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Veröffentlicht am 06.10.2025

Legt die Messlatte höher

Ein Schwur aus kaltem Zorn
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Mit „Ein Schwur aus kaltem Zorn“ geht die Eifelkrimi-Reihe von Ralf Lano in die dritte Runde und ich kann gleich sagen: Das Warten hat sich gelohnt. Nach den ersten beiden Bänden kehren wir zurück ins ...

Mit „Ein Schwur aus kaltem Zorn“ geht die Eifelkrimi-Reihe von Ralf Lano in die dritte Runde und ich kann gleich sagen: Das Warten hat sich gelohnt. Nach den ersten beiden Bänden kehren wir zurück ins kleine Dorf Disselbach bei Bitburg.

Wir schreiben den Herbst 1947. Eine schlechte Ernte, Hunger und die Repressionen der Besatzungsmächte machen das Leben schwer. Trotzdem gibt es Hoffnung: Ein päpstlicher Ehrenprälat soll auf seiner Reise von Köln nach Trier Halt machen. Hier lauert jedoch neues Unheil: Der Kölner Verbrecherkönig Wolfgang Henkel erfährt von einem wertvollen Geschenk, das der Kirchenmann für den Papst mitführt und das will er sich holen. Außerdem hat er noch eine Rechnung mit Dorfschmied Karl offen, der ihm im zweiten Band die Schmuggelgeschäfte vermasselt hat.

Also schickt Henkel eine Truppe eher mäßig begabter Ganoven los, um das Geschenk zu stehlen. Doch die Bande hat nicht mit Karl gerechnet, der unverhofft Unterstützung von seinem alten Freund Werner und den Dorfbewohnern erhält. Und so entwickelt sich ein turbulenter, spannender Tag, der es in sich hat, denn die gesamte Handlung spielt, abgesehen vom Epilog, innerhalb von 24 Stunden.

Ich habe das Buch in weniger als zwei Abenden verschlungen. Es ist spannend, temporeich und atmosphärisch on top. Besonders gefallen hat mir, dass sich Lano diesmal stärker auf die Figuren konzentriert und neben all der Dramatik auch humorvolle Momente einstreut. Die Dialoge sind spritzig, manchmal rau, so lieben wir das.

Karl, Fräulein Schneebach, Pauline, alle bekannten Gesichter sind wieder da, und es ist schön, sie wiederzutreffen. Ralf Lano schafft es, die Charaktere so sympathisch und lebendig zu halten, dass man sich regelrecht freut, wenn ein neuer Band ins Haus steht.

Historisch ist auch diesmal alles stimmig. Zudem funktioniert die Mischung aus Spannung, Humor und Menschlichkeit wunderbar. „Ein Schwur aus kaltem Zorn“ ist nicht nur eine gelungene Fortsetzung, sondern hebt die Reihe auf ein neues Niveau. Die Messelatte für künftige Bände hängt zumindest jetzt ziemlich hoch. Bin gespannt, ob und wie Ralf Lano diese noch übertreffen kann.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Sehr bewegend

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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„Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ von Susanne Abel erzählt die Geschichte von Hardy und Margret, zwei Kindern, die im Chaos der Nachkriegszeit aufeinandertreffen und sich aneinander festhalten, ...

„Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ von Susanne Abel erzählt die Geschichte von Hardy und Margret, zwei Kindern, die im Chaos der Nachkriegszeit aufeinandertreffen und sich aneinander festhalten, weil es sonst niemanden gibt. Hartmut, genannt Hardy, wird nach dem Krieg allein aufgegriffen. Niemand weiß, woher er kommt oder wie alt er ist. Man steckt ihn in ein katholisches Kinderheim, wo Zucht und Ordnung herrschen. Dort trifft er Margret, ein etwas älteres Mädchen, das ihn fortan beschützt und ihm Halt gibt. Aus dieser Verbindung wächst eine tiefe Freundschaft, später Liebe, die beide durch ihr ganzes Leben begleitet.

Jahrzehnte später wächst ihre Urenkelin Emily in dieser Familie auf. Sie spürt das Schweigen, das über allem liegt, die Schwere, die niemand erklären kann. Als Jugendliche beginnt sie, Fragen zu stellen und in der Vergangenheit zu graben, und stößt auf Geschichten, die lange niemand mehr aussprechen wollte.

Susanne Abel schreibt ruhig, aber mit einer Tiefe, die einen nicht mehr loslässt. Schon nach wenigen Seiten hat mich dieses Buch komplett gepackt. Der Spannungsbogen bleibt bis zum Ende straff, jede Szene sitzt. Abel erzählt von Liebe, von Verlust, von Schuld und vom Schweigen. Von den Wunden, die man nicht sieht, und davon, wie sie über Generationen weitergegeben werden. Das, was Hardy und Margret im Heim erleben, verfolgt sie ein Leben lang. Und auch die Nachkommen spüren es noch, selbst wenn sie die Gründe nicht kennen.

