Cover-Bild Schwanentage
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Ecco Verlag
  • Themenbereich: Belletristik
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 23.09.2025
  • ISBN: 9783753001111
Zhang Yueran

Schwanentage

Roman | Preisgekrönte chinesische Literatur | Einzigartiger, authentischer Einblick in den Klassismus in China | »Lebendig, intelligent, fesselnd.« - Mo Yan, Nobelpreisgewinner
Karin Betz (Übersetzer)

»Zhang Yuerans Szenen und Bilder haben einen weltentrückten Glanz, der sowohl von hart gewonnener Einsicht als auch von zeitloser Wahrheit geprägt ist.« Ian McEwan

Das Kindermädchen Yu Ling arbeitet für ein wohlhabendes Ehepaar der chinesischen Elite und kümmert sich hingebungsvoll um deren siebenjährigen Sohn. Yu Ling kennt die Geheimnisse der Familie bis ins Detail, ihre Arbeitgeber hingegen ahnen nicht, dass auch sie einiges verbirgt. Eines Tages plant Yu Ling in der Hoffnung auf Lösegeld und ein besseres Leben, den Jungen zu entführen. Doch es kommt ganz anders: Großvater und Vater des Jungen werden wegen Korruptionsverdachts verhaftet, die Mutter verschwindet spurlos – und Yu Ling ist plötzlich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die weit in die Zukunft reichen, für sich wie für den Jungen …

Zhang Yueran schreibt zärtlich, doch mit unerbittlicher Prägnanz über Beziehungsdynamiken und Klassismus aus der Sicht eines Kindermädchens und gewährt so einen einzigartigen Blick auf die chinesische Gesellschaft.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.10.2025

Träume gehören zu den Privilegien der Reichen

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In Schwanentage eröffnet Zhang Yueran einen seltenen und oft verborgenen Blick in die chinesische Gesellschaft, ihre Oberschicht und die ungeschriebenen Regeln des sozialen Miteinanders, ebenso wie des ...

In Schwanentage eröffnet Zhang Yueran einen seltenen und oft verborgenen Blick in die chinesische Gesellschaft, ihre Oberschicht und die ungeschriebenen Regeln des sozialen Miteinanders, ebenso wie des mächtigen Einparteienstaats.

Protagonistin Yu Ling ist seit vielen Jahren Kindermädchen des 7 Jährigen Kuan Kuan in einer wohlhabenden, einflussreichen chinesischen Familie: die Mutter Künstlerin und Tochter eines einflussreichen Funktionärs, der Vater erfolgreich in der Wirtschaft, nicht zuletzt dank der Kontakte des Schwiegervaters. Als Yu Ling sich unter Einfluss ihres Partners auf eine Entführung Kuans Kuans einlässt, um selbst am Wohlstand zu partizipieren, wird zeitgleich der mächtige Großvater und mit ihm die ganze Familie in einen Korruptionsskandal verwickelt und Yu Lings Plan nimmt eine vollkommen unerwartete Wendung.

Über Yu Lings Leben in der Familie vermittelt der Roman Einblicke in die Welt der (städtischen) chinesischen Oberschicht, und der besonderen Rolle von Angestellten, oft aus ländlichen Regionen, darin. Eine Illusion von Zugehörigkeit umgibt Yu Ling durch ihre Partizipation am Lebensstil der Familie, Limousinen, teuere Theaterplätze und doch ist nichts davon ihre eigentliche Welt und kann ihr jederzeit mit einem Schlag genommen werden. Die Illusion von Zugehörigkeit zerplatzt so regelmäßig, wenn Angestellte wie Yu Ling auf sich selbst und ihre Herkunft im Klassensystem zurückgedrängt werden. Wie ein falsches Leben in Widersprüchen wirkt Yu Lings Existenz: Nähe und vollständige Abhängigkeit, in Verbindung mit dem Klassensystem ein Leben in unbegreiflicher Fallhöhe, vermeintlicher Luxus, jedoch ohne echte Freiheit.

Die Klassenunterschiede werden dabei insbesondere auch im Kontrast von Yu Lings Familie und der der Hausherrin überdeutlich. Die Rolle als Frau der Arbeiterschicht ist gezeichnet von (männlicher) Gewalt und Entbehrungen, und dies über Generationen hinweg, sodass dies in Yu Lings Umfeld bereits als völlige Normalität gilt.

