Profilbild von kayla

kayla

Lesejury Star
offline

kayla ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit kayla über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.10.2025

Identität & Emanzipation

Mein Name ist Emilia del Valle
0

Mit „Mein Name ist Emilia del Valle“ hat die chilenisch – amerikanische Autorin Isabel Allende einen fesselnden Roman vorgelegt, den ich gerne gelesen habe.
Die Geschichte beginnt in San Francisco. ...

Mit „Mein Name ist Emilia del Valle“ hat die chilenisch – amerikanische Autorin Isabel Allende einen fesselnden Roman vorgelegt, den ich gerne gelesen habe.
Die Geschichte beginnt in San Francisco. Bereits im 19.Jahrhundert wird die Stadt zum Schmelztiegel der Kulturen, kein Wunder also, dass Emilia del Valle, die Hauptfigur, eine Irin zur Mutter und einen Chilenen zum Vater hat. Diese Mischung macht Emilia zu der Person, die sie ist, und beeinflusst alles, was sie später erlebt. (Insofern ist Allende mit ihrem Roman am Puls der Zeit). Der Vater bekennt sich nicht zu seiner Erbin; Emilias Stiefvater ist ihr jedoch eine große Stütze.

Die Heldin strebt zunächst eine Karriere als Schriftstellerin an. Mit ihren Groschenromanen, die sie natürlich unter männlichem Pseudonym veröffentlichen muss, begeistert sie eine treue Leserschaft. Doch das ist Emilia nicht genug – sie möchte Journalistin werden. Es gelingt ihr, sich in einer Männerdomäne durchzusetzen. Von ihrem Chefredakteur wird sie mit einem Kollegen als Auslandskorrespondentin nach Südamerika geschickt, wo sie als Frontberichterstatterin den Bürgerkrieg in Chile porträtiert & sich auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater macht…

Die Selbstfindung Emilias wird verstärkt durch die dramatischen Ereignisse, denen sie beiwohnt. Die wechselvolle Geschichte eines Kontinents fungiert als Katalysator, der Bürgerkrieg in Chile lässt Emilia zur Heldin werden.
Ihre Emanzipation und ihr sexuelles Erwachen werden in den Mittelpunkt gerückt, womit Allende sich einmal mehr als feministische Autorin profiliert. Es hat mich nicht gestört, dass die Romantik relativ viel Raum in der Erzählung einnimmt, manche Leser werden die Story stellenweise vielleicht kitschig finden. Viel irritierender fand ich die teils ahistorische Figurenzeichnung. Emilia wirkt teilweise wie ein dem 21. Jahrhundert entsprungener Mensch und wie eine „Superfrau“. Diese Eigenschaften erklärt Allende mit dem Einfluss der patenten (Stief)Eltern. Stellenweise wird für mein Empfinden zu dick aufgetragen.
Allendes farbefrohe Beschreibungen, ihre kraftvolle Erzählweise und -freude sind jedoch die großen Stärken der Geschichte, die manchmal wie ein Reisebericht wirkt. Ihr Können stellt die Autorin einmal mehr unter Beweis, daher habe ich den Roman trotz kleiner Schwächen – wie bereits erwähnt - sehr gerne gelesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2025

GELUNGENE HOMMAGE

Captain Future
0



"Die Regierung des Weltraums steckt in Schwierigkeiten. Und offenbar brauchen sie ein weiteres Mal Captain Futures Hilfe."

„Captain Future. Der ewige Herrscher“, erschienen bei Carlsen, weckt wohl ...



"Die Regierung des Weltraums steckt in Schwierigkeiten. Und offenbar brauchen sie ein weiteres Mal Captain Futures Hilfe."

