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Veröffentlicht am 24.09.2025

Ein sehr intensives Buch

Ungehorsam
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Rebecca und ihr Mann erleben einen Albtraum. Seit Tagen ist ihre Tochter Lara verschwunden. Die Polizei beschwichtigt zunächst. Die meisten Jugendlichen tauchen schon wieder auf.

Doch dann fällt Rebecca ...


Rebecca und ihr Mann erleben einen Albtraum. Seit Tagen ist ihre Tochter Lara verschwunden. Die Polizei beschwichtigt zunächst. Die meisten Jugendlichen tauchen schon wieder auf.

Doch dann fällt Rebecca auf, dass ein Rucksack und ein Schlafsack verschwunden sind, die Tochter abgehauen ist und alles gut geplant worden ist von der Teenagerin. Es beginnt die Suche einer verzweifelten Mutter nach ihrem Kind. Erste Spuren führen Rebecca zu einer Gruppe von Klimaaktivisten.

Auch Lara war sehr besorgt um ihre Zukunft und den Zustand unseres Planeten. Zuletzt gab es oft Streit zu Hause, weil der Schule immer weniger Stellenwert eingeräumt wurde.

Rebecca‘s Ängste konnte ich gut nachvollziehen, besonders als sie bemerkt, dass die Klimaaktivisten bereit sind für ihre Ziele Grenzen zu überschreiten.

Wie würde man selbst wohl reagieren, wenn die 15 jährige Tochter die Schule schmeißt, abhaut und sich einer Umweltorganisation anschließt, Gewaltaktionen nicht ausgeschlossen? Nicola Karlsson schreibt packend und emotional, so dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte.

Das Buch ist sehr aktuell und lädt zum Nachdenken und zum Diskutieren ein.

Mir hat es gut gefallen. Deshalb empfehle ich den Roman auch sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Ein chaotischer Roadtrip für die Liebe

Koller
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Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und Chris und Koller sind wirklich sehr verschieden.Chris ist sehr introvertiert, eher ruhig, Koller, der eigentlich Kolja heißt das Gegenteil. Trotzdem oder gerade ...

Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und Chris und Koller sind wirklich sehr verschieden.Chris ist sehr introvertiert, eher ruhig, Koller, der eigentlich Kolja heißt das Gegenteil. Trotzdem oder gerade deswegen ist Chris quasi schockverliebt, als die Beiden sich im Park kennenlernen und begibt sich mit dem fast Unbekannten auf einen chaotischen Roadtrip. Von Leipzig sollte es eigentlich spontan an die Ostsee gehen. Doch es gibt ein paar Umwege über Ludwigsburg und das überflutete Aartal nach Hannahhausen. Annika Büsing hat es mir mit ihrem 2. Roman etwas schwer gemacht. Ich musste mich an die vielen kurzen Sätze, die oft rotzige Sprache erst gewöhnen , doch die passt letztendlich wunderbar zu den etwas schrägen Figuren und macht sie authentisch. Im Gegensatz zu Chris, der immer alles plant, ist es für Koller schwierig seinen Platz im Leben zu finden. Das wird ganz wunderbar mit viel Humor, allerdings auch mit viel Drama beschrieben. Mit jeder Seite sind mir die Protagonisten der Geschichte mehr ans Herz gewachsen und ich hoffte, dass es ein Happy End für die Beiden geben würde, was angesichts der Kapitelüberschriften, die in Anlehnung an die Schöpfungsgeschichte gewählt wurden ( 1-7 Tag) wahrscheinlich war. „ Und siehe es ist alles sehr gut.“

Ich möchte diesen wunderbaren Coming of Age Roman gerne empfehlen. Es war für mich ein mitreißendes, sehr unterhaltsames Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Vertrauen

Kleine Monster
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Jessica Lind erzählt in „Kleine Monster“ die Geschichte einer Mutter, die das Vertrauen in das eigene Kind verliert.

Es beginnt mit einem Anruf aus der Schule. Der Zweitklässler Luca soll einer Mitschülerin ...


Jessica Lind erzählt in „Kleine Monster“ die Geschichte einer Mutter, die das Vertrauen in das eigene Kind verliert.

Es beginnt mit einem Anruf aus der Schule. Der Zweitklässler Luca soll einer Mitschülerin unsittlich näher gekommen sein. Die Eltern mögen ihr Kind unverzüglich abholen kommen. Was genau passiert ist, will sich nicht aufklären lassen. Luca schweigt. Andere Eltern gehen auf Distanz. Luca‘s Mutter Pia wird aus der schulinternen WhatsApp Gruppe entfernt.

Das alles ist sehr unangenehm und da Luca sich nicht äußert, wachsen bei Pia erste Zweifel an seiner Unschuld.

Ihr eigenes unverarbeitetes Familientrauma drängt in den Vordergrund und beeinflusst ihr weiteres Handeln. Ihre eigene Familie ist am Tod ihrer jüngsten Schwester zerbrochen. So wie Luca jetzt schweigt, umgibt auch der tragische Todesfall von Linda in ihrem eigenen Elternhaus ein Schweigen. Die Autorin entwirft ein hochspannendes Psychogramm einer verzweifelten Frau und Mutter. Pia möchte alles besser machen als ihre Eltern, aber macht sie nicht automatisch die gleichen Fehler?

