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Veröffentlicht am 30.12.2025

Ein Ort zum Wohlfühlen

Yu-jins Bücherküche der großen Träume
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Jahrelang stürzt Yu-jin sich nur in die Arbeit, doch dann erfährt sie durch Zufall von einem Grundstück im kleinen Dorf Soyangri, das zum Verkauf steht. Sie zögert nicht lange und eröffnet dort ihre „Bücherküche“, ...

Jahrelang stürzt Yu-jin sich nur in die Arbeit, doch dann erfährt sie durch Zufall von einem Grundstück im kleinen Dorf Soyangri, das zum Verkauf steht. Sie zögert nicht lange und eröffnet dort ihre „Bücherküche“, eine Kombination aus Café und Buchladen mit einer angeschlossenen kleinen Pension. Diese wird nicht nur für Yu-jin ein absoluter Neustart, sondern bietet auch ihrem Personal und ihren Gästen einen Ort, an dem sie sich darüber klarwerden können, was sie eigentlich vom Leben erwarten.

„Yu-jins Bücherküche der großen Träume“ ist der Debütroman der Journalistin Jee-Hye Kim, die während der Coronapandemie ihre Anstellung aufgab, um als freie Übersetzerin zu arbeiten und selbst zu schreiben. Die deutsche Übersetzung verfasste Tamina Hauser. Mit der „Bücherküche“ hat die Autorin einen Platz erschaffen, den wohl jeder Leser oder jede Leserin gerne besuchen würde. Yu-jin veranstaltet kleine Events in ihrer Buchhandlung und umsorgt ihre Gäste liebevoll, bietet aber auch Räume, um ungestört den eigenen Gedanken nachzugehen.

Der Roman wird durch alle vier Jahreszeiten hinweg erzählt, von der Pflaumenblüte im Frühling, als Yu-jin die „Bücherküche“ eröffnet, bis hin zum Winter, als sie zu einer kleinen Weihnachtsfeier für Mitarbeiter und Stammgäste einlädt. So haben wir die Chance, nicht nur Yu-jins Entwicklung und die ihres Geschäfts mitzuverfolgen, sondern auch die Träume und Sehnsüchte der Menschen kennenzulernen, die bei ihr einkaufen oder übernachten. Da ist zum Beispiel eine bekannte Sängerin, die mit dem Tod ihrer Großmutter hadert oder ein junger Mann, der nach 10 Jahren endlich seine erste Liebe wiedersieht, die ihn abrupt verlassen hat.

Wie es bei solchen episodenhaften Romanen üblich ist, bleiben natürlich auch hier Leerstellen. Die Autorin erzählt zwar das Schicksal einiger Charaktere recht ausführlich und fügt für einzelne sogar einen Epilog an, andere hängen am Ende des Buches jedoch ziemlich in der Luft. Ob das Absicht ist und vielleicht manches in einem zweiten Band aufgegriffen werden soll, kann ich nicht sagen. Die Atmosphäre in der „Bücherküche“ war hingegen wunderschön.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Spannender Jugendkrimi

Very Dangerous Things - Mord nach Plan
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Dulce Castillo besucht die J. Everett High, eine Schule, an der zukünftige Kriminologen ausgebildet werden. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Emi bildet sie im jährlichen „Mörderspiel“ ein Team. Anhand ...

Dulce Castillo besucht die J. Everett High, eine Schule, an der zukünftige Kriminologen ausgebildet werden. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Emi bildet sie im jährlichen „Mörderspiel“ ein Team. Anhand von Zeugenaussagen, Autopsieberichten und Hinweisen sollen die Schüler ein fiktives Verbrechen lösen; als Gewinn wartet eine Große Geldsumme. Doch in diesem Jahr gerät das Spiel aus dem Ruder, als das vorgesehene Opfer tatsächlich tot aufgefunden wird. Verdächtigt wird ausgerechnet Sierra, Dulces ehemalige beste Freundin, die ihr Schlimmes angetan hat. Soll sie ihr helfen, ihre Unschuld zu beweisen? Und was hat es eigentlich mit dem mysteriösen neuen Schüler Zane auf sich?

„Very Dangerous Things“ ist bereits der zweite Jugendroman von Lauren Muñoz und wurde von Svantje Volkens ins Deutsche übersetzt. Während wir uns im ersten Buch auf einer abgeschiedenen Insel befanden, wählt die Autorin in diesem das klassische Motiv eines Mörderspiels, welches schiefgeht. Überhaupt gibt es einige Anspielungen an Krimiklassiker, denn Dulces großes Vorbild ist Dorothy L. Sayers adeliger Detektiv Lord Peter Wimsey. Das liegt auch daran, dass Dulces verstorbene Mutter diesen sehr liebte und ihr Tod vor zwei Jahren immer noch Rätsel aufgibt.

