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Veröffentlicht am 14.11.2025

Was sind wir ohne ich

Die Spur der Vertrauten
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Christelle Dabos hat ein Händchen für interessante Ideen und verbindet sie mit einem manchmal fast ätherischen Schreibstil. Wer "Die Spiegelreisende" gelesen hat, kennt ihren Stil und hat ihm im Laufe ...

Christelle Dabos hat ein Händchen für interessante Ideen und verbindet sie mit einem manchmal fast ätherischen Schreibstil. Wer "Die Spiegelreisende" gelesen hat, kennt ihren Stil und hat ihm im Laufe der Bücher wahrscheinlich lieben und hassen gelernt. Was dort im Laufe der vier Bücher langsam angewachsen ist, konzentriert sich bei "Die Spur der Vertrauten" auf knappe 600 Seiten.

Versteht mich nicht falsch: Die Geschichte von Claire und Goliath beginnt unheimlich fesselnd!

In einer Welt, in der die Menschen von ihren angeborenen Instinkten beherrscht werden und so zum Gemeinwohl des "Wir" beitragen, verschwindet die Individualität des Einzelnen fast vollkommen. Doch nicht nur das, die beiden entdecken auch, dass einige ihrer Mitschüler wie vom Erdboden verschluckt sind und machen sich auf die Suche nach ihnen.

Wo dieser erste Teil des Buches den Lesenden förmlich einsaugt, macht die Autorin ungefähr nach der Hälfte des Buches einen Cut und führt ihre Erzählung in eine wesentlich weitschweifigere, weniger zielgerichtete und damit ziemlich verwirrende Richtung weiter (ähnlich wie die Spiegelreisende ab Band 2).

Versteht mich nicht falsch, diese Welt finde ich wirklich faszinierend, die Theorie der Instinkte und des daran anknüpfenden Klassensystems, das gewisse Instinkte massiv begünstigt, ist wirklich gelungen. Die darin mitschwingende Gesellschaftskritik kommt an.

Aber man hätte den Roman locker um 200 Seiten kürzen können, um dadurch die Spannung vor allem im zweiten Teil hochzuschrauben. Vielleicht hat die Autorin einfach zu viel Subtext unterbringen wollen, der zumindest bei mir nicht so ganz ankam. Unterhalten hat mich das Buch trotzdem.

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Veröffentlicht am 08.10.2025

Stolz und Vorurteil in Schottland

Das Geschenk des Meeres
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Julia R. Kelly hat uns mit ihrem Debütroman eine ganz stimmungsvolle, dicht gepackte, teils fast schon märchenhafte Geschichte über die Irrungen und Wirrungen des Dorflebens um 1900 geschenkt.

Dorothy ...

Julia R. Kelly hat uns mit ihrem Debütroman eine ganz stimmungsvolle, dicht gepackte, teils fast schon märchenhafte Geschichte über die Irrungen und Wirrungen des Dorflebens um 1900 geschenkt.

Dorothy kommt als junge Frau ins schottische Küstendorf Skerry, um als Lehrerin zu arbeiten. Kontakt zur Dorfgemeinschaft zu finden fällt ihr schwer, nur der freundliche Fischer Joseph durchdringt ihre harte Schale. Und doch scheint das Schicksal kein gemeinsames Leben für die beiden vorgesehen zu haben. Erst zwanzig Jahre später, als Joseph in einer Sturmnacht, den leblosen Körper eines kleinen Jungen am Strand findet, der Dorothys verschollenem Kind wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht, scheinen die Dinge erneut ins Rollen zu kommen.

Diese Geschichte ist so vieles zugleich, verbindet das Gesellschaftsbild eines einfachen, abgeschnittenen Dorfes mit den Innensichten der einzlenen Figuren und zeigt dabei, wie tief die von Eltern und Erfahrungen geschlagenen Narben wurzeln können. Wie abhängig wir von eigenen Vorurteilen sind und was wir uns aus ungerechtfertigtem Stolz manches Mal selbst versagen.

Wenn man auf der Suche nach düsterer, das Herz (auf teilweise sehr aufwühlende Weise) erwärmender Erzählungen ist- passend für die neblig-feuchte, kälter werdende Jahreszeit- ist man hier genau richtig. Claudia Feldmann findet mit ihrer Übersetzung genau die richtigen Worte, um diese dunkel-kalte Herbst/ Winter-Stimmung einzufangen, den Figuren Emotionen und Tiefe zu verleihen und den Lesenden einzuhüllen, in dieses fast schon mystische Feeling, das nur Schottland in mir auslösen kann.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Wild wie die See

Unbeugsam wie die See
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Dies war mein erstes Buch von Emilia Hart, hat aber auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht! Es ist klug und stürmisch, hat aber auch ruhige Passagen und entführt uns, ebenso wie einen Teil der Protagonistinnen, ...

