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Veröffentlicht am 17.12.2025

Spiritualität als Erfahrung

Segen und Glück
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Spiritualität als Erfahrung
Paulo Coelho lädt in „Segen und Glück“ ein, kleine Weihnachtsgeschichten aufzunehmen und sie als Weg der inneren Reflexion zu entfalten – jenseits von Besitz, Erfolg und Zufall. ...

Spiritualität als Erfahrung
Paulo Coelho lädt in „Segen und Glück“ ein, kleine Weihnachtsgeschichten aufzunehmen und sie als Weg der inneren Reflexion zu entfalten – jenseits von Besitz, Erfolg und Zufall. In diesen Geschichten und symbolischen Bildern zeigt er, was im Menschen wirklich zählt: Vertrauen, Hingabe, Demut und die Fähigkeit, das Besondere in jedem Augenblick zu erkennen. Wie oft bei Coelho führt die Reise nach innen.

Inhalt „Segen und Glück“
Für Paulo Coelho ist Spiritualität eine Erfahrung, die jeder Mensch erleben kann. Der Glaube ist kein festgeschriebenes Dogma, sondern ein lebendiger Prozess. Der Mensch muss sich nur dafür entscheiden. Diese Geschichten zeigen, wie alltägliche Beobachtungen uns die spirituelle Kraft geben, das Glück zu erkennen, das sich vielleicht im Lächeln eines Kindes verbirgt.

Coelho zeigt, dass Glück nicht aus äußeren Umständen resultiert, sondern eine Bewusstseinsqualität ist. Segen ist nicht etwas, das man empfängt, sondern etwas, das man erkennt – in jeder Begegnung, in jedem Atemzug.

Seine Bücher, vor allem „Der Alchimist“ und „Veronika beschließt zu sterben“, erzählen keine Glaubensdogmen, sondern zeigen den Prozess der Wandlung – seelische Bekenntnisse in erzählter Form.

Paulo Coelho schreibt oft aus persönlicher Erfahrung, wie in „Veronika beschließt zu sterben“ oder „Hippie“. Seine Texte sind keine theoretischen Abhandlungen, sondern spirituelle Selbstversuche. In der Gegenwartsliteratur ist Coelho ein populärer Nachfahre des augustinischen Denkens: ein Mann, der das eigene Leben literarisch als Pilgerweg deutet.

Schreibstil „Segen und Glück“
Coelhos Stil ist klar, einfach und symbolisch. Er verwendet kurze, gleichnishafte Sätze, die wie Aphorismen wirken. In dieser Schlichtheit liegt der Zauber: Er schreibt für die Seele, nicht für den intellektuellen Wettstreit. Die Erzählstimme bleibt introspektiv, fast meditativ, und wechselt sich mit leuchtenden Beobachtungen ab. Manchmal droht die Sprache ins Pathetische zu kippen, doch genau diese Grenze zwischen Poesie, Kitsch und Lebensweisheit ist Coelhos Markenzeichen.

Seine Dialoge sind knapp, oft wie spirituelle Lehrgespräche. Jedes Gespräch enthält eine Lektion, jede Begegnung ein Sinnbild. Dadurch entsteht eine fast sufistische Musikalität – eine rhythmische Wiederholung von Themen (Vergebung, Vertrauen, Liebe), die sich spiralförmig vertieft.

Während literarische Puristen Coelho gelegentlich für „zu einfach“ halten, liegt in dieser Einfachheit seine Wirkung. Ähnlich den Lehrgeschichten der Sufi-Meister – wie Rumi oder Hafis – beanspruchen seine Texte keine intellektuelle Originalität, sondern wollen innerlich verstanden werden. Er benutzt Worte wie Mantras, um das Herz zu öffnen.

