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Veröffentlicht am 28.10.2025

The Final Wife - Ein Krimi, der nicht bis zum Ende trägt

The Final Wife
4

The Final Wife von Jenny Blackhurst

In einer frostigen Nacht wird Detective Rebecca Dance zu einem Tatort in den idyllischen Cotswolds gerufen – einem Ort, der für seine Ruhe bekannt ist, nun jedoch durch ...

The Final Wife von Jenny Blackhurst

In einer frostigen Nacht wird Detective Rebecca Dance zu einem Tatort in den idyllischen Cotswolds gerufen – einem Ort, der für seine Ruhe bekannt ist, nun jedoch durch einen brutalen Mord erschüttert wird. Der angesehene Schönheitschirurg Luke Whitney wurde erstochen aufgefunden, und seine Ehefrau Anna gesteht die Tat ohne Umschweife. Was zunächst nach einem klaren Fall aussieht, wirft schnell Fragen auf: Denn Annas Aussage und die Spuren am Tatort erzählen nicht dieselbe Geschichte.

Jenny Blackhurst gelingt es, die Leser:innen direkt zu Beginn in die Handlung hineinzuziehen. Der Einstieg ist rasant und vielversprechend – ein Mord, ein Geständnis, doch die Wahrheit scheint sich hinter einem dichten Schleier zu verbergen. Ist Anna wirklich die Täterin oder versucht sie, jemanden zu schützen?

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zugänglich und ermöglicht ein flüssiges Leseerlebnis. Allerdings fehlt es stellenweise an Tiefe – sowohl in den Beschreibungen als auch in der Entwicklung der Handlung. Möglicherweise liegt dies an der deutschen Übersetzung, die dem Original nicht ganz gerecht wird.

Die Erzählstruktur, die zwischen verschiedenen Perspektiven – insbesondere denen von Anna und Rebecca – wechselt, bringt zunächst Dynamik und Spannung in die Geschichte. Auch Rückblenden in die Vergangenheit sorgen für interessante Einblicke. Doch etwa zur Hälfte des Buches verliert die Handlung an Tempo und Intensität. Einige Entscheidungen der Figuren wirken wenig nachvollziehbar und konstruiert, was der Geschichte gegen Ende leider die emotionale Wucht nimmt.

Insgesamt bietet The Final Wife eine spannende Grundidee mit einem starken Auftakt, doch die Umsetzung bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Atmosphäre und das Potenzial sind da – nur gelingt es dem Roman nicht ganz, diese bis zum Schluss überzeugend auszuspielen

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  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 04.03.2025

Zwischen Selbstfindung und Alltag: Ein Roman von Genevieve Novak

No Hard Feelings
1

Ein auf und ab der Gefühle "No Hard Feelings" ist der Debütroman von Genevieve Novak.

Penny ist in ihren Zwanzigern und sollte diese Zeit eigentlich in vollen Zügen geniessen. Wäre da nicht Max, ihr ...

Ein auf und ab der Gefühle "No Hard Feelings" ist der Debütroman von Genevieve Novak.

Penny ist in ihren Zwanzigern und sollte diese Zeit eigentlich in vollen Zügen geniessen. Wäre da nicht Max, ihr Freund-nicht-Freund, ihre besten Freundinnen, die ihr Leben voll im Griff haben – Annie wird Partnerin bei der Kanzlei und Bec ist verlobt und wird bald heiraten – und dann gibt es noch ihren Job mit ihrer nervigen Chefin, die sie tagtäglich tyrannisiert. Warum ist das Leben manchmal so?

Penny versucht mit aller Kraft, die Dinge zu ändern, sich mehr im Job und ihren Aufgaben zu investieren, mit Max wieder eine feste Beziehung einzugehen und sich mit ihren Freundinnen gleichzustellen, was Job oder auch die Liebe angeht. Eine kurze Zeit hat sie es auch geschafft, eine gute Balance zu finden, als Max doch wieder in das alte Muster "Freundschaft Plus" zurückfallen will. Das wirft Penny, wie schon die Male davor, aus der Bahn und bringt sie wieder an einen Tiefpunkt. Wie kann sie ihr Leben oder sich selbst ändern? Diese Fragen gehen ihr seit Jahren nicht aus dem Kopf, und sie versucht wiederholt, bei einer Psychologin Hilfe zu suchen. Was am Anfang schwierig erscheint – sich mit sich selbst, ihren Gefühlen und der Selbstwahrnehmung auseinanderzusetzen – kann im weiteren Verlauf der Geschichte einen guten Beitrag leisten.

