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Veröffentlicht am 05.01.2026

Ein Meisterwerk!

Frankenstein
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Viktor Frankenstein studiert in Ingolstadt und kommt auf die Idee, ein Wesen zu erschaffen bzw. Leben einzuhauchen. Diese Grundinfo kennen wir vermutlich alle über die Geschichte. Frankenstein ist dann ...

Viktor Frankenstein studiert in Ingolstadt und kommt auf die Idee, ein Wesen zu erschaffen bzw. Leben einzuhauchen. Diese Grundinfo kennen wir vermutlich alle über die Geschichte. Frankenstein ist dann so geschockt und verzweifelt darüber, welches Wesen er erschaffen hat, dass er es alleine lässt und in tiefe Verzweiflung stürzt. Und so entspinnen sich das Leben des alleingelassenen „Monsters“ (ich mag es so nicht nennen, deswegen die Anführungsstriche) und Frankenstein, ihre eigenen Erlebnisse und Zusammenstöße miteinander.

Ich bin echt begeistert von Mary Shelleys Geschichte. Der Aufbau ist geschickt gemacht, dass man auch, obwohl die Geschichte hauptsächlich aus Frankensteins Sichtweise erzählt wird, die der anderen Charaktere, wie z. B. dem „Monster“ selbst, lesen kann. Den Schreibstil der Autorin mag ich auch sehr! Zum einen ist er lebendig und sehr anschaulich, aber andererseits bringt Mary Shelley wirklich nur die wichtigen Aspekte auf den Punkt. Ich mag auch die Naturbeschreibungen sehr. Außerdem finde ich es schön, wie sie uns die Gefühle der Protagonisten näher bringt. Ich war richtig gefangen in der Geschichte und dem, was die Protagonisten bewegt. Ich weiß nicht, ob das so beabsichtigt war, aber das Geschehen hat mich sehr, sehr berührt und auch manches Mal mit Grauen erfüllt. Dass Shelley und wie sie überhaupt so eine psychologisch tiefgründige Geschichte erschaffen hat, beeindruckt mich wirklich sehr!

Der Zeichenstil von MinaLima ist recht einfach und klar. Die Illustrationen sind in unterschiedlichen Blautönen gehalten und passen mit dem dunklen Stil gut zur düsteren Geschichte, die durch die gelben Elemente aber nicht zu kalt aussehen. Das Bild auf S 201 ist aber falsch, da dort eine Person zu sehen ist, die erst später in der Geschichte auftaucht. An jedem Kapitelanfang befinden sich eine Zeichnung und ein charakteristisches Zitat daraus auf einer Doppelseite, innerhalb der Kapitel auch immer mal wieder kleine Bilder. Die interaktiven Elemente finde ich schön, wo man z. B. Dinge aufklappen oder verschieben kann. Die beiden letzten gefallen mir besonders gut, weil sie hochwertig und aufwendig erscheinen und teilweise sehr filigran sind.


Fazit:
„Frankenstein“ ist ein wahres Meisterwerk! Zum einen hat Mary Shelley eine wunderbare Geschichte geschaffen, die düster, traurig und raffiniert ist. Ich muss unbedingt mehr von der Autorin lesen! Zum anderen hat das Team MinaLima tolle Illustrationen dazu entworfen, die die Stimmung der Geschichte gut einfangen.

Veröffentlicht am 31.12.2025

Rundum gelungen

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Felix und seine Freunde sind als Kinder wohlhabender Eltern aufgewachsen und treffen sich in dem Antiquariat am alten Friedhof, das einem von ihnen gehört. Felix, Vadim, Julius und Eddie suchen Nervenkitzel ...

Felix und seine Freunde sind als Kinder wohlhabender Eltern aufgewachsen und treffen sich in dem Antiquariat am alten Friedhof, das einem von ihnen gehört. Felix, Vadim, Julius und Eddie suchen Nervenkitzel bei ihren Bücher-Diebstählen und verkaufen die Sammlerstücke über Vadims Antiquariat. Eva bringt die Gruppe in Aufruhr und bald müssen sie sich auch entscheiden, wie weit sie mit ihrem diebischen Zeitvertreib gehen wollen… Der Protagonist Felix ist während des Krieges nach Amerika ausgewandert und kommt nun, 1945, als Bibliothekar zurück um die von den Nazis geraubten Bücher zu katalogisieren. In Leipzig trifft er auf einige seiner alten Freunde und geht der Frage nach, was mit Eva in den letzten Jahren geschehen ist.

