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Veröffentlicht am 21.11.2025

Eine Tragödie bahnt sich an

Dann schlaf auch du
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Als die Mutter nach Hause kommt, sind ihre beiden Kinder tot und die Nanny liegt schwer verletzt im Koma. Was war geschehen, wie konnte es zu dieser Tragödie kommen? --- Um wieder in ihrem Beruf als Juristin ...

Als die Mutter nach Hause kommt, sind ihre beiden Kinder tot und die Nanny liegt schwer verletzt im Koma. Was war geschehen, wie konnte es zu dieser Tragödie kommen? --- Um wieder in ihrem Beruf als Juristin arbeiten zu können, beschließen Myriam und Paul für ihre beiden kleinen Kinder eine Nanny einzustellen. Louise erweist sich dabei als vermeintlicher Glücksfall. Liebevoll versorgt sie die beiden Kleinen, kocht für die Familie und hält auch ganz nebenbei noch den Haushalt in Schuss. Bald ist sie unentbehrlich, kommt immer früher und geht abends später, so dass Myriam bedenkenlos ihre Karriere vorantreiben kann. Sie behandeln Louise als willkommenes Familienmitglied, kümmern sich aber nicht um ihr Privatleben, um ihre Einsamkeit, ihre finanzielle Notlage und ihre heimlichen Sorgen --- bis es zur Tragödie kommt.

Leila Slimani, geb. 1981 in Rabat/Marokko, ist eine französische Schriftstellerin und Journalistin mit marokkanischen Wurzeln. „Dann schlaf auch du“, 2019 Luchterhand, („Chanson douce“ 2016 Éditions Gallimard) ist ihr zweiter Roman, für den sie den 2016 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde. 2021 zog die Autorin mit ihrer Familie nach Lissabon, um dort in Ruhe an ihrer Romantrilogie „Das Land der Anderen“ zu arbeiten. Im Jahr 2025 wurde sie beim 78. Filmfestival von Cannes als Jurymitglied ausgewählt.

Weil der Roman mit dem Ende beginnt, ahnen wir bereits, wer die beiden Kinder ermordet hat. Das erzeugt hohe Spannung weil man wissen will, wie es dazu kommen konnte. In flüssigem Schreibstil und in eher nüchternen Worten, ohne psychologische Ausschweifungen, lässt die Autorin chronologisch die Ereignisse Revue passieren. Die Perspektive wechselt stetig zwischen den Eltern, der Nanny und einigen Nebenfiguren. Dabei kommen auch etliche gesellschaftskritische Themen zur Sprache, z.B. wie sich Beruf und Kinderbetreuung vereinbaren lassen und ob es gerechtfertigt ist, einer Angestellten so zu vertrauen und sie als Familienmitglied zu behandeln. Karrierestreben und Klassenunterschiede sind weitere, für das Geschehen relevante, Motive.

Fazit: Kein klassischer Krimi sondern eher eine Analyse, wie es zu der Tragödie kommen konnte. Meine Empfehlung!

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Wo sind die Träume der Kindheit geblieben?

Drei Tage im Schnee
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Um vom Stress und der Hektik ihres Jobs als Führungskraft abzuschalten, mietet sich Hannah für ein Wochenende ein kleines, einsam gelegenes Häuschen am See, inmitten der tief verschneiten Winterlandschaft. ...

Um vom Stress und der Hektik ihres Jobs als Führungskraft abzuschalten, mietet sich Hannah für ein Wochenende ein kleines, einsam gelegenes Häuschen am See, inmitten der tief verschneiten Winterlandschaft. Dort trifft sie ein kleines Mädchen namens Sophie, das einen roten Schneeanzug trägt und Hannah an ihre eigene Kindheit und ihre damaligen Träume erinnert. Sie freunden sich an, trinken zusammen weiße Schokolade, machen Schneeengel und bauen Schneetiere und Iglus. Dabei merkt Hannah, dass sie bisher vieles in ihrem Leben falsch gemacht hat und beschließt, anstatt ständig zu hetzen und es allen recht zu machen, mehr an sich selbst zu denken und die kleinen Freuden des Lebens zu genießen …

Ina Bhatter studierte in Leipzig und Paris Journalistik und Romanistik. Bevor sie beim Radio und in den Pressestellen diverser Unternehmen arbeitete reiste sie ein Jahr um die Welt, um andere Kulturen kennen zu lernen und zu erfahren, was Menschen wirklich glücklich macht. „Drei Tage im Schnee“, erschienen am 09.10.2025 bei Kiepenheuer & Witsch, ist ihr erstes Buch. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Berlin.

