Profilbild von Schnick

Schnick

Lesejury Star
offline

Schnick ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Schnick über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.01.2026

Umfassend und leicht verständlich geschrieben

Mehr Geld für Eltern
0

Im Verlag der Stiftung Warentest ist der Ratgeber "Mehr Geld für Eltern" erschienen. Wer die Ratgeber der Stiftung Warentest kennst, weiß weitestgehend, was zu erwarten ist: fundierte, leicht verständlich ...

Im Verlag der Stiftung Warentest ist der Ratgeber "Mehr Geld für Eltern" erschienen. Wer die Ratgeber der Stiftung Warentest kennst, weiß weitestgehend, was zu erwarten ist: fundierte, leicht verständlich geschriebene Informationen zu einem bestimmten Thema. Das gilt auch für "Mehr Geld für Eltern".

Geboten werden viele Tipps und Tricks, wie Eltern Fördergelder beantragen, Steuererleichterungen erhalten und Geld sinnvoll anlegen können. Der Ratgeber setzt im Prinzip schon vor der Geburt an, weil man bereits während der Schwangerschaft erste Anträge stellen kann.

Das Buch ist klar gegliedert. Tabellen, Diagramme und andere Visualisierungen untermauern das Beschriebene. Internetlinks führen zu hilfreichen Online-Seiten. Mir gefällt das sehr.

Zwar findet man fast alle Informationen auch online, allerdings muss man sich normalerweise alles mühsam zusammensuchen. Dieser Ratgeber ist sinnvoll, weil man erstens nicht lange suchen muss (auch dank des Registers am Ende) und zweitens nicht Gefahr läuft, dass man etwas Wichtiges vergisst/übersieht.

Gut finde ich zudem, dass auch auf Themen wie Geldanlage und Versicherungen eingegangen wird. Selbst auf das Thema Erbschaft (und Erbfolgen) wird eingegangen.

Alles in allem bietet der Ratgeber einen umfassenden Überblick über Möglichkeiten für (werdende) Eltern, finanziell etwas mehr Sicherheit zu gewinnen. Aus meiner Sicht ist das Buch empfehlenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2026

Gut recherchiert und fesselnd geschrieben

Zurück unter Mördern
0

"Sie haben Menschen wie uns bespuckt, getreten, geschlagen. Sie haben unsere Geschäfte zerstört, Karrieren zunichtegemacht. Und sie haben unser Vermögen an sich gerissen. Was denken Sie? Was kommt jetzt? ...

"Sie haben Menschen wie uns bespuckt, getreten, geschlagen. Sie haben unsere Geschäfte zerstört, Karrieren zunichtegemacht. Und sie haben unser Vermögen an sich gerissen. Was denken Sie? Was kommt jetzt? Was uns bleibt, ist nur das Leben! Und ich fürchte, dass sie davor nicht haltmachen werden."

Im Jahr 1950 wird der ehemalige Jura-Student Henry Mahler beauftragt, zum einen Beweise zu finden, dass beim Verkauf der Firma der Familie Lassally während der Nazizeit nicht alles koscher war, zum anderen herauszufinden, ob der angebliche Selbstmord des Familienoberhaupts Eduard Lassally nicht doch ein Mord war.

Michael Jensens "Zurück unter Mördern" ist ein historischer Kriminalroman, der auf verschiedenen Zeitebenen spielt, um sowohl den Kriminalfall des Jahres 1950 als auch die Geschichte der Familie Lassally (und vor allem Oswald Lassallys) zu beleuchten. Herausgekommen ist eine tolle Mischung aus Gesellschafts- und Kriminalroman.

Michael Jensen gelingt es, anhand des "Einzelschicksals" der Familie Lassally/Oswald Lassallys, die Schrecken der Nazizeit aufleben zu lassen. Abseits der monströsen Zahlen wird so für uns LeserInnen erlebbar, was es bedeutete, den Nazis ausgeliefert zu sein. Jensen arbeitet gut heraus, wie tiefgreifend vernetzt und menschenverachtend das System war. Durch diese Fokussierung auf eine Familie wird die Monstrosität fassbar, fühlbar - und umso schrecklicher.