Ich finde es überaus spannend, wie Kai Meyer die 15 vergangenen Jahre und Geheimnisse immer weiter entfaltet und Hinweise gibt. Der Protagonist Felix möchte unbedingt herausfinden, was mit Eva geschehen ist und auch wie es seinen ehemaligen Freunden geht. Parallel erzählt der Autor sehr spannend und ereignisreich die Erlebnisse der letzten Jahre bis in Felix‘ Gegenwart. Hier werden auch bald Verbrechen entdeckt, die das zerbombte Leipzig in Atem halten. Die Geheimnisse und Geschehnisse werden nach und nach aufgedeckt und entfaltet. Die Geschichte hat sich wirklich flüssig wie ein historischer Krimi lesen lassen (was es teilweise auch ist).

Was mir am besten an der Geschichte gefallen hat, ist der Vibe. In der älteren Zeitebene sehe ich immer noch die vier Freunde auf der Empore des Antiquariats sitzen, wo sie fachsimpeln, trinken und sich gegenseitig necken. Die Gruppe hat durch die verschiedenen Charaktere eine ganz einzigartige Dynamik. Währenddessen überblicken sie den Verkaufsraum des Antiquariats, den Friedhof außerhalb des Fensters und die immerwährenden Rauchschwaden des Graphischen Viertels - mystisch. Auch in der Zeit nach dem Krieg herrscht eine geheimnisvolle und düstere Atmosphäre, während Felix nach seinen Freund/innen sucht, überall zerstörte Häuser in Schutt und Asche liegen und bald auch ein Verbrechen eine große Rolle spielt.

Ich habe noch nie einen Roman gelesen, der direkt nach dem Krieg spielt und fand es hier überaus interessant und anschaulich dargestellt, wie die Menschen nach einem entbehrungsreichen Krieg gelebt haben. Das trostlose Stadtbild mit Schutthaufen hat dies auch gut verbildlicht.


Fazit:
„Das Antiquariat am alten Friedhof“ ist eine sehr spannende historische Geschichte, die mit einem fesselnden Kriminalfall, verschiedenartigen Charakteren und düsteren sowie gefährlichen Momenten punkten kann. Am meisten hat mir die mystische und geheimnisvolle Atmosphäre gefallen.

Veröffentlicht am 31.12.2025

Ich bin begeistert!

Wer die Toten stört
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James beginnt sein Medizinstudium in Oxford, da diese Uni 1828 die fortschrittlichste in dem Bereich ist. Doch das Studium ist nur theoretisch, die praktische Übung müssen sich die angehenden Ärzte in ...

James beginnt sein Medizinstudium in Oxford, da diese Uni 1828 die fortschrittlichste in dem Bereich ist. Doch das Studium ist nur theoretisch, die praktische Übung müssen sich die angehenden Ärzte in privaten chirurgischen Lehranstalten holen, die aber auch eine Menge Geld kosten. James‘ finanzielle Unterstützung wird immer geringer, weshalb er durch Aneurins Hilfe einen ungewöhnlichen Weg wählt, um sich diese zusätzliche unabdingbare Bildung zu leisten. Direkt zu Beginn des Studiums trifft er in seiner Unterkunft auf Charlie und seine Clique, mit denen er oft den Abend ausklingen lässt.

Ich mag die Atmosphäre des Buches sehr! Realistisch gesehen sind die damaligen Zustände in der Medizin und wie manche Erkenntnisse erlangt wurden, schockierend, aber in einem Buch sind die Anfänge der modernen Medizin total faszinierend und auch die Leichenraube auf dem Friedhof ein passendes Detail. Manchmal makaber, aber auch sehr abenteuerlich tragen so einige Momente zu einem düsteren Dark Academia-Vibe bei. Wobei ich finde, dass die Geschichte auch viel Augenmerk auf die Charaktere legt. James‘ Art ist einfach unglaublich sympathisch und seine Entwicklung schön mitzuverfolgen. Auch wenn seine Clique aus Kommilitonen und Mitbewohnern immer mehr untergeht, ist es eine tolle Truppe mit so einigen Eigenheiten. Die Liebesgeschichte hat mir auch unglaublich gut gefallen, weil man einerseits am Anfang noch nicht erahnen kann, in wen sich James verliebt (diese Tatsache ist ungewöhnlich und sehr erfrischend) und die beiden eher unspektakulär zusammen finden und es auch keine expliziten spicy Szenen gibt, sodass die Liebesgeschichte einfach nur herzerwärmend ist. Und absolut spannend ist die Geschichte natürlich ebenfalls. Für die Leichenräuber wird es einige Male ganz schön knapp, ich habe bei einigen actionreichen Szenen die Luft angehalten, später wird es zunehmend gefährlich und die Autorin konnte mich auch oft überraschen.