Lauren Muñoz gelingt es in dieser Geschichte sehr gut, die Trauer eines jungen Mädchens mit einer spannenden Mörderjagd zu verbinden. Dabei spielen auch Eifersucht unter Freundinnen und Verliebtheit eine Rolle – man darf aber nicht vergessen, dass unsere Hauptfiguren Teenager sind, die sich nicht immer unbedingt rational verhalten. Besonders im Mittelpunkt steht Dulces Freundschaft zu Emi, die im Laufe der Handlung durch einige Hindernisse und Geheimnisse auf die Probe gestellt wird. Aber auch die Auseinandersetzung mit Sierra ist immer wieder Thema.

„Very Dangerous Things“ ist ein spannender Jugendkrimi, der auch vor schwierigen Themen nicht zurückschreckt. Der eigentliche Kriminalfall enthält eine Vielzahl unterschiedlicher Spuren, die teilweise nicht unbedingt realistisch waren. Dennoch habe ich auch Lauren Muñoz’ zweites Buch sehr gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Schöne, weihnachtliche Geschichte(n)

Weihnachten im Mondscheincafé
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Das Mondscheincafé hat keinen festen Standort, mal erscheint es mitten in einer Einkaufspassage, manchmal an einem ruhigen Strandabschnitt. Und jetzt, wo bald Weihnachten ist, haben die liebenswerten Katzen, ...

Das Mondscheincafé hat keinen festen Standort, mal erscheint es mitten in einer Einkaufspassage, manchmal an einem ruhigen Strandabschnitt. Und jetzt, wo bald Weihnachten ist, haben die liebenswerten Katzen, die dort arbeiten, alle Pfoten voll zu tun. Denn die Gäste, die zu ihnen kommen, erhalten nicht nur ein speziell für sie ausgesuchtes Getränk oder Gericht, sondern auch den Rat der Sterne. Aber auch unter den Katzen selbst gibt es Konflikte und Verwicklungen.

„Weihnachten im Mondscheincafé“ ist bereits der zweite Band der Reihe der japanischen Autorin Mai Mochizuki, die deutsche Übersetzung stammt von Yukiko Luginbühl. Der Roman ist in drei größere Kapitel aufgeteilt, in denen jeweils eine Figur im Fokus steht. Zunächst ist da Satomi, die genau weiß, dass ihr Partner ihr an Weihnachten einen Heiratsantrag machen möchte. Sie ist jedoch noch nicht bereit, ihr Berufsleben in Tokyo aufzugeben. Koyuki hingegen fühlt sich wie ein Fremdkörper in der eigenen Familie, seit ihre Mutter nach dem Tod des Vaters wieder geheiratet hat, und hat ein einsames Weihnachten vor sich. Junko hat den Kontakt zu ihrem Vater schon vor Jahren abgebrochen, fragt sich aber, ob sie ihrer kleinen Tochter Ayu wirklich den Opa vorenthalten sollte.

Alle drei Frauen sind in der Handlung miteinander verbunden, denn Satomi ist sowohl die Vorgesetzte von Koyuki, als auch die Schwägerin von Junko. Und ihnen allen hilft das Mondscheincafé weiter, die richtige Entscheidung für ihr zukünftiges Leben zu treffen. Die Astrologie rückt dabei für mich in den Hintergrund, denn sie ist zwar eine nette Ausschmückung der Geschichte, aber eigentlich erfahren die drei Frauen im Gespräch und in der Auseinandersetzung mit sich selbst, was sie wirklich wollen.

Der Ausgang aller drei Geschichten ist sehr harmonisch und vor allem familienbezogen. Das mag eine kulturelle Sache sein oder auch der Tatsache geschuldet, dass ein gewisses weihnachtliches Gefühl vermittelt werden soll. So oder so haben mir die Geschichten jedoch gut gefallen, vor allem die über Junko, ihre Tochter Ayu und den neuen Familienhund.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Schöne, kurzweilige Lektüre

Matcha-Tee am Montag
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Am ersten Montag im Monat veranstaltet das Café Marble eine besondere Tee-Verkostung mit zwei Sorten Matcha und klassischem japanischem Gebäck. Hinein platzt unverhofft Miho, die sich seit dem Neujahrsfest ...

Am ersten Montag im Monat veranstaltet das Café Marble eine besondere Tee-Verkostung mit zwei Sorten Matcha und klassischem japanischem Gebäck. Hinein platzt unverhofft Miho, die sich seit dem Neujahrsfest vom Pech verfolgt fühlt. Im Café findet sie nicht nur einen neuen Blickwinkel, sondern verliebt sich auch ein wenig in Kellner Kippei. Doch der hilft heute eigentlich nur aus und arbeitet sonst im Familienunternehmen in Kyoto. Werden die beiden sich wiedersehen?

