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Veröffentlicht am 27.11.2025

Eine Katastrophe an der nächsten, überladene Geschichte

Felina Fingerhut und der verflixte Schmetterlingseffekt
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Trotz meiner Vorliebe für Jugendromane mochte ich dieses Buch nicht. Als Kind wäre ich bestimmt fasziniert gewesen. Aber als Erwachsene habe ich zu viel von dem, was das Buch anbietet, bereits woanders ...

Trotz meiner Vorliebe für Jugendromane mochte ich dieses Buch nicht. Als Kind wäre ich bestimmt fasziniert gewesen. Aber als Erwachsene habe ich zu viel von dem, was das Buch anbietet, bereits woanders gesehen. Die Geschichte an sich war mir neu, ja. Aber die Situation (Hexe in Ausbildung) und viele Details (z.B. Eulen-Post) waren es nicht, so dass sich für mich deutliche Abstriche bei der Kreativität ergeben. Ich fand die Geschichte zudem nicht gut erzählt. Sie ist überladen. Eigentlich ist es überall zu viel. Besonders gestört haben mich die vielen sinnlosen Begriffe wie abrakadabrisch oder hexisch, in die man so gut wie alles hineininterpretieren kann. Als Kind habe ich tatsächlich einmal sehr lange nachgedacht über den Tadel einer Märchenfigur, die meinte, man hätte besser nach dem Kreuz in der Nuss und dem Karfunkelstein gefragt. Hier war mir jedoch sofort klar, dass es sich nicht lohnt, über "geräucherten Mondschein" oder "pulverisierten Eulen-Atem" zu fantasieren. Ich sah sofort, dass das eine Sackgasse wäre, weil da nichts mehr davon kommt in der Geschichte. Solche Kinkerlitzchen regen sicher die Fantasie von Kindern an und machen ihnen Spaß - aber vielleicht auch nicht, in diesem enormen Umfang und wenn dadurch die eigentliche Geschichte stark gebremst wird. Dabei gibt es sowieso bereits vieles, was die Handlung in die Länge zieht. Man kann ja nicht einmal in einen Aufzug einsteigen, ohne dass es sich zu einer kleinen Katastrophe auswächst. Außerdem hat man es an vielen Stellen zwar eilig (weil im Hintergrund eine größere Krise besteht), jedoch ist immer Zeit, mit einem kleinen Plausch die Zeit tot zu schlagen und meine Geduld herauszufordern. Es wurde auch sehr viel über den Gang des Versandhauses, wo Felina ihr Praktikum macht, an die Hexenbörse geredet: Es fielen dabei öfter Wörter wie Überstunden oder Marketing-Konzept. Ich denke, für viele Kinder sind diese unverständlich und langweilig. Ich hatte an einzelnen Stellen den Verdacht, es gäbe zudem die Absicht, die Leserschaft zu belehren/informieren. Aber teils erschien mir falsch, was als Fakt präsentiert wurde, und was will man eigentlich in diesem Wust aus Hexerei und Libellen-Honig überhaupt noch mit Fakten. Die Hauptperson Felina war mir nicht besonders sympathisch: betont quirlig, baut eine Scheiße nach der anderen, trotzdem eine super Hexe, und damit entspricht sie eigentlich dem Klischee einer Hauptfigur, die noch ein Kind ist. Mir hat auch nicht gefallen, dass öfter auf den ersten Band Bezug genommen wurde. Man kann die Geschichte eigentlich ohne dieses Vorwissen verstehen. Mein inneres Kind und ich, die sehr unterschiedlich abgestimmt haben, geben diesem Buch gemeinschaftlich-durchschnittlich 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 18.11.2025

Interessante Analyse der Figuren und des Geschehens, schwächelt gegen Ende zu

Die tödlichste Lösung
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Der Prolog hat mich neugierig gemacht einerseits durch die geschilderte Situation. Andererseits war mir der Text sprachlich gefällig und er las sich flüssig. Schnell hatte ich eine Idee, wer da zu Beginn ...

Der Prolog hat mich neugierig gemacht einerseits durch die geschilderte Situation. Andererseits war mir der Text sprachlich gefällig und er las sich flüssig. Schnell hatte ich eine Idee, wer da zu Beginn des Krimis im Verließ hockt. Eine Weile später merkte ich, dass die Geschichte doch komplizierter als gedacht ist - ein Pluspunkt. Die Figuren fand ich sehr gut dargestellt. Durch die wechselnden Perspektiven, die das Geschehen zum Teil aus dem Blickwinkel zweier Personen erzählen, versteht man die Figuren besser. Man erhält Einblick in Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle und erkennt, wieso sich ein Konflikt ergibt. Das Ensemble zerfällt daher nicht in Gut und Böse. Vielmehr zeigt sich, dass in fast jedem beides steckt. Nur Lars (Ehemann von Hedi) konnte ich nicht leiden. Als "der einzige Berufstätige in dieser Wohnung beanspruchte er dieses Vorrecht (einer durch das Baby ungestörten Nachtruhe) für sich allein". Später jammert er, dass er seinen Beruf hasst, quittiert aber Hedis Vorschlag, die Elternzeit zu tauschen, mit eisigem Schweigen. Ich hatte gehofft, dass die Abwertung von Hedi, die ihr durch die Elternzeit entsteht, im späteren Verlauf diskutiert wird. Doch leider nein. Die Autorin möchte offensichtlich den Leser wissen lassen, dass das Leben so richtig sei. Dabei fand ich eigentlich, dass die Autorin für ihre anderen Figuren sehr viel Verständnis zeigte und geschickt eine unterschwellige Kritik an der Lynchjustiz der sozialen Medien in die Handlung eingebunden hat. An manchen Stellen dachte ich, dass der Zufall Hedi zu sehr hilft und sie es sich zu leicht macht, wenn sie ihren Sohn immer wieder ohne Kindersitz im Auto fährt. Insgesamt hätte ich dem Krimi 4 Sterne gegeben. Doch das letzte Kapitel mit Laura hat sich zu sehr gezogen und für das, was danach kam, habe ich das Interesse etwas verloren. Daher 3 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Zu viele Mißverständnisse/unnötiges Drama

Sommer auf Schottisch
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Zuerst dachte ich, dass ich die Energie von Ellie mag und zudem die Sprache des Romans, welche klar ist und locker, wenn auch mit etwas zu vielen Adjektiven geschmückt. Dann fiel mir zunächst bei Ellie, ...

Zuerst dachte ich, dass ich die Energie von Ellie mag und zudem die Sprache des Romans, welche klar ist und locker, wenn auch mit etwas zu vielen Adjektiven geschmückt. Dann fiel mir zunächst bei Ellie, später auch bei Kenneth, auf, dass die Figuren mir zu rasch die Affekte wechseln - gerade eben noch Angst gehabt, dass frau einen möglichen Serienmörder auf einer einsamen Landstraße um Hilfe gebeten hat, im nächsten Moment ist Ellie von seinem Aussehen mehr als angetan und zwischendurch wird sie immer mal wieder ärgerlich. Das alles innerhalb einer Viertelstunde. Dann mochte ich es außerdem nicht, dass die beiden gegenseitig eine derartige Ausstrahlung auf einander ausüben, dass sie immerzu an Bestäubung denken müssen. Von der Buchbeschreibung her klang die Geschichte nicht dermaßen spicy und ich fand das Element störend in den Szenen, in denen es eigentlich um etwas anderes ging. Als die Erotik dann passierte, wurde übers Geschäft geredet. Diese kleinen Brüche in der Handlung fand ich keineswegs spannend, eher absurd. Besonders anstrengend fand ich die Missverständnisse zwischen den beiden hinsichtlich ihres Engagements für die Beziehung, die entstehen, weil beide törichterweise dem anderen sagen, was sie glauben, dass er hören wolle. Dass es sich irgendwo reibt, ist von Anfang an Bestandteil der Geschichte und wird bis zum Ende durchgezogen. Wie gesagt, für mich war das nicht aufregend, sondern eher wie Fingernägel auf Tafellack. Ansonsten ging es mir allerdings zu glatt, wie ich es auch zu glatt und unrealistisch fand, dass sich die Liebe im Superlativ erfüllt: der beste Kuss, der beste Sex - darunter machen es Ellie und Kenneth nicht. Andererseits wären Probleme mit Ellies beruflichen Plänen neben der Spannung auf der Beziehungsebene vermutlich zu viel gewesen. Etwas schade fand ich, dass die Kulinarik nur oberflächlich behandelt wurde in diesem Buch, in dem es um eine Köchin geht. Trotz aller Kritik liest sich der Roman zügig weg, er hat einige rührende Momente und ich gebe ihm 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Es passiert viel, Handlung verworren, Ende schwach, Inspector unsympathisch

Verschlüsselte Wahrheit - Inspector Rebus 5
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Mir fiel es schwer, in die Geschichte hineinzukommen. Sie hat eigentlich keinen wirklichen Start. Es passieren verschiedene, scheinbar unverbundene Dinge. Am Ende, das ich schwach fand, wird alles zu einem ...