Am Beispiel der Hausherren zeichnet Yueran wiederum den Aufstieg von Funktionären nach und gibt Einblicke in die Mechanismen von Macht und Herrschaft im modernen China.

Seite für Seite arbeitet die Autorin so in der Geschichte um Yu Ling und ihre Arbeitgeber heraus, wie Klassenschranken im Einparteienstaat China wirken und wie gleichzeitig Frauen in jeder Klassenlage in dem patriarchal geprägten System diskriminiert werden. Besonders erhellend sind dabei die Narrative, die Yueran pointiert aufdeckt und mit denen sowohl Frauen der Arbeiterklasse als auch der Funktionärseliten ihre Rolle im System internalisiert haben und diese kaum in Frage stellen.

Dass all dies so eindrucksvoll gelingt, ist auch der besonderen, schnörkellosen Sprache der Autorin zu verdanken, die distanziert und zugleich mit Tiefe und analytischem Blick die Abhängigkeiten, Zwänge und Möglichkeiten nach Herkunft, Klassenlage und Geschlecht ausleuchtet.

So wird der Roman, der als Entführungsgeschichte beginnt, zu einem Lehrstück über die Funktionsweise der chinesischen Gesellschaft und der Rolle von Frauen darin. Absolute Empfehlung!

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Chinesische Gesellschaftskritik

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Während der Hausherr Chopin hört, weckt Yu Ling den Jungen. Gestern stand sie den ganzen Abend in der Küche und hat Leckereien für ihren gemeinsamen Ausflug gezaubert. Ananas- Zuckermelonenstückchen, Erdbeeren ...

Während der Hausherr Chopin hört, weckt Yu Ling den Jungen. Gestern stand sie den ganzen Abend in der Küche und hat Leckereien für ihren gemeinsamen Ausflug gezaubert. Ananas- Zuckermelonenstückchen, Erdbeeren und Pfirsiche, Fleisch- und Fischspieße mit verschiedenen Dips, wie es sich für ein Barbecue gehört. Der Junge putzt seine Zähne und Yu Ling sucht ihm unauffällige Kleidung heraus. Als sie ihm den grauen Pulli überziehen will, mault er, dass er den gelben will. Sie ignoriert seinen Protest. Sie müssen sich beeilen, bevor Kuan Kuans Mutter wiederkommt. Sie würde nicht wollen, dass sie sich vom Villengelände entfernen. Draußen wartet der Van ihres Freundes, der Chauffeur der Familie hat andere Aufträge. Sie hat alles durchgeplant.

Sie fahren aus Peking hinaus, Kuan Kuan kurbelt das Fenster herunter und hält den Kopf raus. Juchzend folgt der Oberkörper. Er soll das lassen, schreit Yu Ling, aber der Junge hört nicht. Ein Lkw rauscht vorbei, der Junge schreit dem Fahrer etwas zu, der legt eine Vollbremsung hin. Als er aussteigt, geht er um den Wagen herum und flucht, er hatte gedacht, ihm sei ein Reifen geplatzt. Schwäne ruft der Junge und zeigt auf die Ladefläche. Er will einen haben, kreischt er hüpfend. Yu Ling weiß, dass das jetzt noch lange dauern kann, wenn sie nicht nachgibt. Sie nickt ihrem Freund zu, der verhandelt mit dem Fahrer um eine schneeweiße Gans. Ihr Telefon klingelt, Yu Ling geht ran. Sie soll sofort mit dem Jungen zurückkommen, verlangt der Hausherr.

Der Plan war klar umrissen. Sie würden drei Tage mit dem Jungen in den Wäldern verschwinden, dann die Familie kontaktieren und die Lösegeldforderung stellen. Sobald das Geld bei ihnen angekommen wäre, würden sie den Jungen in einem Pekinger Freizeitpark verlieren, sich davon stehlen und die Eltern informieren.

Fazit: Zhang Yueran, eine der wichtigsten Stimmen Chinas und mehrfach ausgezeichnete Autorin, hat mir ein Stück chinesische Gesellschaft gezeigt. Die Protagonistin schuftet rund um die Uhr bei einer elitären Familie als Kindermädchen. Ihr eigentlicher Traum war es, Lastkraftwagen zu fahren, wie ihr Vater. Sie hatte den Führerschein gemacht, um ihm zu zeigen, dass sie mehr taugt als andere Frauen, doch sie blieb unsichtbar und er herablassend. Ein unglückliches Ereignis begrub ihren Traum. Sie lebt in einer fremden Villa mit einer Hightech Küche und täglich fragt sie sich, welche Küchenmaschine sie einmal ihr eigen nennen darf und weiß genau, dass sie sich das niemals wird leisten können. Eifersüchteleien der Mutter des Jungen erschweren das Zusammenleben. Der Drill ihres Vaters hat aus ihr eine disziplinierte, pflichtbewusste Frau gemacht. Ihr Lover hat Geldschwierigkeiten, denen sie mit ihrem Ersparten nicht beikommen kann, loyal wie sie ist, entsteht ein Plan. Die Autorin schreibt bildhaft und ruhig. Sie braucht keinen Pathos, um Stimmung zu erzeugen und mich spüren zu lassen, wie es um die Stellung der Frau in China bestellt ist. Ich weiß von einem Hongkongbesuch, dass in den Ballungsgebieten der überwiegende Teil der Bevölkerung auf kaninchenstallähnlichem Raum lebt und für sehr wenig Geld sehr viel arbeitet. Lebenshaltungskosten und Miete fressen die kleinen Einkommen auf. China ist ein arg menschenfeindlicher Ort. Die Bevölkerung durch strenge Erziehung angepasst, geisterfürchtig, obrigkeitshörig und diszipliniert. In China zu leben, heißt zu funktionieren, das ist fern jeder Lebensqualität. Die vielen Prachtbauten sind nur für die wenigen dekadenten Schönen und Reichen, die ihr Fähnchen in den richtigen Wind gehängt haben. Zhang Yueran hat mir auf ihre unaufdringliche Art ihre Kultur nahegebracht und mich auch noch großartig unterhalten. Absolut lesenswert.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Großartiger Gesellschaftsroman

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Yu Ling arbeitet als Kindermädchen bei einer reichen Familie in China. Als der Familienvater aufgrund dunkler Machenschaften plötzlich von der Polizei abgeholt wird und daraufhin die Mutter untertaucht, ...

Yu Ling arbeitet als Kindermädchen bei einer reichen Familie in China. Als der Familienvater aufgrund dunkler Machenschaften plötzlich von der Polizei abgeholt wird und daraufhin die Mutter untertaucht, sieht sie sich mit dem Jungen alleine im Haus wieder und findet dabei heraus, welche Position sie in ihrem Leben eigentlich einnimmt und was ihre Prioritäten sind.

Der Klappentext des Buches hat mich sehr neugierig gemacht, da ich gerne einen eher kritischen Blick auf das Leben von wohlhabenden Familien werfen. Oftmals stellt sich dann heraus, dass sich hinter dem Schein einige dunkle Ecken verbergen. So auch in der Familie von Kuan Kuan. Er ist der siebenjährige Junge, den die Hauptfigur als Kindermädchen im Roman betreut. Die Geschichte dreht sich dabei jedoch nicht darum, aufzudecken, warum der Familienvater festgenommen wurde, sondern vielmehr darum, was für Auswirkungen dies auf das Leben von Yu Ling hat und wie sie in dieser Ausnahmesituation zu sich selbst findet. Als Kindermädchen agierte sie stets still im Hintergrund und dementsprechend nahm sie sich anfangs auch wahr. Im Laufe des Romans zeigt sich jedoch ein Wandel in Yu Lings Gedankenwelt und auf eher bissige Weise wird das glamouröse Leben der Familie beschrieben.

Der Schreibstil der Autorin ist klar und direkt, man spürt zwar die Abneigung gegen die Oberschicht, ohne dass diese jedoch konkret beschrieben wird. Diese gesellschaftspolitische Kritik ist somit perfekt in den Lauf der Geschichte eingewoben und wird durch eine facettenreiche Hauptfigur in Form von Yu Ling ergänzt.

Fazit: Ein herausragender und spannender Roman, der einen Einblick in die gesellschaftlichen Krisen Chinas gibt und mit vielseitigen Charakteren überzeugt!

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Ein Leben, unwichtig und entscheidend zugleich, in der ausgeprägten Klassengesellschaft Chinas

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Die Meisten wissen wenig über die ausgeprägte Klassenstruktur Chinas, über die Familien der Elite und über die, die ihnen zu Diensten sind, bis hinein in die persönlichsten Familienangelegenheiten. Eine ...