„Captain Future. Der ewige Herrscher“, erschienen bei Carlsen, weckt wohl bei vielen Lesern nostalgische Erinnerungen an die Fernsehserie, die ab den 1980er Jahren in Westdeutschland über die Mattscheiben flimmerte. Das Setting ist natürlich futuristisch – Abenteuer im Weltall im 31. Jahrhundert! Die Themen sind jedoch universell: Loyalität und Freundschaft, Mut und Toleranz (schließlich arbeiten Angehörige verschiedener Spezies zusammen), der Kampf gegen das Böse. Beim Lesen hatte ich sofort die Erkennungsmelodie und Phil Fuldners Hit – „The Final“ im Ohr.

Die Verfasser (Autor Sylvain Runberg und Zeichner Alexis Tallone) bringen ‚Captain Future‘ auf eine Art und Weise zurück, die an die alten Abenteuer erinnert; dennoch ist es zugleich eine frische Adaptation, die hier präsentiert wird. Damit zollen Runberg & Tallone sowohl dem Erfinder Edmond Hamilton als auch der beliebten japanischen Zeichentrickserie Respekt. Insofern handelt es sich bei dieser Publikation um eine größtenteils gelungene Hommage.

Das Format des Comics ist eher groß und etwas unhandlich, die hochwertige Umschlaggestaltung (und Verarbeitung) des Buches ist aber nicht nur für Puristen ein Schmankerl! Der Druck ist sauber und präzise, durch die bewegten Bilder war die Anime -Serie allerdings einen Tick verspielter und dynamischer. Die Protagonisten (Roboter Grag, der Androide Otto/Otho & Professor Simon Wright) rund um Curtis Hamilton aka ‚Captain Future‘ sind gewohnt kultig, es ist allerdings fraglich, ob es nötig war, ausgerechnet die weibliche Heldin Joan (ursprünglich Hamiltons love interest) zu modifizieren. Toughe Amazonen sind in meinen Augen mittlerweile ein wandelndes Klischee…

Über den Inhalt will ich an dieser Stelle gar nicht viel verraten, um Spoiler zu vermeiden.

Eines ist sicher – dieses Bande dessinée

ist nicht nur für Science-Fiction-Fans ein Highlight!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.01.2025

Einer wird gewinnen?

One Perfect Couple
0

Dr. Lyla Santiago ist kein Fan von Realityshows. Als ihr Freund Nico - ein achtundzwanzigjähriger erfolgloser Schauspieler - sie bittet, mit ihm an „One Perfect Couple“ teilzunehmen - einer Sendung über ...

Dr. Lyla Santiago ist kein Fan von Realityshows. Als ihr Freund Nico - ein achtundzwanzigjähriger erfolgloser Schauspieler - sie bittet, mit ihm an „One Perfect Couple“ teilzunehmen - einer Sendung über 5 Paare auf einer indonesischen Insel – willigt die Virologin, die sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelt, ihm zuliebe ein. Beruflich steckt sie in einer Sackgasse, als Ü30-Wissenschaftlerin kann sie den Traum vom eigenen Labor sowieso „knicken“. Nico hingegen erhofft sich einen Karriereboost vom Format. Als die Briten auf „Ever After Island“ eintreffen, wirkt alles seltsam provisorisch, und der Produzent Baz kann ihnen weder Infos über die Höhe der Siegerprämie noch über den Sender, in welchem die Show ausgestrahlt werden soll, geben.

Bevor die Sache richtig begonnen hat, ist sie auch schon wieder vorbei, weil ein Sturm (erzähltechnisch der klassische Katalysator) die Insel verwüstet. Aus dem Spiel wird bitterer Ernst, als ein Kampf um’s Überleben beginnt...

Vorab: Ein auf den ersten Blick ‚ausgelutschtes‘ Thema wird hier fesselnd aufbereitet – schon ‚Der Herr der Fliegen’ oder ‚Squid Game‘ kreisten um klassische menschliche Konflikte & Instinkte. Homo homini lupus est. Der kammerspielartige Aufbau gehört zu Wares liebsten settings (hier ist ein Vergleich mit englischen Großmeistern – was die Form betrifft – gerechtfertigt). Es gelingt der Schriftstellerin gut, die Ich-Erzählerin als Sympathieträgerin zu etablieren, überhaupt hat Lyla von allen Figuren am meisten Profil.