Coelho – ein moderner Sufi
Obwohl Paulo Coelho Katholik ist und sich in einer universellen Spiritualität verortet, kann man seine Haltung als sufistisch im weiten Sinne begreifen. Der Sufismus – die mystische Strömung des Islam – betont die unmittelbare Erfahrung Gottes, jenseits von Dogmen. Ihm geht es um Liebe als göttliches Prinzip, um Hingabe, Reinigung des Egos und das Erkennen der Einheit allen Seins. Coelho teilt diese Grundgedanken. Siehe auch „Veronika beschließt zu sterben“ und „Hippie“.

Seine Symbolik – der Kreis, das Licht, der Tanz, das Feuer – erinnert an die sufistischen Dichter des Mittelalters. Auch die Idee, dass jede Begegnung mit einem Menschen eine Gelegenheit zur Selbsterkenntnis ist, spiegelt sich bei Rumi oder Al-Ghazali. Coelho interpretiert dies modern und globalisiert. Damit bringt er sufistische Weisheit in eine Sprache, die westliche Leser verstehen: schlicht, erzählerisch, aber tief berührend.

Fazit/Kritik „Segen und Glück“
„Segen und Glück“ ist kein Roman im traditionellen Sinn, sondern eine Einübung ins Glück. Es ist eine Pilgerreise in Buchform, eine Meditation über Zeit, Schuld und Vergebung. Coelho zeigt, dass wahres Glück nicht darin liegt, das Schicksal zu beherrschen, sondern es zu segnen – und damit verwandelt zu werden.

Wer bereit ist, sich auf den Rhythmus seiner Symbolsprache einzulassen, findet in diesem Buch einen Wegweiser zur stillen Freude. Kritiker mögen es als „einfach“ abtun, doch in dieser Einfachheit liegt ein tiefer, beinahe sufistischer Glanz: das Erkennen des Göttlichen im Alltäglichen.

Ein Buch wie ein Gebet – leise, aber dauerhaft nachhallend.

Mein herzlicher Dank geht an den Diogenes Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Tödlicher Verrat

Bastardklingen
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„Die Schlachteninsel war ein Ort der Gewalt und des Todes, ein Ort, an dem die stärksten Krieger der Welt aufeinandertrafen, um ihre Konflikte auszutragen. Es war ein Ort, an dem die Regeln des Lebens ...

„Die Schlachteninsel war ein Ort der Gewalt und des Todes, ein Ort, an dem die stärksten Krieger der Welt aufeinandertrafen, um ihre Konflikte auszutragen. Es war ein Ort, an dem die Regeln des Lebens und des Todes neu geschrieben wurden.„

Radde, Tim J. Bastardklingen Buch 1: Die Schlachteninsel (p. 54). (Function). Kindle Edition.

Die High Fantasy „Die Schlachteninsel“ zeigt die Kampfhandlungen aus der Nähe – ohne Heldenpose, ohne Spektakel. Gewalt ist Teil des Alltags der Figuren.

Tödlicher Verrat
Zusammenfassung / Inhalt Bastardklingen
„Die Schlachteninsel“ von Tim J. Radde ist der erste Teil einer Trilogie mit dem Titel „Bastardklingen“. Die folgenden Titel lauten „Die Schakalsbucht“ und „Das Gotteskönigreich“.

In den Tiefen der mystischen Inselwelt entwickelt sich ein episches Abenteuer, das die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischt. Was hat es mit der Schlachteninsel auf sich? Birgt sie mythische Kräfte? Der Schauplatz prägt die Handlung. Warum wird auf der Schlachteninsel immer gekämpft?

Magie und Naturkräfte spielen eine große Rolle. Es gibt Hexen auch Megären genannt. es gibt Menschen, die mit Schakalen eine Verbindung eingehen. Und es gibt Götter.

Aber das ist noch nicht alles! Was ist das Geheimnis der Bastardklingen. Werden die Gefährten es lösen?

