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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.09.2025

Lasset die Puppen tanzen!

Girls of Dark Divine − Eine Tänzerin. Ein Fluch. Eine verzweifelte Liebe.
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Emberlyns größter Traum ist es zu Tanzen. Aus diesem Grund schließt sie sich der berühmten Balletttruppe New Koras an, den Marvellous Marionettes. Doch ihr Traum wird schnell zum größten Alptraum, denn ...

Emberlyns größter Traum ist es zu Tanzen. Aus diesem Grund schließt sie sich der berühmten Balletttruppe New Koras an, den Marvellous Marionettes. Doch ihr Traum wird schnell zum größten Alptraum, denn Malcolm Manrow hat seine Tänzerinnen verflucht und sie dadurch an sich gebunden. Malcolm kann jede Bewegung seiner Tänzerinnen kontrollieren und Abend für Abend lässt er sich nach seinen Fäden tanzen. Emberlyn versinkt in der dunklen Welt und nur ihr Tanzpartner, ein mysteriöser Schatten, kann ihr wenige Sekunden Erleichterung verschaffen. Doch die reichen Emberlyn nicht, sie möchte fliehen, doch kann sie den Fluch überhaupt brechen?

Girls of Dark Divine von E.V. Woods nimmt einen mit nach New Kora in die düstere Welt des ‚Puppenspielers‘ Malcolm Manrows. Die Geschichte erleben wir durchgehend aus der Sicht Emberlyns, durch die ‚sie’-Erzählweise wird jedoch eine gewisse Distanz erzeugt. Der Einstieg konnte mich direkt packen, es beginnt düster, die Atmosphäre baut sich gut auf und durch eine detaillierte Erzählweise, kann man sich die Welt in der die Schwestern stecken, sehr gut vorstellen. Diese Erzählweise sorgte jedoch auch dafür, dass ich irgendwann gelangweilt war. Über die Hälfte des Buchs fühlt sie wie der Einstieg in eine Geschichte ein, während es erst gegen Ende wirklich in Fahrt kommt und mit Spannung überzeugen kann. Die Geschichte wirkt auf mich unausgewogen, während die ersten +200 Seiten sehr detailliert beschrieben wurden, fehlte es den letzten +100 Seiten an eben diesen Details. Die sehr detailgetreuen Beschreibungen sorgten auch für viele Wiederholungen, denen ich irgendwann überdrüssig war, sei es die Beschreibung des Atems, das Zähneknirschen oder wieder einmal die Kakofonie.

Gespannt war ich darauf, was das alternative Ende zu bedeuten hat und ich muss leider sagen, dass ich sehr enttäuscht bin. Das Originalende hat zur Geschichte gepasst und wirkte authentisch, wohingegen das vom Verlag gewünschte Ende aufgesetzt wirkt und nicht in die Atmosphäre des Romans passt. Jedoch möchte ich auch erwähnen, dass die Autorin den Wunsch wirklich gut umgesetzt hat und es Schwingungen des Originalendes beinhaltet, die mir sehr gefielen. Ich mache der Autorin auch keinen Vorwurf, dass sie dem Wunsch entsprochen hat, schließlich ist eine potenzielle Übersetzung eine große Chance und doch finde ich es schade, dass ein Verlag ein solches Ende erwünscht. Was ich dann aber ganz schlimm finde, ist dass das Originalende als ‚alternatives Ende‘ betitelt wird. Nein, wenn dann ist das gewünschte Ende die Alternative!

Dennoch gab es auch viele Dinge die mir wirklich gut gefallen haben. Ich mochte die Grundidee wirklich gerne und finde diese innovativ. Der Schreibstil hat mir generell auch sehr zugesagt, dieser hat die Atmosphäre und die Gefühlswelt sehr gut transportiert. Gefallen hat mir auch das Bund der Marionetten, die sich selbst als Schwestern bezeichnen. Die Handlungsweisen der Schwestern wirkten dabei besonders authentisch und auch die Entwicklungen konnte ich super gut nachvollziehen. Emberlyns Gedanken- und Gefühlswelt waren super verständlich, ihre Entwicklung genial und der Schatten ein toller Gegenpart zu Malcolm und auch das Originalende fand ich passend. Deswegen gibts von mir drei gute Sterne, die Kritik am alternativen Ende hat keine Auswirkung auf die Bewertung (da sie sich an den Verlag richtet).

Veröffentlicht am 15.09.2025

Geheimnisse aus Hohenburg

Irida 1. Irida und die Stadt der Geheimnisse
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Cedric, Irida, Jeremy und Jinjin sind die Furchtlosen aus dem kleinen Städtchen Hohenburg und als solche gehen sie natürlich den seltsamsten Fällen auf die Spur. Bei einem solchen Fall entdeckt Irida eine ...

Cedric, Irida, Jeremy und Jinjin sind die Furchtlosen aus dem kleinen Städtchen Hohenburg und als solche gehen sie natürlich den seltsamsten Fällen auf die Spur. Bei einem solchen Fall entdeckt Irida eine Anderswelt mit bösartigen Wesen, die sich als Menschen tarnen.

