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Veröffentlicht am 14.01.2026

Ehrlich schwanger – ein Buch ohne Filter

Ich bin dann mal schwanger
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In Ich bin dann mal schwanger berichtet Jasmin Müller offen von ihrer Schwangerschaft und hebt sich damit deutlich von den üblichen, oft beschönigenden Darstellungen ab. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, ...

In Ich bin dann mal schwanger berichtet Jasmin Müller offen von ihrer Schwangerschaft und hebt sich damit deutlich von den üblichen, oft beschönigenden Darstellungen ab. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, keine perfekt inszenierte Geschichte vor mir zu haben, sondern echte Erlebnisse, die genauso roh und widersprüchlich sind, wie diese Lebensphase eben sein kann. Gerade diese Offenheit empfand ich als mutig und wohltuend.

Der Schreibstil ist einfach und direkt, fast so, als würde mir eine Freundin von ihren Erfahrungen erzählen. Themen wie körperliche Beschwerden, emotionale Achterbahnfahrten und absurde Gedanken werden unverblümt angesprochen. Vieles davon kam mir vertraut vor, weshalb ich mich oft verstanden und abgeholt gefühlt habe. An einigen Stellen musste ich schmunzeln, auch wenn der Humor eher leise und nicht durchgehend präsent ist.

Besonders intensiv war für mich der sehr ausführliche Geburtsbericht. Da ich selbst bereits eine Schwangerschaft erlebt habe, konnte ich die Schilderungen gut einordnen. Für Frauen, die ihr erstes Kind erwarten, könnten diese Passagen jedoch stellenweise überwältigend wirken und eher Unsicherheit als Beruhigung auslösen.

Die Kürze des Buches sorgt für einen schnellen Lesefluss und macht es ideal für zwischendurch. Gleichzeitig hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Tiefe gewünscht, um bestimmte Gedanken und Gefühle noch stärker nachwirken zu lassen. Dennoch passt die knappe Form insgesamt gut zum persönlichen Charakter des Buches.

Ergänzend möchte ich noch anmerken, dass dem Buch ein sorgfältigeres Lektorat gutgetan hätte. Beim Lesen sind mir einige Schreibfehler und kleine sprachliche Ungenauigkeiten aufgefallen, die den ansonsten flüssigen Lesefluss stellenweise etwas gestört haben. Gerade weil der Text so persönlich und direkt ist, hätte eine sprachliche Überarbeitung den positiven Gesamteindruck noch verstärken können.

Alles in allem ist „Ich bin dann mal schwanger“ kein Ratgeber und möchte das auch gar nicht sein. Es ist ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht, der zeigt, dass Schwangerschaft nicht perfekt, sondern oft chaotisch, anstrengend und gleichzeitig schön ist. Ein ehrliches Buch für Leserinnen, die einen ungeschönten Blick auf diese besondere Zeit suchen – ohne Hochglanz, dafür mit viel Authentizität.

  • Einzelne Kategorien
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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.11.2025

Bunte Dinos, laue Botschaft – eine amüsante Geschichte mit kleinen Schwächen

Die Streitsaurier
1

„Streitsaurier“ von Annette Langen, mit Illustrationen von Gloria Jasionowski, hat uns auf den ersten Blick sofort angesprochen. Schon das farbenfrohe Cover und die humorvollen Figuren wecken Neugier – ...

„Streitsaurier“ von Annette Langen, mit Illustrationen von Gloria Jasionowski, hat uns auf den ersten Blick sofort angesprochen. Schon das farbenfrohe Cover und die humorvollen Figuren wecken Neugier – schließlich dreht sich alles um zwei Dinosaurier, die sich auf einer winzigen Insel begegnen und darüber in einen Wettbewerb geraten, wem sie gehört.

In der Praxis entpuppte sich das Buch jedoch als etwas unausgewogenes Leseerlebnis. Während mein kleiner Mitleser hellauf begeistert war von den drolligen Urzeittieren, konnte mich als erwachsene Vorleserin vor allem die inhaltliche Umsetzung nicht vollständig überzeugen. Die Geschichte soll zeigen, dass Streiten und Versöhnen zum Leben gehören – leider bleibt diese Botschaft eher angedeutet als wirklich greifbar. Der „Streit“ zwischen Miracelrex und Superosaurus wirkt mehr wie ein spielerisches Kräftemessen, und auch die Versöhnung kommt so abrupt, dass sie fast überlesen wird.

Positiv hervorheben möchte ich aber das Design und die liebevolle Aufmachung: Das Buch ist hochwertig verarbeitet, liegt gut in der Hand und überzeugt durch detailreiche Illustrationen.

Die Idee einer „Dinosprache“ – dem sogenannten Urviechisch – ist originell und sorgt stellenweise für Lacher. Beim Vorlesen bringt sie allerdings auch Stolperfallen mit sich, da die Wörter recht sperrig sind. Für ältere Kinder mag das ein witziger Zusatz sein, für jüngere Zuhörer kann es aber irritierend wirken. Schön ist dagegen, dass es am Ende eine Übersetzungstafel und zusätzliche interaktive Elemente wie einen QR-Code gibt.