Das Buch beginnt mit einem 1300-jährigen Rückblick. Die Götterwelt von Nakhan ist komplex: Tiaze wird verehrt, Xomarg als sein Sohn, und eine unbekannte Tochter umweht das Pantheon mit Geheimnis.

Nakhan erstreckt sich über sechs Hauptinseln: Rorcias, Varrmal, Dranethorn, Trivid, Flara und Araie. Die Schlachteninsel ragt besonders hervor, als Ort reinen Krieges, dem nur der Tod ein Ende setzt.

Der Auftrag oder Befehl, zur Schlachteninsel zu gehen, wird zu einer persönlichen Entscheidung. Am Ende zählt nicht, wer im Kampf „glänzt“, sondern wer Verantwortung übernimmt und was das kostet.

Es wird sehr viel gekämpft, sehr blutig und erbarmungslos. Soll dabei am Ende, der Bester übrig bleiben?

Die Schlachteninsel. 1. Buch Bastardklingen. Tim J. Radde. Rezension
Die Inselwelt von Nakhan

Die Protagonisten
Der Autor hat Am Anfang des Buches ein Personenregister eingefügt. Wir haben zahlreiche Mitspieler, dabei kann das Personenregister ganz hilfreich sein.

Die Helden, die sich zusammenfinden, kommen aus unterschiedlichen Inseln: Aus Rorcias ist Casias dabei. Er gerät bei einem Kampf in den Besitz einer Bastardklinge. Khara ist die Tochter der Hexenkönigin Ordea von Dranethorn. Aus Trivid ist Suta ist mit ihremSchakal Nan-pal dabei. Die beiden sind verbunden. Tune, die Priesterhirtin, kommt aus Araie. Gales ist ein ehemaliger Krieger von Vaarmal. Tororthran aus Flara weiß viel über Naturkräfte. Aus den einzelnen Protagonisten werden Gefährten. Es gibt viele Geheimnisse, die sie aufdecken möchten.

Die Kampfhandlungen nehmen den Hauptteil der Geschichte ein. Tim J. Radde schildert die Kämpfe anschaulich, ohne reißerisch zu wirken. Blutig ist es trotzdem. Man spürt die Angst einiger Soldaten, wohl wissend, dass sie den Kampf gewinnen müssen, um zu überleben.

Alle Aktivitäten finden auf der Schlachteninsel statt. Nur in Rückblicken oder Gedanken wird der Ort gewechselt.

Fazit/kritik „Die Schlachteninsel“
Ein Buch mit vielen Geheimnissen. Ein Buch mit viel Gewalt. Es ist keine verherrlichende Gewalt, sondern ein Bestandteil des Lebens und der Schlachteninsel. Trotzdem hätte mir weniger Kampf vielleicht besser gefallen.

Der Weltenbau gefällt mir gut. Es gibt mythische und fantastische Elemente. Vor allem aber gibt es zahlreiche Geheimnisse, die neugierig machen und sich nicht einfach, als gut oder böse, einordnen lassen.

Die Schlachteninsel endet mit einer Wendung, die viel Dramatik mitbringt und die Gefährten enger zusammenschmiedet. Für den Leser ein Cliffhanger, der Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Der Zauberberg mit Hintergrund

Der Zauberberg, die ganze Geschichte
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Rezension: Der Zauberberg im Spiegel von Norman Ohlers der Zauberberg, die ganze Geschichte
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Inhalt
Im Jahr 1924, vor einem Jahrhundert, veröffentlichte Thomas Mann der Zauberberg, ...

Rezension: Der Zauberberg im Spiegel von Norman Ohlers der Zauberberg, die ganze Geschichte
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Inhalt
Im Jahr 1924, vor einem Jahrhundert, veröffentlichte Thomas Mann der Zauberberg, ein Werk, das als einer der bedeutendsten deutschen Romane des 20. Jahrhunderts gilt. Norman Ohler, der schon mehrfach unerschrocken an historische Themen heranging, hat sich in seinem Buch der Zauberberg, die ganze Geschichte diesem Klassiker der Literatur auf eindrucksvolle Weise genähert. Ohler beschränkt sich nicht darauf, uns das Originalwerk näherzubringen, sondern ergänzt es um eine weitreichende historische und gesellschaftliche Kontextualisierung, die sowohl Leser, denen das Werk bekannt ist als auch Neulinge fasziniert.

Ein Berg, Zwei Perspektiven: Der Zauberberg bei Mann und Ohler
Wie geht man an einen Roman heran, der sich um einen Hundertjahre alten Bestseller dreht? Zu Der Zauberberg sind im letzten Jahre mindestens drei Bücher erschienen, die darauf Bezug nehmen: Zauberberge von Thomas Sparr (Hierzu gibt es einen interessanten und ausführlichen Artikel von Jörg Auberg auf Moleskin Blues.) Der Zauberberg 2 von Heinz Strunk und der hier vorgestellte Roman Der Zauberberg, die ganze Geschichte.

Ich habe den Zauberberg zwar als Teenager schon gelesen, aber das ist schon Jahrzehnte her. Also nochmal ran an die Tausend Seiten. Ich muss zugeben, ich habe mich doch etwas durchgequält.

Kurze Zusammenfassung von Der Zauberberg von Thomas Mann
Der Zauberberg Thomas Mann
Thomas Manns Der Zauberberg erzählt die Geschichte von Hans Castorp, einem jungen Hamburger Ingenieur, der seinen Cousin Joachim Ziemßen in einem Sanatorium in den Schweizer Alpen besucht. Ursprünglich für drei Wochen vorgesehen, entwickelt sich Hans’ Aufenthalt zu einem siebenjährigen Abenteuer. Im Laufe seiner Zeit in der abgeschiedenen Welt des Sanatoriums begegnet Hans einer Vielzahl von Charakteren, die jeweils unterschiedliche philosophische, politische und weltanschauliche Perspektiven repräsentieren, darunter der Humanist Settembrini und der mystische Jesuit Naphta. Der Roman erforscht tiefgründig die Themen Zeit, Krankheit und Tod, während er die brüchigen Fundamente der europäischen Gesellschaft am Vorabend des Ersten Weltkriegs spiegelt.

Was hat Norman Ohlers Buch mit dem Original zu tun?
Norman Ohler, greift mit Der Zauberberg – die ganze Geschichte den Klassiker von Thomas Mann investigativ auf und bietet eine frische Perspektive auf die Entstehung und den Einfluss des Romans. Ohler interpretiert Manns Werk nicht nur, sondern beleuchtet zielgerichtet die historischen und biografischen Umstände, unter denen Mann schrieb. Dabei widmet er sich der Frage, wie die politische und gesellschaftliche Stimmung der 1920er Jahre Manns Schreiben beeinflusste.

Ohler bringt detaillierte Recherchen über das real existierende Sanatorium in Davos, das Mann als Inspiration diente, und über die medizinischen Praktiken und gesellschaftlichen Erwartungen der damaligen Zeit ein. Seine Analyse zeigt auf, wie Mann persönliche Erfahrungen, europäische Geistesströmungen und zeitgenössische politische Entwicklungen kunstvoll ineinander verflocht, um die Komplexität der menschlichen Existenz und der fortschreitenden Moderne zu reflektieren.

Norman Ohler berichtet von den Kindersklaven und, wie es wirtschaftlich vor den geldbringenden Sanatorien aussah. Der Autor erzählt uns auch von Alfred Henschke, bekannt unter dem Pseudonym Klabund, ein deutscher Schriftsteller. Klabund litt selbst an Tuberkulose und verbrachte Zeit in Davos, was seine Schriften maßgeblich beeinflusste. In der Geschichte die Krankheit – eine Erzählung stellt Klabund auf eindringliche Weise das Schicksal eines Patienten dar, der an Tuberkulose leidet. (Diese Geschichte ist im Bookbeat Katalog enthalten.)