Abel zeigt, dass Leid und Gewalt viele Gesichter haben und dass es immer Menschen gibt, die die Folgen tragen, auch wenn sie selbst nichts dafür können. Dieses Buch ist keine leichte Lektüre. Das Leid der Heimkinder, die Gewalt, das Schweigen, all das bekommt hier Raum. Ihre klare, reduzierte Sprache verstärkt die Wirkung nur noch mehr.

Ein großartiger Roman, ehrlich, bewegend und tiefgehend. Keine leichte Kost, aber ein Buch, das man so schnell nicht vergisst.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Wunderschön

Water Moon
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In den Straßen Tokios, versteckt hinter einem unscheinbaren Ramen-Restaurant, liegt ein Ort voller Magie: ein Pfandhaus, in dem Menschen nicht Dinge, sondern bereute Entscheidungen eintauschen können, ...

In den Straßen Tokios, versteckt hinter einem unscheinbaren Ramen-Restaurant, liegt ein Ort voller Magie: ein Pfandhaus, in dem Menschen nicht Dinge, sondern bereute Entscheidungen eintauschen können, gegen Seelenfrieden und eine Tasse exquisiten grünen Tee. An dem Tag, an dem Hana das Geschäft ihres Vaters übernehmen soll, ist er plötzlich verschwunden. Der Tresor geplündert, die Verantwortung auf ihren Schultern. Unerwartete Hilfe bekommt sie von Kei, einem jungen Physiker, der sich trotz seines rationalen Weltbildes auf dieses Abenteuer einlässt. Gemeinsam begeben sich die beiden auf eine Suche, die mehr ist als die Jagd nach einem verschwundenen Vater.

Oh, wow. Was war das denn bitte für eine geile Geschichte? Die Kombi aus Magie, Mythologie und einer zarten Liebesgeschichte, war für mich eine echte Überraschung. Samantha Sotto Yambao zeigt eine Kreativität, die ich so noch nie gelesen habe. Ich weiß gar nicht, wie ich all das Gelesene in Worte packen soll. Es war einfach wunderschön und so kreativ.

Richtig beeindruckt hat mich vor allem die Atmosphäre. Die Autorin entführt uns in die Gassen Tokios und in eine magische Parallelwelt, die sofort an die Filme von Studio Ghibli erinnert, die ich übrigens über alles liebe. Diese Mischung aus Schönheit, Melancholie und Geheimnis hat mich vollkommen verzaubert. Auch die winzigen Details und die kulturellen Elemente tragen dazu bei, dass man sich mittendrin fühlt.

Hana und Kei schließt man sofort ins Herz. Hana, die zwischen Stärke und Verletzlichkeit schwankt, und Kei, der Skeptiker, der über sich hinauswächst. Zusammen sind sie ein Team, das wunderbar funktioniert, weil sie so unterschiedlich sind. Und selbst die Nebenfiguren sind mit viel Liebe gestaltet.

„Water Moon“ ist ein fantastischer Roman voller Wendungen und Überraschungen, niemals vorhersehbar, dafür umso berührender. Wer „Chihiros Reise ins Zauberland“ oder „Der Nachtzirkus“ mochte, wird sich hier sofort zu Hause fühlen. Für mich ein Buch voller Wunder, und einfach wunderschön geschrieben. Absolute Empfehlung.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Bewegender Roman

Die Wege des Krieges
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„Die Wege des Krieges“ von Willy Schad ist für mich das schwerste Buch, das ich bisher auf meinem Blog besprochen habe. Im Zentrum stehen William und seine Freunde Eric, Lukas und Sandro. Vier Jungs aus ...

„Die Wege des Krieges“ von Willy Schad ist für mich das schwerste Buch, das ich bisher auf meinem Blog besprochen habe. Im Zentrum stehen William und seine Freunde Eric, Lukas und Sandro. Vier Jungs aus einer mitteldeutschen Großstadt, die eigentlich ein normales Leben führen, bis einer von ihnen zur Bundeswehr geht. Die anderen schließen sich an.

Anfangs läuft alles noch geordnet. Mit Disziplin machen die vier Karriere, gewinnen Ansehen in der Truppe. Doch der erste Auslandseinsatz verändert alles, es geht nicht mehr um Beförderungen, sondern ums nackte Überleben. Kugeln fliegen, Kameraden sterben, und die Jungs erleben Dinge, auf die sie niemand hätte vorbereiten können. Wir begleiten sie nicht nur im Einsatz, sondern auch im Privaten, lernen Familien, Sorgen und Hoffnungen kennen.

Und hier ein kurzer Exkurs: Wie oft stehen wir genervt in der Supermarktschlange oder regen uns über fünf Minuten Warteschleife auf? Nach diesem Buch sehe ich solche Situationen anders. Denn stellt euch vor, ihr wärt nicht in der Schlange, sondern in einem Kriegsgebiet. Kugeln prasseln, neben euch liegt ein verletzter Kamerad. Plötzlich wirken Alltagsprobleme ziemlich klein.

