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Veröffentlicht am 31.01.2026

Bewegende Frauenschicksale

Montmartre - Traum und Schicksal
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Paris, Oktober 1889: Valéries Vater hat sich bei seinen Anlagen in den Panama Kanal und der Wahl der in seiner Galerie angebotenen Kunstwerke kräftig verspekuliert. Da auch seine Kurtisane sehr fordernd ...

Paris, Oktober 1889: Valéries Vater hat sich bei seinen Anlagen in den Panama Kanal und der Wahl der in seiner Galerie angebotenen Kunstwerke kräftig verspekuliert. Da auch seine Kurtisane sehr fordernd ist und seine Frau Amélie kräftig von seinem nicht mehr vorhandenen Vermögen für den Bau der neuen Basilika Sacré Coeur spendet, steht die Familie vor dem Ruin. Damit dies nicht publik wird und ihre Mutter nichts davon erfährt, soll Valérie den deutlich älteren Kunstmaler und Bankierssohn Baptiste heiraten, auch wenn er sie abstößt. Pascal hat inzwischen Frankreich verlassen, um dem Wehrdienst zu entkommen und sie und Henri Toulouse-Lautrec sind noch immer zerstritten. Leider ist Henri sehr nachtragend, trotz aller Versöhnungsversuche seitens Valéries.

Nach dem Verlust ihres Kindes während der Eröffnungsshow des Moulin Rouge, wird Elise klar, dass sie unbedingt Tänzerin bleiben will. Zu hart hat sie gearbeitet, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Lieben zu verdienen, als dass sie einfach nur Hausfrau und Mutter sein will. André wünscht sich jedoch nichts sehnlicher als ein Kind und ihre Beziehung zerbricht. Elise zieht wieder bei ihrer Mutter und Marianne ein und versucht stetig ihre Stellung als eine der Solotänzerinnen des Can Can zu sichern. Doch der Missgunst unter dem Ensemble ist bisweilen erschreckend und sie bemerkt, dass man nur mit Privatvorstellungen für sehr reiche Herren das große Geld machen kann. Bisher schreckt der Gedanke sie ab.

Zwei Frauenschicksale aus sehr unterschiedlichen Familien und doch kreuzen sich ihre Wege immer wieder. Es verbindet sie mehr als nur Sympathie für einander, es ist auch ihr Wunsch nach Freiheit, Unabhängigkeit und einem selbst bestimmten Leben ohne Armut. Ein Leben in Wohlstand war im damaligen Frankreich jedoch eigentlich nur verheirateten Frauen oder Kurtisanen vergönnt. Während die ersten völlig abhängig von ihren Ehemännern waren, da der Code Civile mit der Heirat den Frauen alle persönlichen Rechte nimmt, waren die Kurtisanen frei, aber auch frei von Ehre... Ich hatte mich immer gefragt, warum einige der Künsterlinnen in den Künstlerkolonien nicht heirateten, hier fand ich die Antwort (das französische Eherecht war auch in den 90ern noch deutlich rigider als das deutsche).

Die Geschichte finde sich sehr gut recherchiert und die Einblicke in die Künstlerwelt sowohl der Malerei, als auch der großen Pariser Shows fand ich wirklich faszinieren. Warum ausgerechnet Monet und auch Berthe Morisot nicht vorkommen, erklärt sich im Epilog. Einige Künstler wie Toulouse-Lautrec, Edgar Degas und Auguste Renoir sind mir noch mehr ans Herz gewachsen, auch wenn viel Fiktion in ihrer Darstellung steckt. Aber auch Vincent van Gogh und sein Bruder Théo kommen gerade zu Beginn dieses Finalbandes immer wieder vor. Auch wenn Vincent van Gogh zu Lebzeiten alles andere als wirtschaftlich erfolgreich war, übte er großen künstlerischen Einfluss mit seinem Malstil auf Freunde, Komilitonen und auch ältere Künstler aus.

Neben der Kunst sowohl der Malerei, als auch dem Tanz und den persönlichen Schicksalen vor allem von Elise und Valérie, sind die Rechte, bzw. mangelnden Rechte von Frauen ein ganz großes Thema. Gerade die gnadenlosen Schicksale von Valérie, die um jeden Preis die Konventionen, die ihr verhasst sind, wahren soll und der tragischen Simone, der kleinen Schwester von Elise, machen dies deutlich. Mit Simone lernen wir leider die dreckigsten, brutalsten und unerbittlichsten Orte dieser Männer dominierten Stadt kennen. Hinzu kommen dezente Einblicke in die politischen Entwicklungen der jungen Republik. Trotz all dieser Themen, hatte ich nie das Gefühl, dass es ein Sachbuch sei, so emotional und anschaulich schreibt Marie Lacrosse, dass ich mit ihren jungen Heldinnen, die ihrer Zeit voraus waren, wirklich mitgelitten habe.

