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Veröffentlicht am 06.11.2025

Yoga - Hippie-Trail - Indien - Beatles

Yoga Town
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Der Titel „Yoga Town“ hat mich sofort angesprochen. Ist doch für mich Yoga mehr als eine Sportart. Allerdings beschäftigt sich der Autor, Daniel Speck, weniger mit der Philosophie, sondern mehr mit der ...

Der Titel „Yoga Town“ hat mich sofort angesprochen. Ist doch für mich Yoga mehr als eine Sportart. Allerdings beschäftigt sich der Autor, Daniel Speck, weniger mit der Philosophie, sondern mehr mit der Herkunft und wie der Trend seinen Weg in den Westen gefunden hat. Natürlich schön verpackt in eine, auf den ersten Blick, spannende Geschichte.

Es geht um Lucy, eine Yogalehrerin, die noch nie in Indien war. Das muss ja nichts heißen, aber darüber hinaus hat sie einen Burnout. Ausgerechnet beim IKEA. Da fing ich insgeheim an, ihre Yoga-Qualitäten zu hinterfragen. Dann verschwindet ihre Mutter spurlos und alles deutet darauf hin, dass es mit einem Geheimnis zusammenhängt, das sich vor Lucys Geburt in Indien ereignet hat. Super. Ich liebe Geheimnisse. Das ist der Stoff für unterhaltsame Romane. Lucys Eltern waren also den Hippie-Trail gepilgert, weil es damals dem Zeitgeist entsprochen hat und dies auch ihre Idole, die Beatles, taten.

Im weiteren Verlauf erfährt man, was sich 1968 in Indien wirklich ereignet hat und eigentlich plätschert die Geschichte so ganz gut lesbar dahin. Ich habe einiges über Rishikesh erfahren. Dass nicht nur die Beatles, sondern noch viele andere Promis dorthin gereist sind, um Erleuchtung zu finden. Richtig spannend ist es allerdings nie geworden. Na gut, ist ja auch nur ein Roman und kein Thriller. Mich hat mehr gestört, dass eigentlich alle vorkommenden Protagonisten ziemlich unsympathisch rüberkommen. Das passt für mich nicht zusammen. Wie kann man total oberflächlich sein und trotzdem nach Bewusstseinserweiterung streben? Nur weil es gerade in ist? Lou, Lucys Vater ist für mich der interessanteste Charakter der Geschichte. Er ist authentisch und man gewinnt ihn beim Lesen immer lieber. Doch ausgerechnet er ist natürlich die tragische Figur des Buches. Am Ende löst sich alles auf, doch er muss, nachdem man endlich erfährt, warum er es nie geschafft hat, etwas aus seinem Leben zu machen, trotzdem sterben. Ich hasse so was. Das verdirbt mir die ganze Freude am Buch. Ich finde, jeder Roman sollte, so wie es bei den Filmen üblich ist, einen Zusatz dabei stehen haben, ob es sich um eine Tragödie, oder ein Drama handelt. Dann lasse ich nämlich lieber gleich die Finger davon.

Mein Fazit: Das Buch nimmt einen nicht wirklich auf eine spirituelle Reise mit, aber wer sich damit abfinden kann, dass es nicht immer ein Happy End geben muss, kann sich gerne selbst eine Meinung bilden. Die Hintergründe erschienen mir gut recherchiert und machten Lust, in ein paar alte Beatles-Lieder reinzuhören.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.09.2022

BOUM ist nicht La Boum - leider

Boum
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Was habe ich mir von „Boum“ erwartet? Natürlich einen mit spitzer Feder geschriebenen Roman voller tabuloser, böser Satire. Soweit so gut. Diesen Anspruch hat Lisa Eckhart auf jeden Fall wieder bravourös ...

Was habe ich mir von „Boum“ erwartet? Natürlich einen mit spitzer Feder geschriebenen Roman voller tabuloser, böser Satire. Soweit so gut. Diesen Anspruch hat Lisa Eckhart auf jeden Fall wieder bravourös gemeistert. Das Cover – der reinste Hingucker.

Weshalb sich meine Begeisterung dennoch in Grenzen hält, lässt sich nicht so einfach erklären. Immerhin will ich ja nicht für eine Kulturbanausin gehalten werden. Außerdem bin ich noch immer ein großer Fan und bewundere die Künstlerin Lisa Eckhart für Ihre Fähigkeit mit der Sprache generell umzugehen. Aber dieses Buch? Keine Frage, es hat super begonnen, auch spannend, wie ein Krimi, aber dann ...

Die blutjunge, naive Aloisia aus der österreichischen Provinz, die in Paris auf die fantasievollsten Figuren trifft, kann eigentlich keine autobiografische Version von La Eckhart sein. Dafür spricht sie mir zu wenig. Vielleicht ist sie eine Mischung aus ihr und Prinzessin Peach.
Ich habe die Geschichte insgesamt nicht wirklich verstanden, deshalb fällt es mir schwer, eine Zusammenfassung zu schreiben. Boum ist für mich so etwas wie eine Horrorversion für Erwachsene von Alice im Wunderland und schon dieses Buch habe ich nie verstanden.
Statt einem weißen Kaninchen folgt Aloisia einem vermeintlichen Serienmörder in die Katakomben von Paris. Von dort gibt es eine Verbindung ins Reich der „Veuf“, die dort wie Heidi Klum über einen bizarren Haufen junger Mädchen regiert.