Dieses Buch hat mich nicht nur bewegt, sondern auch aufgerüttelt. Ich habe Tage gebraucht, um das Gelesene zu verdauen. Krieg ist das Schlimmste, was wir Menschen hervorgebracht haben, und der Autor zeigt auf brutale, ehrliche Weise, was es bedeutet, Soldat zu sein. Wir nehmen Frieden oft als selbstverständlich hin, doch das ist er nicht. Männer und Frauen gehen in Einsätze, voller Angst um sich und ihre Familien und viele zahlen dafür den höchsten Preis.

William, Eric, Lukas und Sandro wachsen einem ans Herz. Man wünscht ihnen, dass sie heil zurückkommen, weiß aber zugleich, dass es nicht für alle gut ausgeht. Und selbst wer überlebt, ist nicht mehr derselbe. Dass so viele Soldatinnen und Soldaten mit PTBS kämpfen, wundert nach dieser Geschichte nicht.

Willy Schad baut enorme Spannung auf. Die Gewalt ist hart, die Beschreibungen realistisch, manchmal so heftig, dass ich kurz pausieren musste. Gleichzeitig spannend wie ein Psychothriller, nur viel eindringlicher. Beeindruckend ist, wie er zwischen Emotion und technischer Präzision balanciert: Waffen, Fahrzeuge, Abläufe sind detailliert beschrieben.

Natürlich gibt es für mich auch einen Kritikpunkt: Die Ich-Perspektive war an manchen Stellen unglücklich gewählt, eine dritte Person hätte hier mehr Klarheit gebracht. Doch das schmälert den Gesamteindruck kaum.

Das Finale schließlich hat mich völlig überwältigt. Es ist lange her, dass mich ein Buch so sehr zum Weinen gebracht hat. Und genau das ist die Stärke dieses Buches: Es schont uns nicht und entlässt uns nicht einfach zurück in den Alltag.

Ich werde nach dieser Lektüre nie wieder den Einsatz der Soldatinnen und Soldaten unterschätzen, die dafür sorgen, dass wir hier in Sicherheit leben können. Für mich ein eindringlicher, schonungsloser und zutiefst bewegender Roman, der zeigt, welchen Preis Soldaten für unsere Sicherheit zahlen.

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Auch heute wieder relevant

Die Musketiere vom Wedding
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Vor ziemlich genau einem Jahr hat mir Orlando Stein sein Manuskript geschickt, mit der Frage, ob ich mal drüberschauen will. Ich erinnere mich noch genau an meine erste Reaktion: 1933? Berlin? Nazis? Joa, ...

Vor ziemlich genau einem Jahr hat mir Orlando Stein sein Manuskript geschickt, mit der Frage, ob ich mal drüberschauen will. Ich erinnere mich noch genau an meine erste Reaktion: 1933? Berlin? Nazis? Joa, okay, dachte ich, klingt wichtig, aber nicht gerade nach etwas, das ich regelmäßig lese. Ein Jahr später halte ich nun das fertige Buch in der Hand, mit einer Danksagung, in der mein Name auftaucht. Das hatte ich als Blogger auch noch nicht so oft. Die Wahrheit ist, das Buch Die Musketiere vom Wedding hat mir ein Setting nähergebracht, das ich vorher viel zu lange ignoriert habe.

Worum geht’s? Um vier Jungs aus dem Berliner Arbeiterbezirk Wedding, die seit ihrer Kindheit unzertrennlich sind. Willi, Emil, Joseph und Hans, beste Freunde, quasi Brüder. Sie teilen alles: Träume, Ängste, Kippen, das letzte Stück Brot. Die vier sind ein eingeschworenes Team. Doch 1933 ist nichts mehr wie früher. Die Nazis übernehmen die Macht, die Straßen werden gefährlicher, die Stimmung kippt. Und auch bei den Vieren fängt es an zu bröckeln.

Stein erzählt sicherlich keine einfache Geschichte. Es geht um Liebe, Verrat, um politische Überzeugungen und um Freundschaft, die hart an ihre Grenzen kommt. Es geht aber auch um Momente voller Wärme, Zusammenhalt und Nähe in einer der dunkelsten Zeiten der Welt.

Was mich auch beeindruckt hat: Wie viel Relevanz dieses Buch auch heute noch hat. Klar, es spielt 1933, aber man könnte es genauso gut in 2025 verorten. Die Themen sind dieselben. Rechte Hetze. Politische Radikalisierung. Menschen, die sich trauen, anders zu sein und dafür verfolgt werden. Es ist fast schon unheimlich, wie aktuell das alles wirkt.

Ich kann’s wirklich nur jedem ans Herz legen. Egal, ob queer oder nicht. Egal, ob du historisch interessiert bist oder nicht. Dieses Buch hat Herz. Es hat Haltung. Und es hat Tiefe. Es ist mutig, es ist warm, es ist schmerzhaft und schön zugleich. Für mich eins der stärksten Bücher, die ich als Blogger gelesen habe.

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