Katrin Fröhlich leiht all diesen Frauen und ihren Schicksalen wieder ihre warme, wandelbare Stimme, die zwischen den gesellschaftenlichen Schichten, Glück und Tragödie hin und her wechseln. Das macht dieses Hörbuch trotz seiner Dauer unglaublich kurzweilig und bewegend.

Das Ende war mir etwas zu offen, da hätte ich gerne etwas mehr von den sich andeutenden Schicksalen erfahren. Dennoch ist es absolut lohnend!

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Verständlich, aktuell und praxisorientiert

Kindesunterhalt für Dummies
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In Deutschland ist man gerne gründlich und gerecht und das soll sich dann bitte auch in den gesetzlichen Noremn widerspiegeln, die komplexe Zusammenhänge regeln. Das wird dann oft ziemlich kompliziert ...

In Deutschland ist man gerne gründlich und gerecht und das soll sich dann bitte auch in den gesetzlichen Noremn widerspiegeln, die komplexe Zusammenhänge regeln. Das wird dann oft ziemlich kompliziert und scheinbar undurchsichtig – einfach zum Haare raufen, besonders, wenn es um Themen geht, die viele betreffen und existentiell sind, wie Kindesunterhalt. Eigentlich wollte ich nie Familienrecht machen, sondern Arbeitsrecht, aber in Zeiten des Lockdowns, hat hier das Arbeitsgericht monatelang geschlossen, und es passierte nix, auch wenn die Leute keinen Lohn erhielten. In Familiensachen sah es anders aus, so bin ich ins Familienrecht reingerutscht und man sollte ja wissen, was man tut.

Einfach ist der Kindesunterhalt, wenn beide nix haben, dann regeln alles die Ämter. Theoretisch wird dann oft mit fiktivem Einkommen gearbeitet, mit Einkommen, dass das unterhaltspflicht
ige Elternteil zu erwirtschaften verpflichtet ist. Das wird aber leider nicht immer gemacht. Kompliziertes wird es, wenn beide was haben, aber nicht unbedingt genug, oder sehr unterschiedlich viel. Wie wird dann umverteilt. Worauf muss ich achten? Also erst einmal ist relevant, wo das unterhaltsberechtigte Kind lebt. Vorwiegend bei einem Elternteil oder bei beiden gleichermaßen? Wie berechne ich das Einkommen, das für den Kindesunterhalt heran zu ziehen ist? Das Einkommen wechselt ja bei vielen Menschen und ist nicht immer gleich hoch? Sind alle Einkünfte gleichermaßen heranzuziehen? Kann ich das Einkommen auch durch besondere Ausgaben senken? Muss mir ein besonderer Vorteil als Einkommen angerechnet werden? Ganz besonders schwierig wird es, wenn Selbstständige beteiligt sind.

Das alles zu verstehen ist nicht leicht und die Gesetze lesen sich leider recht sperrig. Daher gehen sich die beiden Autoren große Mühe diesen Themenkreis zu strukturieren, um den Überblick zu behalten und dann unter den jeweiligen Unterpunkten dies wirklich verständlich zu erklären Denn die große Kunst besteht ja immer darin, komplizierte Sachverhalte dennoch einfach und nachvollziehbar zu erklären. Beide kennen sich in dem Gebiet bestens aus, denn Michelle Kluge ist bei einem Jugendamt für die Berechnung des Kindesunterhaltes verantwortlich und macht den ganzen Tag nichts anderes als Kindesunterhalt zu berechnen bzw. die notwendigen Angaben aus den Eltern heraus zu kitzeln. Tobias Böing ist Fachanwalt für Familienrecht und auch wenn er Kindesunterhalt nicht titulieren kann, wie dies Jugendämter tun, kann er doch im Sinne der Mandanten, aufpassen, dass das jeweilige Jugendamt auch alle relevanten Daten hat. Viele Eltern wissen ja gar nicht, worauf es ankommt, und was hinzugerechnet und was abgezogen werden muss. Das Jugendamt kann ja nur mit den Zahlen arbeiten, die es geliefert bekommt, die Anwälte können dafür sorgen, dass die Sachbearbeiter die im Sinne der Mandanten für sie günstigen Angaben erhalten.

