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Veröffentlicht am 15.12.2025

Solider Auftakt mit Luft nach oben

To Cage a Wild Bird
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Als großer Fan von Dystopien war ich sehr gespannt auf "To Cage A Wild Bird". Der Roman bietet ein solides Erstwerk mit einer guten Grundidee und viel Potential, konnte mich insgesamt jedoch nicht vollständig ...

Als großer Fan von Dystopien war ich sehr gespannt auf "To Cage A Wild Bird". Der Roman bietet ein solides Erstwerk mit einer guten Grundidee und viel Potential, konnte mich insgesamt jedoch nicht vollständig überzeugen.

Die Geschichte spielt in einer dystopischen Zukunft der USA nach einem Atomkrieg. Die Gesellschaft ist strikt in drei Ränge unterteilt, wobei Rang 3 – der unterste – unter Hunger, Armut und systematischer Unterdrückung leidet. Besonders grausam ist das Gefängnis Endlock in Dividium: Ein Ort, an dem Insassen nicht nur weggesperrt werden, sondern als Beute für die tödlichen Jagden der oberen Ränge dienen. Dieses Setting ist brutal, düster und eines der stärksten Elemente des Buches.

Die Protagonistin Raven arbeitet als Kopfgeldjägerin, um sich und ihren Bruder Jed durchzubringen und unterstützt damit unfreiwillig genau das Regime, das sie verachtet. Als Jed verhaftet und nach Endlock gebracht wird, lässt Raven sich vom Widerstand als Insassin einschleusen, um ihn und eine Schlüsselfigur der Rebellion zu befreien. Dass noch nie jemand aus Endlock entkommen ist, macht das Vorhaben besonders spannend.

Trotz der starken Ausgangslage empfand ich Handlung und Sprachstil als sehr einfach und eher eindimensional. Vieles war vorhersehbar, und vor allem die Emotionen der weiblichen Hauptfigur kamen für mich nicht ausreichend beim Lesen an. Konflikte, insbesondere zwischen Raven und ihrem Bruder, wurden für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt und hätten deutlich mehr Tiefgang vertragen.
Dennoch: Die Geschichte ist durchgehend spannend, vor allem im Gefängnisabschnitt, der von Gewalt, Überwachung und permanenter Bedrohung geprägt ist. Auch die sich entwickelnde Beziehung zwischen Raven und dem Wachmann Vale, der ihr unerwartet hilft, sorgt für zusätzliche Spannung. Die romantische Komponente bleibt zwar klassisch YA, funktioniert aber innerhalb der Geschichte.

Insgesamt konnte "To Cage A Wild Bird" für mich nicht mit Genregrößen wie "Die Tribute von Panem" mithalten, macht aber neugierig auf mehr. Nicht zuletzt wegen des bösen Cliffhangers, mit dem Band 1 endet. Band 2 würde ich definitiv lesen, in der Hoffnung auf mehr Tiefe und Weiterentwicklung.

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Zwischen Sanftmut und Selbstfindung

A spoonful of us
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In "A Spoonful of Us" erzählt Julia Schuck eine warmherzige, angenehm zu lesende Liebesgeschichte, die abwechselnd aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren Sara und Luca geschildert wird. Beide befinden ...

In "A Spoonful of Us" erzählt Julia Schuck eine warmherzige, angenehm zu lesende Liebesgeschichte, die abwechselnd aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren Sara und Luca geschildert wird. Beide befinden sich an einem Wendepunkt ihres Lebens: Sara steht kurz vor dem Abschluss ihres Ernährungswissenschaftsstudiums und kämpft noch mit den Nachwirkungen einer langjährigen, toxischen Beziehung sowie den Erwartungen ihrer konservativen Familie. Luca wiederum trauert um seine verstorbene Großmutter, weiß längst, dass das Jurastudium nicht das Richtige für ihn ist, scheut jedoch den endgültigen Schritt heraus, obwohl er in seinem Aushilfsjob in der Bäckerei viel eher Erfüllung findet. Als die beiden durch Saras Cousin Mauro zusammengebracht werden, um für dessen Restaurant ein „Lovebirds“-Menü zu kreieren, entsteht zwischen ihnen eine zarte, aufkeimende Verbindung. Während Luca sich schnell über seine Gefühle klar wird, bleibt Sara vorsichtig, denn sie traut sich selbst nicht so recht über den Weg.