Das ist nur eine von insgesamt 12 kleinen Geschichten, die Michiko Aoyama in „Matcha-Tee am Montag“ erzählt; die deutsche Übersetzung verfasste, wie auch in den zwei bisher veröffentlichten Werken, Sabine Mangold. Die Autorin entführt uns erneut in das kleine Café Marble in Tokio, in dem der mysteriöse Besitzer, den alle nur Master nennen, und sein Personal sich um ihre Gäste kümmern. Jedes Kapitel spielt dabei in einem anderen Monat des Jahres, die alle mit alten Namen wie „Eismond“ oder „Taumond“ bezeichnet werden. So erleben wir einen ganzen Jahreszyklus rund um das kleine Café.

Neben Miho ist da zum Beispiel noch Mitsu, die in der Kunst des kamishibai, also des japanischen Schaukastentheaters, ihre Berufung gefunden hat, sich von ihrer Großmutter aber nicht ernst genommen fühlt. Oder Takaharu, der glaubt, seine wahre Natur vor anderen verbergen zu müssen, weil man ihn ansonsten verspottet. Dann ist da noch Antiquar Yoshihara, der fürchtet, mit seiner Berufswahl seine Frau enttäuscht zu haben. Ein Kapitel wird sogar aus dem Blickwinkel einer Katze erzählt und wir treffen auch alte Bekannte aus „Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen“ wieder.

„Matcha-Tee am Montag“ ist ein kleiner Reigen aus Alltagsgeschichten. In jedem Kapitel steht eine Figur im Fokus und eine Nebenfigur wird dann in der nächsten Geschichte zum Mittelpunkt. Dabei behandelt die Autorin die unterschiedlichsten Probleme zwischenmenschlicher Beziehungen, lässt dabei aber ganz schwere Themen aus. Darüber hinaus kann man noch so einiges über Matcha und seine Zubereitung, japanische Süßigkeiten oder bestimmte Feste lernen. Eine schöne, kurzweilige Lektüre.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Mörderische Rätsel zu Weihnachten

Das tödliche Christmas Game
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Eigentlich wollte Lily die Einladung ihrer Tante Liliana nicht annehmen. Diese veranstaltet zu Weihnachten ein Rätselspiel und der Gewinner soll ihr Anwesen erben. An dem hat Lily jedoch kein Interesse, ...

Eigentlich wollte Lily die Einladung ihrer Tante Liliana nicht annehmen. Diese veranstaltet zu Weihnachten ein Rätselspiel und der Gewinner soll ihr Anwesen erben. An dem hat Lily jedoch kein Interesse, da sich dort vor vielen Jahren ihre Mutter das Leben nahm. Als jedoch Liliana plötzlich stirbt, erhält Lily einen Brief von der alten Dame, die ihren Tod vorausgeahnt hat. Im „Christmas Game“ kann ihre Nichte nicht nur das Haus erben, sondern sie wird auch erfahren, was wirklich mit ihrer Mutter geschehen ist. Lily muss unbedingt die Wahrheit herausfinden und nimmt daher an dem Spiel teil, das sich bald als tödlich herausstellt.

„Das tödliche Christmas Game“ ist bereits der dritte, auf Deutsch veröffentlichte Weihnachtskrimi der britischen Schriftstellerin Alexandra Benedict; die Übersetzung stammt von Elisabeth Schmalen. Die Handlung erstreckt sich auf die „Twelve Days of Christmas“, also vom 25.12. bis zum 5.11., wobei am 24.12. schon alle Gäste in Endgame House eintreffen. Erzählt wird aus der Perspektive von Lily, so dass wir als Leser selbst immer nur so viel wissen, wie sie selbst. Außerdem gibt es auch für uns etwas zum Miträtseln, denn im Text sind verschiedene Worte / Titel versteckt.

Die Teilnehmer am „Christmas Game“ repräsentieren die Dysfunktionalität der gesamten Familie. Neben Lily sind da noch ihre Cousins und Cousinen: die Geschwister Sara und Gray (die Kinder von Tante Liliana) sowie auf der Seite von Lilianas Bruder Edward Thomas, Ronnie und Rachel. Vor allem zu Sara hat Lily ein schwieriges Verhältnis, da sie nach dem Tod ihrer Mutter von Liliana adoptiert und als Liebling angesehen wurde. Aber auch die anderen Familienmitglieder haben ein kompliziertes Verhältnis zu ihren Eltern, ihren Partnern oder auch sich selbst. All diese Konflikte und die Konkurrenz entwickeln während des Rätselspiels eine explosive Dynamik.

„Das tödliche Christmas Game“ hat alles, was ich in einem Krimi gerne lese: Rätsel, ein verwinkeltes Herrenhaus, eine komplexe Familienstruktur und schließlich werden alle vom Schneefall eingeschlossen. Meine Vorahnung bezüglich des Täters hat sich zwar erfüllt, das nahm für mich aber keinesfalls den Lesespaß.

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