Die Geschichte ist wirklich ziemlich abstrus und ausgefallen. Ich glaube nicht, dass ich das Buch gerne selbst gelesen hätte. Mit der Stimme von Lisa Eckhart fiel das Eintauchen und Abtauchen in diese (Alb-)Traumwelt leichter.

Sicher, zwischen drinnen gab es immer wieder tolle Sätze, wo man aufwacht. Sich denkt: Wow! Aber mir fehlte dann doch eine gewisse Struktur in der Handlung. Ein Ende, das man versteht. Auch wenn sehr viele Botschaften dabei waren, die ich verstanden habe, war es mir dann doch insgesamt zu derb und ordinär. Wenn ich mir vorstelle, dieses Buch wird eines Tages verfilmt. Na dann gute Nacht! Wer will sowas sehen?

Was bleibt? Ich bin noch immer eine Verehrerin der Autorin, aber eine verwirrte.

Ich habe etwas zu hohe Erwartungen in die Handlung gesetzt. Das banale Ende war für mich unbefriedigend.

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Veröffentlicht am 23.07.2022

Ich werde alt...

Walking Disaster
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Dieses Buch ist der endgültige Beweis.
Die Inhaltsangabe liest sich nicht so schlecht. Irgendwie hatte ich eine nette, unterhaltsame Liebesgeschichte erwartet. In meiner Jugend habe ich leichte Liebesromane ...

Dieses Buch ist der endgültige Beweis.
Die Inhaltsangabe liest sich nicht so schlecht. Irgendwie hatte ich eine nette, unterhaltsame Liebesgeschichte erwartet. In meiner Jugend habe ich leichte Liebesromane (Historical, falls das noch jemandem etwas sagt) wöchentlich verschlungen. Schon damals gab es diesen Bad Boy-Typen, der allerdings im Highlander-Outfit, Cowboy-Stiefeln oder in aristokratischer Garderobe, manchmal auch in Ritterrüstung, daherkam. Gerne verliebten sich diese Romanhelden in junge Frauen, die allesamt eine Version von Aschenputtel hätten sein können. Weil die Helden durchwegs gute Schwertkämpfer oder Revolverhelden waren, gelang es ihnen „immer“, die widerspenstige Holde aus den Fängen irgendwelcher skrupellosen Bösewichte zu befreien. Nun also, so etwas in der Art hatte ich erwartet, nur eben als moderne Version.
Warum habe ich nur dem Titel nicht mehr Beachtung zukommen lassen? Disaster heißt auf Italienisch disastro, also wörtlich: Unstern. Gerade bei mir als Hobbyastrologin hätten alle Alarmglocken läuten müssen. Im Deutschen ist ein Desaster ein verhängnisvolles Unglück oder schweres Missgeschick. Sinnverwandte Wörter sind: Debakel, Fiasko, Flop, Reinfall. So gesehen hat das Buch einen wirklich treffenden Titel. Wir alle kennen ja den Begriff Bildungs-Desaster. Nichts anderes, vermute ich, kann der Grund für die mehrheitlich positiven Kritiken dieses Romans sein. Bei meinen Recherchen musste ich feststellen, dass es einen Vorgänger-Band mit dem Titel „Beautiful Disaster“ gab. Der schildert wohl haargenau dieselbe Nerv tötende Handlung nur aus der Sicht eines anderen Protagonisten. Generell eine witzige Idee, die mir das erste Mal in der Fernsehserie „The Affair“ untergekommen ist. Allerdings wechselten sich dort die Blickwinkel immer wieder ab. Selbst wenn die Autorin Jamie McGuire das auf dieselbe Weise in einem Buch gelöst hätte, wäre das Ergebnis in meinen Augen trotzdem noch ein Desaster geblieben. Die Figuren verhielten sich zwar ihrer Herkunft nach psychologisch sehr nachvollziehbar, aber ihre Denkweise und Argumentation war für mich einfach nur quälend und langatmig. War ich nach den ersten fünfzig Seiten noch geduldig auf den Beginn der eigentlichen Handlung gespannt, so musste ich nach etlichen weiteren todlangweiligen Kapiteln zum Querleser-Modus übergehen. Auf eine interessante Wendung bin ich allerdings bis zum Epilog nicht gestoßen. (Nicht das dieser die erwartete Wendung gebracht hätte.) Die Handlung hier komprimiert zusammengefasst: Ein gewaltbereiter Bad Boy verliebt sich in eine auf den ersten Blick unnahbare Schönheit (man könnte auch „Dummchen“ sagen), die wie er selbst keine leichte Kindheit hatte. Ja, leider gelang es mir beim besten Willen nicht, sonst etwas Erwähnenswertes herauszufiltern.
Spätestens nach der Lektüre dieses Buches müssten sich tausende junge Leserinnen vor ihre Laptops setzen und anfangen, sich selbst spannendere Geschichten auszudenken und sie aufzuschreiben. Bei mir hat der Konsum der Historical-Romane das immerhin bewirkt, obwohl in diesen zumindest ein halbwegs nachvollziehbarer, authentischer geschichtlicher Rahmen vorhanden war und auch eine entsprechende Handlung.
Werde ich die anderen beiden Bände der Buchreihe lesen? Sorry, dafür gibt es viel zu viele wirklich gute Bücher, die darauf warten gelesen zu werden.

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