Dies war mein erstes Buch von Emilia Hart, hat aber auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht! Es ist klug und stürmisch, hat aber auch ruhige Passagen und entführt uns, ebenso wie einen Teil der Protagonistinnen, nach Australien.

Jess stürzt sich mit 16 kopfüber in ihr Journalistikstudium, bis sie eines nachts schlafwandelnd ihren Komilitonen angreift. Aus Angst vor Konsequenzen flieht sie zu ihrer Schwester an die Küste, auch wenn diese plötzlich verschwunden scheint. Nach und nach wird klar, dass die beiden mehr gemeinsam haben, als sie anfangs dachte: eine mysteriöse Wasserallergie und seltsame Träume von zwei Schwestern, gefangen auf einem Sträflingsschiff auf dem Weg von England nach Australien.

Die Autorin schafft es meisterhaft, die verschiedenen Erzählebenen der vier Frauen miteinander zu koombinieren und dazwischen hin und her zu gleiten, ähnlich wie der Wellenschlag der Gezeiten. Dabei wird bald klar, dass sie mehr verbindet, als ihre körperlichen Einschränkungen.

Der Roman entfacht nicht nur bei seinen Figuren, sondern auch bei mir nach und nach eine Wut auf männliche Ungerechtigkeiten. Das Thema mag nicht besonders neu sein, schafft es aber, dem Ganzen eine zusätzliche, mystische Ebene zu verleihen, die es zu einem kleinen Juwel machen, das perfekt zum nun anbrechenden Herbst passt.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Zerbrechlich wie Glas

A Dance of Lies
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Gerade im Bereich Romantasy, zu dem dieses Buch auf jeden Fall gehört, sucht man ja gerne mal vergeblich nach etwas neuem, frischen, das man so vorher noch nie gelesen hat. Auch Brittney Arena hat es gesucht ...

Gerade im Bereich Romantasy, zu dem dieses Buch auf jeden Fall gehört, sucht man ja gerne mal vergeblich nach etwas neuem, frischen, das man so vorher noch nie gelesen hat. Auch Brittney Arena hat es gesucht und zumindest in Teilen gefunden.

Mit ihrer Titelheldin Vasalie bekommen wir eine junge Tänzerin, deren Körper nach zwei Jahren Kerkerhaft schwer gezeichnet ist. Von ihrer Anmut und Eleganz ist nicht mehr viel übrig, was sie einsetzen kann, um den Forderungen ihres Kerkermeisters König Illian entgegenzukommen. Als seine Spionin soll sie die Zusammenkunft der Kronen infiltrieren und Aufgaben für ihn erfüllen. Bis zum Schluss bleibt fraglich, ob sie den Mut und die Kraft findet, sich gegen ihn zu behaupten.

Der Weltenbau ist detailiert beschrieben und bringt mit den verschiedenen Königreichen eine große Auswahl an Verbündeten und Gegnern mit. So bleibt viel Raum für Intrigen und Spielchen, was die Autorin auch zu meiner Zufriedenheit ausgekostet hat.

Für die groß angepriesene Liebesgeschichte mit verschiedenen Kandidaten bleibt dafür (für mich zum Glück) nicht ganz so viel Raum. Die Emotionen lassen sich Zeit und fließen eher im Subtext mit.

Ein wenig merkt man der Geschichte an, dass es eine Fortsetzung geben wird. Ich hoffe aber sehr, dass auch im Folgeband die großen Stärken der Tanzszenen und Glaskunst wieder zum Tragen kommen, ebenso wie die märchenhaften Fantasyelemente.

Die Reihe könnte groß sein, wenn sie sich mehr auf ihre Stärken verlassen würde.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Im Schatten lauern Abgründe

Schattengrünes Tal
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Kristina Hauff zeigt in ihren Büchern regelmäßig, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Das beweist sie auch mit ihem neuen Roman "Im Schattengrünen Tal".

Lisa und Simon führen eine ruhige Ehe, in die ...

Kristina Hauff zeigt in ihren Büchern regelmäßig, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Das beweist sie auch mit ihem neuen Roman "Im Schattengrünen Tal".

Lisa und Simon führen eine ruhige Ehe, in die Beziehung ist der Alltag eingekehrt und hat sich breit gemacht. Da kommt Daniela, die Neue in der Stadt, gerade recht. Nach und nach nimmt sie immer mehr Raum in Lisas Leben ein und stellt es gehörig auf den Kopf.

In bewährter Manier erzählt Frau Hauff die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Auch wenn Lisa die Hauptrolle zukommt, so lässt sie auch Simon, Lisas Vater und andere Figuren zu Wort kommen. So baut sie ein Psychokammerspiel auf, das zu fesseln vermag. Um genau zu sein kommen nach und nach verschiedene Themen und Probleme ans Licht, die mich emotional richtig mitgerissen haben.

Deshalb kann ich auch über die Schwächen hinwegsehen, die das Buch gerade zum Ende hin entwickelt. Die Auflösung war für mich einfach nicht ganz schlüssig und befriedigend.

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