Man merkt, dass die beiden Autoren vom Fach sind und sie geübt darin sind, diese wirre Welt der Zahlen und Einkünfte die auf z.T. Völlig unrealistische elterliche Vorstellungen und Hoffnungen trifft zu entwirren und den jeweiligen Elternteilen es nachvollziehbar zu erklären. Sie haben offensichtlich einen Weg gefunden, das zu vermitteln, sondern die Elternteile bereit sind, es zu verstehen.

Die Struktur und das klare Inhaltsverzeichnis gefallen mir sehr gut. Das Schlagwortregister deutlich weniger, da dort z.B. Aufwandsentschädigungen fehlen. Gerade die Schlagworte die fehlen stellen oft die kompliziertesten Fälle dar, aber keine, die unbedingt selten sind. Aufwandsentschädigungen haben z.B. Ehrenamtliche Trainer oder auch Feuerwehrleute... Auch andere Schlagworte, die Laien vielleicht nicht sofort in den Sinn kommen, habe ich im Verzeichnis vermisst, die Erklärungen fand ich aber sehr anschaulich, gerade auch durch die Beispielsrechnungen. Die finde ich sehr hilfreich und verständlich, aber ich habe auch keine Dyskalkulie. Ein bisschen Bereitschaft sich in die Rechnungen reinzudenken sollte man haben.
Für Laien ist es auf jeden Fall sehr hilfreich, dass hier wirklich die gängigsten Fälle erklärt werden, aber auch dass ein Ausblick auf geplante Änderungen im Unterhaltsrecht gegeben wird, damit man weiß worauf man künftig achten muss, wie beim asymmetrischen Wechselmodell, das dem ehemaligen Justizminister Buschmann sehr am Herzen lag... Das ist deshalb wichtig, da es ja immer darauf ankommt, zu wissen, welche Daten und Zahlen ich dem Jugendamt oder den Anwälten gegeben muss. Kennen diese die richtigen Zahlen nicht, kann das Ergebnis niemals stimmen und entgegen landläufiger Meinung beschäftigen diese keine Detektive, um an die richtigen Fakten zu gelangen.

Dieses Buch ist daher hilfreich und verständlich.

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Veröffentlicht am 01.11.2025

Wunderbar abwechslungsreiches Hörbuch für die Kleinen

Kleiner Kater Svenni (1). Mein Leben, alle anderen und ich
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Eines Tages entdecken die Hühner ein kleines flauschiges Wesen im Garten. Ein einsames verlorenes Kätzchen, das friert und verängstigt aussieht. Sie beschließen es auszubrühten, doch das klappt nicht so ...

Eines Tages entdecken die Hühner ein kleines flauschiges Wesen im Garten. Ein einsames verlorenes Kätzchen, das friert und verängstigt aussieht. Sie beschließen es auszubrühten, doch das klappt nicht so ganz. Also hat Simon, der rote Kardinal, der über den Garten der freundlichen älteren Erika wacht, die Idee, diese besser um Hilfe zu bitten. Ein großartiger Plan, denn Erika hilft sofort und tauft den kleinen Kater Svenni, auch wenn sie ihn meistens Sahnefüßchen, wegen seiner weißen Pfoten nennt. Mit Hilfe von Simon, der sich als sein Beschützer fühlt, entdeckt Svenni seine neue Welt und versucht sie sich zusammen mit den Tieren in seiner Umgebung zusammenzureimen. Und in der Töpfergasse des kleinen Hafenstädtchens Ruby Port gibt es so einiges und einige zu entdecken. Vom Leuchtturm, über die Kirche, zur Ratsversammlung, den riesigen und mutigen Streuner Clifford, Igel Prickly oder Rauhaardackel Monster. Da ist eigentlich immer was los, zu jeder Jahreszeit! Jahreszeiten sind aber auch zu faszinierend, ebenso wie Svenni mit Geschick und Geschnurr es fast immer schafft, bei Erika seinen Willen durchzusetzen.

40 kleine kurze Geschichten aus der Perspektive einer jungen und anfangs völlig ahnungslosen kleinen Katze. Svennis Staunen und seine bisweilen doch eigentümlichen Fehlinterpretationen gerade der Menschenwelt sind dabei sehr abwechslungsreich und witzig. Vor allem aber sind es richtige Wohlfühlgeschichten, so heimelig, wie eine Tasse heißer Kakao am warmen Ofen bei netter Gesellschaft nach einem Tag im Schnee....

