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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.01.2026

Eindrückliches Leseerlebnis!

Die Ausweichschule
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Dieser Titel stand in diesem Jahr auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis - zu Recht?

Zwanzig Jahre nachdem Robert Steinhäuser an seiner ehemaligen Schule, dem Erfurter Gutenberg-Gymnasium bei ...

Dieser Titel stand in diesem Jahr auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis - zu Recht?

Zwanzig Jahre nachdem Robert Steinhäuser an seiner ehemaligen Schule, dem Erfurter Gutenberg-Gymnasium bei einen Amoklauf 16 Menschen und anschließend sich selbst erschoss, werden auch bei Kaleb Erdmann Erinnerungen an diese Zeit wachgerüttelt.

Erdmann selbst war damals elf Jahre alt und ebenfalls Schüler an der Schule. Und obwohl er nicht unmittelbar Zeuge der Gewalttaten wurde, wird in dem Buch deutlich, wie prägend ein solches Ereignis auch für diejenigen war, die „nur“ am Rand standen.
Bereits zwei Wochen nach dem Amoklauf erfolgt die langsame Rückkehr in den Unterrichtsalltag an einer provisorischen „Ausweichschule“, während das Gutenberg-Gymnasium nach der Tat beinahe kernsaniert wird.

In diesem autofiktionalen Roman lässt uns der Autor aus Sicht eines Erzählers auf den Schreibprozess, eigenen Zweifeln und der Auseinandersetzung mit den Ereignissen rund um die schreckliche Tat teilhaben, die auch letztlich dazu führen, dass seine eigene Erinnerung ihm einen Streich spielt.
Er selbst hat im Rahmen der psychologischen Aufarbeitung des Traumas mehrere Therapien durchlaufen und stellt sich nun trotz allem selbst die Frage, ob er als Randfigur überhaupt das Recht hat, den Amoklauf in literarischer Form zu verarbeiten und damit möglicherweise erneut alte Wunden bei den Betroffenen aufzureißen.
Tatsächlich beleuchtet Erdmann in diesem Buch auf reflektierte Art ein unfassbares Attentat, die Ereignisse die dazu führten, aber auch darauf folgten und bewahrt gleichzeitig eine sensibles Andenken an die Opfer.

Für mich durch und durch interessant und absolut lesenswert.

Einziger Kritikpunkt ist für mich eine Passage, in der der Erzähler über die ideale Getränkeflasche zum Hineinurinieren sinniert. Das empfand ich in diesem Buch als unangenehm, deplatziert und auch überflüssig.
Trotzdem finde ich das Buch sehr wichtig, vielleicht auch als Schullektüre, die Nominierung für die Shortlist des deutschen Buchpreises ist meiner Meinung nach vollkommen gerechtfertigt.

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Veröffentlicht am 24.11.2025

Klamaukig & Liebenswert

Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum
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Angela und ihr Achim stellen sehr schnell fest, dass sie schon bessere Ideen hatten, als ihren Weihnachtsurlaub bei den Obamas auf Hawaii zu verbringen!
Unter einem Vorwand kehren sie daher kurz vor dem ...

Angela und ihr Achim stellen sehr schnell fest, dass sie schon bessere Ideen hatten, als ihren Weihnachtsurlaub bei den Obamas auf Hawaii zu verbringen!
Unter einem Vorwand kehren sie daher kurz vor dem Fest ins heimische Kleinfreudenstadt zurück, wo sie zur Begrüßung eine Leiche erwartet. Die steckt ausgerechnet als Weihnachtsmann verkleidet, kopfüber in ihrem Kamin!
Bei dem handelt sich bei dem Toten um niemand geringeren als Egon Kerner, der wie sich herausstellt, sich bei einigen ziemlich unbeliebt gemacht hat. Da der unfähige Kommissar Hannemann die gewohnt falschen Schlüsse zieht und das Ganze als Unfall abtut, ist nun wieder Angelas Spürnase gefragt, um dem Täter auf die Spur zu kommen.
Und auch Bodyguard Mike hat alle Hände voll zu tun, spätestens, als die Alt-Kanzlerin auf dem Weihnachtsmarkt zu tief ins Glühweinglas schaut.

Als großer Fan der Miss Miss Merkel- Reihe habe ich so sehr gehofft, dass David Safier seine Titelheldin endlich mal in der Weihnachtszeit ermitteln lässt und nun ist es endlich so weit! Das Setting passt perfekt in die Jahreszeit und Humor ist wieder on Point und manchmal ein bisschen drüber, aber die treffenden Seitenhiebe auf die Politprominenz sorgen jede Menge Lacher!

Der 5. Fall für Miss Merkel ist deutlich kürzer als die vorherigen und kommt diesmal in einem schmalen Hardcover daher und passt damit nicht so recht in das bisherige Format der Reihe, es sei denn, man nutzt die EBook-Variante.

Dafür hat mich die Story inhaltlich wieder voll und ganz begeistern können und für Cosy Crime-Fans wäre dieses Buch das ideale Weihnachtsgeschenk!

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Veröffentlicht am 12.11.2025

Emotional, schön geschrieben!

Die Buchhandlung der Erinnerungen
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Diese melancholisch angehauchte Geschichte erinnert sowohl an „Die Mitternachtsbibliothek“ von Matt Haig , als auch die „Die Erinnerungsfotografen“ von Sanaka Hiiragi und liegt irgendwo dazwischen.

Jiwon ...

Diese melancholisch angehauchte Geschichte erinnert sowohl an „Die Mitternachtsbibliothek“ von Matt Haig , als auch die „Die Erinnerungsfotografen“ von Sanaka Hiiragi und liegt irgendwo dazwischen.

