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Veröffentlicht am 03.10.2025

Vorlesebuch über ein wichtiges Thema

Ups, ich darf auch Nein sagen
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Im Mittelpunkt des Buches steht die kleine Leonora, die in die erste Klasse geht. In der Vorlesegeschichte erlebt sie einiges, muss auf Tante Theresas Geburtstag, Möbelpacker heben sie einfach zur Seite, ...

Im Mittelpunkt des Buches steht die kleine Leonora, die in die erste Klasse geht. In der Vorlesegeschichte erlebt sie einiges, muss auf Tante Theresas Geburtstag, Möbelpacker heben sie einfach zur Seite, hat eine Begegnung mit einem Hund und Ähnliches. Leonora lernt, mit ihren Gefühlen umzugehen und dass sie Nein sagen darf und muss, wenn ihr etwas nicht geheuer ist. Es gibt allerdings auch Situationen, wo sie sozusagen »durch muss«, beispielsweise der Tante gratulieren oder zeitig am Morgen aufzustehen, damit sie pünktlich in die Schule kommt.

Dazwischen gibt es Abschnitte für Eltern, mit Tipps und Ratschlägen, die teilweise etwas belehrend rüberkommen und die jeder mit Hausverstand wissen könnte. Dennoch sind auch gute Vorschläge dabei, wie man beispielsweise mit den Kindern Situationen, die Mut erfordern, einüben kann.

Meine beiden ältesten Enkelinnen (5 und 7), haben die Geschichten rund um Leonora zeitweise ein wenig langweilig gefunden. Dadurch, dass die Autorin zahlreiche »lehrreiche« Situationen einbauen wollte, ist die Spannung ein wenig verloren gegangen. Kinder spüren schnell, wenn Bücher einen »Erziehungseffekt« haben sollen. Bei der Geschichte, in der Leo Leonora (die ähnlichen Namen sind gewollt?) auffordert, doch mit dem Roller die Rutsche hinunterzufahren, haben beide den Kopf geschüttelt. »Ich hätte gesagt, mach’s doch selbst«, hat meine jüngere Enkelin sofort eingeworfen. Die Ältere hat sich gleich bei der ersten Geschichte gewundert: Sie selbst liebe es, wenn ihre Mama ihr eine schöne Frisur macht und das ziepe nie, hat sie gemeint. Und sie hätten sich beide mehr Bilder gewünscht, es ist doch sehr viel Text für die Zielgruppe.
Fazit: Ein wichtiges Thema, das stellenweise ein wenig konstruiert aufbereitet wurde, dennoch ein lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Verborgenes Leben in ständiger Angst

Was die Zeit verschweigt
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Die Journalistin Ruby hat erst eine Krebserkrankung überstanden. Das Angebot über eine französische Filmschauspielerin Cecile zu recherchieren, die nach Ende des Zweite Weltkrieges spurlos verschwunden ...

Die Journalistin Ruby hat erst eine Krebserkrankung überstanden. Das Angebot über eine französische Filmschauspielerin Cecile zu recherchieren, die nach Ende des Zweite Weltkrieges spurlos verschwunden ist, kommt ihr gerade Recht. Sie erhält das Tagebuch von Sylvia, die zur damaligen Zeit die Schneiderin der Schauspielerin war und auch die Aufzeichnungen eines deutschen Offiziers, der als Wachkommandant eingeteilt war. Stück für Stück erfährt Ruby immer mehr über das Leben und die Gefahr, in der sich die Französinnen im von Deutschland besetzten Paris befunden haben. Doch auch Rubys Privatleben scheint mit der Vergangenheit verwoben zu sein.