Indem Ohler die Lücken zwischen Fiktion und Wirklichkeit beleuchtet, eröffnet er neue Verständnisebenen des Romans und erhöht das Bewusstsein für die zeitlose Relevanz von Manns Themen. Er diskutiert, wie sich Paradigmen wie die Krankheit als Metapher für moralische und gesellschaftliche Dekadenz bis heute in unserer Kultur widerspiegeln.

Zusätzlich analysiert Ohler, wie die Charaktere von Manns Werk, insbesondere Hans Castorp, die innere Zerrissenheit und die Suchen nach Sinn und Orientierung, universelle menschliche Erfahrungen widerspiegeln. Ohler bietet somit eine wertvolle Ergänzung zu Manns komplexem Werk und zeugt von der anhaltenden Aufforderung, sich mit existenziellen und moralischen Fragen zu beschäftigen.

1929 treffen sich Ernst Cassirer und Martin Heidegger in Davos. Dazu gibt es ein Buch von Wolfram Eilenberger Zeit der Zauberer zur Rezension.

In diesem Sinne fungiert Ohlers Buch sowohl als Hommage an den literarischen Genius von Thomas Mann als auch als investigatives Werk, das die intellektuelle und historische Tiefe von „Der Zauberberg“ neu auslotet. Es bietet den Lesern eine umfassende Erfahrung, die über die reine Lektüre hinausgeht und zur aktiven Auseinandersetzung mit den Themen des Romans einlädt.

Ohler gelingt es, diesen eher einem Sachbuch geeigneten Text in einen Roman einzuflechten. Als Rahmenhandlung dient der Skiurlaub mit seiner Tochter. Dadurch lassen sich Ohlers Recherchen unterhaltsam lesen.

Kritik/Fazit zu Norman Ohler Der Zauberberg, die ganze Geschichte
Norman Ohlers Der Zauberberg, die ganze Geschichte wurde vielfach für seine gründliche Recherche und seinen lebendigen Schreibstil gelobt. Ohler gelingt es, die historische, gesellschaftliche und persönliche Dimension von Manns Werk herauszuarbeiten und den Kontext, in dem Der Zauberberg entstanden ist, anschaulich zu machen.

Es macht einfach auch Spaß, zu erfahren, wie so ein bedeutender Roman entstanden ist oder sein könnte.

Außerdem macht es auch ein wenig neugierig auf das Original. Ich muss gestehen, dass ich als Teenager begeistert war, aber diese Begeisterung beim wiederholten Lesen nicht mehr eintrat.

Man muss den Inhalt des Original-Zauberbergs nicht kennen, um Ohlers Buch genießen zu können. Kurz und gut: mir hat es gefallen!

Die Rezension für das Original Der Zauberberg von Thomas Mann folgt in den nächsten Tagen.

Mein herzlicher Dank für das Rezensionsexemplar Der Zauberberg, die ganze Geschichte geht an den Diogenes Verlag.

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Veröffentlicht am 24.09.2024

Ein Roman über Gewalt und Menschlichkeit

Die Flucht
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Fuminori Nakamura entführt in „Die Flucht“ in die düsteren Abgründe menschlicher Natur und Kriegstraumata, meisterhaft verwoben mit magischem Realismus. Ein erschütternder Roman, der die Grausamkeiten ...

Fuminori Nakamura entführt in „Die Flucht“ in die düsteren Abgründe menschlicher Natur und Kriegstraumata, meisterhaft verwoben mit magischem Realismus. Ein erschütternder Roman, der die Grausamkeiten von Konflikten ungeschönt darstellt und lange nachhallt.



