Eine Katastrophe an der nächsten, überladene Geschichte
Felina Fingerhut und der verflixte SchmetterlingseffektTrotz meiner Vorliebe für Jugendromane mochte ich dieses Buch nicht. Als Kind wäre ich bestimmt fasziniert gewesen. Aber als Erwachsene habe ich zu viel von dem, was das Buch anbietet, bereits woanders ...
Trotz meiner Vorliebe für Jugendromane mochte ich dieses Buch nicht. Als Kind wäre ich bestimmt fasziniert gewesen. Aber als Erwachsene habe ich zu viel von dem, was das Buch anbietet, bereits woanders gesehen. Die Geschichte an sich war mir neu, ja. Aber die Situation (Hexe in Ausbildung) und viele Details (z.B. Eulen-Post) waren es nicht, so dass sich für mich deutliche Abstriche bei der Kreativität ergeben. Ich fand die Geschichte zudem nicht gut erzählt. Sie ist überladen. Eigentlich ist es überall zu viel. Besonders gestört haben mich die vielen sinnlosen Begriffe wie abrakadabrisch oder hexisch, in die man so gut wie alles hineininterpretieren kann. Als Kind habe ich tatsächlich einmal sehr lange nachgedacht über den Tadel einer Märchenfigur, die meinte, man hätte besser nach dem Kreuz in der Nuss und dem Karfunkelstein gefragt. Hier war mir jedoch sofort klar, dass es sich nicht lohnt, über "geräucherten Mondschein" oder "pulverisierten Eulen-Atem" zu fantasieren. Ich sah sofort, dass das eine Sackgasse wäre, weil da nichts mehr davon kommt in der Geschichte. Solche Kinkerlitzchen regen sicher die Fantasie von Kindern an und machen ihnen Spaß - aber vielleicht auch nicht, in diesem enormen Umfang und wenn dadurch die eigentliche Geschichte stark gebremst wird. Dabei gibt es sowieso bereits vieles, was die Handlung in die Länge zieht. Man kann ja nicht einmal in einen Aufzug einsteigen, ohne dass es sich zu einer kleinen Katastrophe auswächst. Außerdem hat man es an vielen Stellen zwar eilig (weil im Hintergrund eine größere Krise besteht), jedoch ist immer Zeit, mit einem kleinen Plausch die Zeit tot zu schlagen und meine Geduld herauszufordern. Es wurde auch sehr viel über den Gang des Versandhauses, wo Felina ihr Praktikum macht, an die Hexenbörse geredet: Es fielen dabei öfter Wörter wie Überstunden oder Marketing-Konzept. Ich denke, für viele Kinder sind diese unverständlich und langweilig. Ich hatte an einzelnen Stellen den Verdacht, es gäbe zudem die Absicht, die Leserschaft zu belehren/informieren. Aber teils erschien mir falsch, was als Fakt präsentiert wurde, und was will man eigentlich in diesem Wust aus Hexerei und Libellen-Honig überhaupt noch mit Fakten. Die Hauptperson Felina war mir nicht besonders sympathisch: betont quirlig, baut eine Scheiße nach der anderen, trotzdem eine super Hexe, und damit entspricht sie eigentlich dem Klischee einer Hauptfigur, die noch ein Kind ist. Mir hat auch nicht gefallen, dass öfter auf den ersten Band Bezug genommen wurde. Man kann die Geschichte eigentlich ohne dieses Vorwissen verstehen. Mein inneres Kind und ich, die sehr unterschiedlich abgestimmt haben, geben diesem Buch gemeinschaftlich-durchschnittlich 3 Sterne.