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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.03.2026

Ehrlich, nahbar und überraschend enttabuisierend

Zum ersten Mal
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Zum ersten Mal – Vom Erwachsenwerden, Frausein und allen Gefühlen dazwischen von Gesina Demes und Annika Prigge ist ein Buch, das sich auf sehr persönliche und zugleich universelle Weise mit dem Erwachsenwerden ...

Zum ersten Mal – Vom Erwachsenwerden, Frausein und allen Gefühlen dazwischen von Gesina Demes und Annika Prigge ist ein Buch, das sich auf sehr persönliche und zugleich universelle Weise mit dem Erwachsenwerden auseinandersetzt. Die beiden Autorinnen greifen zahlreiche Themen auf, die viele junge Frauen beschäftigen – von Liebe und Sexualität über Unsicherheiten bis hin zu gesellschaftlichen Erwartungen und den eigenen Gefühlen.

Das Buch ist in verschiedene Themenbereiche gegliedert. Innerhalb der Kapitel blicken die Autorinnen zunächst auf eigene Erfahrungen aus ihrer Jugend zurück und reflektieren diese anschließend mit dem Wissen und der Perspektive, die sie heute haben. Diese Mischung aus persönlicher Erinnerung und späterer Einordnung macht die Texte besonders zugänglich und authentisch. Beim Lesen entsteht oft das Gefühl, zwei Freundinnen zuzuhören, die offen über Dinge sprechen, über die sonst erstaunlich selten gesprochen wird.
Besonders stark ist das Buch darin, vermeintliche Tabuthemen anzusprechen und damit einen Raum zu schaffen, in dem man sich wiederfinden kann. Viele Situationen, Gedanken oder Gefühle wirken plötzlich weniger isolierend, weil deutlich wird, dass andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Dabei geht es den Autorinnen nicht darum, perfekte Antworten zu liefern oder einen festen Weg vorzugeben. Vielmehr ermutigen sie dazu, den eigenen Weg zu finden und anzuerkennen, dass Unsicherheiten, Fragen und auch Rückschläge ganz selbstverständlich zum Erwachsenwerden dazugehören.
Der Ton des Buches ist offen, persönlich und oft unterhaltsam, sodass sich die einzelnen Kapitel gut zwischendurch lesen lassen. Immer wieder regt der Text dazu an, über eigene Erfahrungen nachzudenken und gesellschaftliche Erwartungen zu hinterfragen.

Gerade weil die Autorinnen kein außergewöhnliches Leben präsentieren, sondern von ganz alltäglichen Erfahrungen erzählen, fällt es leicht, Parallelen zum eigenen Leben zu entdecken.
Insgesamt ist Zum ersten Mal ein einfühlsames, ehrliches Buch über das Frausein und das Erwachsenwerden – eines, das vielen Leserinnen vermutlich mehr als einmal das beruhigende Gefühl geben wird: Mit diesen Gedanken und Gefühlen ist man nicht allein.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Jahreshighlight!

Hazel sagt Nein
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Die 18 -jährige Hazel zieht gemeinsam mit ihrer Familie von New York in die Kleinstadt Riverburg. Hauptgrund ist die Professur, welche ihrem Vater dort am College angeboten wird - darauf hat er schon seit ...

Die 18 -jährige Hazel zieht gemeinsam mit ihrer Familie von New York in die Kleinstadt Riverburg. Hauptgrund ist die Professur, welche ihrem Vater dort am College angeboten wird - darauf hat er schon seit Jahren gewartet. Hazel muss daher ihr Abschlussjahr an einer neuen Highschool absolvieren. Zusätzlich zur eh schon großen Umstellung wird sie direkt am ersten Tag vom Direktor in sein Büro gerufen. Ohne allzu große Umschweife eröffnet er ihr, dass er sich jedes Schuljahr eine andere Schülerin auswählt, mit der er im jeweiligen Jahr Sex haben möchte. Hazel verfällt zunächst in Schockstarre, beweist dann jedoch den Mut und sagt "Nein". Zuhause offenbart sie sich nach längerem Zögern sogar ihren Eltern, welche den Vorfall direkt melden wollen. Die darauffolgenden Ereignisse erinnern an Domino-Steine, welche nach dem ersten Schwung nicht mehr zu bremsen sind. Denn der Direktor von Hazels Highschool ist sehr beliebt in Riverburg, sodass viele der Einwohner auf seiner Seite stehen und das junge, zugezogene Mädchen als Unruhestifterin sehen. Doch nicht nur für Hazel verändert sich auf einmal viel: auch ihre Eltern und ihr kleiner Bruder haben mit mehr Folgen zu kämpfen als geahnt…



Mir fiel der Einstieg in den Roman von Jessica Berger Gross direkt sehr leicht. Sie hat einen sehr bildlichen und zugleich tief in die Charakter und Gefühlswelten der Figuren eindringenden Schreibstil. Super gefiel mir auch, dass man nicht ausschließlich viel über Hazel und ihre Gefühle erfährt, sondern zu allen Familienmitgliedern. Dies unterstreicht nochmal besonders, was für enorme und vielfältige Auswirkungen die Ablehnung und die Öffentlichmachung des unmoralischen Angebotes des Direktors hat. Mein Lieblingscharakter war definitiv Hazels kleiner Bruder Wolf. Er legt innerhalb des Romans eine in meinen Augen unglaubliche Entwicklung hin und ich konnte verschiedenste Emotionen, von großer Freude bis tiefem Schmerz und Zerrissenheit, mit ihm mitfühlen. Hazel selbst ist natürlich ebenfalls eine sehr starke Protagonistin, welche für sich aber insbesondere auch für ihre Familie aber auch ihr Umfeld einsteht.

