Wichtig, aber zu wenig Tiefgang
HeimatHannah Lühmann skizziert das Leben von Jana, aktuell mit dem dritten Kind schwanger. Sie lebt seit kurzem mit ihrer Familie auf dem Land, vorrangig aufgrund der finanziellen Lage. Sie lernt Karolin kennen ...
Hannah Lühmann skizziert das Leben von Jana, aktuell mit dem dritten Kind schwanger. Sie lebt seit kurzem mit ihrer Familie auf dem Land, vorrangig aufgrund der finanziellen Lage. Sie lernt Karolin kennen und taucht in ihr Leben als Hausfrau mit konservativem Familienmodell ein. Immer mehr ist sie von ihr fasziniert, ja sogar beinahe besessen. Karo lebt nicht nur konservativ, sondern ist auch stark empfänglich für Verschwörungstheorien und rechtspopulistische Meinungen. Sie inszeniert sich und ihre Ideologie gern in den Sozialen Medien, schließt sich mit Frauen im Ort zusammen.
Der Roman steckt den Finger in unsere aktuelle, politische Wunde, zeigt gesellschaftliche (Rück-)Entwicklungen und die Macht der Identitätssuche auf. Es regt zum Nachdenken an - blieb mir im Nachgang dennoch nicht wirklich im Gedächtnis. Warum? Bevor die Geschichte eigentlich so richtig durchstartet, Entwicklungen, Lösungen, komplexe Auseinandersetzungen liefert, ist sie eigentlich auch schon wieder zu Ende. Inhaltliches Potenzial ist definitiv gegeben, leider geht mir der Roman zu wenig in die Tiefe. Ich vermute, dass Hannah Lühmann dies bewusst so gewählt hat, damit die Leser ihre eigenen Schlüsse ziehen, das Gelesene ausgiebig auf sich wirken lassen. Für mich persönlich war die Protagonistin jedoch zu blass, ich hätte mir einfach mehr kritische Auseinandersetzung mit den Themen gewünscht.