Als erfahrener Erzähler von Vorlesegeschichten für die Kleinsten, schafft es Andreas H. Schmachtl behutsam und nach und nach die zahlreichen Bewohner der Töpfergasse und von Ruby in Svennis kleines Universum einzuführen. Fast jeder und jede bekommt sein eigenes Kapitel, so dass auch kleine Kinder sich die jeweiligen Figuren mit ihren Besonderheiten einprägen können und sich nicht von der Vielzahl an Figuren überfordert fühlen. Die meisten von ihnen kommen auch gleich mehrmals vor, so dass wir sie und ihre Eigenheiten besser kennen lernen können. Gerade ihre Eigenheiten sind es doch, die uns amüsieren und uns das Herz wärmen. Dabei lernen wir nebenbei auch so einiges über Katzen Vorlieben z.B. für Kartons und die ganzen Verpackungsmaterialien darin.

Viele von Svennis Erlebnissen werden den jungen Zuhörern bekannt vorkommen, wie das Stauen über den ersten Schnee, die Aufregung, wenn neue Nachbarn einziehen oder wie unheimlich es beim ersten Ausflug in den Wald sein kann (vor allem, wenn man sich dorthin verbotenerweise alleine aufmacht. Keine Angst, Svenni merkt ziemlich schnell, warum Erika ihm das verboten hat und zum Glück gibt es ja noch Simon und Clifford, auch wenn Simon von Clifford nichts hält.). Mit seiner gehörigen Portion Neugierde, Mut und Freundlichkeit macht sich Svenni schnell Freunde und es wird ihm und seinen Freunden nie langweilig.

Jonas Minthe erzählt Svennis Abenteuer mit viel Gefühl und einem echten Wohlfühltonfall in der Stimme, der aber nie aufgesetzt klingt. Er klingt nach Abenteuer, Neugierde, Spaß und vor allem ganz viel Wohlfühlfaktor. Mit seiner wohlklingenden Stimme spielt er geschickt, um die jeweiligen Gefühlsregungen des kleinen Katers durchklingen zu lassen und die Geschichten lebendig zu gestalten. Es ist nie monoton und wenn er verrät, dass er später noch mal über eine Besonderheit berichtet, weckt er sowohl unsere Neugierde, aber auch die Gewissheit, dass wir ihm vertrauen können. Wenn er das sagt, wird das wohl schon so sein. Durch diese heimelige Atmosphäre eigenen sich die Geschichten auch sehr gut zum Einschlafen, auch wenn sie durchaus kurzweilig und abenteuerlich sind und alles andere als langweilig. Es ist einfach so ein rundum schnurriges Gefühl, das Katzenliebhaber ab 4 Jahren begeistern wird. Mann kann die Geschichten nämlich auch sehr gut gemeinsam mit älteren Katzenfans hören. Jedes der 40 Abenteuer hat einen einzelnen Track, so dass man immer wieder gut einsteigen kann, wenn man mal pausiert.

40 kleine Katzenabenteuer zum Wohlfühlen und Schmunzeln ab 4 Jahren.

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Kaspar Hauser in Gefahr!

Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten
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Im Jahre 1882 taucht in Nürnberg ein seltsamer Junge auf, der weder richtig sprechen, noch Laufen kann. Doch er kann seinen Namen schreiben: Kaspar Hauser und hat einen Satz auswendig gelernt! Er gibt ...

Im Jahre 1882 taucht in Nürnberg ein seltsamer Junge auf, der weder richtig sprechen, noch Laufen kann. Doch er kann seinen Namen schreiben: Kaspar Hauser und hat einen Satz auswendig gelernt! Er gibt an, bis heute, da er ungefähr 16 Jahre alt sein dürfte, in einem dunklen Loch bei Wasser und Brot gehalten worden zu sein, wo er nicht stehen konnte. Niemand sprach mit ihm und er weiß nicht wer er ist. Die Europäische Gesellschaft ist entzückt angesichts dieses Rätsels. Als 1829 plötzlich Drohbriefe auftauchen, die ihm nach dem Leben trachten, ruft sein Gönner der Freiherr von Tucher den berühmten Arzt und Detektiv Doktor Grimaldi zur Hilfe. Hierbei wird der Witwer von seiner vierzehnjährigen Tochter Greta begleitet, die ihm inzwischen eine wertvolle Hilfe ist und fließend Deutsch spricht. Anders als ihr Vater ist sie viel in der Stadt unterwegs und hält Augen und Ohren offen.