Ich empfehle das Buch in jedem Fall weiter und würde es sogar zu meinen Lese-Highlights 2025 zählen.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Mut zur Wahrheit – Elizabeth Gilbert und die Tiefe der Selbstbefreiung

All the Way to the River
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Elizabeth Gilberts neues Werk All the Way to the River: Love, Loss and Liberation hat mich tief bewegt, weil es weit mehr ist als nur eine Erzählung über Trauer und Heilung – es ist ein schonungsloser ...

Elizabeth Gilberts neues Werk All the Way to the River: Love, Loss and Liberation hat mich tief bewegt, weil es weit mehr ist als nur eine Erzählung über Trauer und Heilung – es ist ein schonungsloser Bericht über Abhängigkeit, Liebe und die Suche nach Freiheit. Das Cover hat mich sofort angesprochen: schlicht, in dunklen Tönen gehalten, mit goldener Schrift, vermittelt es auf subtile Weise den melancholischen und zugleich hoffnungsvollen Grundton des Buches. Die Gestaltung mit kleinen Zeichnungen, Gedichtfragmenten und tagebuchartigen Notizen wirkt sehr persönlich und spiegelt die innere Zerrissenheit der Autorin eindrucksvoll wider.

Inhaltlich erzählt Gilbert von einer intensiven, aber auch zerstörerischen Beziehung, von Krankheit, Verlust und den eigenen Schattenseiten. Ohne zu viel zu verraten: Sie beschreibt, wie Liebe und Abhängigkeit ineinander übergehen können und wie schwer es ist, sich selbst inmitten dieses Chaos wiederzufinden. Besonders beeindruckt hat mich, dass sie dabei weder sich selbst noch ihre Partnerin schont. Gilbert zeigt die Widersprüche einer Beziehung, die zugleich tröstet und zerstört. Diese Ehrlichkeit macht das Buch für mich glaubwürdig und kraftvoll. Manchmal allerdings verliert sich die Erzählung etwas in spirituellen oder therapeutischen Betrachtungen, wodurch der Lesefluss leicht stockt. Dennoch ist der emotionale Gehalt so stark, dass man weiterliest, weil man spürt, dass hier jemand wirklich um Wahrheit ringt.

Ihr Schreibstil ist, wie man ihn von Gilbert kennt, sehr persönlich, fast intim. Sie schreibt nicht mit Distanz, sondern lässt den Leser an ihren innersten Gedanken teilhaben. Manche Passagen wirken fast wie ein innerer Monolog, roh und ungeschliffen, aber genau das hat mich überzeugt. Gilbert schreibt mit einem Mut, der selten ist – sie zeigt ihre Fehler, ihre Co-Abhängigkeit und ihre Versuche, sich davon zu lösen. Dadurch wird sie nicht zur Heldin, sondern zu einem zutiefst menschlichen Charakter.

Die Figuren sind authentisch, besonders die Beziehung zwischen Gilbert und ihrer Partnerin ist komplex und glaubwürdig. Die Nebenfiguren bleiben zwar etwas blass, doch das stört kaum, da der Fokus klar auf Gilberts innerem Wandel liegt. Mich persönlich hat das Buch vor allem deshalb interessiert, weil ich Gilbert schon von Eat Pray Love kannte. Dort suchte sie Erleuchtung und Selbstfindung in der äußeren Welt – hier sucht sie sie in der inneren Dunkelheit. Dieser Kontrast hat mich fasziniert und gezeigt, wie sehr sich die Autorin weiterentwickelt hat.

Insgesamt ist All the Way to the River ein intensives, emotional tiefes Buch über Verlust, Sucht und Selbstbefreiung. Es verlangt den Leser*innen einiges ab, belohnt aber mit ehrlicher Reflexion und sprachlicher Schönheit. Ich empfehle es allen, die keine seichte Lebenshilfe, sondern echte, schonungslose Auseinandersetzung mit menschlicher Zerbrechlichkeit suchen. Für Fans von Elizabeth Gilbert ist es ein Muss – und für alle anderen ein Buch, das noch lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Mut, Sprache und Selbstermächtigung

Amazonenbrüste
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Schon das Cover von Amazonenbrüste ist ein Statement: kraftvoll, direkt und zugleich verletzlich. Es zeigt, dass dieses Buch kein klassischer Krankheitsbericht ist, sondern ein mutiger Akt der Selbstermächtigung. ...