Irida und die Stadt der Geheimnisse von Markus Heitz ist ein fantastischer Reihenauftakt und wird Kindern ab 11 Jahren empfohlen. Wer Markus Heitz Bücher für Erwachsene kennt, der kann erahnen, dass auch sein Kinderbuch eine Komplexität besitzt und dementsprechend eine gewisse Lesefähigkeit vorhanden sein sollte, um dem inhaltlichen Strang problemlos folgen zu können. Das Schriftbild ist Kindern entsprechend relativ groß gehalten und sorgt für ein leichteres Lesen.

Der Einstieg ins Buch fällt leicht, Irida und ihre Freunde werden zuerst vorgestellt, weswegen man schon vor Beginn der Geschichte einen Eindruck von ihnen hat. Alle vier haben Besonderheiten, die sie einzigartig machen und sympathisch wirken lassen. Heitz steht für ein tolles Worldbuilding, das auch hier gegeben ist, vor allem durch tolle Kreaturen und das überbringen der Atmosphäre dieser Anderswelt. Im Laufe der Geschichte werden sehr viele (Neben-)Stränge aufgemacht, die zwar interessant sind und am Ende auch zusammengeführt werden, aber doch zu viele Fragen offen lassen, sodass Irida und die Stadt der Geheimnisse durchaus ein guter Auftakt einer Reihe ist, aber nur für sich stehend nicht komplett überzeugen kann.

Veröffentlicht am 27.08.2025

Ein Buch, das zum Diskutieren anregt

1000 und ich. Zweifle nicht, zögere nicht, hinterfrage nicht.
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Für 8 ist jeder Tag gleich und sie führt ein sehr strenges Leben, in dem jeder aussieht wie sie und sich alle gleich zu verhalten haben. Doch 8 fühlt sich anders und das ist in Surdus verboten. 8 findet ...

Für 8 ist jeder Tag gleich und sie führt ein sehr strenges Leben, in dem jeder aussieht wie sie und sich alle gleich zu verhalten haben. Doch 8 fühlt sich anders und das ist in Surdus verboten. 8 findet jemanden, der auch anders ist und zusammen wollen sie aus den strengen Strukturen ausbrechen.

1000 und ich von Yorick Goldewijk ist ein Werk, dessen Beurteilung mir unheimlich schwer fällt. Ich habe mich mit dem Schreibstil und der Perspektive 8s unheimlich schwer getan, es wirkt schwerfällig, abgehakt und auf eine emotionslose Art monoton. Gleichzeitig war dieser Aspekt inklusive des Titels für mich schnell ein Indiz dafür, welche Perspektive wir hier wirklich einnehmen und wie alles aufgelöst wird. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass es dadurch weniger spannend war, aber gleichzeitig bin ich der Meinung, dass dem Autor der Blickwinkel dadurch unfassbar gut gelang. Wenige Kapitel außerhalb 8s Perspektive zeigen auch, dass Goldewijk durchaus auch einen lebendigeren Schreibstil aufgreifen kann, der auch deutlich einfacher zu lesen ist.

Inhaltlich fehlt es mir an Substanz, was das Buch zu einem unheimlichen guten Buch für Diskussionsanregungen macht. Ich glaube, dass viele Jugendliche/Erwachsene mit unterschiedlichen Gedanken, Gefühlen und Ideen aus diesem Buch rausgehen und es dadurch nicht nur viele unterschiedliche Interpretationen gibt, sondern auch eine Menge Diskussionsstoff und -bedarf.

Veröffentlicht am 20.08.2025

Roulette des Lebens

Very Bad Widows
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Pam, Nancy und Shalisa erfahren, dass ihre Männer eine hohe Lebensversicherung auf sich abgeschlossen haben. Nachdem die Drei vor Jahren ihre gemeinsame Rentenkasse geplündert haben und sich der Lebensstandard ...

Pam, Nancy und Shalisa erfahren, dass ihre Männer eine hohe Lebensversicherung auf sich abgeschlossen haben. Nachdem die Drei vor Jahren ihre gemeinsame Rentenkasse geplündert haben und sich der Lebensstandard drastisch verändert hat, beginnen die drei Frauen einen Plan zu schmieden, um die Lebensversicherung ihrer Männer zu erhalten.

Very Bad Widowsvon Sue Hincenbergs erleben wir aus verschiedenen Perspektiven, wobei wir nur eine Perspektive der Frauen einnehmen und ich bin froh, dass diese die von Pam war. Pam war mir von allen Frauen noch die sympathischste, wenngleich auch sie teilweise wirklich abstruse Gedanken hatte. Dennoch blitzte bei ihr, nicht nur in ihren Gedanken, sondern auch in ihren Handlungen, weiterhin die Liebe zu ihrem Mann durch. Deutlich sympathischer waren mir indes die Männer der Frauen, die damals zwar einen großen Fehler gemacht haben, aber nie an ihrer Liebe zweifelten. Besonders Hank mochte ich. Diese Sympathieverteilung hat mir den Einstieg ins Buch jedoch erschwert und die Hälfte empfand ich doch sehr zäh und vorhersehbar.

