Zwischen Familienfluch und Selbstfindung: ein Roman wie Chili im Kopf
Junge Frau mit KatzeWürde jemand behaupten, Erwachsenwerden sei ein Spaziergang, müsste er Ela kennenlernen – und wahrscheinlich nach drei Seiten das Handtuch werfen. Denn was Daniela Dröscher hier auftischt, ist eine wilde ...
Würde jemand behaupten, Erwachsenwerden sei ein Spaziergang, müsste er Ela kennenlernen – und wahrscheinlich nach drei Seiten das Handtuch werfen. Denn was Daniela Dröscher hier auftischt, ist eine wilde Mischung aus Familiengepäck, akademischem Druck und einem Körper, der gleichzeitig Rebellionstanz und Pyrotechnik betreibt. Hals brennt, Herz rast, Haut glüht – klingt nach einer Rockshow, ist aber der ganz normale Wahnsinn von Ela.
Der Ton ist dabei erstaunlich leichtfüßig, obwohl der Stoff schwer ist. Genau das macht die Lektüre spannend: Man schwankt zwischen Lachen über die absurden Situationen und Mitleid mit einer Frau, die irgendwie immer zur falschen Zeit am falschen Ort in sich selbst feststeckt. Es ist, als ob Dröscher den inneren Schweinehund mit einem Clownskostüm verkleidet und auf die Bühne schickt. Tragisch, komisch, grotesk – und verdammt ehrlich.
Natürlich geht es um mehr als eine Doktorarbeit oder eine übergriffige Mutter-Tochter-Dynamik. Hier steht ein Leben auf der Kippe, ein Selbst, das nicht weiß, ob es überhaupt existieren darf, solange es nur aus Erwartungen und Schuld gebaut ist. Die Autofiktionalität macht die Sache zusätzlich reizvoll: Man liest und fragt sich ständig, wie viel davon direkt aus dem Leben der Autorin tropft und wie viel kunstvoll überhöht ist.
Ganz klar, das Buch hat Biss. Aber manchmal beißt es sich auch selbst in den Schwanz. Stellenweise wiederholt sich die Körpermetaphorik so penetrant, dass man versucht ist, Ela einen Eimer Eiswürfel hinzustellen, damit endlich Ruhe einkehrt. Trotzdem: Wer Lust auf literarisches Kopfchaos hat, das so brennt wie scharfer Chili im Rachen, wird hier bestens bedient. Vier Sterne, weil leichtes Stolpern nicht alles kaputtmacht – aber den fünften Stern hat Ela leider selbst in Flammen gesetzt.