Die Geschichte entfaltet sich in einem ruhigen Tempo: Sie ist leicht, sie ist nett – aber sie bleibt über weite Strecken auch oberflächlich. Besonders die Themen rund um toxische Familienstrukturen, konservative Erwartungshaltungen und die Befreiung daraus sind stark angelegt, hätten aber mehr Tiefe und emotionale Wucht vertragen. So plätschert die Handlung bisweilen dahin, ohne nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.
Angenehm hingegen ist das italienische Flair, das die Hintergründe der Figuren dezent einfängt und der Geschichte einen warmen Ton verleiht. Und beim Lesen bekommt man ob der italienischen Köstlichkeiten permanent Hunger. Insgesamt bleibt A Spoonful of Us eine schnell weglesbare, charmante, aber letztlich eher oberflächliche Liebesgeschichte.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Realistischer Football, schwache Romance

Falling for No. 89
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Alicia Sommer gelingt es auch im zweiten Band ihrer Reihe, den Leser sofort in die Welt des American Footballs hineinzuziehen. Der Schreibstil ist angenehm leicht und locker, man kommt sehr flüssig durch ...

Alicia Sommer gelingt es auch im zweiten Band ihrer Reihe, den Leser sofort in die Welt des American Footballs hineinzuziehen. Der Schreibstil ist angenehm leicht und locker, man kommt sehr flüssig durch die Kapitel und kann gut in die Geschichte eintauchen.

Besonders positiv hervorzuheben ist der Football-Aspekt: Die Spiele, Trainings und sportlichen Abläufe sind realistisch und detailreich beschrieben – sogar besser als im ersten Band. Man spürt beim Lesen förmlich die Dynamik und Intensität des Sports, fast so, als säße man selbst vor dem Fernseher bei einem echten Spiel. Die Fachbegriffe zu Spielzügen, Fouls und Positionen sind korrekt verwendet und zeigen, dass hier gründlich recherchiert wurde.

Inhaltlich greift Alicia Sommer wichtige Themen wie psychische und physische Gesundheit im Leistungssport auf, insbesondere CTE und den Umgang mit Druck, Ruhm und Verletzungen. Dabei wird der Football sowohl von seiner glanzvollen als auch seiner dunklen Seite gezeigt: Geld, Aufmerksamkeit und Privilegien stehen einem System gegenüber, das Spieler oft eher als Ware denn als Menschen behandelt. Diese kritische, aber authentische Sichtweise fand ich sehr gelungen – auch die Anspielungen auf reale Profisportler fügten sich stimmig ein.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Sheila und Kayce, einem Tight End der fiktiven L.A. Vipers. Sheila kommt als Medizinstudentin im Rahmen eines Förderprogramms zum medizinischen Team der Vipers. Grundsätzlich fand ich diesen medizinischen Blickwinkel spannend und frisch – allerdings störte mich Sheilas „Gabe“, durch Handauflegen Verletzungen zu erkennen. Das wirkte zu fantastisch und passte für mich nicht in das ansonsten realistische Setting.

Auch bei den Figuren blieb für mich einiges auf der Strecke. Kayces familiäres Trauma wurde ewig nicht aufgedeckt und wirkte dann wie ein nahezu belangloses Kommunikationsproblem auf mich. Mit der Liebesgeschichte konnte ich leider ebenfalls nicht warm werden. Sheila ist von Anfang an sehr devot und emotional abhängig, während Kayce sie teilweise herablassend behandelt. Zwar gibt es am Ende eine Entwicklung, doch die kommt für mich zu plötzlich und wirkte wenig überzeugend. Dass Sheila über all die Jahre heimlich in ihn verliebt war und natürlich noch Jungfrau ist, hat für mich zu sehr dem klassischen amerikanischen Romance-Klischee entsprochen. Auch Kayces spätere Erkenntnis, Sheila sei schon immer „die Eine“ gewesen, fand ich leider zu platt.

Insgesamt ist Falling for No. 89 ein gut geschriebenes Buch mit starker sportlicher Atmosphäre und ernsthaften Themen, das aber im emotionalen Bereich und bei den Figuren für mich nicht ganz überzeugt. Wer sportlastige Romance-Geschichten mit realistischem Football-Feeling mag, wird hier dennoch auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Verloren im Wir

Die Spur der Vertrauten
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„Was bleibt vom Ich, wenn nur noch das Wir zählt?“

Mit „Die Spur der Vertrauten“, dem neuesten Roman von Christelle Dabos, wagt die Autorin nach ihrer gefeierten Spiegelreisenden-Reihe einen radikal anderen ...

„Was bleibt vom Ich, wenn nur noch das Wir zählt?“

Mit „Die Spur der Vertrauten“, dem neuesten Roman von Christelle Dabos, wagt die Autorin nach ihrer gefeierten Spiegelreisenden-Reihe einen radikal anderen Weg. Statt verspielter Magie und poetischer Bilder erwartet Leserinnen eine dystopische Gesellschaft, in der Individualität nicht existiert — und genau das merkt man dem ganzen Buch an.

In dieser Welt steht das „Wir“ über allem. Jeder Mensch ist darauf programmiert, dem Allgemeinwohl zu dienen. Individualität gilt hingegen als gefährlich.
Claire steht kurz vor ihrem Abschluss an der Schule der Vertrauten, während Goliath nur noch wenige Wochen bleiben, um sich als „Tugendhafter“ zu beweisen. Als plötzlich ein Schüler verschwindet — und niemand außer Claire das wahrzunehmen scheint — tun sich die beiden zusammen. Ihre Ermittlungen führen sie tief in ein Netz aus Lügen, Kontrolle und Geheimnissen, die größer sind, als sie je erwartet hätten.

