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Veröffentlicht am 05.10.2025

Vom Straßenjungen zum Jäger eines Diebes

Joshua Jackelby
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Benedict Mirow nimmt uns in "Joshua Jackelby" mit ins London des 19. Jahrhunderts.
Wir befinden uns im düsteren Teil der Metropole im Jahre 1851 als der Straßenjunge Joshua (Josh) Jackelby Zeuge eines ...

Benedict Mirow nimmt uns in "Joshua Jackelby" mit ins London des 19. Jahrhunderts.
Wir befinden uns im düsteren Teil der Metropole im Jahre 1851 als der Straßenjunge Joshua (Josh) Jackelby Zeuge eines versuchten Mordes an einem Hundewelpen wird. Josh gelingt es, das Tier zu retten und findet fortan in Hazel eine treue Begleiterin. Mit seinem Freund Leroy versucht er sich ein paar Pence durch den Verkauf von Zeitungen zu verdienen und beide begleiten ab und an ihre gemeinsame Freundin Charlotte mit deren Kohlekarren auf den Weg nach dem von den Kings "regierten" Kensington. Auf einem dieser Wege werden sie Zeuge einer Jagd der Kings auf ein indisches Geschwisterpaar und dem Raub der Pläne für einen Himmelssegler, einer Erfindung des Professor Bellows.
Doch was steckt hinter der Verfolgung und dem Raub? Gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Fällen? Und was haben die Kings um ihren Anführer Luke damit zu tun?

Von Beginn an gelingt es dem Autor eine enorme Spannung in dem historischen London aufzubauen. Bereits die Rettungstat von Joshua ist so intensiv beschrieben, das wir mit ihm gemeinsam in die Themse zu springen scheinen. Der Spannungsbogen wird dann im Verlauf der Geschichte immer stärker und zieht sich bis ins Finale hindurch.
Durch die detailiert herausgearbeiteten Beschreibungen der Protagonisten entwickelt sich zu dem Trio um Josh, Leroy und Charly (Charlotte) eine sehr starke Bindung, so das wir Seite um Seite ebenfalls ein wenig Angst bekommen, den Kings zu begegnen.

Sehr gelungen wird uns auch das damalige London dargestellt als es bereits schon Hauptstadt einer der größten Weltmacht war, aber auch noch zahlreiche Gefahren für den ärmsten Teil ihrer Einwohner und zahlreiche tödliche Krankheiten in sich trug. Diesen Eindruck erhalten wir auch bei Betrachtung des sehr schön gestalteten Covers, auf dem bereits die wichtigsten Figuren und auch Szenen abgebildet sind.
Sehr überraschend aber umso beeindruckender stellt sich am Ende des Buches der Inhalt des Nachwortes uns Leser/innen dar.

Allen jungen und auch älteren Leser/innen, die es lieben, spannende kriminalistisch angehauchte Geschichten auf einem historischen Hintergrund basierend zu erleben, kann ich "Joshua Jackelby" nur unbedingt empfehlen.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

"Bindung ist keine To-Do-Liste"

Goldrichtig
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Nora Imlau gewährt uns in der relativ schmalen Lektüre "Goldrichtig-Was uns zusammenhält und trägt" einen sehr einfühlsamen und auf den Punkt gebrachten Einblick in die Gefühlswelt und Bindung von jungen ...

Nora Imlau gewährt uns in der relativ schmalen Lektüre "Goldrichtig-Was uns zusammenhält und trägt" einen sehr einfühlsamen und auf den Punkt gebrachten Einblick in die Gefühlswelt und Bindung von jungen Eltern und ihren Kindern. Das Buch versteht sich dabei nicht als Ratgeber, sondern als Anregung. Bereits die Einleitung ist so persönlich formuliert und geschrieben, das sie direkt ins Herz geht und wir Leser/innen zum ersten Mal bereits kurz innehalten und nachdenken.

Die Illustrationen auf jeder Seite des Buches von Frau Annika sind dabei der perfekte Spiegel zum Text der jeweiligen Seite(n) und heben die Worte, Gedanken und Gefühle der Autorin ausgezeichnet bildlich hervor.