„One Perfect Couple“ liest sich sehr flüssig. Ab dem Mittelteil konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Ich habe schon mehrere Publikationen der Autorin, die in der Presse schon mit Agatha Christie verglichen wurde, gelesen. Vielleicht ist „One Perfect Couple“ spannungstechnisch gesehen Wares bisher beste Arbeit. Vom Ende war ich aber enttäuscht. Die Erzählung ist kein klassischer Krimi, es muss meiner Meinung nach nicht groß gerätselt werden, eine spektakuläre Wendung bleibt in meinen Augen aus, obwohl es final einen kleinen plot twist gibt. Erfreulicherweise gibt es in der Handlung keinen Zickenkrieg, Frauenpower lautet das Credo. Weibliche Solidarität wird großgeschrieben.

Die Figuren sind dennoch nicht filigran genug gezeichnet, sodass manche mir auf die Nerven gingen (obwohl das von der Autorin so nicht intendiert war). Auch wenn manche Protagonisten sich entwickeln und nicht statisch bleiben, ist die Charakterisierung meiner Meinung nach zu schwach. Manches war recht plakativ erzählt, stellenweise kann man durchaus von Schwarzweißmalerei sprechen. Da sogar ein real existierender höchst umstrittener Influencer namentlich genannt wird, war schnell klar, dass „One Perfect Couple“ eine zeitgeistige Gesellschaftskritik sein will (Stichwort „toxische Maskulinität“). Es geht um Fake News und um die Tatsache (hier lassen die Geisteswissenschaften grüßen), dass das Leben aus (divergierenden) Narrativen besteht, dass die Realität eine Sache der Wahrnehmung ist. Mir persönlich war das dann doch zu flach, insgesamt war mir die Prosa nicht raffiniert genug, und die von Ware zurecht angeprangerten Missstände sind zu ernst, um sie als „Aufhänger“ eines Unterhaltungsromans zu nutzen. Wie so oft präsentiert Ruth Ware eine ausgesprochen vielversprechende Story, die dann aber zum Ende hin schwächelt. Ich dachte über weite Strecken der Lektüre, mit „One Perfect Couple“ endlich das Meisterstück der Britin in Händen zu halten; letztendlich hat sich diese Hoffnung leider nicht erfüllt, da auch nicht alle Handlungsfäden komplett zusammengeführt wurden. War der Thriller spannend? Ja! Konnte er meinen Erwartungen gerecht werden? Nein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.12.2024

"So kommen Sie in den Ordnungs-Flow."

Ordnung für immer
0

Das Sachbuch „Ordnung für immer“ wurde von der Stiftung Warentest publiziert und von den Autorinnen Gunda Borgeest (studierte Philologin & Ordnungscoach) & Petra Thorbrietz (Wissenschaftsjournalistin) ...