„Die Flucht“ – Zusammenfassung / Inhalt

In „Die Flucht“ von Fuminori Nakamura werden die Grausamkeiten von Kriegen und Brutalität schonungslos thematisiert. Im Gegensatz zu seinen früheren Werken wie „Die Maske“ und „Der Revolver“ taucht dieser Roman noch tiefer in die Abgründe der menschlichen Natur ein. Nakamura beleuchtet die Realitäten vergangener und gegenwärtiger Konflikte. Männer und Frauen erleiden Gewalt und Missbrauch, wobei Nakamura die psychologischen und physischen Auswirkungen dieser Gräueltaten bildhaft darstellt. Die Geschichte, eine Mischung aus Realismus und Magie, ist erschütternd und bewegend zugleich. Die Authentizität seiner Schilderungen lässt niemanden kalt und regt zum Nachdenken über die dunklen Seiten der Menschheit an. Nakamura konfrontiert die Leser mit einer ungeschönten Darstellung von Kriegstraumata.

„Wenn ein Mann spürt, dass sein Tod naht, versucht sein Körper offenbar sich fortzupflanzen. Je härter die Einsätze, je schlimmer die Schlachten, desto stärker wird dieses Verlangen. Es heißt, die japanischen Soldaten, die aus China hierher versetzt wurden, seien besonders brutal. “
Auszug aus „Die Flucht“ von Fuminori Nakamura

Trotz der Einordnung in den magischen Realismus bleibt Nakamuras Botschaft klar und deutlich: Die Schrecken des Krieges verwandeln selbst die zivilisiertesten Menschen in Bestien. „Die Flucht“ ist eine Lektüre, die nicht nur unterhält, sondern auch zur Reflexion anregt. In der heutigen Zeit, sehen wir, dass sich alles immer wiederholt. Oder wie Nietzsche sagte: Die ewige Wiederkehr des Gleichen. Wie lange wird es dauern, bis wir Menschen aus unserer Vergangenheit lernen?

Nakamuras Schreibstil und seine Fähigkeit, komplexe Emotionen und Konflikte darzustellen, machen dieses Werk zu einer wichtigen Auseinandersetzung mit den Themen Gewalt, Krieg und Menschlichkeit. Trotz der beklemmenden Atmosphäre und harten Geschehnisse bleibt es ein Buch, das lange nachhallt und zum Denken anregt.

Nakamura erzählt in „Die Flucht“ verschiedene Handlungsstränge, die sich um Liebesgeschichten, Krieg und Kriminalität ranken, alles mit einer subtilen magischen Note. Die Protagonisten nehmen ihre vorbestimmten Rollen an, aus denen es kein Entkommen gibt. Der Roman führt den Leser durch verschiedene Jahrhunderte und Kriege, wobei auch die Geschichte Japans und Vietnams eingewoben wird. Die Handlung erstreckt sich von Asien bis nach Deutschland, nach Köln.

Kenji Jamamime, ein links-orientierter Journalist, beschäftigt sich mit dem politischen Rechtsruck in Japan. Er gelangt in den Besitz der legendären Trompete „Fanaticism“. Dieser Trompete wird nachgesagt, dass sie Menschen begeistern und fanatisieren kann. Kenji, der vor einem Jahr seine Frau Anh verloren hat, ist nun auf der Flucht. Viele wollen die Trompete für eigennützige Ziele nutzen

„Ja, ein Mädchen, das in einer Kirche einen Traum hatte, besucht am Ende des Romans noch einmal eine Kirche, aber aus einem anderen Grund. Wie wäre es mit so einem Ende? «
»Yamamine-san? «
»Lass uns heiraten.
« Am nächsten Tag starb Anh. “
Auszug aus Die Flucht Fuminori Nakamura

„Die Flucht“ – Fazit / Kritik

Der Vergleich mit Haruki Murakamis Werk „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“ drängt sich auf, da beide Autoren ähnliche metaphorische Erzählweisen nutzen. Die Trompete in „Die Flucht“ erinnert an eine verführerische Propaganda, die Menschen in ihren Bann zieht. Trotz der düsteren Thematik des Romans steckt auch eine Botschaft der Hoffnung darin: In jedem von uns schlummert nicht nur Böses, sondern auch Gutes, und es liegt an uns, die richtige Wahl zu treffen.