Sprachlich ist das Buch abwechslungsreich und rhythmisch, allerdings teilweise etwas anspruchsvoll. Der Text eignet sich daher eher für Kinder ab fünf Jahren, die schon etwas Konzentration beim Zuhören mitbringen.

Insgesamt ist „Streitsaurier“ ein charmant illustriertes und mit viel Fantasie gestaltetes Bilderbuch, das vor allem kleine Dinosaurier-Fans anspricht. Wer jedoch auf der Suche nach einer klaren, kindgerecht vermittelten Botschaft zum Thema Streit und Versöhnung ist, wird hier nur bedingt fündig. Als humorvolle Geschichte zum Mitmachen und Staunen funktioniert es gut – als pädagogische Lektüre eher weniger.

Fazit:
Ein visuell ansprechendes, witziges Buch mit tollen Illustrationen und kreativer Sprache, das zum Schmunzeln einlädt – inhaltlich jedoch nicht ganz so tief geht, wie der Titel verspricht. Für Dino-Fans ab fünf Jahren trotzdem eine unterhaltsame Lektüre.

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  • Handlung
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  • Charaktere
  • Cover
  • Bilder
Veröffentlicht am 01.11.2025

Zwischen Bauplänen und Albträumen

HEN NA IE - Das seltsame Haus
4

Nachdem mich Hen Na E-Seltsame Bilder bereits nachhaltig beeindruckt hatte, war für mich klar, dass ich Uketsus neues Werk Hen Na Ie- Das seltsame Haus unbedingt lesen musste. Und tatsächlich: schon die ...

Nachdem mich Hen Na E-Seltsame Bilder bereits nachhaltig beeindruckt hatte, war für mich klar, dass ich Uketsus neues Werk Hen Na Ie- Das seltsame Haus unbedingt lesen musste. Und tatsächlich: schon die ersten Seiten erinnerten mich a das, was ich an seinem Stil so schätze – dieses subtile Unbehagen, das sich unmerklich zwischen die Zeilen schleicht. Doch während die Ausgangsidee faszinierend ist, verliert sich der Roman zunehmend in seiner eigenen Absurdität.

Der Aufbau ist ungewöhnlich und zugleich reizvoll: vier Episoden über architektonisch eigenartige Häuser, erzählt in Dialogform zwischen dem Erzähler, einem Architektenfreund und weiteren Figuren, die in die jeweiligen Mysterien verstrickt sind. Anfangs funktioniert diese Form hervorragend, weil sie den Eindruck eines echten Gesprächs über das Unbegreifliche vermittelt. Je weiter ich jedoch las, desto häufiger ertappte ich mich beim Stirnrunzeln – nicht wegen der Gräuel, sondern wegen der Logik.

Die Figuren ziehen regelmäßig haarsträubende Schlüsse aus fast nichts und – seltsam genug – behalten jedes Mal recht. Aus einem winzigen Detail wird plötzlich eine voll ausgearbeitete Theorie, die das gesamte Rätsel erklärt. Das raubt der Geschichte leider viel von ihrem Reiz, denn anstatt gemeinsam mit den Protagonisten zu rätseln, beobachtet man nur, wie das Drehbuch seinen Lauf nimmt. Besonders schade ist, dass die Charaktere hier kaum Tiefe besitzen; sie wirken eher wie Sprachrohre, die uns durch den Plot führen sollen, als echte Menschen mit Ängsten und Zweifeln.

Was Uketsu allerdings weiterhin meisterhaft beherrscht, ist das Erzeugen einer Atmosphäre latenter Bedrohung. Seine Beschreibungen der Häuser – mit ihren toten Winkeln, verborgenen Räumen und unmöglichen Grundrissen – sind so plastisch, dass ich mehr als einmal das Bedürfnis hatte, meine eigenen Wände zu überprüfen. In diesen Momenten blitzt die Genialität auf, die Hen Na E-Seltsame Bilder so eindringlich gemacht hat.

Doch dann kommt die zweite Hälfte – und mit ihr eine Wendung ins Okkulte, die mich eher ratlos zurückließ. Statt die psychologische Spannung zu steigern, driftet der Roman in überzogene Erklärungen und folkloristische Rituale ab. Der Horror wird nicht tiefer, sondern lauter. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Uketsu hier seiner eigenen Faszination für das Extreme erliegt.

Trotz allem blieb ich bis zur letzten Seite gefesselt. Uketsus Stil hat etwas Hypnotisches: selbst wenn ich innerlich mit dem Kopf schüttelte, wollte ich wissen, wie es endet. Vielleicht ist genau das seine größte Stärke – er schreibt Geschichten, die einen nicht loslassen, selbst wenn man sie kritisch betrachtet.

Hen Na Ie- Das seltsame Haus ist letztlich ein widersprüchliches Buch: stilistisch fesselnd, atmosphärisch stark, aber erzählerisch unausgegoren. Wer Logik und psychologische Tiefe sucht, wird sich ärgern. Wer hingegen Freude an experimentellen Formen des Horrors hat, wird sich hier bestens gruseln – und vielleicht sogar ein wenig in den Schatten zwischen den Wänden verlieren.

Fazit:
Ein spannendes, wenn auch überzogenes Horror-Mosaik über Architektur, Geheimnisse und menschliche Abgründe. Nicht so stimmig wie Hen Na E-Seltsame Bilder, aber dennoch ein Erlebnis – vor allem für Leser, die sich gerne auf verstörende Gedankenspiele einlassen.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 29.10.2025

Spannende Idee, solide Umsetzung – aber mit Luft nach oben

Soulmates and Other Ways to Die
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Ich bin recht schnell in die Geschichte hineingekommen, was vor allem am angenehm flüssigen Schreibstil lag. Die Erzählweise macht es leicht, sich in die Welt und die Figuren hineinzufühlen. Besonders ...

Ich bin recht schnell in die Geschichte hineingekommen, was vor allem am angenehm flüssigen Schreibstil lag. Die Erzählweise macht es leicht, sich in die Welt und die Figuren hineinzufühlen. Besonders Zoe und Milo wirkten auf mich anfangs sympathisch und glaubwürdig – zwei sehr unterschiedliche Charaktere, die durch ein Schicksal verbunden werden, das sie beide eigentlich nicht wollen. Dieses Konzept, dass zwei Menschen durch ihr Blut zu Seelenverwandten erklärt werden und im Falle des Todes des einen auch der andere stirbt, fand ich unglaublich spannend und originell.

Trotzdem konnte mich das Buch nicht durchgehend überzeugen. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Handlung zu schnell voranschreitet und manche Wendungen zu plötzlich kamen. Einige Entscheidungen der Figuren wirkten für mich nicht ganz nachvollziehbar, als hätte zwischen den Szenen etwas gefehlt. Gerade bei der Entwicklung mancher Charaktere wäre etwas mehr Zeit und Tiefe wünschenswert gewesen – manchmal änderten sie ihre Meinung von einem Absatz zum nächsten, ohne dass ich wirklich verstanden hätte, warum.

Was mir dagegen sehr gut gefallen hat, war der gesellschaftskritische Unterton. Themen wie Machtmissbrauch, Kontrolle und die Grenzen von Freiheit wurden immer wieder angesprochen und sorgten dafür, dass das Buch trotz der dystopischen Liebesgeschichte auch eine gewisse Tiefe hatte.

Fazit: Eine unterhaltsame Dystopie mit einer interessanten Grundidee, sympathischen Figuren und einem flüssigen Schreibstil – aber mit Schwächen in der Glaubwürdigkeit und Tiefe der Handlung. Für Fans von emotionalen, leicht lesbaren Sci-Fi-Geschichten auf jeden Fall einen Blick wert.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Ein Haus voller Geheimnisse

Das Haus der Wiederkehr
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Der Einstieg war für mich etwas zäh, und es dauerte einige Kapitel, bis ich wirklich Zugang zu Lottie, Celia und der Atmosphäre im Merham der 40er-Jahre fand. Doch sobald ich tiefer in ihre Welt eingetaucht ...

Der Einstieg war für mich etwas zäh, und es dauerte einige Kapitel, bis ich wirklich Zugang zu Lottie, Celia und der Atmosphäre im Merham der 40er-Jahre fand. Doch sobald ich tiefer in ihre Welt eingetaucht war, haben mich die Spannungen in der Familie Holden, die Freundschaft zwischen den Mädchen und die geheimnisvolle Anziehungskraft der Bewohner des Art-déco-Hauses vollkommen gepackt.

Umso überraschender kam für mich der abrupte Wechsel in die Gegenwart, wo plötzlich Daisy im Mittelpunkt steht. Einerseits fand ich diese Unterbrechung frustrierend, weil ich gern noch mehr über Guy, Joe und Celias exzentrische Verwandtschaft erfahren hätte. Andererseits hat mich Daisys Entwicklung sehr berührt: wie sie sich als alleinerziehende Mutter neu erfindet und während der Restaurierung des Hauses ihren eigenen Weg findet. Besonders ihre innere Stärke und ihr Kampfgeist wirkten modern und nachvollziehbar.

Der Aufbau der Geschichte – Vergangenheit und Gegenwart, die sich langsam miteinander verweben – ist typisch für Moyes und funktioniert auch hier. Allerdings blieb bei mir am Ende das Gefühl zurück, dass nicht alle Fragen beantwortet wurden. Manche Figuren verschwinden einfach aus der Handlung oder bleiben blass, und gerade in den letzten Kapiteln hätte ich mir mehr Tiefe und Zeit für die Auflösung gewünscht.

Trotz dieser Schwächen hat mir das Buch gefallen, vor allem wegen der dichten Atmosphäre und der Art, wie Moyes es schafft, komplexe Figuren mit ihren Sehnsüchten und Widersprüchen lebendig werden zu lassen. Es ist sicher nicht mein Lieblingsroman von ihr, aber er zeigt bereits, wie sich ihr Stil entwickelt.

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