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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2020

Ein solider Reihenauftakt um den charismatischen Ackerman

Die Stimme des Zorns
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Vorab: "Die Stimme des Zorns" ist mein erster Thriller von Ethan Cross. Die Shepherd-Reihe habe ich nicht gelesen, sodass ich keine Querverweise ziehen kann.

Inhalt: Ein Serienmörder, genannt das "Alien", ...

Vorab: "Die Stimme des Zorns" ist mein erster Thriller von Ethan Cross. Die Shepherd-Reihe habe ich nicht gelesen, sodass ich keine Querverweise ziehen kann.

Inhalt: Ein Serienmörder, genannt das "Alien", seziert seine Opfer und drapiert sie in Kornkreisen. Seine Intention: schleierhaft. Gemeinsam mit seiner neuen Partnerin/Aufpasserin Nadia Shirazi begibt sich Francis Ackerman jr. nach New Mexico, um das "Alien" zu stellen.

Persönliche Meinung: "Die Stimme des Zorns" lebt vor allem durch die Figur des Francis Ackerman jr. Zunächst ist die Ausgangslage interessant, dass Ackerman - als ehemaliger Serienkiller - mittlerweile auf der "guten" Seite steht und seinerseits Jagd auf Serienkiller macht. Dabei besticht er durch seine süffisante Art, sein konsequenzloses Handeln und Charisma. Interessant fand ich auch, dass der Autor versucht, die Denke und Konflikte eines (ehemaligen) Serienkillers nachzuzeichnen. Teilweise fand ich es allerdings problematisch, dass der alles berechnende Ackerman superheldenhafte Züge bekam, was Spannung nahm: Ein Ackerman kann nicht scheitern.
Der Schreibstil liest sich sehr flüssig und gut. Ab und zu waren mir einzelne Szenen allerdings zu langatmig. Die Handlung ist in sich abgeschlossen und kann daher auch von Leser*innen gelesen werden, die die Shepherd-Reihe noch nicht kennen. Ich hatte allerdings teilweise dass Gefühl, dass der Lesegenuß größer ist, wenn man die Vorgängerreihe bereits kennt. Sehr gut gefiel mir auch der Ausblick auf den Folgeband, der handlungstechnisch Spannung verspricht und vermutlich auch Nadia Shirazi stärker beleuchtet. Insgesamt ist "Die Stimme des Zorns" ein solider Thriller, den besonders Fans von Ethan Cross lieben werden!

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Eine solide Horroranthologie

Red River Lane Slate
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Inhalt: Es ist der 31. Oktober 2023 - auf den Tag genau zwei Jahre, seit sich auf der Red River Lane eine Katastrophe zugetragen hat. Zeit, so die Bürger von Bleak Pine, in die Zukunft zu schauen: Mit ...

Inhalt: Es ist der 31. Oktober 2023 - auf den Tag genau zwei Jahre, seit sich auf der Red River Lane eine Katastrophe zugetragen hat. Zeit, so die Bürger von Bleak Pine, in die Zukunft zu schauen: Mit einem großen Straßenfest soll das dunkle Kapitel der Red River Lane endgültig geschlossen werden. Doch: Das Böse ist längst nicht gebannt…

Persönliche Meinung: “Red River Lane - Slate” ist eine Horror-Anthologie, an der elf Autor*innen mitgewirkt haben. Da “Slate” auf den Ereignissen des ersten Bandes aufbaut, ist es sinnvoll, zunächst den ersten Band zu lesen (zumal auch mehrere Protagonisten des ersten Bandes in “Slate” auftreten). Vom Vibe her handelt es sich um die perfekte Halloween-Lektüre: Wir bummeln mehrfach über einen Halloweenmarkt, auf dem es allerlei spooky Snacks gibt, begegnen unterschiedlichen Gruselwesen und betreten z. B. mit einem Mausoleum, einem Maislabyrinth, einer Kirche mit angrenzendem Mausoleum sowie der Kanalisation horrormäßige Handlungsorte. Inhaltlich sind die Kurzgeschichten vielfältig: Es gibt, um nur ein paar Kostproben zu geben, Geschichten um Stalker, Mutproben, Liebesbeziehungen und Verluste. Das Besondere an der Anthologie: Die Kurzgeschichten verweisen – auf unterschiedliche Arten – aufeinander. So begegnet man in den Kurzgeschichten Figuren oder Gegenständen, die man bereits aus einer vorherigen kennt bzw. in einer nachfolgenden noch kennenlernen wird. Die Suche nach diesen „Easter Eggs“ macht wirklich Spaß; zudem entstehen ein paar schöne „Aha“-Momente. Auch erzählen einige Geschichten vorherige zu Ende, was meist aus einer anderen Perspektive geschieht, wodurch ein schöner Spannungsbogen entsteht. Leider konnte “Red River Lane - Slate” mich insgesamt aber nicht so sehr abholen wie der Vorgänger, den ich grandios fand. Einerseits fehlte mir bei “Slate” die übergeordnete, strukturierende Klammer der Anthologie. Im ersten Band einte die einzelnen Geschichten das Rätsel um die Red River Lane (die Ausgangssperre am 31. Oktober), das mosaikartig von Geschichte zu Geschichte vervollständigt wurde; in “Slate” fehlte dieser rote Faden. Zwar findet sich in mehreren Geschichten eine ominöse Challenge, doch diese ist nicht ein so starkes (und spannendes/rätselhaftes) Strukturierungselement wie das Geheimnis um die Ausgangssperre in Band 1. Zudem fehlte mir in Bezug auf das Ende der Geschichten Varianz. Ohne zu viel verraten zu wollen: Die meisten der Geschichten enden ähnlich - in einer Sackgasse, die sich, je öfter man sie liest, umso mehr abnutzt. Trotzdem: Auch wenn “Slate” mich nicht so sehr wie der erste Band abholen konnte, handelt es sich um eine solide Horroranthologie, die ich - auch da die Erlöse der Anthologie der DKMS zugutekommen - ohne Einschränkung empfehlen möchte.

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Veröffentlicht am 30.07.2025

Ein Krimi mit anschaulich ausgearbeiteten Figuren, aber einem Fall, der eher linear ist

Schatten über Sømarken
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Lennart Ipsen von der Kriminalpolizei genießt seinen Urlaub und fiebert schon der Reise mit seinen Töchtern nach Spanien entgegen. Doch dann erreicht ihn eine Hiobsbotschaft aus dem Restaurant Argousier, ...

Lennart Ipsen von der Kriminalpolizei genießt seinen Urlaub und fiebert schon der Reise mit seinen Töchtern nach Spanien entgegen. Doch dann erreicht ihn eine Hiobsbotschaft aus dem Restaurant Argousier, das seine Freundin Maren führt: Ein Gast ist nach seiner Mahlzeit tot zusammengebrochen, vergiftet durch eine heimische Pflanze. Schnell rückt Maren selbst in den Fokus der Ermittlungen, da der Gast ihr ehemaliger Freund und Geschäftspartner war. Zwar ist sich Lennart sicher, dass Maren nichts mit dem Tod zu tun hat, doch sind ihm die Hände gebunden: Seine Kolleginnen grenzen ihn systematisch von den Ermittlungen aus…

Persönliche Meinung: “Schatten über Sømarken” ist ein Kriminalroman von Michal Kobr. Es handelt sich um den dritten auf Bornhold spielenden Krimi um den Ermittler Lennart Ipsen. Zwar ist der Fall in sich abgeschlossen, doch spielen die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich über die vorherigen Bände hinweg entwickelt haben, eine große Rolle, weshalb es sinnvoll ist, die Reihe chronologisch zu lesen. Erzählt wird die Handlung des Krimis aus der personalen Perspektive von Lennart. Während mir die ersten beiden Krimis der Reihe sehr gut gefallen haben, fand ich den dritten Band eher durchwachsen. Zum Positiven: Sehr detailliert sind die Beziehungen der Figuren ausgearbeitet. Hier kommt es verstärkt zu Reibungen, was mit lebendigen Dialogen dargestellt wird. So zweifelt Lennart einerseits an der Beziehung mit Maren, da sie ihm - wie sich im Laufe der Handlung zeigt - mehrere Dinge verschwiegen hat, andererseits fühlt Maren sich von Lennart Missverstanden, zumal sie durch die Verdächtigungen im Mordfall einem Shitstorm ausgesetzt ist, was sie zusätzlich belastet. Auch beruflich kracht es für Lennart: Er kann nicht verstehen, warum seine Kolleginnen - vor allem Britta - ihn systematisch von den Ermittlungen ausschließen - insbesondere, da Britta sich in Bezug auf die Gründe schmallippig gibt. Ebenfalls gefallen haben mir die Dialoge zwischen Lennart und seinem Vater Karl. Karl ist recht eigen, begeistert sich schnell für Dinge und gibt oftmals ungefragt Ratschläge, die meist an der Realität vorbeigehen, was für viele witzige Gespräche voller Situationskomik sorgt. Schön ist auch das Urlaubsfeeling, das immer mal wieder durch atmosphärische Beschreibungen der Handlungsorte aufkommt. Was mich nicht überzeugen konnte, ist der Fall an sich. Dieser war für mich zu linear, Verdächtige sind rar. Dementsprechend früh ahnt man, aus welchem Umfeld der Täter kommt. Hier hätte ich mir mehr Rätselhaftigkeit und Überraschung gewünscht. Der Schreibstil von Michael Kobr ist anschaulich und flüssig zu lesen, sodass man durch die Seiten des Krimis fliegt. Insgesamt ist “Schatten über Sømarken” ein schön geschriebener Krimi mit Urlaubsfeeling und stark ausgearbeiteten Figuren; hinsichtlich des Falls bleibt für mich aber Luft nach oben.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Interessant erzählt, aber mit schwachem Ende

U
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Inhalt: Eine Frau steigt in eine U-Bahn, nickt ein. Als sie kurze Zeit später wach wird, ist die Bahn immer noch nicht losgefahren; allerdings drängt sich ein weiterer Fahrgast durch die sich schließenden ...

