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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.12.2025

Nicht ganz überzeugender Roman

Ruf der Leere
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Das Cover verrät aufgrund der Farbgebung – kein blutrot auf finsterem oder sogar schwarzem Grund – nicht direkt auffällig, dass es sich um einen Thriller handelt. Der Prolog springt sofort in die seltsame ...

Das Cover verrät aufgrund der Farbgebung – kein blutrot auf finsterem oder sogar schwarzem Grund – nicht direkt auffällig, dass es sich um einen Thriller handelt. Der Prolog springt sofort in die seltsame Szenerie: eine dramatisch verlaufende Party mit sieben problematischen Personen an einem Wochenende in einer Waldhütte ohne Handyempfang. Die Beziehung der drei Hauptfiguren zueinander - Felix, Ben und Laura – wird in unregelmäßig eingeschobenen Rückblicken beleuchtet. Der Text des Prologs mit Felix Riedhof um 20:34 Uhr wiederholt sich auf S. 180 unten. Inhaltlich geht es um DIE GOLDENE REGEL, diskutiert im Rahmen eines universitären Seminars zu Medizinethik. Die Grenzen zu dieser ältesten ethischen Grundregel des respektvollen Miteinanders werden von Felix eindeutig überschritten, lassen ihn zu einem Psychopathen mutieren. Sein Experiment während des Sommersemesters rund um Laura entgleitet ihm, schadet nicht nur ihr. Seine Überzeugung, dass Moral nur ein Privileg derer ist, die sonst keine Sorgen haben, wird betont durch das mysteriöse Auftreten des abgewrackten, alten Mannes, stellvertretend für den Tod. Dessen wenig glaubhafte Botschaft, dass nach Mitternacht nur einer überleben wird und diesen sieben jungen Leuten die Selektion überlassen ist, sorgt zwar für nicht so recht greifbare Spannung, verwirrt zum offenen Ende hin eher. Das Geschehen rund um den Vater, Prof. Thomas Riedhof, passt sich nicht harmonisch in das Hauptgeschehen ein, wirkt zu konstruiert. Auf das Gefühl des L‘appel du vide, der Leere der Seele wird auf S. 158 hingewiesen. Dieses tiefe Gefühl der Unerfülltheit, Einsamkeit, Sinnlosigkeit und Entfremdung, oft z.B. ausgelöst durch Verlust oder Überforderung oder dem Gefühl, nicht verbunden zu sein, trifft auf diese Protagonisten in verschiedener Weise zu. Ihr Weg zur Selbstfindung, wieder Sinn und Verbindung zu finden, endet abrupt. Die emotionale Distanz, das Gefühl der Abgeschnittenheit von sich selbst und anderen trifft besonders auf Felix zu. Seine mangelnden emotionalen Regungen verdrängt er durch leere sexuelle Beziehungen, diese verstärken hier eher sein Problem.
Die eingewobenen Rückblicke und der Hauptstrang der Hüttenparty ergänzen sich nicht harmonisch, wodurch der chronologische Vorgang leider nur erschwert zu packen ist. 2,5*

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Ein hartes Krankheits-Schicksal in Mutter-Tochter-Beziehung

Elf ist eine gerade Zahl
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Auf zwei Erzählebenen verlaufen zeitlich parallel im Wechsel sehr verschiedene Abläufe: Zunächst geht es um eine spezielle Mutter-Tochter-Beziehung in nicht alltäglicher Situation rund um eine erneute, ...

Auf zwei Erzählebenen verlaufen zeitlich parallel im Wechsel sehr verschiedene Abläufe: Zunächst geht es um eine spezielle Mutter-Tochter-Beziehung in nicht alltäglicher Situation rund um eine erneute, schwerwiegend belastende Krankheit mit erneuter OP. Im Verlauf des kritischen Krankenhausaufenthalts der Tochter setzt die Erzählung der Mutter Katja Altenberg ein, um ihre kranke, angstvolle Tochter Paula zu beruhigen. Diese fantasievolle Geschichte, betitelt Der Fuchs und das Mädchen, nimmt zu viel Raum ein. Besonders die körperlichen und seelischen Belastungen der überfürsorglichen Mutter werden betont. Auch der normalerweise schon schwierige Umgang mit Teenagern wie Paula im Alter um 14 Jahre wird gut beschrieben. Die Belastung im Finden der richtigen Worte bis zum Aushalten von Schweigen bei allen Beteiligten rund um den einschneidenden Lungeneingriff bei Paula ist zwar spürbar, erfasst jedoch im Schreibstil emotional nicht tiefgehend.

Ein wichtiges Thema, doch ist der Roman insgesamt keine stimmige Einheit. 2,5 *

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Veröffentlicht am 20.11.2025

2020 - Mailand im Jahr der Pandemie

Café Royal
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Das Buch bietet Kurzgeschichten über 17 Personen an, die sich mehr oder weniger um vergleichsweise unbedeutende oder nichtige zwischenmenschliche Probleme drehen, die Menschen der westlichen Welt im Alltag ...

Das Buch bietet Kurzgeschichten über 17 Personen an, die sich mehr oder weniger um vergleichsweise unbedeutende oder nichtige zwischenmenschliche Probleme drehen, die Menschen der westlichen Welt im Alltag zu bewältigen haben. Mal geht es um vorübergehende Affären, um verschiedenste Lebenssituationen in Familien, zwischen Partnern oder Freundinnen, Senioren oder Drogenabhängigen. Deren Lebenswege kreuzen sich in verschiedenen Episoden, aus verschiedenen Perspektiven die Problematik ihrer Beziehung bzw. Lebenslage darlegend. In das Café Royal in der Via Marghera als verbindendem Element kehrt mit diesen Protagonisten nach der Pandemie mit vielen Lockdowns wieder Leben ein, leider nicht als die wichtige, zentrale Begegnungsstätte – wie die Buchüberschrift suggeriert. Dieses Sammelsurium an unchronologischen Kapiteln beschreibt eine bunte Gesellschaft mit eher blassen Charakteren. Im Gesamtbild endet manche Querverbindung ohne Tiefgang.
Sehr leichte Unterhaltung 2,5*

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Verschiedene Schattierungen der Liebe, überspitzt dargelegt.

Das Buch der Schwestern
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Dieser teils nicht nachvollziehbare Familienroman spielt in der französischen Provinz und thematisiert Einsamkeit und grobe Vernachlässigung durch egoistische Eltern gegenüber den eigenen zwei Töchtern. ...

Dieser teils nicht nachvollziehbare Familienroman spielt in der französischen Provinz und thematisiert Einsamkeit und grobe Vernachlässigung durch egoistische Eltern gegenüber den eigenen zwei Töchtern. In einer lieblosen, unglücklichen Kindheit übernimmt die 5-jährige, introvertierte, sehr intelligente Tristine als Ersatzmutter die Versorgung ihrer Schwester Laetitia von deren Geburt an, und sogar den Haushalt versorgt sie. Auch die Beantragung eines Begabtenstipendiums vor dem Alter von 18 Jahren kann nur mit Unterschrift und Einkommensunterlagen der Eltern erfolgen. Diese Passagen sind unrealistisch, total überzogen, wenig authentisch. Die starke Geschwisterliebe und die verschiedene soziale und emotionale Entwicklung beider Mädchen wiederum gefällt durch die überzeugende Beschreibung ihrer verschiedenen Facetten. Während Laetitia durch Zuwendung und Aufmerksamkeit ihrer Schwester ein gesundes, extrovertiertes Selbstbewusstsein entwickelt, leidet Tristine lebenslang an fehlender Ausstrahlung. Ihre frühen seelischen Narben, verursacht durch frühe grobe elterliche Vernachlässigung, können langfristige Folgen haben. Gesellschaftskritisch ist dieser Roman auch hinsichtlich der asozialen Außenseiterfigur Bobette mit ihren vier vaterlosen Kindern.
Insgesamt wirkt dieser Roman durch viele unrealistische Szenen zu überspitzt, auch wenn die Botschaft hinsichtlich der verantwortungsvollen Elternrolle klar hervortritt.

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Veröffentlicht am 18.10.2025

Sehr leichte Unterhaltung!

Lass uns noch bleiben
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Das farbenfrohe Gemälde als Cover zeigt eine Treppe, beidseits flankiert von Topfpflanzen – wohl den Pflanzenladen der Hauptperson Anna lebensfroh darstellend – sehr ansprechend. Der Untertitel Eine Ode ...

Das farbenfrohe Gemälde als Cover zeigt eine Treppe, beidseits flankiert von Topfpflanzen – wohl den Pflanzenladen der Hauptperson Anna lebensfroh darstellend – sehr ansprechend. Der Untertitel Eine Ode an das Leben soll Mut machen zu einem Neuanfang nach unglücklicher Beziehung. Die Szenerie spielt größenteils im bunten Berliner Kiez mit Annas Pflanzenladen, Hennings nachbarlichem Antiquariat und der Mini-Bar des lebensfrohen Alex und seinen Charity-Projekten als Hauptakteure. Thematisiert werden vor allem problematischer Liebeskummer, Einsamkeit, Sinnsuche und Kindheitserinnerungen. Durch Aktionen wie die Suche nach der verschwundenen Freundin Vinka oder die Reise durch Dalmatien verbessert sich zwar das allgemeine Stimmungsbild der Protagonistin Anna, weist jedoch im Schreibstil der Autorin nicht überzeugende Tiefe auf trotz neuer Begegnungen.

Nicht überzeugend.

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