Aus drei verschiedenen Perspektiven lässt einen die Autorin in die Geschichte eintauchen. Das gelingt ihr sehr gut. Die Kapitel im Paris der 1940er-Jahre sind beklemmend und ich habe mit den Frauen mitgezittert, die ständig Angst vor Verschleppung und Hinrichtung haben mussten. Sylvia, die eigentlich Polin ist und mit gefälschten Papieren in Paris lebt, ist eine starke Persönlichkeit, die sich bemüht loyal zu bleiben. Ich fand die Gegenüberstellung zwischen Vergangenheit und Gegenwart gut gelungen: Ruby, die ebenfalls tapfer gegen den Krebs kämpft und die Frauen im Paris während der schwierigen Zeit der deutschen Besatzung. Die Angst ist allgegenwärtig: die Angst, dass er Krebs zurückkehrt und die Angst, vor Entdeckung durch die Nationalsozialisten.
Das Buch hat für mich eine starke Sogwirkung, ich konnte es nicht zur Seite legen. Nachdem es mir zwischendrin manchmal etwas zu langsam voranging, war mir der Schluss – der unerwartet aus zwei neuen Perspektiven geschildert wurde – ein wenig zu kurz, vor allem auch, was Rubys Krebserkrankung betrifft.
Trotz der kleinen Kritikpunkte: ein wundervoll geschriebener Roman, in dem Historisches und Zeitgenössisches gekonnt verwoben werden.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Bildreicher historischer Roman im England des 19. Jahrhunderts

Der Wind von Yorkshire
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June lebt mit ihren beiden Schwestern, ihrer Tante und ihrem Vater in einem kleinen Ort in England. Früher war ihr Vater Pfarrer, doch nach dem Tod der Mutter verlor er den Glauben. Die Familie durfte ...

June lebt mit ihren beiden Schwestern, ihrer Tante und ihrem Vater in einem kleinen Ort in England. Früher war ihr Vater Pfarrer, doch nach dem Tod der Mutter verlor er den Glauben. Die Familie durfte bei der Schwägerin unterschlüpfen. Da der Vater sich mit kleinen Aufträgen als Hauslehrer oder Amtswegen für Mitbürger über Wasser hält, fragen auch die anderen zum Unterhalt bei. Tante Eliza ist Heilerin und fährt mit einem Pferdewagen überall hin, wo sie gebraucht wird. June hilft ihr und eignet sich dadurch Wissen an. Dhalia, die Älteste, näht und Fern kümmert sich um die Schafherde und die Wolle. Ihre Wege kreuzen die des ehemaligen Wollsortierers Frank, dessen Frau depressiv ist und ihre Zeit im Bett verbringt. Als sie bei der Geburt des ersten Kindes stirbt, verlässt auch Frank den Ort und überlässt das Neugeborene seiner Schwester ...

Es fiel mir anfangs ein wenig schwer, in den Roman hineinzukommen. Viele Bilder, Beschreibungen und sehr viele Figuren, sodass die Orientierung nicht einfach war. Doch nach und nach wurde es besser und ich lernte die Personen langsam kennen. Große Sympathien hatte ich für Franky, der mit der depressiven Frau leben muss, die ihn verachtet. Es klingt durch, dass er eine Schuld auf sich geladen hat. Starke Persönlichkeiten sind vor allem die Frauen: June, ihre Tante Elisabeth und die jüngere Schwester fern, die die Schafzucht, zur damaligen Zeit in männlicher Hand, allein bewerkstelligt. Der Vater kommt am Anfang weltfremd und schwach herüber, doch gegen Ende, als seine Tochter krank wird, zeigt er, was in ihm steckt.
Leider hört das Buch mittendrin auf. Der Klappentext verrät bereits das Ende, mehr kommt nicht, da wird man auf Band 2 vertröstet. Es sind sehr viele Handlungsstränge aufgebaut, die hoffentlich alle noch einen Abschluss finden werden.
Das Buch punktet bei mir hauptsächlich durch das Ambiente. Das Leben zu dieser Zeit wird bildhaft und eindrücklich geschildert, informativ und spannend. Fans historischer Romane werden von diesem Werk begeistert sein.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Eine beginnende Liebe in Louisiana

Der Duft der Sumpfzypressen
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May lebt in Louisiana und arbeitet für ihren Vater als Tourguide. Täglich fährt sie mit dem Boot ins Bayou und bringt Touristen die wilde Landschaft rund um New Orleans nahe. Als ihr Vater sie für den ...

May lebt in Louisiana und arbeitet für ihren Vater als Tourguide. Täglich fährt sie mit dem Boot ins Bayou und bringt Touristen die wilde Landschaft rund um New Orleans nahe. Als ihr Vater sie für den Sommer beauftragt, mit dem Wissenschaftler Cody zu arbeiten, ihn an die besten Plätze zu bringen und Bodenproben zu nehmen, ist sie zunächst nicht begeistert. Doch bald kommt sie dem athletischen Mann näher und vertraut ihm an, wie sehr sie sich wünscht, dass die Landschaft geschützt. Denn die Sumpflandschaft Louisiana versinkt langsam im Meer. Cody scheint ihr helfen zu wollen, doch meint er es ehrlich?

Der Roman besticht durch das besondere Flair der wunderbaren Landschaft, die man sofort vor Augen hat. Maybelles Familie wuchs mir sofort ans Herz, ich war sofort mittendrin im Geschehen. Wer würde sich nicht so eine erfrischend herzlich offene Großfamilie wünschen, in der einer für den anderen einsteht.
May war mir sofort sympathisch. Die Autorin hat hier eine handfeste Protagonistin geschaffen, nicht zimperlich und die sich für das einsetzt, von dem sie überzeugt ist. Auch Cody gefiel mir gut, der verschrobene wortkarge Wissenschaftler, der sich zuerst nur für seine Arbeit und nicht für sonstige Probleme interessiert.
Während mich das Flair, die Familie und der Einblick in Bräuche, Rituale und Festivitäten der Cajun begeistert hat, fand ich die Entwicklung zwischen Cody und May ein wenig konstruiert. Mir war nicht ganz klar, was Cody eigentlich tut und was seine Forschung für einen Sinn macht, zumindest war die Erklärung für mich schwammig. (Wir sind hier, um zu lernen, nicht um etwas zu verändern). Cody Vater war mir zu klischeehaft böse, dafür war der Showdown rund um den Sturm und Mays Ex-Freund wieder spannend.
Mein Fazit: Ein netter Unterhaltungsroman, mit einigen spicy Szenen in einem wundervollen Ambiente.


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Veröffentlicht am 12.08.2025

Gefühlvoll geschriebener Liebesroman mit tiefgehendem Thema

All the Things I Love about You
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Die angehende Medizinerin Dawn kann das Leid ihrer Tante Juliana nicht länger ansehen und hilft ihr beim assistierten Suizid. Die Folgen für sie sind katastrophal: Sie wird kurz vor dem Abschluss von der ...

Die angehende Medizinerin Dawn kann das Leid ihrer Tante Juliana nicht länger ansehen und hilft ihr beim assistierten Suizid. Die Folgen für sie sind katastrophal: Sie wird kurz vor dem Abschluss von der Universität geworfen, zudem darf sie in keinem anderen Staat ihr Studium zu Ende führen. Ihr Traum vom Beruf als Ärztin ist somit geplatzt, auch sonst bekommt sie keine Chance auf einen Job. Daher ist sie überglücklich, dass sie der Kickbox-Star Landen als Assistentin einstellt. Von Anfang an fühlen die beiden sich zueinander hingezogen, doch ist es eine gute Idee, sich mit dem Chef einzulassen?

Es ist mein erstes Buch der Autorin und der leicht zu lesende bildhafte Schreibstil ließ mich sofort in die Geschichte eintauchen. Es ist in der Ich-Form abwechselnd aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren geschrieben. Beim ersten Drittel dachte ich, eine nette Wohlfühlgeschichte, angenehmer Schreibstil, aber nichts Neues. Das änderte sich jedoch schlagartig, als ein Unfall passiert, der alles auf den Kopf stellt. Ab hier wird es emotional und die Story geht in eine komplett andere Richtung, die mir sehr gut gefiel. Die Ängste und Sorgen der Protas werden gut dargestellt, auch die Nebenfiguren fügen sich toll in die Geschichte ein. Dawns Eltern sind Schatten im Hintergrund, deren Verhalten ich nicht nachvollziehen kann, da hätte ich mir mal eine direkte Konfrontation gewünscht. Auch der Umgang mit dem behinderten Sohn (Dawns Bruder) ist eigenartig, weil sie Dawn ständig das Zusammensein mit ihm verbieten wollen.
Das Ende ich durchaus befriedigend, lässt aber einige Fragen offen. Vielleicht gibt es Erklärungen im zweiten Band.
Unter dem Strich: ein tiefgehender Liebesroman, der nachdenklich stimmt und den ich sehr gern weiterempfehle.

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