Eine ruhige, stimmungsvolle Geschichte, ideal zum entspannen und auf sich selbst besinnen. Die verschneite Winterlandschaft und die Ruhe der Natur sind so wunderbar beschrieben, dass man als Leserin das Gefühl hat, selbst dabei zu sein. Der klare Schreibstil, die beiden liebenswerten Charaktere und die friedliche Atmosphäre laden zum Durchatmen und zur Selbstbesinnung ein: Lebe ich wirklich so, wie ich es mir einst erträumt hatte oder bestimmen Stress und Hektik mein Leben? Wie kann ich mich neu orientieren?

Fazit:* Keine große Literatur, jedoch ein schöner kleiner Roman, bei der man die Hektik des Alltags vergessen kann.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Aufstieg und Fall

Aufsteiger
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Auf dem Seziertisch liegt eine Leiche, über deren Tod Kommissar Fallner ermittelt. Wer ist es? Felix Licht, Journalist bei einem angesagten Magazin, ist es nicht. Er ist glücklich, denn heute soll er endlich ...

Auf dem Seziertisch liegt eine Leiche, über deren Tod Kommissar Fallner ermittelt. Wer ist es? Felix Licht, Journalist bei einem angesagten Magazin, ist es nicht. Er ist glücklich, denn heute soll er endlich den Posten des Chefredakteurs bekommen, auf den er so lange hingearbeitet hat. Doch dann ist die Enttäuschung groß, den begehrten Posten bekommt die junge Farbige Zoe Rauch, die er einst ausgebildet hat, mit der er damals sehr eng befreundet war und an die er noch oft, vielleicht zu oft, denken muss. Mit dieser Schmach kann Felix nicht umgehen. Er lässt seinen Frust zu Hause bei Frau und Kind aus und muss daraufhin ins Hotel ziehen. Der windige Rechtsanwalt Cornelius Sentheim, Spezialist für solche Fälle, wird auf ihn aufmerksam und rät ihm zur Klage gegen die Eigentümer des Magazins wegen Diskriminierung. Inzwischen hat sich Felix jedoch mit Zoe getroffen und die alte Liebe zu ihr ist wieder erwacht …

Peter Huth, geb. 1969 in Kleve, ist ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Musikverleger. Als Chefredakteur bei namhaften Verlagen und Unternehmenssprecher bei Axel Springer hat er bereits mehrere Sachbücher und Romane veröffentlicht. „Aufsteiger“ (2025, Verlag Droemer Knaur GmbH.) ist sein dritter Roman. Peter Huth ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in Berlin.

Dass sich der Autor in der Medienbranche gut auskennt, merkt man beim Lesen. Ehrgeiz und Rivalität sind sehr gut heraus gearbeitet und wirken glaubwürdig. Es werden viele aktuelle Themen behandelt, wie die Probleme mit den Klimaklebern, das Transgender-Thema und die Verbreitung von Fake News, um nur einige zu nennen. Spannung wird hauptsächlich dadurch erzeugt, dass Huth die Geschichte wie ein Krimi beginnt: Eine unbenannte Leiche, über deren Tod ein Kommissar ermittelt und deren Identität man erst zum Schluss erfährt. Ein angenehmer, gut lesbarer Schreibstil sowie die authentisch und lebensecht als individuelle Personen beschriebenen Charaktere machen das Lesen interessant und bieten reichlich Stoff zum Nachdenken.

Fazit: Ein gut gelungener Roman der viele Themen behandelt, die die Menschen heute beschäftigen. Meine Empfehlung!

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Ein Landstreicher auf Reisen

Abenteurer des Schienenstranges
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Noch nicht ganz erwachsen, geht ein junger Mann auf die Jagd nach Abenteuer. Er schließt sich Landstreichern an, bettelt an Haustüren um Essen, schläft im Freien, lernt das Gefängnis von innen kennen und ...

Noch nicht ganz erwachsen, geht ein junger Mann auf die Jagd nach Abenteuer. Er schließt sich Landstreichern an, bettelt an Haustüren um Essen, schläft im Freien, lernt das Gefängnis von innen kennen und bereist ganz Amerika als blinder Passagier in, auf und unter Güterzügen. Dieser junge Mann ist kein anderer als einer der bekanntesten Schriftsteller Amerikas und Autor zahlreicher Abenteuerromane, Jack London, der uns hier über seine Abenteuer als Landstreicher berichtet:

„Abenteuer des Schienenstranges“ (The Road, 1907), autobiographische Landstreicherabenteuer.