„Was tat Gott in dieser Zeit? Das frage ich mich jedes Mal, wenn ich an die vietnamesische Geschichte denke. “
Auszug aus Die Flucht Fuminori Nakamura

Man weiß nicht immer so genau, wie sehr man an die Realität oder an die Fiktion gebunden ist. Diese Entscheidung bleibt den Lesern überlassen.

Insgesamt verdient „Die Flucht“ eine Leseempfehlung, da es uns dazu anregt, über die menschliche Natur und unsere Entscheidungen nachzudenken. Nakamuras Werk ist eine Bereicherung für Leser, die sich mit den tiefgründigen Themen von Gewalt, Krieg und Moral auseinandersetzen möchten.

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Veröffentlicht am 10.06.2022

Auf der Bühne des Sturm und Drangs

1774. Als die jungen Genies die Freiheit suchten
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1774 – Als die jungen Genies die Freiheit suchten“: Ein Protagonist namens Johann Wolfgang von Goethe, der von acht weiteren Genies umrahmt wird. Fast genau so viele Musen, darunter auch Sophie La Roche. ...

1774 – Als die jungen Genies die Freiheit suchten“: Ein Protagonist namens Johann Wolfgang von Goethe, der von acht weiteren Genies umrahmt wird. Fast genau so viele Musen, darunter auch Sophie La Roche. Der unglücklich liebende Lenz und noch viele weitere, kleine und große Nebendarsteller stehen auf dieser Bühne des „Sturm und Drangs“.

Inhalt/Zusammenfassung „1774 – Als die jungen Genies die Freiheit suchten“
Francesca Schmidt erzählt uns wichtige und weniger wichtige, dafür amüsante Episoden aus diesem Jahr 1774. Jedem Monat des Jahres ist ein Kapitel gewidmet.

Die jungen Genies sind Heinrich Christian Boie, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Herder, Friedrich Maximilian Klinger, Johann Caspar Lavater, Jakob Michael Reinhold Lenz, Johann Heinrich Merck, Christian Friedrich Daniel Schubart und Heinrich Leopold Wagner.

Es sind große Namen, denen wir begegnen. Johann Gottfried Herder, der mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat, den Ruf der erstrebten Professur nicht erhält und im Hintergrund mit einer lauernden Depression belastet ist. Sophie La Roche hat einen literarischen Salon, der gut besucht wird

Die Zeit der Aufklärung ist vollzogen und es beginnt eine neue Ära. Nach seinem erfolgreichen Werk „Götz von Berlichingen“, schreibt Goethe in nur vier Wochen „Die Leiden des jungen Werthers“. Ein Briefroman, mit dem er eine selbst erlebte „Zeit des Unglücklichseins“ verarbeitete. Es ist ein Roman, der polarisiert. Darf sich jemand selbst das Leben nehmen? Viele glaubten, Selbstmord gehöre bestraft.

Da kommt also jetzt ein junger leistungsfähiger und begabter Mann daher, der an den strengen Regeln der Gesellschaft leidet, der seine Gefühle und auch seine Sexualität nicht ausleben darf und daher frei entscheidet, Selbstmord zu begehen, sich über die Regeln der Gesellschaft, der Kirche, der Philosophen hinwegzusetzen. Selbstbewusst besteht Werther schon zu Beginn [….] der Mensch habe „das süße Gefühl von Freiheit, und dass er diesen Kerker verlassen kann, wann er will“.

S. 53.
Die jungen Schriftsteller sind gut vernetzt, man schreibt sich, man trifft sich, liest einander vor und hört einander zu. Es wird über Pädagogik und Klopstocks „Gelehrtenrepublik“, einer Utopie des idealen Staates, diskutiert. Neue Werke werden anonym veröffentlicht. Danach beginnt das allgemeine Erraten des Urhebers.

Lavater bricht zusammen mit dem Kupferstecher Georg Friedrich Schmoll auf zur Kur zu den Emser Quellen und besucht dabei die „Schreiber“. Zu einem Treffen mit Herder kommt es nicht. Schmoll soll von allen Menschen, die Lavater auffallen, einen Stich anfertigen, weil er glaubt, von der Physiognomie auf den Charakter schließen zu können.

Christian Friedrich Daniel Schubart gründet in Augsburg die Zeitschrift „Deutsche Chronik“. Das Neue daran ist der Inhalt: Krieg, Politik im In- und Ausland, Literatur, Musik, Gesellschaftsnachrichten, Klatsch, Religion und alles wird kommentiert.

Das Buch ist unterhaltsam geschrieben. Manche Details empfinde ich als unwichtig, andere Informationen, wie dass in Bayern das Modell Realschule entdeckt wird, das sich bis heute gehalten hat, finde ich spannend. Auch die Berichte über das schwierige Leben der Hofmeister (die ersten Lehrer), die mit der Erziehung der Kinder beauftragt wurden, ist interessant.

1774 - Als die jungen Genies die Freiheit suchten“ Südverlag, Rezension
„1774 – Als die jungen Genies die Freiheit suchten“ , Francesca Schmidt, Südverlag
Sehr gut gelungen ist der Anhang: Abbildungen, Personenverzeichnisse der jungen Genies, deren Mitstreiter, ihrer Musen, aber auch ihrer Gegner, und auch das sonstige Personal wird im Überblick aufgelistet. Dazu kommt eine Zeittafel, welche die Ereignisse des Jahres 1774 noch einmal kurz zusammenfasst. Eine Auswahlbibliografie der recherchierten Werke, einschließlich Sekundärliteratur. Wunderbar für jeden, der sich weitere Details erlesen möchte.

Das Cover zeigt den jungen Goethe auf einer Postkarte, nach der Kopie eines Gemäldes von Georg Oswald May von 1779, Im Hintergrund der Frankfurter Römerberg von Friedrich Wilhelm Dellenkamp. Diese Umschlaggestaltung von Silke Nalbach ist sehr gut gelungen und passt genau zum Inhalt.

Das Buch „1774 –Als die jungen Genies die Freiheit suchten“ hat einen Festen Einband, 296 Seiten und ist am 07.03.2022 im Südverlag erschienen.

Fazit/Kritik „1774 – Als die jungen Genies die Freiheit suchten“
Francesca Schmidt erzählt halb wissenschaftlich, leicht und gut verständlich die Vorkommnisse des Jahres 1774.

Damit gewinnen die LeserInnen einen Überblick zur Thematik und der Zeitgeschichte. Um das Ganze etwas illustrer zu gestalten, wird ein wenig „Klatsch und Tratsch“ mit verschriftet. Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll.

Auf der einen Seite finde ich es gut, wenn sich dadurch vielleicht mehr Leser
Innen für dieses Thema interessieren. Auf der anderen Seite finde ich es zwischendurch sehr langatmig und für mich fast schon langweilig.

Wobei mir das Buch insgesamt ganz gut gefallen hat. Besonders gut hat mir gefallen, wie die Autorin, das Netzwerk rund um Goethe beschreibt. Auch die Erwartungshaltung der jungen Schreiber untereinander ist sehr komplex.

Francesca Schmidt hat gute Recherchearbeit geleistet. Sicherlich ist es bei der Fülle von „jungen Genies“ und Ereignissen schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Der Autorin ist das souverän, gut gelungen, natürlich gibt es Stellen, die Längen haben, aber das liegt wohl auch daran, dass nicht jeden Leser, jeder Gesichtspunkt interessiert, der aber für das Gesamtbild doch eine Rolle spielt.

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