Das Buch ist charmant und witzig geschrieben, sodass man nur so durch die Seiten fliegt. Man kann die Höhen und Tiefen von Penny gut nachvollziehen und sich gut in sie und ihre Situationen einfühlen, da man sicher bereits selbst einen Max, eine tyrannische Chefin oder unterschiedliche Lebenswege in einer Freundschaft erlebt hat. Zudem finde ich es sehr positiv, dass das Thema, sich psychologische Hilfe zu holen, behandelt wird. Es sollte kein Tabu mehr sein, und es würde vielen Menschen helfen, wenn wir offener über psychische Erkrankungen in der Gesellschaft sprechen würden.

Die wiederkehrenden Höhen und vor allem die zahlreichen Tiefen sowie das anhaltende Selbstmitleid von Penny haben mich persönlich etwas gestört. Meiner Meinung nach hat dies die Geschichte in die Länge gezogen, da sich diese Episoden ständig wiederholten. Dadurch wurde der Schwung der Geschichte gedämpft. Ich hätte mir von der Hauptprotagonistin mehr Stärke und weniger Resignation gewünscht.

Trotzdem ist dies ein ehrlicher Roman, der tiefgehende und realitätsnahe Themen behandelt. Genevieve Novak hat einen gelungenen Roman verfasst, der perfekt in unsere heutige Zeit passt.

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Veröffentlicht am 03.01.2025

"Insel der Angst: Das Geheimnis mit zu wenig Nervenkitzel

Die Insel der Angst
4

Als die Dokumentarfilmerin Tess von der Organisation Seawild für einen viertägigen Auftrag angefragt wird, um einen Dokumentarfilm über die Lebensweise der Mönchsrobben zu drehen, kann sie ihr Glück kaum ...

Als die Dokumentarfilmerin Tess von der Organisation Seawild für einen viertägigen Auftrag angefragt wird, um einen Dokumentarfilm über die Lebensweise der Mönchsrobben zu drehen, kann sie ihr Glück kaum fassen. Nach einer Phase schleppender Aufträge blüht ihr Herz als Dokumentarfilmerin endlich wieder auf. Gemeinsam mit einem dreiköpfigen Wissenschaftlerteam erreicht sie die verlassene Insel Navigaceo, die seit über 50 Jahren keinen menschlichen Fuß mehr gesehen hat. Das Abenteuer kann beginnen.

Was als aufregender Arbeitsauftrag begann, nimmt eine dramatische Wendung, als Tess auf ihrer Erkundungstour eine Leiche entdeckt, die offenbar ebenfalls bei Seawild angestellt war. Wer von ihren Kollegen kannte den Mann und was ist mit ihm geschehen? Wie kam er hierher und warum verhalten sich die anderen zunehmend merkwürdig? Tess versucht, mehr herauszufinden und geht in der Abgeschiedenheit und unter Fremden den Rätseln auf den Grund.

Obwohl die Geschichte spannend klingt, konnte das Buch meiner Meinung nach diese Spannung nicht vollständig vermitteln. Die Nebencharaktere bleiben blass und Tess' Verhalten und Vorgehensweisen sind oft nicht nachvollziehbar. Es fehlt an Spannung, die zwar im zweiten Teil des Buches etwas zunimmt, jedoch endet das Buch mit einer Wendung, die mich nicht vollständig überzeugt hat und für mich nicht schlüssig war.

"Die Insel der Angst" ist mein erstes Buch von Martin Griffen. Sein Schreib- und Erzählstil ist flüssig und einfach gehalten, was dem Leser eine gute Lesegeschwindigkeit ermöglicht. Insgesamt konnte mich das Buch jedoch leider nicht überzeugen.

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