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Veröffentlicht am 22.11.2025

Fesselnder Kurzroman

Erde
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Fesselnder Kurzroman

„Erde“ ist der zweite von vier Kurzromanen aus der Feder des großen irischen Schriftstellers John Boyne, die locker zusammenhängen, aber problemlos unabhängig voneinander gelesen ...

Fesselnder Kurzroman

„Erde“ ist der zweite von vier Kurzromanen aus der Feder des großen irischen Schriftstellers John Boyne, die locker zusammenhängen, aber problemlos unabhängig voneinander gelesen werden können. Das Buch erschien im Oktober 2025 im Piper Verlag. Übersetzt wurde es von Nicolai von Schweder-Schreiner.

Der junge Profifußballspieler Evan Keogh steht zusammen mit seinem Freund Robbie in einem Vergewaltigungsprozess vor Gericht. Die beiden beteuern hartnäckig ihre Unschuld, müssen sich aber mit dem Shitstorm in den sozialen Medien und der vorläufigen Suspendierung ihres Vereins auseinandersetzen.

Wir begleiten Evan durch die Prozesstage, wobei die Erzählung immer wieder durch Rückblenden zu Evans Vergangenheit unterbrochen wird. So erfährt man langsam, wie Evan zu dem wurde, der er nun ist: ein junger Mann, der sich ein Leben lang nach Liebe gesehnt hat, aber immer nur zurückgewiesen oder ausgenutzt wurde, vor allem ausgerechnet von den Menschen, die ihm am Herzen lagen.

Obwohl Evan nicht wirklich sympathisch erscheint, kann man seine Handlungsweisen gut nachvollziehen. Hier hat der Autor wirklich gute Arbeit geleistet. Mich hat Evans Geschichte tief berührt. Der versöhnliche Schluss hat mir besonders gut gefallen.

Die Elemente:
1. Wasser
2. Erde
3. Feuer
4. Luft

★★★★★

Veröffentlicht am 03.11.2025

Mehr als eine traurige Geschichte

Da, wo ich dich sehen kann
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Mehr als eine traurige Geschichte

Inhalt:
Frank Kopmann drangsaliert seine junge Frau Emma psychisch und physisch - bis er sie eines Tages umbringt. Damit stürzt die ganze Welt der neunjährigen Tochter ...

Mehr als eine traurige Geschichte

Inhalt:
Frank Kopmann drangsaliert seine junge Frau Emma psychisch und physisch - bis er sie eines Tages umbringt. Damit stürzt die ganze Welt der neunjährigen Tochter Maja in sich zusammen. Sie muss von Hamburg ins weit entfernte Glauberg zu Emmas Eltern ziehen, die sie kaum kennt. Auch Majas Patentante, Emmas beste Freundin Liv, lebt dort in der Nähe. Die drei Erwachsenen bemühen sich um das traumatisierte Mädchen, kommen dabei aber mit ihrer eigenen Trauer und ihren Schuldgefühlen nicht wirklich klar.

Meine Meinung:
Wie gewohnt konnte mich Jasmin Schreiber auch mit ihrem neuesten Werk begeistern. Das schwere Thema liegt ihr persönlich am Herzen; das spürt man in jeder Zeile. Zunächst empfand ich den Schreibstil als relativ distanziert und war sehr froh darüber. Mich tiefer in die Geschichte hineinziehen zu lassen, wäre mir nicht gut bekommen, denke ich. Gegen Ende wird es doch noch sehr emotional, was an dieser Stelle dann aber auch gut ist. Eingestreute Zeitungsartikel, Gerichtsurteile und Ähnliches lassen den Roman sehr realistisch erscheinen.

Die Charaktere, vor allem Liv und Maja, aber auch Emma, die wir in Rückblenden näher kennenlernen, sind tiefgründig ausgearbeitet und offenbaren von Seite zu Seite immer mehr ihrer Facetten. Sowohl die Hauptfiguren wie auch die diversen Nebenfiguren wirken authentisch und realitätsnah. Als Astrophysikerin erzählt Liv Maja viel über die Sterne. Dies war durchaus auch für mich lehrreich.