Bis heute liegt das Schicksal des Jungen der im Jahre 1828 aus dem Nichts auftauchte und sich Kaspar Hauser nannte, im Dunkeln. Selbst die moderne DNA-Analyse konnte seine Herkunft nicht klären, sondern nur, dass er wahrscheinlich Deutscher war und einige beliebte Theorien ausschließen. Doch nicht nur seine Herkunft ist bis heute ein Rätsel, sondern auch sein Tod. Er war ein Super-Star seiner Zeit, weil er wie eine Leinwand wahr, auf die man alles projektieren konnte. Seine Auffälligkeiten und seine Talente regten die Fantasie an. Doch Ruhm hat auch Schattenseiten und mit diesen müssen sich die hellhäutige, blonde 14 jährige Sizilianerin Greta Grimaldi und ihr berühmter Vater, der Arzt und Detektiv Doktor Grimaldi befassen. Sehr zum Ärger seiner Auftraggeber, ist dieser dabei nur auf seinen eigentlichen Auftrag fokussiert, die Gefahr von Kaspar Hauser abzuwenden und nicht seine Identität zu klären. Noch schlimmer ist für den werten Freiherr, der Widerspruch nicht gewohnt ist, dass der gute Doktor seinen ganz eigenen Kopf und seine ganz eigenen Methoden hat, die so gar nicht seinen Vorstellungen entsprechen. Doktor Grimaldi verlässt sein Hotelzimmer fast nie und lässt daher die Personen, die er sprechen will, zu ihm kommen....

Doktor Grimaldi ist verschroben, aber einer Berühmtheit wird viel verziehen. Obwohl Greta mit ihrem hellblonden Haar und ihrer zarten Haut eigentlich eine auffallende Erscheinung ist, wird von ihr nur bedingt Notiz genommen, denn sie ist ja „nur“ ein Mädchen! Aber was für eins! Clever und mit einem Blick fürs Detail steht sie ihrem Vater mit ihrem Geschick in nichts nach. Aufgrund ihrer edlen Herkunft öffnen sich ihr auch so manche Türen in Nürnberg, obwohl die Freiheiten, die ihr Vater ihr lässt, für die damalige Zeit geradezu schockierend wären. Doch Greta weiß was sie will und hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und ein Streben nach Klarheit und Wahrheit. Dabei ist sie allerdings auch sehr einsam, da sie nie lange genug an einem Ort ist, um Freundschaften zu schießen. Dennoch muss man diese ungewöhnliche junge Heldin mit ihrem wachen Geist einfach mögen, wie sie offen und kritisch auf ihre Mitmenschen zugeht und Probleme angeht. Sie ist nie darum verlegen, das undenkbare zu denken! Wirklich interessante Charaktere und ein Ende, das aus damaliger Sicht völlig plausibel ist, für heutige Kinder vielleicht etwas weniger.

Davide Morisinotto hat zuvor viel recherchiert und eine ziemlich moderne Heldin geschaffen. Kurzweilig und flüssig schildert er die bisweilen sehr mühseligen Untersuchungen dieses Schicksals einer wahren Legende. Dabei ist das Buch wunderschön gestaltet mit zahlreichen Illustrationen, die die Stimmung der Geschichte einfangen und einem farbigen Stadtplan vom damaligen Nürnberg, in dem die wichtigsten Lokalitäten der Geschichte eingezeichnet sind. Das lässt einen richtig gut in die Geschichte eintauchen.

Spannend und nachdenklich stimmend, dreht sich hier alles um das mögliche Schicksal des Jungen, dessen Herkunft nie geklärt wurde, ebenso wenig wie der Mord an ihm.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Wendungsreich und haarsträubend!

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
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Marco und Ines sind überglücklich mit ihrer 4 jährigen Tochter Emilia endlich in ein eigenes Haus zu ziehen. Dafür haben sie ihr altes Leben in Osnabrück hinter sich gelassen und beginnen ihre neuen Arbeitsstellen ...