Jensen nimmt sich Zeit. seine Hauptfiguren zum Leben zu erwecken. So nimmt im ersten Drittel die Charaktereinführung viel Raum ein, was für mich die richtige Vorgehensweise war. Erst in der zweiten Hälfte des Romans wird dann richtig ermittelt - anfangs spielt zwar der Zufall eine wichtige Rolle, aber da dieser Zufall die Ermittlungen erst so richtig in die Spur bringt, war das für mich okay, zumal sich die Zufälle dann in Grenzen hielten. Im letzten Drittel wurde es dann richtig spannend - nicht im Sinne eines Thrillers, aber doch spannend genug, dass ich das Buch nicht mehr beiseite legen wollte.

"Zurück unter Mördern" hat mir als historischer Kriminalroman sehr gut gefallen. Michael Jensen ist ein Erzähler, der historische Fakten und Fiktion so gut vermengt hat, dass der Roman bis zum Ende glaubwürdig ist und seine LeserInnen an sich fesselt.

Empfehlenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.11.2025

Sehr unterhaltsam!

Der Doktor und der liebe Mord
0

René Anours "Der Doktor und der liebe Mord" ist ein unterhaltsamer Tierarzt-Krimi, der mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Severin, seines Zeichens friedliebender ...

René Anours "Der Doktor und der liebe Mord" ist ein unterhaltsamer Tierarzt-Krimi, der mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Severin, seines Zeichens friedliebender Tierarzt. Dessen Chef hat Geld veruntreut und will dies Severin in die Schuhe schieben. Durch die Verkettung unglücklicher Umstände tötet Severin seinen Chef versehentlich. Die Tötung zu vertuschen, ist eine Sache, den Gnadenhof und somit die geliebten Tiere zu retten, eine andere. So gewinnt der zunächst absurd erscheinende Vorschlag, ausgerechnet er möge sich als Auftragsmörder verdingen, eine reizvolle Dimension. Aber es ist natürlich alles einfacher gesagt als getan...

Es ist viel zu oft so, dass Prämissen gut klingen, dann aber schlecht oder mäßig umgesetzt werden. René Anour hat jedoch eine wirklich gute Geschichte mit einer guten Dosis Humor abgeliefert. Mit Severin hat er zudem einen Protagonisten abgeliefert, den man irgendwie mögen muss. Mein Liebling war allerdings Tristan - seines Zeichens neuer Tierarzthelfer -, der zwar nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, eine bewegte Vergangenheit vorzuweisen hat, dafür aber das Herz am rechten Fleck hat.

So sehr Severin und Co. auch allerlei Klischees bedienen, so scheinen doch immer wieder Facetten durch, die man so nicht erwartet hätte. Mir hat das sehr gefallen.

Natürlich ist ziemlich schnell klar, wer der Bösewicht ist, aber wie der Bösewicht überführt wird, was ihn zum Bösewicht macht, das wird auf so unterhaltsame und humorvolle Weise (und sehr viel Liebe) erzählt, dass ich mich ehrlich gefreut habe, dieses Buch zu lesen. Ich habe sogar die Naivität Severins ertragen können und mich nicht geärgert, dass er blind für das Offensichtliche ist. Das gehörte für mich in diesem Fall zum Roman dazu und war vollkommen okay.

Das Erzähltempo ist durchweg gut gewählt, die Pointen sitzen und auch wenn "Der Doktor und der liebe Mord" nicht unbedingt spannend ist, macht es einfach Spaß, den Charakteren, Verwicklungen und "Ermittlungen" beizuwohnen. Ich hoffe sehr auf einen zweiten Teil, denn im Verlauf sind mir Severin, Tristan und Co. ans Herz gewachsen und ich bin gespannt, ob und wie sich deren Zweit-Profession entwickeln wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.10.2025

Erhellend

Der 8. Oktober
0

"Bis zum 7. Oktober 2023 glaubte ich, Verbrechen gegen die Menschlichkeit seien die letzten Ereignisse, die abweichende Überzeugungen und Meinungen in einer moralischen Gemeinschaft des Mitgefühls noch ...

"Bis zum 7. Oktober 2023 glaubte ich, Verbrechen gegen die Menschlichkeit seien die letzten Ereignisse, die abweichende Überzeugungen und Meinungen in einer moralischen Gemeinschaft des Mitgefühls noch zusammenbringen könnten."

Die Erschütterung, die Eva Illouz und Jüdinnen/Juden weltweit am 7. Oktober 2023 und vor allem in den Wochen danach - als Menschen weltweit das Massaker nicht nur rechtfertigten, sondern vielmehr bejubelten und feierten (darunter viele, die sich als progressive Linke identifizieren) -, kann ich mir nicht einmal ansatzweise vorstellen.