Der Einstieg war für mich schwierig. Ich kam kaum in die Geschichte hinein, alles wirkte abgehackt, inhomogen und distanziert. Auch der Schreibstil trägt dazu bei, dass man sich den Figuren kaum vorstellen kann, insbesondere ihre Gesichter oder Persönlichkeitsmerkmale. Das ist zwar irritierend, passt aber gleichzeitig zum Konzept: In einer Welt ohne Individualität bleibt auch den Leser
innen der Zugang zu persönlichen Details verwehrt. Ein interessanter, aber auch anstrengender erzählerischer Kniff.

Nach dem ersten Drittel wurde die Handlung dann plötzlich sehr viel spannender. Plötzlich hatte ich zig Fragen im Kopf und wurde in die Dynamik des Buches hineingezogen. Der Zwischen-Showdown kam allerdings sehr früh und vorhersehbar, an dieser Stelle hatte ich eine ziemlich klare Ahnung, worauf das hinauslaufen würde. Das große Ganze klärt sich aber erst zum Ende des Romans und ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich alles verstanden habe.

Ein großes Plus: Goliaths Entwicklung. Anfangs fand ich ihn mit seiner saloppen Sprache und sprunghaften Art eher nervig, aber er wächst im Verlauf der Geschichte enorm. Gegen Ende empfand ich ihn als starken, tragenden Charakter, der mir wirklich ans Herz gewachsen ist. Claire mochte ich von Beginn an, auch wenn ihre Rolle erst zum Ende geklärt wird.

Fazit: „Die Spur der Vertrauten“ ist kein zweites Spiegelreisende-Märchen — und das ist Absicht. Dabos wagt sich hier an ein experimentelles, dystopisches Erzählkonzept, das konsequent durchgezogen wird, Leser*innen aber auch fordert. Für mich persönlich war die Geschichte stellenweise frustrierend und sperrig, aber auch faszinierend in ihrer Konsequenz.

Wer bereit ist, sich auf eine ungewohnte, kalte Welt einzulassen, wird hier ein besonderes Leseerlebnis finden. Wer die Wärme und Detailfülle der Spiegelreisenden-Reihe erwartet, wird vermutlich enttäuscht.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Zurück in Willow Falls

Willow-Falls-Reihe, Band 2 - Stay With Me in Willow Falls
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Nach dem ersten Band hatte ich große Lust, wieder nach Willows Falls zurückzukehren und das Setting hat mich auch diesmal nicht enttäuscht. Greta Milan fängt das Flair der Kleinstadt wieder wunderbar ein: ...

Nach dem ersten Band hatte ich große Lust, wieder nach Willows Falls zurückzukehren und das Setting hat mich auch diesmal nicht enttäuscht. Greta Milan fängt das Flair der Kleinstadt wieder wunderbar ein: die vertrauten Gesichter, das Miteinander, das langsame Tempo – all das sorgt für dieses typische Smalltown-Gefühl, das mir gut gefällt und bei dem ich mich wohl fühle.

Die Geschichte rund um die Hauptfiguren Paige und Miles konnte mich allerdings nicht ganz so sehr mitreißen wie Cassie und Jared in Band 1. Der Fokus lag stark auf alten Konflikten und Missverständnissen, die nicht nur ziemlich vorhersehbar waren, sondern oft etwas zu dramatisch auf mich wirkten. Paiges Wut und ihr Verhalten fand ich dabei stellenweise schwer nachvollziehbar, ebenso die übergriffigen und vorverurteilenden Dorfbewohner, während Miles mir schnell ans Herz wuchs.

Trotzdem gab es viele süße und humorvolle Momente, die mich zum Schmunzeln gebracht haben. Gerade in den ruhigeren Szenen blitzte das auf, was Greta Milans Willow-Falls-Reihe so angenehm macht: Wärme, Zusammenhalt und kleine, emotionale Gesten. Was mir diesmal allerdings gefehlt hat, waren die eindeutigen herbstlichen Vibes, die ich mir erhofft hatte. Zum Ende hin gibt es zwar ein paar Herbstaktionen, aber das war mir zu wenig und mir fehlte das Herbstgefühl, das ich in Band 1 hatte. Der zweite Band fühlte sich für mich daher weniger „cozy“ an als der erste, blieb aber durch Setting und Nebenfiguren charmant.

Fazit: Eine gefühlvolle Rückkehr nach Willows Falls mit liebenswertem Setting und schönen Momenten, auch wenn mich die Handlung und insbesondere die weibliche Hauptfigur Paige diesmal nicht völlig überzeugen konnten.

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