Schon das Cover von Amazonenbrüste ist ein Statement: kraftvoll, direkt und zugleich verletzlich. Es zeigt, dass dieses Buch kein klassischer Krankheitsbericht ist, sondern ein mutiger Akt der Selbstermächtigung. Die Gestaltung spiegelt die Persönlichkeit der Autorin wider – bunt, laut, aber nie oberflächlich.

Reyhan Şahin, die vielen als Dr. Bitch Ray bekannt ist, schreibt über ihre Brustkrebserkrankung auf eine Art, die man so selten liest: ehrlich, humorvoll, wütend, philosophisch und poetisch zugleich. Das Thema wird nicht als reine Leidensgeschichte erzählt, sondern als vielschichtige Auseinandersetzung mit Körper, Weiblichkeit, Identität und gesellschaftlichen Erwartungen. Besonders beeindruckt hat mich, wie sie zwischen persönlichen Erfahrungen und gesellschaftlichen Analysen wechselt, ohne dass der Text an emotionaler Tiefe verliert.

Ihr Schreibstil ist unverkennbar – eine Mischung aus essayistischer Schärfe, Popkultur, Raprhythmus und zarter Introspektion. Man spürt ihre sprachliche Präzision und ihren intellektuellen Hintergrund, gleichzeitig aber auch ihre Nahbarkeit und Verletzlichkeit. Diese Kombination macht das Buch außergewöhnlich authentisch.

Die „Figur“ der Erzählerin, also Şahin selbst, ist komplex, widersprüchlich und dadurch enorm glaubwürdig. Sie idealisiert sich nicht, sondern zeigt auch ihre Ängste und Zweifel. Gerade das macht sie als Erzählerin so menschlich.

Für mich war das Buch besonders interessant, weil es Krankheit nicht als Gegensatz zu Stärke, sondern als Teil eines selbstbestimmten Lebens begreift. Reyhan Şahin gelingt es, Tabus zu brechen und Empowerment neu zu definieren.

Fazit: Amazonenbrüste ist ein radikal ehrliches, poetisches und inspirierendes Buch über Heilung, Identität und Mut. Ich empfehle es allen, die Literatur suchen, die nicht nur erzählt, sondern herausfordert und bewegt.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Sterne und Sehnsucht - eine Liebesgeschichte im Raumanzug

Atmosphere
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Schon das Cover von Atmosphere weckt Neugier: Eine Frau mit wildem Haar blickt entschlossen in den Himmel – in ihrer Sonnenbrille spiegelt sich eine startende Rakete. Dieses Bild fasst das Thema des Romans ...

Schon das Cover von Atmosphere weckt Neugier: Eine Frau mit wildem Haar blickt entschlossen in den Himmel – in ihrer Sonnenbrille spiegelt sich eine startende Rakete. Dieses Bild fasst das Thema des Romans treffend zusammen: Es geht um Aufbruch, um Träume, die scheinbar unerreichbar sind, und um die Frage, wie man gleichzeitig fliegen und geerdet bleiben kann.

Taylor Jenkins Reid erzählt die Geschichte einer Frau, die in einer männerdominierten Welt ihren Platz sucht – und findet. Die Protagonistin beginnt ihre Karriere als Anwärterin bei der NASA, kämpft sich durch ein anspruchsvolles Auswahlverfahren und erlebt schließlich die Realität des Astronautinnen-Daseins. Die Autorin schafft es, dabei einen authentischen Blick hinter die Kulissen der US-Raumfahrt zu werfen: Die technischen Abläufe, die Hierarchien, die körperlichen und psychischen Anforderungen werden glaubhaft und detailreich geschildert – ohne die Leser*innen zu überfordern.

Doch Atmosphere ist weit mehr als ein Roman über Raumfahrt. Im Kern ist es eine berührende Geschichte über Liebe, Zugehörigkeit und den Wunsch nach einem Zuhause – sei es auf der Erde oder jenseits davon. Es ist ein feministisches Buch, das von weiblicher Stärke und der Überwindung gesellschaftlicher Konventionen erzählt. Besonders gelungen ist dabei die Balance zwischen technischer Sachlichkeit und emotionaler Tiefe. Reid schreibt eindringlich und zugleich leicht zugänglich – auch wenn der Einstieg aufgrund der vielen Figuren und NASA-Begriffe etwas Konzentration verlangt.

Die Figuren sind lebendig und glaubwürdig gezeichnet, allen voran die Hauptfigur, die durch ihre Widersprüche und ihr inneres Ringen sehr menschlich wirkt. Ihre Reise – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn – hat mich tief bewegt.

Atmosphere ist ein Roman über das Fliegen und das Ankommen. Ein kluges, warmherziges Buch, das technisches Wissen mit emotionaler Tiefe verbindet und dabei feministische Themen nicht plakativ, sondern ganz selbstverständlich erzählt. Wer starke Frauenfiguren, ungewöhnliche Liebesgeschichten und atmosphärisches Erzählen mag, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen. Absolut empfehlenswert – nicht nur für Fans der Raumfahrt.

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