Das Sachbuch „Ordnung für immer“ wurde von der Stiftung Warentest publiziert und von den Autorinnen Gunda Borgeest (studierte Philologin & Ordnungscoach) & Petra Thorbrietz (Wissenschaftsjournalistin) verfasst. Die Haptik und die Größe des Buches sind perfekt; da es nicht zu groß ist, nimmt man es gerne zur Hand, um darin zu blättern. Die Schriftgröße ist definitiv nicht zu klein. Das Layout ist stimmig, die Gliederung gelungen. Der Leser arbeitet sich durch drei Teile, es ist ein klassisches Workbook (teils zum Ausfüllen), das mit Sonderseiten, die auch ausdruckbare pdf-Dateien enthalten, punkten kann, man muss aber nicht umständlich erst QR-Codes scannen, um beginnen zu können. Natürlich steht „die Psychologie der Ordnung“ im Mittelpunkt. Es gibt sinnvolle Tipps. Auch Tricks zur Entwicklung von wiederkehrenden Ritualen sind enthalten. Nicht umsonst prangt auf dem Cover der Slogan „Aufräumroutinen, die glücklich machen.“ Es gibt insgesamt fünf Kapitel, wobei das letzte Kapitel zum Anhang gehört.
Dem Leser soll „der einfache Weg zu einem aufgeräumten Leben“ aufgezeigt werden. Daher erfinden die Autorinnen das Rad nicht neu, aber sie geben durchaus sinnvolle Hilfestellung. Man möge „keine toten Dinge“ (vertrocknete Blumen etc.) horten – das versteht sich wohl von selbst. Die Forderung „mit weniger leben lernen“ sehe ich indes kritisch, da hier automatisch vom Überfluss ausgegangen wird (ich bin aber auch kein Fan von Tiny Houses & Co.). Achtsamkeitsübungen können sinnvoll sein; klar ist auch, dass im Buch die Konzepte der extrinsischen und intrinsischen Motivation erläutert werden; nie gleiten die Autorinnen in esoterisches Blabla ab. Das Buch ist für Anfänger (und Fortgeschrittene?) gut geeignet, manche Anregungen finde ich jedoch überflüssig (soll man Bücher alphabetisch oder farblich im Regal sortieren?) und von der Pomodoro – Methode für‘s Zeitmanagement hat wohl jeder schon einmal gehört (es werden diverse Techniken vorgestellt). Insgesamt gefällt mir das Sachbuch aber gut, da man nicht vom Inhalt „erschlagen“ wird. Auch der Ton ist freundlich und angemessen. Daher kann ich „Ordnung für immer“ zur Lektüre durchaus empfehlen.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.10.2024

Zwischenspiel

Intermezzo
0

„Intermezzo“ ist der vierte Roman der irischen Erfolgsautorin Sally Rooney. In der Geschichte geht es um Trauerbewältigung und Beziehungslosigkeit, um Emanzipation und Versöhnung.
Der Handlungsort ist ...

„Intermezzo“ ist der vierte Roman der irischen Erfolgsautorin Sally Rooney. In der Geschichte geht es um Trauerbewältigung und Beziehungslosigkeit, um Emanzipation und Versöhnung.
Der Handlungsort ist Irland, der Radius der Figuren ist begrenzt (was aber nicht zu Langeweile führt). Die Grundstimmung ist melancholisch, aber nicht deprimierend. Im Focus der Erzählung stehen Ivan und Peter Koubek, Söhne eines slowakischen Vaters und einer irischen Mutter, die Eltern sind allerdings getrennt, was dazu führte, dass die Jungen eine enge Vaterbeziehung hatten, während die Mutter eine neue Familie gründete.
Als Papa Koubek nach schwerer Krankheit stirbt, fehlt den Brüdern der Anker, der Twen Ivan ist ein sozial gehemmtes Schachgenie mit Zahnspange, der 32jährige Peter das genaue Gegenteil – ein eloquenter, extrovertierter Anwalt. Die offene Geschwisterrivalität ist ein Problem, die Situation eskaliert, als Peter Ivans Partnerwahl kritisiert. Die 36jährige Margaret könne nicht normal sein, so der Vorwurf Peters. Pikant: Peters Freundin ist eine junge Studentin, er hängt allerdings auch an seiner Exfreundin Sylvia, einer Professorin. Seit einem Unfall ist Sylvia sexuell nicht mehr verfügbar, sie beklagt sich über „Schmerzen“ beim Sex, weswegen sie sich von Peter trennt. Margaret lebt nicht mehr mit ihrem problematischen Mann zusammen, sie übt sich in Selbstzensur, hat stets Angst, sich als raubtierhaftes Cougar der sozialen Ächtung auszusetzen, während Naomi, die im selben Alter wie Ivan ist, keine Angst davor hat, auch finanziell von Peter zu profitieren. Im Roman wird die Wichtigkeit von Sexualität betont, es geht im Kern um Generationenunterschiede.
Rooney arbeitet mit dem Stilmittel des Bewusstseinsstroms (was sich bei einer irischen Autorin quasi aufdrängt). Eigentlich ist der Roman recht dialoglastig, da Rooney aber nicht mit Anführungszeichen hantiert, war ich beim Lesen nicht genervt von den Ausführungen der Protagonisten. Anfangs war ich richtig begeistert von der Erzählung, da es um so Vieles geht, um Gott und die Welt, wenn man so will. So viele kluge Gedanken und feinsinnige Beobachtungen werden in der Geschichte geäußert, es geht um individuelle Freiheit, aber auch um das Kollektiv, wenn etwa soziale Ungerechtigkeit angeprangert wird. Als sozialer Aufsteiger ist Peter in gewisser Weise unsicherer als der Nerd Ivan, wenn er über seinen gesellschaftlichen Rang sinniert: „Sein eigener [Vater]: der bescheidene, angepasste Einwanderer. Warum spricht dein Vater so komisch. Ihr seid nicht von hier, oder?“ Trotz aller Bemühungen kann der erfolgreiche Erstgeborene der Koubeks nicht in den inneren Kreis der wahrhaft Privilegierten vordringen – „Sie bekommen Stellenangebote von Freunden, er muss sich kümmern. Ungeschriebene Kleiderordnung, Sprachregeln. […] Und wo bist du zur Schule gegangen. Leben zu Hause in Ranelagh, während er die Hälfte seines Gehalts für Miete ausgibt.“
Mit dem Tod des Vaters fällt auch Peters Beschützerrolle weg. Seinen Kummer ertränkt er in Alkohol, ohne Schlafmittel liegt er wach. Er möchte nur „geliebt“ werden. Ivan spielt schlechtes Schach, und schließlich blockiert er Peters Nummer und es kommt zum großen Showdown. Werden die Brüder sich je versöhnen?