Die Meisten wissen wenig über die ausgeprägte Klassenstruktur Chinas, über die Familien der Elite und über die, die ihnen zu Diensten sind, bis hinein in die persönlichsten Familienangelegenheiten. Eine dieser 'Angestellten' ist Yu Ling, die den kleinen Sohn der Familie mit viel Hingabe betreut. Die Beziehung zwischen den beiden ist geprägt von einer tiefen Verbundenheit und Zuneigung. Und trotzdem reift in Yu Ling ein Plan, der ihr helfen soll, aus ihrer niederen Klassenzugehörigkeit auszubrechen, eine eigene Familie zu gründen und selbstbestimmt 'nicht dienend' zu leben. Den Sohn der Familie zu entführen, natürlich ohne diesem selbst Schaden zuzufügen und mit dem Lösegeld eine gewisse Freiheit zu erlangen, für ihren Freund und sie, das sieht sie als ihre Chance an. Doch es kommt anders. Die weit verbreitete Korruption, die den Staat durchtränkt, auch Großmutter und Vater des Kindes haben so Türen geöffnet und nun schlägt die Staatsgewalt, exemplarisch für so viele, zurück. Beide werden verhaftet und die Mutter, sie taucht unter. Und nun, das Kindermädchen Yu Ling wird zur einzig Verantwortlichen für den zurückgelassenen Jungen und sie kann nicht anders, sie fügt sich in diese wiederum von der Realität und den unsozialen Strukturen herbeigefügten Situation und zeigt ihre ganze Stärke, die sich nun, fernab von Klasse, in ihr auftut.
Dieses Buch, es bringt auch in der Übersetzung das Asiatische Sein, das eher zarte, ruhige Beobachtende, das diese Geschichte trägt, in wunderbarer Weise zum Ausdruck. Und mit Yu Ling wurde eine junge Frau zur Hauptprotagonistin gemacht, die so viel transportiert, an innerem Aufbegehren, an Gefühlen, letztendlich auch an purer Mitmenschlichkeit, dass einen dies tief berührt.
Beeindruckende Literatur aus Asien, die auf so wenig Seiten so viel sagt.

Veröffentlicht am 03.10.2025

Böser Roman mit Sogwirkung

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Die Geschichte spielt innerhalb weniger Tage. Tage nach denen nichts so sein wird zuvor.

Alles beginnt mit einer versuchten Entführung. Yu Ling, eine Frau die jede Minute ihres Lebens zu Geld macht ...

Die Geschichte spielt innerhalb weniger Tage. Tage nach denen nichts so sein wird zuvor.

Alles beginnt mit einer versuchten Entführung. Yu Ling, eine Frau die jede Minute ihres Lebens zu Geld macht und in einem fremden Haus, unter Fremden, lebt und arbeitet, plant ein neues Leben. Ein anderes Leben. Eines das ihr gehört, in dem sie tun und lassen kann was sie will. Aber will sie das überhaupt?

Auch wenn Yu Ling im Zentrum der Geschichte steht, werde ich aus ihr nicht schlau. Mit einer stoischen Gleichgültigkeit scheint sie vieles einfach nur hinzunehmen. Mitunter wirkt sie naiv. Ihre Motive bleiben rätselhaft. Während die anderen Figure im Roman, abgesehen von dem kleinen Jungen, auf ihren eigenen Vorteil aus sind, lügen und betrügen, macht Yu Ling Dinge scheinbar ohne Eigennutz.

Dadurch wirkt sie wie ein Fremdkörper in einer Gesellschaft durchzogen von Korruption und Ungerechtigkeit. Dass ihr ständig Unrecht widerfährt scheint sie nicht oder kaum zu korrumpieren.

Zhang Yueran schafft es durch interessante Beobachtungen und Sätze das Leben auf dem Haltegleis einer Hausangestellten zu beschreiben. Ihre Überlegungen zum Thema Backofen waren erhellend.

Die Geschichte entwickelt sich in eine Richtung die ich nicht erwartet habe. Unerwartete Figuren treten auf, es gibt auch Momente die man als beißende Satire auf Chinas Klassimus betrachten kann. Auch Yu Lings teilweise sehr böse Bemerkungen und Gedanken bieten viel Potential zum schmunzeln. Wobei einem doch auch des öfteren das Lachen im Halse stecken bleibt.

Der Schreibstil ist flüssig. Ich habe das Buch innerhalb eines Tages fertig gelesen. Das Ende hat mich unbefriedigt zurückgelassen. Ich habe es aber auch erst am nächsten Tag kapiert. Denke ich..

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