Es lohnt sich wirklich, versprochen.

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension, schaut dort gern mal vorbei: https://buchkomet.wordpress.com/2025/09/02/diana-brandt-ex-kommissarin-zwischen-mafia-und-moral/

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.08.2025

Richtig stark

Punch
0

Man denkt bei einem Rummel zuerst an Zuckerwatte, kreischende Kinder, Fahrgeschäfte, die dir den Magen umdrehen, oder? Niemand von uns denkt auch nur ansatzweise an abgekämpfte Existenzen, blutige Fäuste ...

Man denkt bei einem Rummel zuerst an Zuckerwatte, kreischende Kinder, Fahrgeschäfte, die dir den Magen umdrehen, oder? Niemand von uns denkt auch nur ansatzweise an abgekämpfte Existenzen, blutige Fäuste und Menschen, die kaum noch wissen, wofür sie morgens aufstehen.

Der Roman Punch zeigt, wie es aussieht, wenn Menschen an Orten leben, die andere nur besuchen, um dem Alltag zu entkommen. Für die einen ist der Rummel Vergnügen, für die anderen ist er das, was zwischen ihnen und dem sozialen Absturz steht.

Da ist Adrian, der Boxer, der lieber in der Rummel-Show eins auf die Mütze kriegt, als zurück in die Ukraine zu gehen, um im Krieg zu dienen. Lena, die an ihrem Zuckerwattestand steht, den ganzen Tag rotiert und hofft, dass die Schicht endlich vorbei ist. Oder der kleine Leon, der in der Ringecke hockt und Adrian das Blut abwischt. Kinder in dieser Welt sind keine Zuschauer. Sie gehören dazu, übernehmen Aufgaben, wachsen zwischen Boxring und Spielautomaten auf.

Was Garbulski richtig gut hinkriegt: Er erzählt nichts, um irgendwelches Mitleid zu erzeugen. Keine Figur ist Opfer im herkömmlichen Sinne. Sie alle treffen Entscheidungen. Gute, mal falsche, manchmal vielleicht auch gar keine. Sie kommen klar, irgendwie. Er zeigt einfach, was ist. Und das reicht völlig. Der Autor schreibt auf den Punkt, keine unnötigen Ausschweifungen, kein literarischer Firlefanz. Da sitzt jeder Satz. Man ist mittendrin.

Man merkt beim Lesen, wie wenig Distanz zwischen dieser Welt und unserer ist. Du denkst, du liest über andere, aber erkennst plötzlich Dinge, die du selbst kennst. Ausgebrannt sein. Zu viel Verantwortung. Zu wenig Perspektive. Und trotzdem weitermachen. Nicht, weil man Hoffnung hat. Sondern, weil Anhalten keine Option ist.

Für mich eines der stärksten Bücher dieses Jahres. Must Read!

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension, schaut dort gern mal vorbei: https://buchkomet.wordpress.com/2025/08/30/punch-ein-roman-uber-das-leben-am-rand-der-gesellschaft/

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.08.2025

Spannend

Die Templer
0

Die Templer: jeder kennt ihren Namen, aber kaum jemand kennt ihre Geschichte. Verschwörungsmythen ranken sich um die einst mächtigste Bruderschaft bis heute. Dan Jones bringt Ordnung ins Chaos der Legenden ...

Die Templer: jeder kennt ihren Namen, aber kaum jemand kennt ihre Geschichte. Verschwörungsmythen ranken sich um die einst mächtigste Bruderschaft bis heute. Dan Jones bringt Ordnung ins Chaos der Legenden und zeigt, was wirklich dran war am berühmtesten Ritterorden des Mittelalters.

Das Buch erzählt, wie eine kleine Gruppe armer Ritter 1119 in Jerusalem einen radikalen Plan fasste: Pilger beschützen, notfalls mit Gewalt. Daraus wurde innerhalb weniger Jahrzehnte eine militärische Elite mit Einfluss von Schottland bis Zypern. Die Templer kämpften an vorderster Front im Heiligen Land, verloren aber auch bittere Schlachten gegen die Mamluken. Gleichzeitig bauten sie in Europa ein Finanznetzwerk auf, das seinesgleichen suchte: Kredite, Geldtransfers, Schatzverwaltung, selbst Könige liehen sich Geld von den Templern.

Doch der Erfolg wurde ihnen zum Verhängnis. Als das Heilige Land verloren ging und die politischen Gegner in Europa stärker wurden, kam der Fall. Frankreichs König Philipp IV. ließ 1307 den ganzen Orden verhaften, wegen angeblicher Ketzerei. Der Papst machte mit. Zwei Jahre später war der Orden Geschichte, ihr letzter Großmeister verbrannte auf dem Scheiterhaufen.

Dan Jones gelingt mit diesem Buch etwas, was viele historische Sachbücher nicht schaffen: Er beschreibt eine Zeit voller Spannung. Man kommt sich manchmal vor, als würde man einen Thriller oder dergleichen lesen. Ich konnte das Buch teilweise nur schlecht zur Seite legen. Das spricht ganz klar für Dan Jones, der hier keine starre Abhandlung präsentiert. Man lernt etwas. Man versteht Zusammenhänge. Wer auch nur ansatzweise etwas mit Geschichte anfangen kann, sollte definitiv diesem Buch eine Chance geben.

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension, schaut dort gern mal vorbei: https://buchkomet.wordpress.com/2025/08/28/rezension-dan-jones-uber-den-aufstieg-und-fall-der-templer/

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.08.2025

Grandioser Abschluss

Shinwa. Das Echo der Worte
0

Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen traurig, dass Aois Reise hier endet. Nach Band 1 war ich komplett begeistert, aber Band 2 hat alles noch mal getoppt. Shinwa – Das Echo der Worte ist nicht einfach nur ...

Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen traurig, dass Aois Reise hier endet. Nach Band 1 war ich komplett begeistert, aber Band 2 hat alles noch mal getoppt. Shinwa – Das Echo der Worte ist nicht einfach nur der Abschluss einer historischen Romanreihe, es ist ein richtig starkes, emotionales Finale, das mich voll begeistert hat.

Christian Gerhard macht da weiter, wo Band 1 aufgehört hat, und liefert alles: Spannung, Tiefe, Kampf, Liebe und ganz viel Gefühl. Aoi wächst über sich hinaus, wird zur echten Anführerin und zeigt, dass Worte genauso mächtig sein können wie scharfe Schwerter. Die Rebellion in Band 1 vernichtend geschlagen, aber nicht gebrochen. Der Glaube an eine bessere Welt ist hier keine kitschige Floskel, sondern etwas, das erkämpft werden muss: mit Worten, mit Mut und mit dem Schwert.

Aoi bleibt dabei die starke und glaubwürdige Hauptfigur, die mich schon im ersten Teil überzeugt hat. Ihre Entwicklung ist auch im zweiten Band nachvollziehbar und konsequent weitergeführt. Ich fand es unglaublich berührend, wie Aoi ihre Mentorin ehrt und ihre Ideale weiterträgt. Himari ist nicht einfach „weg“, sie lebt in der Rebellion, in den Ideen und Träumen derer weiter, die sich nicht unterwerfen wollen. Und Christian Gerhard gelingt es hervorragend, genau das spürbar zu machen.

Alles kulminiert schließlich in einer finalen Schlacht, die es wirklich in sich hat. Ohne zu viel spoilern zu wollen: Das Finale ist filmreif. Spannend, emotional, voller Konsequenzen und dennoch nicht in dem Sinne „episch“, wie man es vielleicht erwarten würde. Was Christian Gerhard hier erschaffen hat, ist wirklich bemerkenswert. Man spürt in jeder Zeile, wie viel Herzblut, Recherche und Leidenschaft in diesem Projekt steckt. Ich muss ehrlich sagen: Vor Band 1 war japanische Literatur für mich absolutes Neuland. Aber Shinwa hat mir Lust auf mehr gemacht.

Eine Geschichte, die bleibt. Danke an dieser Stelle an Christian Gerhard. Für mich eine glasklare 10 und eine ganz große Leseempfehlung.

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/08/24/shinwa-das-echo-der-worte-abs...

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.08.2025

Bewegender Roman

Das letzte Viertel des Mondes
0

Stell dir vor, du sitzt an einem Lagerfeuer, tief in den Wäldern an der russisch-chinesischen Grenze, und eine 90-jährige Frau beginnt, dir die Geschichte ihres Volkes zu erzählen und du merkst, du wusstest ...

Stell dir vor, du sitzt an einem Lagerfeuer, tief in den Wäldern an der russisch-chinesischen Grenze, und eine 90-jährige Frau beginnt, dir die Geschichte ihres Volkes zu erzählen und du merkst, du wusstest nicht einmal, dass es dieses Volk gibt. Das letzte Viertel des Mondes von Chi Zijian erzählt von den Ewenken, einem Nomadenvolk, das seit Generationen in enger Verbindung mit der Natur lebt, den Jahreszeiten folgt, mit den Rentieren zieht und jeden Fluss, jeden Berg kennt.

Die Erzählerin der Geschichte ist 90 Jahre alt, die Witwe des letzten großen Häuptlings der Ewenken und sie blickt zurück auf ein Jahrhundert voller Veränderungen, Verluste und Kämpfe. Sie erzählt von einer Zeit, in der die Welt der Ewenken noch unberührt war, und davon, wie Kriege, politische Umbrüche und Umweltzerstörung diese Welt Stück für Stück zerstören. Wälder werden gerodet, Flüsse verschmutzt, Tiere finden kein Futter mehr. Das alles passiert nicht mit einem großen Knall, sondern Stück für Stück, in kleinen Beobachtungen und Veränderungen. Gerade diese leisen Szenen haben mich wirklich tief getroffen.

Chi Zijian zeigt nicht nur das harte Leben der Ewenken, sondern auch ihre Kultur, die Mythen, die Rituale, das Wissen um die Natur. Man spürt den Stolz dieses Volkes, aber auch die Zerbrechlichkeit seiner Welt. Sesshaftmachung, Eingriffe in ihre Traditionen, das Verschwinden der Wälder, all das sind nicht nur Veränderungen, sondern Angriffe auf ihre Identität.

Und doch blitzen immer wieder Momente von Zärtlichkeit und tiefer Verbundenheit auf. Alles wirkt authentisch, und es ist klar, wie viel Recherche und Herzblut in diesem Roman steckt. Ein großes Kompliment geht auch an die Übersetzerin Karin Betz, die es geschafft hat, nicht nur die Worte, sondern auch die Stimmungen und Nuancen ins Deutsche zu übertragen.

Für mich ist dieses Buch nicht nur das Porträt einer Frau, sondern auch das Porträt eines ganzen Volkes, das in wenigen Jahrzehnten an den Rand des Verschwindens gedrängt wurde. Gleichzeitig packt die Autorin Gesellschaftskritik rein -Umweltzerstörung, Raubbau und politische Entscheidungen, die ohne Rücksicht auf kulturelle Folgen getroffen werden.

Das letzte Viertel des Mondes ist für mich ein literarisches Denkmal für die Ewenken, ein kleines Meisterwerk, das betroffen macht und den eigenen Horizont erweitert. Ein Buch, das zeigt, wie wichtig es ist, Geschichten zu bewahren, bevor sie für immer verloren gehen.

10/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/08/12/das-letzte-viertel-des-mondes-eine-ewenken-geschichte/

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere