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Veröffentlicht am 31.08.2025

Jetzt wird abgerechnet ... oder doch nicht?

Die Dolmetscherin
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In Titus Müllers neuestem Roman schreiben wir das Jahr 1945. Der Zweite Weltkrieg ist endlich vorbei und die Menschen möchten wieder aufatmen und leben. Doch die Nazigrößen, die das furchtbare Morden der ...

In Titus Müllers neuestem Roman schreiben wir das Jahr 1945. Der Zweite Weltkrieg ist endlich vorbei und die Menschen möchten wieder aufatmen und leben. Doch die Nazigrößen, die das furchtbare Morden der letzten Jahre zu verantworten haben, sollen nicht ungeschoren davonkommen, sondern für ihre grausamen Taten Rede und Antwort stehen. Hier kommt die junge Dolmetscherin Asta Maschner ins Spiel, die zunächst in Mondorf-les-Bains und anschließend in Nürnberg mit ihren guten Sprachkenntnissen übersetzen soll. Auf der Anklagebank sitzt die Elite des NS-Regimes, allen voran der selbstgefällige Hermann Göring, Reichsmarschall und selbsternannter Nachfolger Hitlers. Jeder der Angeklagten hat seine eigene Verteidigungsmethode, schuldig fühlten sich die wenigsten. Den Vogel schießt jedoch Göring ab, indem er die Anklagenden mit seinen immer wieder ändernden Taktiken hart an ihre Grenzen bringt. Die begangenen fast nicht beschreibbaren Taten sind nichts für schwache Nerven und so merkt auch Asta schnell, dass sie ab und zu Abstand gewinnen muss. Da tritt Leo in ihr Leben, der ihr Kraft zu geben scheint, obwohl er selbst am Ende ist …
Wie von dem bekannten Autor Titus Müller gewohnt, merkt man auch an diesem auf wahren Tatsachen basierenden Roman, dass wieder akribisch recherchiert wurde. Auf faszinierende Weise nimmt er mich mit auf eine Reise ins zerbombte Nürnberg vor achtzig Jahren und gewährt mir einen Platz in der ersten Reihe des Gerichtssaals der Nürnberger Naziprozesse. Obwohl ich im Vorfeld schon einiges darüber gehört hatte, merkte ich doch schnell, dass es hier nicht nur darum geht, den Einzelnen zu verurteilen. Nein, diesmal geht es auch um das große Ganze nämlich das Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Geschickt strickt Müller zudem eine Geschichte über die zerrissene Familie rund um genannten Leo und den kleinen Robert, die aufzeigt, wie wenig von dem Wunsch der überlebenden Bevölkerung „einfach nur zu leben“ Wirklichkeit ist. Der Winter ist klirrend kalt, die Wohnmöglichkeiten „few and far between“ und Nahrung und Kohle Mangelware.
Wenn man nun also achtzig Jahre später zurückblickt, ist es umso weniger zu verstehen, was gerade um uns herum, besonders auch in der Ukraine, geschieht. Hat denn wirklich niemand aus der Geschichte gelernt? Titus Müller hat mit „Die Dolmetscherin“ jedenfalls mal wieder ein Werk geschaffen, das aufrüttelt, das bewegt und eigentlich ein wenig Hoffnung vermitteln sollte. Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass das gelungen ist und es viele Menschen erreichen möge.
Lieber Titus, von mir bekommst du beeindruckte fünf von fünf Sternen verbunden mit dem Wunsch, dass dein Buch viel Erfolg haben möge. Ich freue mich heute schon auf das nächste Werk aus deiner Feder und sage bis dahin mal „see you later …“

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Veröffentlicht am 30.08.2025

In der Natur existiert nichts allein ...

In uns der Ozean
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Mit dem Buch „In uns der Ozean“ begibt sich Theresia Graw auf die Spuren einer der wichtigsten Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts. Liebevoll, in Teilen fast schon poetisch und dennoch eindringlich, beschreibt ...

Mit dem Buch „In uns der Ozean“ begibt sich Theresia Graw auf die Spuren einer der wichtigsten Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts. Liebevoll, in Teilen fast schon poetisch und dennoch eindringlich, beschreibt die Autorin das Leben von Biologin Rachel Louise Carson, die ihr Leben stets der Forschung, dem Schreiben und dem Meer widmen wollte. Fast sieht sie sich am Ziel ihrer Träume als ihr der Börsencrash im Jahr 1929 einen Strich durch die Rechnung macht und sie zur Unterstützung ihrer Familie beitragen muss, um deren Überleben zu sichern. Man nimmt ihr das Meer und die Wissenschaft, doch am Schreiben kann sie niemand hindern und so schreibt sie bald Geschichten über den Umgang mit der Natur, die ihre Leser verzaubern. Sie schreibt und kämpft, aber einem Feind, dem mysteriösen Wundermittel DDT, das großzügig und flächendeckend in den USA zum Einsatz kommt, scheint sie nicht gewachsen. Doch Rachel Carson stellt sich dem Unbekannten und nimmt den Kampf für ihre geliebte Natur, die Menschen und eigentlich die ganze Erde auf …

Von Seite eins an zog mich diese Romanbiografie in den Bann. Nach einer kurzen eigenen Internet-Recherche wusste ich nun auch, dass es sich bei Rachel Carson um DIE legendäre Pionierin der Umweltbewegung des letzten Jahrhunderts handelte. Wie konnte ich noch nie von ihr gehört haben? Umso mehr freue ich mich, dass Theresia Graw mir mit ihrem Buch die Augen geöffnet hat und mich, wie den kleinen Roger auch, beim Lesen staunen ließ. Bild- und sprachgewaltig und dann wieder leise und bedacht führt sie mich durch Rachels Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, und mit all seinen Erfolgen und Misserfolgen. Ich habe mir vorgenommen nun in Zukunft auch wieder achtsamer durchs Leben gehen und mich an dem Gesang der Vögel erfreuen.

Für diese Glanzleistung, liebe Theresia, bekommst du von mir absolut verdiente fünf von fünf Sternen. Ich werde dein Buch weitergeben und empfehlen, wann immer sich die Möglichkeit ergibt. Das Buch und vor allem auch Rachel Carson haben viel, viel Aufmerksamkeit verdient!

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Die rauhe Natur und ein gnadenloser Mörder fordern ihre Opfer ...

Hildur – Die Spur im Fjord
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Ein Highlight! Eigentlich bin ich ja kein Fan von nordischen Krimis. So dache ich, bevor mir „Die Spur im Fjord“ in die Hände fiel. Die Autorin Satu Rämö schaffte es mich komplett zu überzeugen! Durch ...

Ein Highlight! Eigentlich bin ich ja kein Fan von nordischen Krimis. So dache ich, bevor mir „Die Spur im Fjord“ in die Hände fiel. Die Autorin Satu Rämö schaffte es mich komplett zu überzeugen! Durch sie lerne ich Hildur kennen, die einzige Kriminalbeamtin in den kalten und dunklen Westfjorden Islands. Gemeinsam mit ihrer Chefin Beta und dem jungen finnischen Praktikanten Jakob verfolge ich die Spur eines Mörders, der auf Island sein Unwesen treibt. Wie hängen die Morde zusammen? Welche Botschaft versucht er auszusenden mit seinem grausamen Tun?

Doch Hildur hat auch privat ihr eigenes Päckchen zu tragen, denn noch immer leidet sie unter dem Verlust ihrer beiden kleinen Schwestern, die vor fünfundzwanzig Jahren auf dem Schulweg spurlos verschwanden. Sie versucht den Schmerz mit Surfen, Joggen und viel Sport zu unterdrücken, doch sie gibt die Hoffnung nicht auf, auch diesen mysteriösen Fall ein für alle Mal aufzuklären, um endlich ihren Frieden finden zu können …

Mit einer Bildgewalt, die ihresgleichen sucht, bring uns die Autorin ihre Wahlheimat Island näher. Ich konnte mich beim Lesen fallenlassen in die Geschichte und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Satu Rämö hält den Spannungsbogen hoch, so dass ich mit litt, mit fieberte und mich fast selbst durch den tiefen Schnee des dunklen Islands stapfen sah. Ich bin begeistert und freue mich schon jetzt auf den nächsten Band der bisher fünfteiligen Krimireihe. Aber nun vergebe ich für „Die Spur im Fjord“ erstmal fünf knackig kalte und wohlverdiente Sterne verbunden mit einer absolut überzeugten Leseempfehlung. Auch bei dieser Reihe empfiehlt es sich natürlich mit eben diesem ersten Band zu beginnen um nicht nur Hildur, sondern auch ihr Umfeld verstehen zu können.

Veröffentlicht am 11.08.2025

Kinderverschickung ... was ist damals wirklich passiert?

Am Meer ist es schön
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Es gibt Dinge, die sind so schauerlich, dass sie es mehr als verdient haben, in den Fokus der Öffentlichkeit gebracht zu werden. Die Verschickungsheime in den 50er, 60er und 70er Jahren gehören dazu. Die ...

Es gibt Dinge, die sind so schauerlich, dass sie es mehr als verdient haben, in den Fokus der Öffentlichkeit gebracht zu werden. Die Verschickungsheime in den 50er, 60er und 70er Jahren gehören dazu. Die Autorin Barbara Leciejewski hat sich das auf die Fahne geschrieben und genau dieses Thema in einen Roman verpackt, nachdem sie zufällig über eine Dokumentation im Fernsehen darauf gebracht wurde. Wer waren diese armen Kinder, denen ein toller Urlaub am Meer oder im Schwarzwald versprochen wurde, dessen Horror sie später ihr ganzes Leben verfolgen würden?

In dem Buch „Am Meer ist es schön“ begleiten wir die Kinder im „Haus Morgentau“ im Jahr 1969 für einige Wochen mit besonderem Fokus auf die kleine Susanne, deren Eltern ihr bei ihrer Rückkehr aus dem „Urlaub“ nicht glauben wollten, wie grausam es in dem Heim wirklich zuging. Harte Strafen für kleine Nichtigkeiten waren an der Tagesordnung. Die „Tanten“ zögerte nicht, die Kleinen in dunkle Kellerverliese zu sperren, wenn sie ihren Teller nicht leer aßen und ihnen schlicht und einfach das Gesicht oder ihre Sprachweise nicht gefiel. Mit ihrem Lispeln gerät die Neunjährige schnell in den Fokus der Erziehrinnen und hätte diese acht Wochen wohl ohne ihre kleinen Verbündeten Mattie, Rüdiger und Moni nicht überlebt. Am Sterbebett ihrer 87jährigen Mutter, die trotz ihrer Demenz immer wieder lichte Phasen hat, beschließt Susanne endlich reinen Tisch zu machen und auszupacken über diese schlimmste Zeit ihres Lebens, die ihr bis heute horrende Albträume beschert …

Die Autorin hat es geschafft einen Roman zu verfassen, der die Grauen der Vergangenheit an diesen kleinen Menschen sehr bildhaft und authentisch beschreibt. Der flüssige Schreibstil und der Horror ließen mich an den Seiten kleben und ich schaffte es kaum das Buch zur Seite zu legen. Einige eigene Recherchen dazu im Internet geben mir aber ein wenig Hoffnung, dass heutige Überlebende vielleicht doch mit der Offenlegung der Wahrheit um diese Heime, in denen tausende von Kindern damals „gesund“ werden sollten, eine Art Frieden und vor allem einen Abschluss finden können. Für mich ist es diesmal nicht einfach mit der Sternevergabe, da das Buch doch auf so viele wahren Fakten basiert. Ich habe mich mit fünf Sterne für die Bestnote entschieden da ich mir wünsche, dass viele Menschen auf diese Vergangenheit aufmerksam werden und Betroffene von damals den Mut finden sich zu offenbaren.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Holunder tut Wunder ... hier eine mitreißende Geschichte dazu ...

Die Holunderschwestern
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Schon nach den ersten Seiten war ich wieder mal gefesselt von dem spannenden Schreibstil der wunderbaren Autorin Teresa Simon, vielen auch bekannt als Brigitte Riebe.

Viele Frauen spielen in diesem Buch ...

Schon nach den ersten Seiten war ich wieder mal gefesselt von dem spannenden Schreibstil der wunderbaren Autorin Teresa Simon, vielen auch bekannt als Brigitte Riebe.

Viele Frauen spielen in diesem Buch eine Rolle doch die Hauptprotagonistinnen sind Katharina, die junge Schreinerin und Restauratorin und Fanny, die den damals – vor hundert Jahren – weiten Weg von Weiden in der Oberpfalz antritt, um in München ihr Glück zu finden oder vorerst auch erstmal ihr Auskommen zu bestreiten. Bei ihrem großen Bruder Georg und seiner kleinen Familie soll sie wohnen und eine Stelle findet sie als Weißnäherin bei einer bissigen alten Witwe. Doch die Arbeit und auch ihre Lohnherrin sind ihr bald verhasst, das Leben bei George ist auch keine Zuckerschlecken und so erinnert sie sich schnell an eine Familie, die sie im Zug kennengerlernt hat. Wie es das Glück will, kann sie dort nicht arbeiten, sondern auch wohnen und so langsam fühlt sie sich wohl in der bayrischen Hauptstadt im Schoße dieser liebevollen Familie. Als jedoch ein paar Monate später ihre Zwillingsschwester Fritzi in München auftaucht, wird nix mehr so sein, wie es einmal war …

Katharina hingegen lebt in der Gegenwart und leidet sehr unter ihrer ewig verschlossenen Familie. Warum darf sie nichts über die Vergangenheit erfahren, warum werden alle stumm wie ein Fisch, wenn sie etwas erfragen will? Eines Tages bekommt sie schließlich Besuch aus England und ein junger Mann mit zwei schwarzen Kladden ihrer Urgroßmutter steht vor der Tür. Was hat das zu bedeuten und wird sie nun endlich Licht in die Vergangenheit ihrer Familie bringen?

Schnell war ich so eingenommen von der Geschichte, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Immer wieder gibt uns die Autorin mit ihrem Roman Rätsel auf, die mich immer tiefer eintauchen ließen, sowohl in die Vergangenheit als auch die Gegenwart. Sie schafft es den Spannungsbogen durch das ganze Buch durch hochzuhalten und ließ mich mitfiebern sowohl mit Katharina als auch natürlich Fanny und ihrem Umfeld. Mich wundert nicht, dass dieser schöne Roman nach fast zehn Jahren mit bildhübschem Cover vom Verlag neu aufgelegt wurde. Das ist wirklich ein tolles Kompliment an dich, liebe Brigitte, freut mich sehr für dich. Für mich war es ein absolutes Highlight und verdient natürlich fünf dicke Sterne. Ich werde es auf jeden Fall sehr gerne weiterempfehlen und wünsche dir viele Leser für die „Holunderschwestern“, die das Buch hoffentlich ebenso lieben werden wir ich es getan habe.

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