»Was denn? Leichen sind keine unangenehme Gesellschaft. Sie sind zwar miserable Gesprächspartner, aber ich kann bestätigen, dass sie ausgezeichnete Zuhörer sind.« S. 107

Ich bin kein großer Fan davon, wenn Protagonisten uns Leser/innen ansprechen, aber hier gefällt es mir. Diese Andeutungen von James machen mich eher noch neugieriger. Der Schreibstil der Autorin ist total lebendig und James‘ Erzählung bereitet mir dadurch noch mehr Spaß. Der Protagonist ist vornehm und deshalb auch teilweise unbedarft und unwissend, auf eine liebenswerte Weise. Ich finde es lustig, wenn er sich über den Kleidungsstiel Gedanken macht oder entrüstet ist, wenn jemand nicht seinem gewohnten Standard der Höflichkeit entspricht. Ich finde das Buch hat einige amüsante Momente, weshalb ich schon öfter schmunzeln musste. Ja, die Geschichte ist mit den Leichenrauben und Sektion düster und manchmal makaber, aber sie hat eben auch eine gewisse Leichtigkeit und macht einfach Spaß.

Fazit:
„Wer die Toten stört“ ist eine großartige und total fesselnde Geschichte! Mit einem anschaulichen Schreibstil, Humor, liebenswerten Charakteren, einer sanften Liebesgeschichte und so einigen erschreckenden und abenteuerlichen Momenten, hat diese Geschichte alles, was man sich nur wünschen kann. Ich bin begeistert von A. Rae Dunlaps Dark Academia-Geschichte und möchte unbedingt mehr von ihr lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 09.11.2025

Ein neues Juwel unter den Jugendbüchern

Verlorenes Herz (The Last Bloodcarver, Band 1)
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Nhika ist eine Bloodcarver bzw. Heartsooth, wodurch sie die Fähigkeit hat andere Körper zu spüren und zu manipulieren. Obwohl ihre Vorfahren sich als Heiler sehen, ist das Volk als Mörder verschrien. Deswegen ...

Nhika ist eine Bloodcarver bzw. Heartsooth, wodurch sie die Fähigkeit hat andere Körper zu spüren und zu manipulieren. Obwohl ihre Vorfahren sich als Heiler sehen, ist das Volk als Mörder verschrien. Deswegen versucht Nhika sich in der von Wissenschaft geprägten Stadt Theumas zu verstecken und als Verkäuferin von Naturheilmittel durchzuschlagen. Doch als sie eine todkranke Frau heilt, werden mächtige Leute auf sie Aufmerksam.

Durch den Anfang der Geschichte erhält man recht gut einen räumlichen Überblick über Theumas (wobei hier sogar eine Karte von der Stadt vorne im Buch abgedruckt ist) und auch, wie der Staat funktioniert. Die Protagonistin lernt man ebenfalls richtig gut kennen: Nhika hat ihre gesamte Familie verloren und versucht sich bedeckt zu halten, während sie ihren Lebensunterhalt verdienen muss. Nhika ist pragmatisch, aber auch empathisch. Sie erscheint manchmal unnahbar, aber sie musste sich auch eine harte Schale zulegen. Als sie bei der Familie Congmi aufgenommen wird, erfährt sie wieder wie es ist Freunde zu haben. Doch kann sie ihnen wirklich trauen?