Mit etwa der Hälfte des Geschehens und den vorhersehbaren Entwicklungen, war es jedoch ganz interessant zu sehen, was die Autorin aus dieser Lage anstellt und dieses Interesse trug mich dann auch schneller durch die Geschichte. Zwar blieb es weiterhin kein spannungsgeladener Roman, Überraschungen blieben komplett aus und auch der Humor war mir meistens zu flach, dennoch hatte ich ab diesen Punkt meinen Spaß, auch wenn es inhaltlich kein Feuerwerk wurde.

Veröffentlicht am 16.08.2025

Pures Glück oder großer Verlust?

All Better Now
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Die Welt wird von einem neuen Virus eingenommen, die Todeszahlen steigen, aber wer die Crown Royal überlebt, der kennt nur noch eine Gefühlslage: Glück. Doch nicht jeder möchte, dass die Krankheit sich ...

Die Welt wird von einem neuen Virus eingenommen, die Todeszahlen steigen, aber wer die Crown Royal überlebt, der kennt nur noch eine Gefühlslage: Glück. Doch nicht jeder möchte, dass die Krankheit sich verbreitet und die Menschen glücklich macht, denn Glück sorgt nicht für Umsatz und so machen sich einige auf die Suche nach dem Impfstoff.

Mariel lebt mit ihrer Mutter in einem Ford Fiesta, ihr Leben ist geprägt von Ängsten und auch Rón kennt die negativen Gefühle, obwohl sein Vater zu den reichsten Menschen gehört, fühlt Rón sich nicht glücklich und ausgerechnet er gehört zur Risikogruppe des neuen Virus’.

All better now von Neal Shusterman ist der erste Teil einer Dilogie für Jugendliche, welcher aus hauptsächlich drei Perspektiven erlebt wird. (1) Mariel lebt mit ihrer Mutter in ärmlichen Verhältnissen und hat die Schattenseiten des Lebens bereits früh kennengelernt. (2) Rón muss sich finanziell wenig sorgen machen, gilt sein Vater als einer der reichsten Männer der Welt und doch ist auch Rón nicht glücklich. (3) Morgan hat sich bereits in jungen Jahren viel erarbeitet und plötzlich bekommt sie ein sagenhaftes Angebot, das sie in eine hohe Position bringen könnte. Alle drei Protagonist:innen sind jung und damit ein erstes Indiz für ein Jugendbuch, dennoch sind die Figuren nicht eindimensional, haben Ecken und Kanten und sind nicht nur schwarz/weiß gezeichnet. Besonders zu Beginn mochte ich die Facetten der Charaktere und dass ihr Handeln nicht nur als böse oder gut betrachtet werden konnten.

Crown Royal klang bereits im Klappentext sehr spannend und ich habe mich vor allem darauf gefreut, zu erfahren, was das Virus mit den Erkrankten bzw. Genesenen anstellt und an dieser Stelle kommt für mich leider das sehr große Manko des Buchs, denn diese Frage blieb für mich bis zum Ende offen. Es wird zwar gesagt, dass die Menschen glücklich sind, aber das kam für mich an keiner Stelle rüber. Ich habe nicht mitbekommen, was Crown Royal mit den Genesenen auf der Gefühlsebene anstellt und wie dieses Gefühl die Menschen verändert. Dementsprechend wirkten die Handlungen der Genesenen weitestgehend nicht greifbar und streckenweise willkürlich. Aus diesem Grund kam ich auch nur sehr langsam durch die Geschichte und dort auch nie so richtig an.

Da ich zu Beginn dachte, dass es ein Einzelteil ist und mich das Buch inhaltlich auch nicht komplett überzeugen konnte, war ich gespannt auf das Ende. Dies hat mich insofern positiv gestimmt, weil ich nach Abschluss nicht zwingend das Gefühl habe, dass ich unbedingt weiterlesen muss. Ja, es bleiben viele Fragen offen und doch ist es ein Abschluss, den man auch nur als ziemlich offen betrachten und durch eigene Gedanken beenden kann. Gleichzeitig ist das Ende wiederum eine weitere geniale Idee, die Shusterman aufbaut und die einen interessanten Fortgang verspricht, aufgrund der für mich fehlenden Tiefe bin ich mir jedoch nicht sicher, ob ich diesen Teil auch lesen werde/möchte.

Insgesamt ist All better now für mich eine wirklich geniale Idee, die sehr viel Potenzial hat und sehr interessante Charaktere (auch Nebenfiguren) beinhaltet. Doch am Ende hat es mir an Tiefe gefehlt, um richtig in die Geschichte eintauchen zu können.