Jack London, (geb. 1876 in San Francisco als John Griffith Chaney; gest. 1916 in Glen Ellen, Kalifornien), war ein US-amerikanischer Schriftsteller, Journalist und Fotograf. Er schrieb zahlreiche Romane, Kurzgeschichten und Tatsachenberichte und erlangte vor allem durch seine später auch mehrfach verfilmten Abenteuerromane Bekanntheit.

Die Geschichte lässt sich, trotz ihres Alters, sehr gut lesen. Wenn man nicht alles für bare Münze nimmt, kann man dabei schmunzeln oder manchmal sogar herzhaft lachen, den Kopf frei kriegen und wunderbar entspannen. Zu komisch sind zuweilen seine Abenteuer mit der Polizei und dem Zugpersonal, die in der heutigen Zeit so wohl nicht mehr möglich wären.

Fazit: Wer gerne alte Klassiker und Abenteuergeschichten liest, ist hier bestens bedient.

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Mord und Korruption in der Provence

Mörderischer Mistral
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Capitaine Roger Blanc wurde von Paris in die Provence versetzt, der erfolgreiche Ermittler von Korruptionsfällen war wohl einigen hochrangigen Politikern unbequem geworden. Auch seine Frau hatte ihn eines ...

Capitaine Roger Blanc wurde von Paris in die Provence versetzt, der erfolgreiche Ermittler von Korruptionsfällen war wohl einigen hochrangigen Politikern unbequem geworden. Auch seine Frau hatte ihn eines anderen Mannes wegen verlassen. So macht er sich denn alleine auf in Richtung Süden, wo er in dem kleinen Ort Gadet in der alten verfallenen Ölmühle wohnen wird, die er von seinem Onkel geerbt hatte. Kaum angekommen, erwartet ihn schon ein Mordfall. Auf einer Müllkippe wird eine verbrannte Leiche gefunden. Von seinem neuen Vorgesetzten, Commandant Nkoulou, wird er, zusammen mit Kollege Marius, mit dem Fall betraut. Bald wittert der erfahrene Ermittler auch hier ein Fall von Korruption, denn die dort amtierende Untersuchungsrichterin ist die Frau jenes Politikers, auf dessen Veranlassung er die Hauptstadt verlassen musste. Dann geschieht ein weiterer Mord und die Spur führt in die Pinienwälder, die der Mistral soeben in ein Flammenmeer verwandelt …

Der Autor Cay Rademacher wurde 1965 in Flensburg geboren. Er studierte in Köln und Washington Geschichte und Philosophie. Neben seiner Tätigkeit als Redakteur bei der Zeitschrift GEO schrieb er Sachbücher und historische Köln-Krimis. „Mörderischer Mistral“ aus dem Jahr 2014 ist der Auftakt einer Provence-Krimiserie um Capitaine Roger Blanc. Der Autor lebt heute mit seiner Familie in der Nähe von Salon-de-Provence in Frankreich.

Dieser gut durchdachte Krimi besticht durch seine großartigen Landschaftsbeschreibungen, seinen differenziert angelegten Figuren und nicht zuletzt durch seine interessant gestaltete Handlung. Korruption ist ein Thema, das es vermutlich schon immer gab und das wohl auch immer aktuell sein wird. Eingebunden in die französische Lebensart ist es dem Autor gelungen, das Problem mit Spannung, Logik und verstecktem Humor dazustellen. Sein Schreibstil ist dabei sehr angenehm, mit lebensnahen Dialogen, viel Lokalkolorit und großer Lust am Detail. Die beteiligten Personen, besonders Capitaine Roger Blanc mit seiner eigenwilligen Art, wirken sehr lebensecht und sind authentisch in ihren Handlungen. Man muss den Kerl einfach mögen, genauso wie sein Kollege Marius, der essen, trinken und schlafen jeder Ermittlungsarbeit vorzieht, und nicht zuletzt Computerspezialistin Fabienne, die sich mit ihrem Arbeitseifer für Roger Blanc als große Hilfe erweist. Auch die anderen Figuren, die man nach und nach kennen lernt, sind sehr verschiedenartig angelegt. Gegen Ende zu wird es dann so richtig spannend und die Ereignisse überschlagen sich. Das Interesse an den nächsten Bänden ist geweckt!

Fazit: Ein solider, spannender Krimi über Mord und Korruption, den ich gerne empfehle!

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