"Goldrichtig" ist ein Buch, welches für jede(n) Einzelne(n) von uns einfach goldrichtig ist. Die Lektüre lohnt sich nicht nur für Eltern von Säuglingen, Kindern und Teenagern, sondern ist für alle sehr hilfreich, zeigt es doch auf, wie herrlich einfach Bindungen zwischen Menschen jeglichen Alters entstehen, gefestigt und bewahrt werden können. Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Interessanter, tiefer und erotischer Einblick in eine Dekade des Lebens von Anais Nin

Liebesrausch
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Erneut berichtet Charlotte von Feyerabend uns über eine bemerkenswerte historische Frau. In diesem Fall ist es die Künstlerin und Literatin Anais Nin.

In ihrem biografischen Roman über diese interessante ...

Erneut berichtet Charlotte von Feyerabend uns über eine bemerkenswerte historische Frau. In diesem Fall ist es die Künstlerin und Literatin Anais Nin.

In ihrem biografischen Roman über diese interessante Frau greift sich die Autorin den Zeiraum von 1924 bis 1936 heraus. Während dieser Zeit lernt Anais in Paris den amerikanischen Schriftsteller Henry Miller kennen. Obgleich sie mit Hugo verheiratet ist, beginnt sie mit Miller eine sehr heissblütige Affäre und lebt zusammen mit ihm ihre sexuellen Wünsche intensiv aus. Es bleibt nicht nur bei dieser einen Affäre, sondern Anais sucht den Sex auch bei anderen Männern. In dieser Zeit verschafft sich Anais Nin Gehör und Anerkennung bei ihren Leser/innen und macht einen großen Schritt in die Selbständigkeit.

Wie bereits bei ihren vorherigen biografischen Romanen gelingt es Charlotte von Feyerabend auch dieses Mal wieder uns Leser/innen eine für viele bis dato vielleicht noch recht unbekannte Frau sehr nahe und intensiv vor Augen zu führen. Zusammen mit der Autorin dürfen wir in das Paris der 30er Jahre abtauchen. Lernen den Zeitgeist, das Straßenleben und den Geist der Großstadt und ihrer Bewohner kennen und lieben. Der Persönlichkeit Anais Nin geschuldet versprüht der Roman dieses Mal zudem noch eine besondere Prise Erotik und Leidenschaft, ohne dabei zu derb und plakativ daher zu kommen. Auch die Verwendung der Sprache - insbesondere von Henry Miller - greift die Autorin immer wieder sehr anschaulich auf und verschafft dem Roman, neben einer herausragenden Recherche, seine zusätzliche Authenzität. Die einzelnen Kapitel sind mit Partien betitelt und mit den jeweils inhaltlich passenden Zitaten und Sprüchen und Zeitangaben versehen, so daß wir uns bestens orientieren können.

Ein wunderbarer "Epilogue", in dem die weiteren Lebensabschnitte der wichtigsten Protagonisten noch einmal aufgeführt werden, ein paar tolle Rezepte, ein Literaturverzeichnis, einige Anmerkungen, eine Stadtkarte von Paris, in dem die entscheidenden Örtlichkeiten verzeichnet sind und ein sehr gelungenes Cover, welches den damaligen Zeitgeist in Schriftart und Farbwahl wiederspiegelt runden das Lesevergnügen ab.

Ich bin sicher, das nach der Lektüre viele von uns noch mehr über Anais Nin erfahren möchten und kann allen, die sehr gut recherchierte und lebendig erzählte historische Biografien lieben dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Von den Kreuzzügen direkt in den Machtkampf um die Krone

Das Lied des Vogelhändlers
9

Ralf H. Dorweiler hat erneut beeindruckend abgeliefert!
"Das Lied des Vogelhändlers" ist ein sehr spannender, interessanter und sehr gut recherchierter historischer Roman mit leichten Krimi-Effekten.

Der ...

Ralf H. Dorweiler hat erneut beeindruckend abgeliefert!
"Das Lied des Vogelhändlers" ist ein sehr spannender, interessanter und sehr gut recherchierter historischer Roman mit leichten Krimi-Effekten.

Der Roman beginnt mit zwei Handlungssträngen:
Franziska von Hellenau verliert zur Zeit um 1190 während des Kreuzzuges ihren Onkel und ist von da an völlig auf sich alleine gestellt. Ist es nicht schon schwer genug für sie überhaupt heil und unbeschadet durch die Schlachten zu kommen, muß sie sich ab sofort auch noch gierigen Männern im wahrsten Sinne des Wortes ihrer Haut erwehren. Sie schließt sich einem Bader an und kümmert sich um die Verwundeten und Sterbenden.

Wigbert ist um 1200 mit seinem Mündel Almut dabei seltene und prächtige Vögel zu fangen, um sie dann gewinnbringend auf den Märkten und Burgfesten zu verkaufen.
Auf dem Weg zur Burg schließen sich die beiden einer Gruppe an, unter denen sich auch der bekannte Minnesänger Walther von der Vogelweide befindet. Auf der Burg angekommen, erfahren die Reisenden vom Tode des Falkners Rupert, der auch schon 1190 Franziska auf sehr unangenehme und bestialische Weise begegnet ist.

Um diese beiden Handlungsstränge entwickelt sich zum einen der Machtkampf um die Krone zwischen Philipp und Otto und zum anderen die mysteriöse Aufschlüsselung des Todes von Rupert dem Falkner.

Dem Autor gelingt hier wieder ein großer Wurf.
Seine wunderbare bildhafte und anschauliche Sprache lassen uns Leser/innen sogleich mit in die Wälder, auf Kampfplätze, ins gelobte Land, auf Friedhöfe und Burgen abtauchen, so daß wir das Gefühl bekommen, Teil der Handlung zu sein.
Die Protagonisten sind sehr schön und klar gezeichnet.
In beiden Handlungssträngen entwickelt sich in kürzester Zeit ein toller Spannungsbogen, der sich bis ins Finale hindurchzieht.
Ralf H. Dorweiler gelingt mit seinem Roman nicht nur eine sehr spannende Geschichte zu erzählen, sondern auch die Lebensumstände, Sitten und Intrigen der damaligen Zeit uns auf seine wunderbare eigene Art und Weise zu erläutern.
Passend zum Titel tragen die einzelnen Kapitelüberschriften jeweils Vogelarten.
Ein aufschlussreiches Personenregister, welches schon zwischen fiktiven und historischen Persönlichkeiten trennt und ein interessantes Nachwort runden das Lesevergnügen wunderbar ab.

Allen Leser/innen, die spannende historische Romane lieben, kann ich "Das Lied des Vogelhändlers" unbedingt sehr empfehlen.

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  • Historisch
Veröffentlicht am 27.07.2025

Menschen mit Behinderung - Aufschlussreiche Betrachtung eines nach wie vor aktuellen Themas

Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung
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Robert Ralf Keintzel betrachtet in seinem Buch "Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung - Dis/abled in der Antike" ein sehr interessantes Thema, welches auch heute noch einen sehr wichtigen Stellenwert ...

Robert Ralf Keintzel betrachtet in seinem Buch "Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung - Dis/abled in der Antike" ein sehr interessantes Thema, welches auch heute noch einen sehr wichtigen Stellenwert hat.

Nach einer kurzen, aber prägnanten Einführung erläutert er die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten in der Antike, die Akzeptanz oder auch Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung zur damaligen Zeit, wie die Medizin sich damit befasste, wie sich die Ärzte in der Antike überhaupt als heilende Kräfte verstanden haben, die unterschiedlichen Fälle von Beeinträchtigungen (geistiger und körperlicher Behinderung), aber auch den Bezug zur heutigen Zeit.

Neben einer hervorragenden Recherche wird bei der Lektüre deutlich, daß der Autor zudem einen sehr intensiven als auch emotionalen beruflichen Bezug zu der Materie hat. Hier sei zum einen auf die zahlreichen Quellenverzeichnisse und auch auf die ungemeine Fachlichkeit und medizinischen Fachbegriffe hingewiesen.

Wer glaubte, zu dem Thema schon sehr viel zu wissen, wird in diesem Buch hier und da sicherlich noch das ein oder andere Mal überrascht sein. Hervorzuheben möchte ich an dieser Stelle auch noch auf die aufschlussreichen und zum besseren Verständnis wirkenden Abbildungen und Tabellen hinweisen. Es ist schon sehr erstaunlich, wie viel wir bis heute immer noch aus der Zeit der Antike übernommen haben.

Für alle Leser/innen, die unmittelbar auf irgendeine Art und Weise mit dem Thema Behinderung betroffen sind, ist dieses Buch ein Muß! Für alle, die sich einmal in die Materie einlesen möchten, ist das Buch eine sehr gelungene und interessante Einstiegsmöglichkeit.

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