Marco und Ines sind überglücklich mit ihrer 4 jährigen Tochter Emilia endlich in ein eigenes Haus zu ziehen. Dafür haben sie ihr altes Leben in Osnabrück hinter sich gelassen und beginnen ihre neuen Arbeitsstellen in Unterfranken, im malerischen Spessart. Ihre Nachbarin Johanna heißt sie sofort aufs herzlichste Willkommen und ist ganz vernarrt in die süße Emilia. Auch die übrigen Nachbarn in der Neubausiedlung „auf dem Mons“ sind äußerst sympathisch und hilfsbereit. Doch schon in der ersten Nacht scheinen sie nicht alleine in ihrem Neubau zu sein. Sie nehmen Schatten im dunklen Haus war, die Hauptsicherung ist ausgefallen und Ines beobachtet einen Eindringling mit Taschenlampe im leerstehenden Nachbarhaus. Die herbeigerufene Polizei kann nichts ungewöhnliches entdecken und sie glauben, sich das alles nur eingebildet zu haben. Im Hellen sind sie fast überzeugt sich alles nur eingebildet zu haben, bis Labradoodle James Marco beim morgendlichen Gassigang ins Nachbarhaus führt. Doch gefriert ihm das Blut in den Adern beim Anblick der bestialisch zugerichteten Frau, die ermordet von der Decke hängt. Sind sie dort noch sicher? Marco tauscht sofort die Türschlösser aus und die Nachbarschaft organisiert sich.
Der Traum von den eigenen vier Wänden, das eigene Heim, der Rückzugsort, die Oase der Sicherheit… wer kennt den nicht? Was für Marco und Ines Winkler zuerst wie das Ziel ihrer Wünsche wirkt wird schleichend zum Albtraum! Nicht nur dass Marco eine malträtiere Leiche entdeckt, es beschleicht ihn und Ines immer so ein mulmiges Gefühl von Unsicherheit und Zweifel. Es geschieht stets nachts und im Dunkeln. Haben sie das alles nur geträumt? Nie decken sich ihre Beobachtungen, aber sie sind doch ähnlich. Gewissheit haben sie lange nicht und so wachst langsam aber stetig das Misstrauen, gegenüber der Nachbarschaft, obwohl diese sie doch so herzlich aufgenommen hat. Aber wem kann man schon in den Kopf gucken? Nach und nach erfahren sie kleine merkwürdige Details überscheinbar liebenswürdige Menschen, aber das könnte ja alles nur Täuschung sein. Geschickt spielt Arno Strobel mit Erwartungen, Erfahrungen und den Schutzbedürfnissen der Zuhörer. Nichts kaum etwas ist für Menschen so bedrohlich und erschüttert, als die Verletzung ihrer Intimsphäre, durch das unerlaubte Betreten ihrer Wohnung/ihres Hauses durch Fremde. Diese Ungewissheit wird dann noch durch den ersten und die folgenden Morde gesteigert. Dabei ist die Familie so sympathisch, insbesondere ihre kleine süße Tochter und der treue Hund James. Doch auch James scheinen die Vorgänge zu beeinflussen, denn selbst dieser verhält sich anders.
Auch wenn ich merkte, wie er mich und meine Sympathien manipulierte und meine Verdächtigungen lenkte, bin ich dem Autor auf den Leim gegangen. Beim zweiten Hören und in Kenntnis der Auflösung hat es mir besondere Freude gemacht auf diese Feinheiten zu achten.
Zwischendurch bekommt man die Ereignisse nicht nur aus der Sicht von Familie Winkler mit, sondern lauscht etwas bizarr anmutenden Gedanken. Dabei ist die Stimme von Sascha Rothemund deutlich differenziert von Marco Winkler, aber ich habe mich immer wieder gefragt, ob ich hier in zwei fremde Köpfe blicke oder doch nur in einen. Diese wenigen Tage in dieser mörderischen Siedlung haben es in sich. Sascha Rothemund bringt sogar diese Novemberstimmung sehr gut rüber. Als die Winklers vor Freude über ihr neues Heim anfangs auch über den Nebel und das unwirtliche Wetter hinwegsehen, während es später der Ausdruck von Verzweiflung, Sorgen und tiefer Verzweiflung ist. Denn wer immer hinter dem ersten Mord steckt, macht auch vor Winklers nicht halt.
Räumlich spielt dieser Psychothriller an einem eng umgrenzten Ort, einer Neubausiedlung, in der erst die Hälfte aller Häuser bewohnt sind. Der Kreis der möglichen Täter ist also überschaubar, das Motiv aber völlig absurd. Es spielt sich mehr im Kopf, als in Ortswechseln statt. Dennoch gelingt es Arno Strobel und Sascha Rothmund geschickt, die Geschichte am „Laufen“ zu halten und den Zuhörenden das Gefühl stetiger Unsicherheit zu vermitteln.
Was bin ich froh in einem Altbau zu leben ? Nervenkitzel gekonnt geschrieben und gelesen.

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