Ich habe „Intermezzo“ regelrecht verschlungen und ich hatte über weite Strecken das Gefühl, das beste Buch des Jahres gelesen zu haben. Den Stil der Autorin mag ich sehr! Die Story ist sehr spannend & an keiner Stelle langatmig. Die Charakterisierung der männlichen Protagonisten ist unglaublich gelungen, diese Figuren sind filigran und vielschichtig gezeichnet. Selbst die Beschreibung eines Haustiers (ich mag Haustiere in Romanen eigentlich nicht) ist prima. Rooney gelingt es, den Weltschmerz der eigentlich privilegierten Protagonisten nachvollziehbar und glaubwürdig abzubilden. Niemandes Leben ist in Gefahr – glücklich sind die Akteure zu Beginn der story dennoch nicht.
Bis zum letzten Drittel des Buches war „Intermezzo“ für mich ein 5 – Sterne – Werk. Der Finalteil hat mich indes enttäuscht. Die Figurenzeichnung der Frauen ist in meinen Augen nicht unbedingt gelungen, Margaret ist zwar älter als Peter, und sie schleppt Altlasten aus der Vergangenheit mit sich herum, sie ist aber auch wunderschön (ergo liebenswert?). Die eine supersexy, die andere superschlau, die Dritte superschön.
Von Sylvias Unfall ist stets die Rede, als Leser erfahren wir jedoch nichts über die genauen Umstände. Eine blitzgescheite Gelehrte mit Handicap, die aber auch selbstsüchtig ist und Peter den Laufpass gibt. Leider greift Rooney tief in die Klischeekiste, wenn sie die Intellektuelle, welche sich großmütig – gütig „arrangieren“ will, schmerzgeplagt mit Kotzkübel in der Nähe auf einem Teppich liegen lässt. Das Plädoyer für Polyamorie scheint eine einfache Lösung zu sein; die Auflösung der Geschichte war mir persönlich zu kitschig, die Qualität des Romans nimmt zum Ende hin leider ab. Lesenswert ist „Intermezzo“ dennoch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere