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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.11.2025

Zu wenig Krimi, zu viel Architektur

Weinbrenners Schatten
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Zu wenig Krimi, zu viel Architektur

Da ich aus der Karlsruher Gegend stamme, war es für mich ganz interessant, über die Stadt und vor allem das Wirken des Baumeisters Friedrich Weinbrenner zu lesen. Es ...

Zu wenig Krimi, zu viel Architektur

Da ich aus der Karlsruher Gegend stamme, war es für mich ganz interessant, über die Stadt und vor allem das Wirken des Baumeisters Friedrich Weinbrenner zu lesen. Es wirkt sehr gut recherchiert und ich kann mir vorstellen, dass man damals wirklich so wie in diesem Roman beschrieben gelebt hat. Doch nehmen die Fakten mit all der Architektur und die Beschreibung der verschiedenen Straßen und Häuser für meinen Geschmack einen zu großen Raum ein. Der Kriminalfall bleibt dagegen fast im Hintergrund. Richtige Ermittlungen gibt es praktisch gar nicht. Mehr oder weniger zufällig führen die Spuren schließlich ans Ziel.

Ortsfremde könnten über den ein oder anderen eingestreuten Satz oder Begriff im Dialekt stolpern. Für mich war dies kein Problem; gestört hat mich nur, dass der Dialekt nicht konsequent an den entsprechenden Stellen verwendet wurde oder manchmal die Schreibweise sehr seltsam war (z.B. „Hoornoggs“).

★★★☆☆

Veröffentlicht am 05.10.2025

Wie immer recht unterhaltsam

Ungezügelt
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Wie immer recht unterhaltsam

Inhalt:
Nachdem Andrea mit Ü60 ihre Stelle verloren hat, muss sie sich beruflich neu orientieren. Warum es nicht mal als Autorin probieren? Wieder Erwarten findet sich schnell ...

Wie immer recht unterhaltsam

Inhalt:
Nachdem Andrea mit Ü60 ihre Stelle verloren hat, muss sie sich beruflich neu orientieren. Warum es nicht mal als Autorin probieren? Wieder Erwarten findet sich schnell ein Verlag, der von ihrem Exposé eines Old Romance-Romans angetan ist, allerdings unter der Voraussetzung, dass Andrea ein bisschen mehr Spice einarbeitet - erotische Würze. Nebenbei steht Andrea ihrem geliebten 90-jährigen Schwiegervater Rudi zur Seite, der sich vorgenommen hat, sein Leben mit gesunder Ernährung, Sport und kalten Duschen zu verlängern. Schließlich verlangen auch die beiden Enkelsöhne nach Andreas Aufmerksamkeit. Der Umgang mit ihnen ist gar nicht so einfach, müssen doch Claudias strikte Anweisungen genau beachtet werden und Andrea und Tamara konkurrieren um den Titel „beste Oma“.

Meine Meinung:
Ich liebe diese Reihe, was sicher auch daran liegt, dass ich so ziemlich in Andreas Alter bin und mich in Vielem mit ihr identifizieren kann. Etliche ihrer Probleme habe ich selbst oder in meinem Bekanntenkreis erfahren. Und es ist doch einfach schön zu sehen, dass man damit nicht alleine steht.

Allerdings empfand ich diesen Band als etwas schwächer als manch anderen. Zum einen war mir das Gerede um den Spice zu ausufernd und oft nur mäßig witzig. Zudem empfand ich keinen wirklichen Höhepunkt in der Geschichte. Es läuft alles irgendwie nebeneinander her, hier ein Problem, da ein Problem.

Überflüssigerweise werden auch etliche Anekdoten aus den vorherigen Bänden erwähnt, was für die Handlung nicht notwendig gewesen wäre. Als treue Leserin der Reihe hat mir das natürlich nichts Neues gebracht.

Trotz allem habe ich mich wieder gut amüsiert, am meisten über den liebenswerten Rudi, der in breitestem Hessisch daherbabbelt und oft die besten Lebensweisheiten auf Lager hat.

Die Andrea Schnidt-Reihe:
1. Frisch gepresst
2. Frisch gemacht!
3. Familienpackung
4. Treuepunkte
5. Lieblingsstücke
6. Lackschaden
7. Aufgebügelt
8. Wundertüte
9. Feuerprobe
10. Verzogen
11. Abgetaucht
12. Getraut
13. Ungezügelt

★★★☆☆

Veröffentlicht am 29.09.2025

Diese Dreiecksgeschichte konnte mich leider nicht abholen

No Way Home
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Diese Dreiecksgeschichte konnte mich leider nicht abholen

Inhalt:
Nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter fährt der Assistenzarzt Terrence Tully, Anfang 30, von seinem Wohnort Los Angeles in die Wüste ...

Diese Dreiecksgeschichte konnte mich leider nicht abholen

Inhalt:
Nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter fährt der Assistenzarzt Terrence Tully, Anfang 30, von seinem Wohnort Los Angeles in die Wüste Nevadas, wo seine Mutter ein Haus besitzt, um die Beerdigung und alles Weitere zu regeln. In einem Café trifft er auf Bethany, die mit ihm die Nacht verbringt. Als Terrence wieder nach Los Angeles zurückkehrt, nistet Bethany sich unerlaubt im Haus ein. Terrence schafft es nicht, sich ihrer zu erwehren. Als dann auch noch Bethanys Ex-Freund Jesse auf den Plan kommt, eskaliert die Sache.

Meine Meinung:
Ich kenne bereits „Sprich mit mir“ und „Blue Skies“ von T. C. Boyle, die mich beide begeistern konnten. Daher freute ich mich sehr auf sein neues Werk, das im September 2025 im Hanser Verlag in der Übersetzung von Dirk van Gunsteren veröffentlicht wurde. Leider hat mir dieses nicht wirklich gefallen.

Sämtliche Figuren blieben für mich bis zum Schluss unnahbar. Alle sind dermaßen unsympathisch und handeln für mich kaum nachvollziehbar. Das Geschehen empfand ich oftmals als nicht authentisch. Jeder manipuliert jeden und lässt sich manipulieren. Die Beziehungen der Beteiligten sind absolut toxisch. Der Autor konnte mir aber nicht vermitteln, warum die Protagonist*innen alles Mögliche mit sich machen lassen und sich nicht zur Wehr setzen.

Mir fehlten hier einfach die Emotionen, denn erzählt wird eher sachlich-nüchtern. Allerdings ist der Schreibstil richtig toll, weswegen ich auch noch 3 Sterne gebe. Auch die im Hintergrund eingebaute Gesellschaftskritik ist ein Pluspunkt.

Der Schluss konnte mich leider auch nicht überzeugen, denn es ist eigentlich keiner. Alles ist offen; ich fühle mich als Leserin allein gelassen.

★★★☆☆

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

Dieses Buch hat mich leider nicht glücklich gemacht

Das glückliche Leben
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Dieses Buch hat mich leider nicht glücklich gemacht

Inhalt:
Éric Kherson steht in der Mitte des Lebens. Er ist geschieden, hat einen Sohn, ist im Beruf erfolgreich, aber trotzdem passt es nicht. Éric ...

Dieses Buch hat mich leider nicht glücklich gemacht

Inhalt:
Éric Kherson steht in der Mitte des Lebens. Er ist geschieden, hat einen Sohn, ist im Beruf erfolgreich, aber trotzdem passt es nicht. Éric hat depressive Phasen, ist ausgebrannt und tritt auf der Stelle. Da kommt ihm das Angebot einer ehemaligen Mitschülerin, Amélie, für die Regierung zu arbeiten, gerade recht. Éric gibt sein Bestes, doch auf einer Geschäftsreise landet er in Seoul zufällig in einem „Happy Life“, wo er sich dem Ritual seiner eigenen Scheinbeerdigung unterzieht. Dieses Ritual gibt ihm die Kraft, sich auf das Wesentlich im Leben zu besinnen. Er bringt dieses Geschäftsmodell nach Frankreich, um auch hier den Menschen zu mehr Glück zu verhelfen.

Meine Meinung:
Dank des lockeren Schreibstils von David Foenkinos konnte ich diesen Roman gut lesen, obwohl er mich überhaupt nicht gepackt hat. Die erste Hälfte empfand ich als ziemlich belanglos und unaufgeregt. Die Personen werden endlos lange eingeführt und beschrieben. Trotzdem fühlte ich mich ihnen nicht nah, was wohl an dem distanzierten Schreibstil lag. Es wird mehr beschrieben als gezeigt. Die Gefühle und Emotionen der Protas werden eher aufgezählt, als dass sie bei mir ankommen.

Die zweite Hälfte konnte mich dann deutlich mehr fesseln. Hier geht es um das seltsam anmutende Ritual der Scheinbeerdigung, das in Südkorea anscheinend wirklich praktiziert wird, um gestressten und unglücklichen Menschen neuen Lebensmut zu geben.

Alles in Allem empfand ich den Roman als einigermaßen unterhaltsam, aber leider ziemlich oberflächlich. Dabei hätte das Thema so viel mehr hergegeben.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 27.08.2025

Zu viel Banken- und Wirtschaftsgedöns

Basel tanzt Tango
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Zu viel Banken- und Wirtschaftsgedöns

Inhalt:
In Basel werden immer wieder bei Tango-Veranstaltungen Frauen vergiftet, was sie zum Erbrechen bringt. Um dem Giftmischer auf die Spur zu kommen, mischen ...

Zu viel Banken- und Wirtschaftsgedöns

Inhalt:
In Basel werden immer wieder bei Tango-Veranstaltungen Frauen vergiftet, was sie zum Erbrechen bringt. Um dem Giftmischer auf die Spur zu kommen, mischen sich die Kommissare Matteo Santoro und Zina Goldberg unter die Tanzenden. Just an diesem Abend trifft es außer einigen Frauen auch einen Mann, einen Banker, und zwar weitaus schlimmer, denn er stirbt.

Meine Meinung:
Ich bin hier absolut zwiegespalten. Einerseits gefiel mir der etwas gehobene Schreibstil sehr gut. Auch der Kriminalfall war eigentlich ganz spannend. Es gibt etliche Verdächtige und immer wieder neue Wendungen.
Andererseits wird viel zu viel herumgeschwafelt, was vom Verbrechen und den Ermittlungen ablenkt, wodurch auch die Spannung immer wieder einbricht.
Es wird sehr viel auf die Banken- und Wirtschaftsszene eingegangen, und hier wirft man mit für den Laien unverständlichen Begriffen um sich; das nervt einfach. Zuweilen hatte ich das Gefühl, Sandrin wollte keinen Krimi schreiben, sondern mit den Banken (und nebenbei auch mit den Lehrer*innen) abrechnen. Es geht hier schon ziemlich polemisch und klischeehaft zu.

★★★☆☆