In kurzen Kapiteln mit wechselnden Perspektiven (Liv, Maja, Brigitte, Per) begleiten wir die Hinterbliebenen in ihrer Trauer. Alle fühlen sich dabei auch irgendwie schuldig an Emmas Tod. Hätten sie ihn verhindern können, wenn sie an irgendeiner Stelle genauer hingeschaut, mehr nachgefragt, anders reagiert hätten? In drei schwarz hinterlegten Kapiteln, die eine alternative Realität aufzeigen, erfahren wir, was eventuell möglich gewesen wäre. Doch Brigittes Therapeutin bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt:

»Wenn eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet wird, ist niemand schuld, Brigitte. Niemand außer dem Mann, der die Tat begeht.«

Die Autorin untermauert ihren literarischen Aufruf an die Gesellschaft, Femizide zu stoppen, mit Zahlen und Fakten. Für Betroffene und Angehörige sind im Anhang diverse Telefonnummern und Webseiten aufgeführt, wo man Hilfe bekommen kann.

Fazit:
Ein sehr berührender und bedrückender Roman, der stark an der leider grausamen Realität orientiert ist. Absolut lesenswert und wichtig!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 15.10.2025

Heiße Verbrechen eiskalt serviert

Lügennebel
1

Heiße Verbrechen eiskalt serviert

Inhalt:
Sechs Studierende aus Uppsala, zwei Frauen und vier Männer, wollen in einem Luxus-Ferienhaus in Åre ihre Skiferien verbringen. Schon auf der Zugfahrt gibt es ...

Heiße Verbrechen eiskalt serviert

Inhalt:
Sechs Studierende aus Uppsala, zwei Frauen und vier Männer, wollen in einem Luxus-Ferienhaus in Åre ihre Skiferien verbringen. Schon auf der Zugfahrt gibt es Hinweise auf Spannungen in der Gruppe. Unmengen von Alkohol und Drogen machen die Sache nicht besser. Und dann liegt eine der Frauen morgens halbnackt und mausetot im Schnee vor dem Haus. Hanna Ahlander und Daniel Lindskog von der Polizei rennen gegen eine Mauer von Lügen an.

Meine Meinung:
Zunächst einmal vielen Dank an den Verlag, dass die Reihe nun unter „Die Åre-Morde“ läuft und nicht mehr unter „Polarkreis-Krimi“, denn die Handlungsorte sind doch noch sehr weit vom Polarkreis entfernt.

„Lügennebel“ ist bereits Band 4 der Reihe um die Polizisten Hanna Ahlander und Daniel Lindkog, kann jedoch auch problemlos ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen; Notwendiges zum Privatleben der Ermittlerinnen wird noch einmal kurz angerissen.

Viveca Sten schreibt unheimlich fesselnd und atmosphärisch. Die beschriebenen tiefen Minusgrade im Januar kriechen einem sogar beim Lesen im warmen heimischen Wohnzimmer unter die Haut. Vielleicht lag meine Gänsehaut aber auch an den üblen Ereignissen, die sich hier abspielen? Jedenfalls wirken die Vorkommnisse wie auch die polizeilichen Ermittlungen sehr realistisch.

Die Autorin versteht es, falsche Fährten zu legen und so die Lesenden an der Nase herumzuführen. Erst nach und nach fallen die wahren Puzzleteilchen an ihren Platz und ergeben zuletzt ein für mich überraschendes Bild, das jedoch in sich absolut logisch ist. Ich konnte also wunderbar miträtseln, ohne dass zu früh bekannt wurde, wer hinter den Taten steckt. Genau so wünsche ich mir das bei einem Kriminalroman.

Doch nicht nur der Kriminalfall hat mich begeistert, sondern auch die privaten Verwicklungen der Polizisten. Beziehungen und Gefühle, von denen niemand wissen soll, Probleme mit der Trennung von der Partnerin, ein unmöglich erscheinendes Outing. All dies erleichtert den Ermittler
innen ihre Arbeit nicht gerade. Dass sie am Ende doch erfolgreich sein werden, ist unter anderem ihrem tollen Teamgeist geschuldet.

Fazit:
Auch Band 4 der Reihe konnte mich vollauf begeistern. Ich hatte spannende Lesestunden mit einem sympathischen Ermittlerteam und freue mich schon auf den nächsten Fall für Hanna Ahlander.

Die Åre-Morde:
1. Kalt und still
2. Tief im Schatten
3. Blutbuße
4. Lügennebel

★★★★★

Veröffentlicht am 02.10.2025

Herrlich amüsant und genauso spannend

Entführung im Himmelreich
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Herrlich amüsant und genauso spannend

Inhalt:
Der ehemalige Schauspieler und Privatier Björn Kupernikus ist Dauercamper auf dem Campingplatz Himmelreich am Schwielowsee. Doch eines Morgens wird die Idylle ...