Inhalt: Eine Frau steigt in eine U-Bahn, nickt ein. Als sie kurze Zeit später wach wird, ist die Bahn immer noch nicht losgefahren; allerdings drängt sich ein weiterer Fahrgast durch die sich schließenden Türen. Nun fährt die Bahn endlich los. Was die beide noch nicht wissen: Es wird dauern, bis sie das nächste Mal hält.

Persönliche Meinung: „U“ ist eine Erzählung von Timur Vermes mit phantastischen Elementen. Die Handlung ist kafkaesk: Eine Frau und ein Mann sitzen in einer U-Bahn, die nicht hält; Hilferufe verhallen, weil niemand ihnen glaubt; mit der Zeit treffen die beiden auf surreale Szenerien. Reizvoll ist die Handlung insbesondere wegen der Komponente des Unbekannten: Warum hält der Zug nicht? Befinden sich die beiden überhaupt noch in unserer Dimension? Was hat es mit den surrealen Szenerien auf sich? Leider – und das ist für mich ein Manko der Erzählung – werden hierzu kaum handfeste Antworten gegeben, sodass man nach der Lektüre etwas enttäuscht und ratlos zurückbleibt. Eine Besonderheit ist der experimentelle Erzählstil: Schlaglichtartig, stakkatohaft und assoziativ werden die Gedanken der Frau dargelegt, meist in wenigen Worten pro Zeile. Auf den ersten Blick erscheint dies kompliziert zu lesen, aber keine Sorge, man kommt schnell rein. Im Wechsel mit diesen assoziativen Gedanken der Frau finden sich mehrfach Dialoge (u.a. mit dem Mann), die eher alltagssprachlich sind und einem Drehbuch ähneln. Zusätzlich finden sich häufiger typographische Hervorhebungen, durch die auf Schriftebene die Bedeutung einzelner Wörter imitiert wird. Diese experimentelle Erzählweise ist ungemein interessant, gleichzeitig „blähen“ typographische Entscheidungen aber auch die Seitenanzahl auf: Mit ca. 150 Seiten hat „U“ die Länge eines kurzen Romans, da aber teilweise nur zwei, drei Wörter in einer Zeile stehen, ist recht viel frei, die Lesezeit eher kurz. Das sollte nicht vom Kauf abhalten, aber berücksichtigt werden (am besten schaut man kurz in die Leseprobe, um zu entscheiden, ob „U“ etwas für einen ist). Insgesamt ist „U“ eine interessant erzählte Geschichte mit kafkaesken Elementen, die für mich aber ein Stück zu undurchsichtig blieb.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Eine Sammlung humoriger Krimis

Wer mordet schon am Rhein?
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„Wer mordet schon am Rhein?“ ist eine Krimikurzgeschichtensammlung von Barbara Saladin, Nadine Buranaseda und Anne Grießer. Versammelt sind hier elf Geschichten, die am Rhein spielen: beginnend in Calanda, ...

„Wer mordet schon am Rhein?“ ist eine Krimikurzgeschichtensammlung von Barbara Saladin, Nadine Buranaseda und Anne Grießer. Versammelt sind hier elf Geschichten, die am Rhein spielen: beginnend in Calanda, endend bei Duisburg, mit Zwischenhalten am Rheinfall, in Basel, Breisach, Strasbourg, Mannheim, Mainz, der Loreley, Bonn und Köln. Jedem Ort ist eine Kurzgeschichte gewidmet, verbunden werden die Geschichten durch ein Kreuzfahrtschiff, das jeden Ort ansteuert (dementsprechend erkennt man in späteren Geschichten auch einige alte Bekannte aus früheren wieder) – prinzipiell eine interessante Herangehensweise, die viel Lokalkolorit verspricht. Allerdings ist die Umsetzung eher durchwachsen. Teilweise – wie bei der Loreley, Bonn oder Strasbourg – sind die Orte eher Kulissen; Strasbourg z. B. wird gar nicht betreten, die Geschichte spielt ausschließlich auf dem Kreuzfahrtschiff. Andere Orte hingegen (Köln, Mainz oder Mannheim) werden dreidimensional beschrieben und die Figuren interagieren mit/in den Städten. Die Kriminalgeschichten sind meist humorvoll gehalten: Sie leben von ungewöhnlich handelnden Protagonisten, wodurch am Ende meist ein Twist erfolgt (dieser war für mich aber häufig recht vorhersehbar). Durch den Fokus auf den Humor kam für mich leider oft die Spannung zu kurz. Meine Highlights waren dementsprechend die Krimis, die eher spannungsgeladen waren: „Dunkle Wolken“, in der ein Mann schrittweise die Erinnerung an die letzten erlebten Stunden wiedergewinnt; „Herr Kloppstock sucht das Glück“, in der der titelgebende Protagonist (ungewollt) ein Verbrechen aufklärt, sowie „Die Taschen-Leserin“, in der eine Frau einer Serienmörderin auf der Spur ist. Jeder Kurzgeschichte sind Freizeitttipps nachgestellt, die fundiert recherchiert sind. Insgesamt ist „Wer mordet schon am Rhein?“ eine Kurzkrimisammlung, die sich besonders für Fans von humorigen Kriminalgeschichten eignet.

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