Kriminalistische Arbeit im zwölften Jahrhundert
Der Kriminale InquisitorAls einer seiner Söhne tot aufgefunden wird, glaubt Isidor von Trossberg nicht an einen Unfall und beauftragt Jan von Granitweiler, kurz Granit genannt, den Fall näher in Augenschein zu nehmen. Der stellt ...
Als einer seiner Söhne tot aufgefunden wird, glaubt Isidor von Trossberg nicht an einen Unfall und beauftragt Jan von Granitweiler, kurz Granit genannt, den Fall näher in Augenschein zu nehmen. Der stellt schon bald fest, dass es Mord war, und begibt sich auf die Suche nach dem Täter. Doch er kommt nur zäh voran, und er kann auch den nächsten Mord nicht verhindern ...
Der Autor hat sich auf ein interessantes Thema gestürzt: Mordermittlungen in einer Zeit, in der es keinerlei Hilfsmittel, wie penible Rechtsmedizin, Spurensuche, Fingerabdrücke und Ähnliches gab. Granit kann sich also nur auf Befragungen und Beobachtungen verlassen und seine Figur war dreidimensional und fesselnd ausgearbeitet.
Anfangs kam ich nur langsam in die Story hinein, es sind zahlreiche Figuren, ungewöhnliche Namen und Begriffe, die jedoch mit Fußnoten erklärt werden. Der Autor hat gut recherchiert, ein düsteres Bild des 12. Jahrhunderts ist vor meinen Augen entstanden, in dem die Adligen noch alle Rechte hatten und die Bevölkerung hungern musste. Gerechtigkeit lag im Auge des Betrachters, Willkür war an der Tagesordnung, Krankheiten und vor allem der Pest, stand man ohnmächtig gegenüber. Mosaikartig entschlüsselt sich das Rätsel rund um die kriminellen Handlungen – zwischendurch hätte der Plot einen Tick mehr Tempo vertragen.
Ein paar Freiheiten hat sich der Autor auch genommen, so ist der Ausdruck »kriminaler Inquisitor« frei erfunden und auch der Kinderreim »Eene, meene, muh ...« Ist später entstanden – doch dafür hat er in anderen Bereichen detailgenaue Beschreibungen abgegeben. Ich war erleichtert, als ich das Buch zuklappen konnte und mich wieder in der Gegenwart befunden habe.
Lesenswert, spannend, mit historisch angepasstem Schreibstil, vor allem in den Dialogen, das fand ich wirklich gelungen. Gern empfehle ich das Buch allen Fans historischer Kriminalromane weiter.