Ihr Mann kann ihr Mißtrauen in Luca nicht nachvollziehen, aber er ist auch in einer glücklichen Familie aufgewachsen.

Abgesehen von einem etwas unbefriedigenden Ende , es bleiben viele Fragen offen, fand ich die Geschichte sehr interessant und habe sie regelrecht verschlungen. Ich konnte mich gut in Pia einfühlen , auch wenn ich einige ihrer Handlungen mißbilligt habe. Negative Muttergefühle werden ja gerne totgeschwiegen, sind aber normal. Mütter sind keine Heiligen und Erziehung ist oftmals anstrengend.

Ein beklemmendes Psychogramm mit Sogwirkung! Ich fand es sehr lesenswert und gut geschrieben.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Erschütternd und schwer auszuhalten

Während die Welt schlief
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2010 ist dieser Debütroman von Susan Abulhawa erschienen und 2023 noch mal neu aufgelegt worden. Das Thema, der Nahostkonflikt leider aktueller denn je!

Endlich bekommen wir in diesem Buch die Geschichte ...

2010 ist dieser Debütroman von Susan Abulhawa erschienen und 2023 noch mal neu aufgelegt worden. Das Thema, der Nahostkonflikt leider aktueller denn je!

Endlich bekommen wir in diesem Buch die Geschichte mal aus palästinensischer Sicht erzählt. Amal‘s Familie wurde mit der Gründung des Staates Israel, wie viele andere Familien auch, aus ihrem Haus im Heimatort vertrieben. Amal selbst wurde im Flüchtlingscamp geboren und konnte später dank guter Noten ein Stipendium für ein Studium in den USA ergattern.

In dem Buch erfahren wir ganz konkret, wie die Menschen unter dem Verlust der Heimat leiden, wie der Hass auf beiden Seiten zu einem endlosen Konflikt und einer furchtbaren Gewaltspirale führen.

Trotzdem erlebt Amal im Lager eine relativ glückliche Kindheit und empfindet die schwierigen Gegebenheiten und die Armut als normal. Die Menschen geben aufeinander acht und gehen sehr liebevoll miteinander um. Über vier Generationen verfolgen wir die Geschichte der Familie, die immer wieder Repressalien der Israelis erleben muss. Viele Familienmitglieder werden einfach erschossen, so wie Amal‘s Großvater der sich heimlich zurück in sein Heimatdorf schleicht, um seine Orangenbäume zu besuchen.

Wenn die israelischen Scharfschützen in das Flüchtlingscamp eindringen und wild auf alles schießen was sich bewegt, weil sie sich für Terroranschläge rächen wollen, ist das kaum aushaltbar und einfach nur erschütternd und traurig.

Eine interessante Wendung bekommt das Buch durch ein entführtes arabisches Baby, dass in Israel aufwächst und als junger Mann auf seinen arabischen Bruder trifft.

Ich möchte für keine der beiden Seiten Partei ergreifen, ich denke das steht mir auch nicht zu, aber meine Motivation dieses Buch zu lesen, war den Konflikt ein bißchen besser zu verstehen. Die Berichterstattung findet ja meistens aus der Perspektive Israels statt.

Ich fand die Geschichte unendlich traurig, aber gut erzählt. Ein bißchen hat mich die sehr blumige, ein wenig schwülstige Sprache gestört, deshalb gibt es einen Stern Abzug. Trotzdem ist das Buch eine große Empfehlung und unbedingt lesenswert.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Fein beobachtet

Ja, nein, vielleicht
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Ich mag die lebensklugen Bücher von Doris Knecht. Auch in „Ja, nein, vielleicht“ , bringt die Autorin ihre Gedanken bezüglich Vergänglichkeit und Selbstbestimmung auf den Punkt. Ihre reife Protagonist ...

Ich mag die lebensklugen Bücher von Doris Knecht. Auch in „Ja, nein, vielleicht“ , bringt die Autorin ihre Gedanken bezüglich Vergänglichkeit und Selbstbestimmung auf den Punkt. Ihre reife Protagonist (ü50) hat endlich die eigene Freiheit zurück, nachdem die Kinder ausgezogen sind. Sie ist geschieden und kann selbstbestimmt ihren Alltag gestalten. Macht es da Sinn sich neu zu binden? Diese Frage stellt sie sich kurz, als sie einen alten Jugendfreund zufällig wiedertrifft, bei dem dann aber doch nicht alles Gold ist, was glänzt.

Ich konnte mich auf jeden Fall gut mit der Icherzählerin identifizieren. Es ist interessant, wie sich die Perspektive auf das Leben im Laufe der Jahre verschiebt. Das Buch von Doris Knecht regt zum Nachdenken an und ist zugleich sehr unterhaltsam. Sie schreibt mit einem feinen Humor und gibt ihrer Hauptperson eine gehörige Portion Selbstironie mit auf den Weg. Das gefällt mir sehr. Der Ausgang der Geschichte ließ mich zufrieden und optimistisch zurück, da die Protagonistin nach einer Ausnahmesituation eine gute Entscheidung für ihr Leben treffen konnte.

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