Mir fiel es schwer, in die Geschichte hineinzukommen. Sie hat eigentlich keinen wirklichen Start. Es passieren verschiedene, scheinbar unverbundene Dinge. Am Ende, das ich schwach fand, wird alles zu einem Ganzen zusammengesetzt. Aber ich fühlte mich beim Lesen nicht zum Rätseln über die Zusammenhänge herausgefordert. Vielmehr gerieten mir bei der Vielzahl der Ereignisse und Gedanken des Inspectors Figuren und Handlungsaspekte in Vergessenheit. Rebus bekommt z. B. eine Information per Anruf, und ich weiß nicht mehr, was für eine Frage er gestellt hatte. Eine Figur tritt auf, ich erkenne lediglich den Namen und lasse mir auch das egal sein, weil ich nicht dauernd zurückblättern möchte. Ich fand die Handlung zu verworren; die Darstellung zu detailliert und abschweifend. Beispielsweise bringt eine Kollegin Rebus auf den neuesten Stand, und er überlegt sich währenddessen, dass er mittags nicht satt geworden ist, aber wegen seines Hüftumfangs lieber nichts mehr essen sollte. Der Inspector war mir auch aufgrund anderer Dinge unsympathisch. Trotzdem fand ich den Roman nicht uninteressant - es passiert ja durchaus viel, so dass die Geschichte zumindest abwechslungsreich ist. Und man kann dazu Edinburgh etwas kennenlernen, weil sehr oft von Sehenswürdigkeiten die Rede ist. Bei Lokalitäten wie Bars mag sich einiges geändert haben, falls es sich sowieso nicht um fiktive Orte handelt, denn das Buch wurde Mitte der 90er Jahre veröffentlicht. Ich bewerte es mit 3 Sternen.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Flüssig, abwechslungsreich, aber Darstellung wenig durchdacht

Miau
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Ich habe das Buch nach dem ersten Kapitel und ein bißchen Blättern abgebrochen. Einerseits fand ich es nicht sooo schlecht - es liest sich flüssig und scheint sich abwechslungsreich, lebhaft und mit überraschenden ...

Ich habe das Buch nach dem ersten Kapitel und ein bißchen Blättern abgebrochen. Einerseits fand ich es nicht sooo schlecht - es liest sich flüssig und scheint sich abwechslungsreich, lebhaft und mit überraschenden Wendungen zu gestalten. Andererseits gab es vieles, das ich nicht mochte. Einmal wirkte es auf mich unstimmig, die Geschichte aus der Ich-Perspektive im Präsens zu schreiben UND in die Handlung ausholende Erklärungen einzustreuen. Ich mag es sowieso nicht, wenn ein spannender Moment, der in der Realität sehr kurzweilig erlebt würde, durch Beschreibungen und Erinnerungen unnatürlich gedehnt wird. Tut man das nicht bloß in der Rückschau, sondern quasi in der Gegenwart (wie hier), dann wirkt das auf mich umso unwirklicher und störender. Zudem gab es bereits im ersten Kapitel einige unlogische Stellen (man schleicht über ein Dach und hat Angst, gehört zu werden; tritt danach ein Fenster ein und nimmt an, dass das "die Zielperson" nicht geweckt hätte / jemand trägt zuhause einen Zylinder / das Gespräch zwischen Mörderin und Zielperson empfand ich als unrealistisch und unverständlich); mir erschien die Darstellung wenig durchdacht und das störte mich. Ich habe zudem festgestellt, dass ich die Thematik überhaupt nicht mag: Mörder sollen Wesen sein, die man bewundern möchte für ihr Können und ihren Witz - ich habe natürlich auch bereits Ähnliches gesehen oder gelesen (z. B. die Serie Dexter oder Lord Vetinari von der Scheibenwelt). Aber irgendwie wurde nach meinem Empfinden bisher Sympathie für solche Gestalten weniger deutlich eingefordert als in diesem Roman. Ich hatte den Eindruck, der Alltag eines Auftragsmörders sollte an mancher Stelle sogar lustig klingen (Kopf im Kühlschrank). Das war nichts für mich. Ich gebe dem Roman 3 Sterne.

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