Herrlich amüsant und genauso spannend

Inhalt:
Der ehemalige Schauspieler und Privatier Björn Kupernikus ist Dauercamper auf dem Campingplatz Himmelreich am Schwielowsee. Doch eines Morgens wird die Idylle getrübt: Der Bäcker kommt nicht. Kupernikus und die Malerin Annabelle Schäfer finden seinen verlassenen Bäckerwagen unweit des Sees - und direkt am See seine Schuhe. Sollte der Bäcker Selbstmord begangen haben? Kupernikus und Annabelle unterstützen Kommissar Fass tatkräftig bei den Nachforschungen, natürlich gegen dessen Willen.

Meine Meinung:
Dies ist schon Band 2 der Reihe, kann aber notfalls auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Doch Vorsicht: Nach der Lektüre wird man auch Band 1 lesen wollen.

Wie schon bei „Mord im Himmelreich“ habe ich mich köstlich bei der Lektüre dieses humorvoll erzählten Kriminalromans amüsiert und wurde dabei auch noch spannend unterhalten.

Die Figuren sind so liebenswert und ihre Dialoge sprühen vor Wortwitz. Es macht einfach nur Spaß dies zu lesen. Andreas Winkelmann gelingt es dabei ausnehmend gut, die Balance zwischen Humor und Spannung zu halten. Der Kriminalfall kommt bei allem nicht zu kurz und erweist sich als immer komplexer, je länger man liest.

Mit ihrer Neugier und ihrer einfühlsamen Ader bekommen Kopernikus und Annabelle alle Informationen, die sie zur Lösung des Falles brauchen. Auch clevere Überlegungen und die ein oder andere Portion Mut tragen zum Gelingen bei.

Die Hundedame Pinguin tritt diesmal eher nur am Rand auf, aber das ist in Ordnung. Nur ganz missen möchte ich sie nicht!

Fazit:
Andreas Winkelmann konnte mich auch mit diesem Cosy Crime absolut begeistern. Er besticht durch herrlichen Humor und viel Spannung, liebenswerte Figuren und eine überraschend komplexe Handlung. Ich freue mich auf viele weitere Fälle für Kupernikus und Annabelle.

Die Reihe:
1. Mord im Himmelreich
2. Entführung im Himmelreich

★★★★★

Veröffentlicht am 09.09.2025

Fesselnder True Science Thriller

Animal
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Fesselnder True Science Thriller

Inhalt:
Ben Lorenz arbeitet als Associate für eine große Hamburger Anwaltskanzlei. Nun soll er die Mandantin Goedfarms vor Gericht vertreten. Ein leichter Fall: Die Klägerin ...

Fesselnder True Science Thriller

Inhalt:
Ben Lorenz arbeitet als Associate für eine große Hamburger Anwaltskanzlei. Nun soll er die Mandantin Goedfarms vor Gericht vertreten. Ein leichter Fall: Die Klägerin ist das Schwein Rosa, die von Goedfarms unter schlechten Bedingungen in einem Schweinezuchtbetrieb gehalten wird. Doch Tiere haben in Deutschland kein Klagerecht. Man rechnet daher mit einer Klageabweisung. Doch natürlich kommt es ganz anders …

Meine Meinung:
Tibor Rode ist fast schon ein Garant für spannende und fesselnde True Science Thriller. Auch mit „Animal“ konnte er mich wieder überzeugen und begeistern. Mit drastischen Beschreibungen und gut recherchierten wissenschaftlichen Fakten bringt der Autor die Lesenden zum Nach- und hoffentlich Umdenken. Mit den Themen Tierschutz und KI ist er absolut am Puls der Zeit.
Durch wechselnde Handlungsstränge und Perspektiven wird es nie langweilig. Besonders die eingestreuten Passagen aus Sicht der Zuchtsau Rosa haben mich berührt. Kleine Cliffhanger am Ende der meist kurzen Kapitel motivieren zum Weiterlesen. Für mich war es ein echter Pageturner, den ich in kürzester Zeit verschlungen habe.
Die Figuren wirken glaubwürdig, die wissenschaftlichen Fakten sind auch für Laien verständlich dargestellt. Der Schreibstil ist mitreißend und kurbelt das Kopfkino an. Eine Verfilmung des Stoffs kann ich mir sehr gut vorstellen.

★★★★★