Jiwon plagen schwere Schuldgefühle und trauert noch immer um ihre Mutter, die sieben Jahre zuvor an Krebs verstorben ist.
Ein Arztbesuch endet für sie mit Ernüchterung, doch dann entdeckt sie die Buchhandlung der Erinnerungen. Dort erhält sie die Chance, drei Zeitreisen in die Vergangenheit zu unternehmen. Ihre letzte Hoffnung, den unvermeidlichen Verlauf der Dinge zu ändern oder am Ende zu lernen, das Schicksal und den Tod der Mutter endlich anzunehmen.

Die Geschichte handelt von dem Umgang mit Trauer und Verlust eines geliebten Menschen und der Erkenntnis, dass das Leben trotz allem weitergehen muss. Die Autorin hat sich dieser Thematik auf sehr sensible Weise gewidmet, mit viel Feingefühl geschrieben und dabei genau den richtigen Ton getroffen. Mir ging die Geschichte sehr nah und hat an mancher Stelle für das ein oder andere Tränchen gesorgt.

Ein Buch das Hoffnung gibt, dass am Ende alles gut wird, egal wie es ausgeht.
Absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Ein Sachbuch mit Romancharakter!

Die Weltgeschichte in zwölf Bohnen
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Dreizehn Kapitel, die von zwölf unterschiedlichen Bohnenarten handeln und nebenbei ein Stück Weltgeschichte vermitteln.

Nahezu alle Bohnenarten haben ihren Ursprung von einer bestimmten amerikanischen ...

Dreizehn Kapitel, die von zwölf unterschiedlichen Bohnenarten handeln und nebenbei ein Stück Weltgeschichte vermitteln.

Nahezu alle Bohnenarten haben ihren Ursprung von einer bestimmten amerikanischen Art und sind auf verschiedenen Wegen auf der ganzen Welt verteilt, wo sie vielerorts nicht nur als unverzichtbare Grundnahrungsmittel etabliert sind, sondern auch eine große Bedeutung für die Agrarwirtschaft und das Klima, den Handel und auch historische Entwicklungen haben.
Sogar die Kakaobohne und die Kaffeebohne haben hier ihren Auftritt, obwohl sie streng genommen gar keine Hülsenfrüchte sind, aber wenn wir beim Thema Weltgeschichte sind, haben sie ganz klar eine Daseinsberechtigung in diesem Buch!
Wobei die eigentliche und gleichzeitig lehrreiche Überraschung übrigens die Erdnuss war, mit der ich wirklich nicht gerechnet habe.

Es ist ein ganz ungewöhnliches Sachbuch, das aufgrund des unterhaltsamen Erzählstils für mich fast Romancharakter hat. Der Autor hat sich hier wirklich Mühe gegeben, historische Ereignisse, rund um den Globus und aus der Sicht von Hülsenfrüchten, originell, kurzweilig und letztlich sehr bereichernd näher zu bringen.

Eine gelungene Hommage an die gemeine Bohne (Phaselus vulgaris) und ihre außergewöhnliche Rolle in der Weltgeschichte!
Von mir gibt es hierfür eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Hilfe gegen Mathetrauma

Pi mal Daumen
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Oscar ist gerade einmal 16 Jahre alt, stammt aus einem behüteten Elternhaus, hat leicht autistische Züge und möchte an der Uni seinen mathematischen Idolen nacheifern. Bei seiner ersten Begegnung mit Moni ...

Oscar ist gerade einmal 16 Jahre alt, stammt aus einem behüteten Elternhaus, hat leicht autistische Züge und möchte an der Uni seinen mathematischen Idolen nacheifern. Bei seiner ersten Begegnung mit Moni Kosinsky ist er zunächst der festen Überzeugung, dass sich die 53-Jährige sie sich auf dem Weg zur Uni-Mensa versehentlich in der Tür geirrt haben muss. Ihr äußeres Erscheinungsbild und ihr Intellekt passen wohl eher hinter eine Supermarktkasse, als in einen Hörsaal. Doch da ist sie nun - und möchte sich den Traum vom Mathematikstudium erfüllen, zumindest, wenn es sich zwischen ihren Jobs, den Kindern und der Enkelbetreuung gerade einrichten lässt. Oscar hat seine Zweifel an Monis Fähigkeiten und sieht ihre Zusammenarbeit eher als persönliches Sozialprojekt an, das von Vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Doch je besser er seine ungewöhnliche Kommilitonin kennenlernt,um so mehr entpuppt sie sich als ein unterschätztes Überraschungspaket.

Mein persönliches Hassfach in der Schule - und damit bin ich bestimmt nicht allein - war tatsächlich Mathe!

Als Alina Bronsky hierüber dieses Buch schrieb, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass mir die Geschichte auch nur in Ansätzen gefallen könnte.
Tja…so kann man sich irren, denn ich wurde positiv überrascht!
Die Story ist aus der recht unbedarften Sicht von Oscar geschrieben und dadurch gespickt mit viel unfreiwilliger Situationskomik und pointierter Gesellschaftskritik!
Einerseits erfüllen die zwei Hauptprotagonisten sämtliche Klieschees, andererseits könnte es hier wirklich kaum besser passen.
Zwischen dem ungleichen Duo entwickelt sich im Verlauf der Geschichte eine besondere und berührende Freundschaft, die einem sehr ans Herz geht!
Ich hätte mir zwar gerne ein anderes Ende gewünscht, dennoch hat es durchaus gepasst!

Zu Recht ist der Titel im vergangenen Jahr zum „Lieblingsbuch der Unabhängigen“ gewählt worden!
Von mir eine Leseempfehlung (auch für diejenigen, die der Mathematik nichts abgewinnen können)! 😉

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