„Ein Flüstern zwar nur, wo einst ein Brüllen herrschte, aber nichtsdestotrotz eine Stimme.“ S. 364

Die Geschichte ist unglaublich faszinierend und spannend. Alleine die Idee, einen Körper manipulieren, also auch heilen, zu können, ist toll. Noch besser wird es durch die Beschreibungen der Autorin, wenn Nhika Kontakt zu einem Körper aufnimmt, weil man sehr gut nachverfolgen kann, wie sie sich mit ihrem Geist durch die Adern und Organe lenkt. Außerdem ist es überaus spannend, mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren und die Geschichte rund um den vermeintlich Ermordeten zu folgen. Ich war so gespannt, was bei dem „Unfall“ passiert ist und ob noch Gefahr für Nhika und die Congmis herrscht. Die Autorin hat richtig gut ausgeklügelt, wie die Geschichte sich entwickelt und ich war an den Seiten gefesselt. Die Emotionen und Charaktere hat Vanessa Le auch sehr gekonnt und nachvollziehbar beschrieben. Alles spitzt sich bis zum Ende zu! Ich hatte Herzklopfen, hab gebangt, wurde überrascht und war gefesselt. Der Schluss ist wirklich gewaltig! Oh, mein Herz! Ich bin jetzt so sehr gespannt auf den zweiten Teil der Reihe!


Fazit:
„Verlorenes Herz“ ist ein außergewöhnliches Buch, das aus der Masse der Jugendbücher heraussticht. Die Autorin hat mit ihrer tollen Idee eine wahnsinnig fesselnde Geschichte mit interessanten Charakteren geschaffen. Das Ende ist echt… wow! Ich bin total gespannt auf den zweiten Teil! Dieses Jugendbuch ist wieder mal was anderes und ein absolutes Highlight!

Veröffentlicht am 01.11.2025

Spannender Abschlussband für Buchliebhaber*innen

Die Buchreisenden - Eine Tür aus Silber und Lügen
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Der Libronaut Adam und Ellisa versuchen auch im zweiten Teil die silberne Tür zu öffnen und deren Mutter zu finden. Mit neuen Verbündeten sind sie auf der Suche nach den Schlüsselsätzen um das Schloss ...

Der Libronaut Adam und Ellisa versuchen auch im zweiten Teil die silberne Tür zu öffnen und deren Mutter zu finden. Mit neuen Verbündeten sind sie auf der Suche nach den Schlüsselsätzen um das Schloss der silbernen Tür vollständig zu entriegeln. Währenddessen sitzen ihnen Libronautic Inc im Nacken, die ihre ganz eigenen Ziele verfolgen.

Der zweite Teil der Buchreisenden knüpft nahtlos an die bisherigen Geschehnisse an und hat mich direkt wieder begeistert. Schon auf der ersten Seite gibt es Spannung auf einen bevorstehenden Diebstahl eines Klassikers der Weltliteratur und den witzigen Dialog zwischen Adam und Luthin. Ich glaube nicht, dass mir jemals die erste Seite eines Buches so gut gefallen hat! Darauf folgen wieder Abenteuer, z. B. diesen Diebstahl eines Buches in keinem geringeren Gebäude als des Londoner British Museum, und auch in den Geschichten selbst. Ich finde es auch schön, dass Elisa, Adam und Rix (mein Lieblingscharakter!) dieses Mal länger in einem Buch verweilt sind. Dadurch sind die Hauptwerke, die zur silbernen Tür führen, sehr präsent und ich bin nun sehr neugierig auf diese Geschichten, weshalb ich sie jetzt auch lesen will (wie passend, dass ich die „Nibelungen“ erst vor wenigen Tagen im Bücherschrank gefunden habe). Das Buch ist nicht nur abenteuerlich für die Protagonisten, sondern auch überraschend, total spannend, zeitweise verwirrend, leider traurig, sogar emotional und beeindruckend für mich. Es gab einige Szenen, die sehr eindrucksvoll geschrieben sind – richtig episch! Das Ende gipfelt in einen Showdown und hat mir, neben einem tragischen Aspekt (leider!), sehr gut gefallen. Ich finde es besonders schön, dass hier auch die Bedeutung der Worte hervorgehoben worden ist.


Fazit:
„Eine Tür aus Silber und Lügen“ ist der passende Abschluss der Buchreisenden-Dilogie. Akram El-Bahay konnte mich überraschen, an die Seiten fesseln, zeitweise auch verwirren, beeindrucken und sogar berühren. Eine wunderschöne Geschichte mit Abenteuern, Klassikern, Buchliebe, Humor und die Macht der Worte.

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