Eva Illouz nimmt die Mitleidlosigkeit insbesondere der progressiven Linken gegenüber den Opfern des Massakers zum Anlass, nach Gründen für die neue Form des Antisemitismus zu suchen, die sie unter anderem - meiner Meinung nach treffend - als einen "sich tugendhaft gebenden Hass" bezeichnet. Dabei bedient sie sich vor allem soziologischer, historischer und theoriegeschichtlicher Argumente.

Der Essay ist nicht ganz einfach zu lesen, aber ich habe die Ausführungen sehr spannend gefunden und das Buch geradezu verschlungen. Auch dank seiner Kürze hat man den Text schnell gelesen, aber er hallt im besten Sinne nach und ich werde das Büchlein sicher öfter in die Hand nehmen. Ich für meinen Teil hätte gefühlt jeden zweiten Absatz markieren können (würde ich Sätze oder Absätze markieren), um sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal auf mich wirken zu lassen.

"Leider haben wir keinen Grund zu der Annahme, die kulturellen und intellektuellen Eliten seien in Bezug auf sich selbst weniger selbstgefällig und blind als die wirtschaftlichen Eliten."

Wie das bei Essays oft der Fall ist, bleibt auch dieser teilweise oberflächlich. Ich hätte mir an einigen Stellen mehr Tiefgang gewünscht. Auch kann ich zwar Eva Illouz' rationalen Ansatz verstehen, sie wird dadurch aber meiner Meinung nach antisemitische Linke (oder generell Antisemiten) leider nicht überzeugen oder zumindest zum mehr Selbstreflexion animieren.

"Der Hass beschädigt und macht unglaubwürdig."

Alles in allem empfehle ich den Text sehr. Trotz der Kürze werden ungemein viele interessante Aspekte angesprochen, so dass ich ihn insgesamt als Bereicherung empfunden habe. Man muss nicht mit allen Schlussfolgerungen einverstanden sein, aber interessiert und offen an Illouz' Ausführungen heranzugehen, erweitert den Horizont allemal.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.10.2025

Gut geschrieben, unbequem, bereichernd

Freiheitsaufgaben
0

Marko Martin war mir ehrlich gesagt - und es ist mir peinlich, das zugeben zu müssen - bisher kein Begriff. Klar, ich hatte mitbekommen, dass da ein Festredner am 7. November 2024 Bundespräsident Steinmeier ...

Marko Martin war mir ehrlich gesagt - und es ist mir peinlich, das zugeben zu müssen - bisher kein Begriff. Klar, ich hatte mitbekommen, dass da ein Festredner am 7. November 2024 Bundespräsident Steinmeier verärgert hatte. Aber ich schenkte der Berichterstattung und dem Namen des Redners keine große Beachtung.

Dann fiel mein Blick auf das Büchlein "Freiheitsaufgaben". Mir gefielen die Mehrdeutigkeit des Titels, aber mehr noch die Inhaltsangabe - und ich wurde nicht enttäuscht.

Ausgehend von seiner Rede am 7. November 2024 (auf die Marko Martin im Vorwort ausführlich eingeht) schreibt der Autor ein Essay, das im besten Sinne unbequem ist.

Mir hat die Mischung gefallen, denn Marko Martin schreibt nicht nur rein theoretisch über Freiheit, sondern greift immer wieder auf eigene Erlebnisse zurück, auf Einflüsse durch Dissidenten und Denker, so dass die Ausführungen auch für mich sehr erlebbar waren.

Seine Ausführungen sind teilweise unangenehm zu lesen, zumindest für diejenigen LeserInnen, die sich (möglicherweise) in seinen Ausführungen wiedererkennen. Mir ging es jedenfalls teilweise so. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen empfinde ich "Freiheitsaufgaben" als Bereicherung. Denn Martins Ausführungen mögen oberflächlich betrachtet einseitig wirken, aber im Verlauf des Essays werden so viele wichtige Dinge angesprochen, so viele Mechanismen, in denen wir es uns bequem gemacht haben, aufgearbeitet, dass am Ende ein sehr vielseitiges Essay abgeliefert wurde.

Das Wichtigste ist aber: Da schreibt ein Mann, dem Freiheit im besten Sinne des Wortes wichtig ist und der aus seiner persönlichen Erfahrung ausführt, was sie wert ist und wie sie verteidigt werden kann und muss. Man muss nicht nicht allem einverstanden sein, was Martin schreibt, lohnend ist die Lektüre allemal.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere