Yoga - Hippie-Trail - Indien - Beatles
Yoga TownDer Titel „Yoga Town“ hat mich sofort angesprochen. Ist doch für mich Yoga mehr als eine Sportart. Allerdings beschäftigt sich der Autor, Daniel Speck, weniger mit der Philosophie, sondern mehr mit der ...
Der Titel „Yoga Town“ hat mich sofort angesprochen. Ist doch für mich Yoga mehr als eine Sportart. Allerdings beschäftigt sich der Autor, Daniel Speck, weniger mit der Philosophie, sondern mehr mit der Herkunft und wie der Trend seinen Weg in den Westen gefunden hat. Natürlich schön verpackt in eine, auf den ersten Blick, spannende Geschichte.
Es geht um Lucy, eine Yogalehrerin, die noch nie in Indien war. Das muss ja nichts heißen, aber darüber hinaus hat sie einen Burnout. Ausgerechnet beim IKEA. Da fing ich insgeheim an, ihre Yoga-Qualitäten zu hinterfragen. Dann verschwindet ihre Mutter spurlos und alles deutet darauf hin, dass es mit einem Geheimnis zusammenhängt, das sich vor Lucys Geburt in Indien ereignet hat. Super. Ich liebe Geheimnisse. Das ist der Stoff für unterhaltsame Romane. Lucys Eltern waren also den Hippie-Trail gepilgert, weil es damals dem Zeitgeist entsprochen hat und dies auch ihre Idole, die Beatles, taten.
Im weiteren Verlauf erfährt man, was sich 1968 in Indien wirklich ereignet hat und eigentlich plätschert die Geschichte so ganz gut lesbar dahin. Ich habe einiges über Rishikesh erfahren. Dass nicht nur die Beatles, sondern noch viele andere Promis dorthin gereist sind, um Erleuchtung zu finden. Richtig spannend ist es allerdings nie geworden. Na gut, ist ja auch nur ein Roman und kein Thriller. Mich hat mehr gestört, dass eigentlich alle vorkommenden Protagonisten ziemlich unsympathisch rüberkommen. Das passt für mich nicht zusammen. Wie kann man total oberflächlich sein und trotzdem nach Bewusstseinserweiterung streben? Nur weil es gerade in ist? Lou, Lucys Vater ist für mich der interessanteste Charakter der Geschichte. Er ist authentisch und man gewinnt ihn beim Lesen immer lieber. Doch ausgerechnet er ist natürlich die tragische Figur des Buches. Am Ende löst sich alles auf, doch er muss, nachdem man endlich erfährt, warum er es nie geschafft hat, etwas aus seinem Leben zu machen, trotzdem sterben. Ich hasse so was. Das verdirbt mir die ganze Freude am Buch. Ich finde, jeder Roman sollte, so wie es bei den Filmen üblich ist, einen Zusatz dabei stehen haben, ob es sich um eine Tragödie, oder ein Drama handelt. Dann lasse ich nämlich lieber gleich die Finger davon.
Mein Fazit: Das Buch nimmt einen nicht wirklich auf eine spirituelle Reise mit, aber wer sich damit abfinden kann, dass es nicht immer ein Happy End geben muss, kann sich gerne selbst eine Meinung bilden. Die Hintergründe erschienen mir gut recherchiert und machten Lust, in ein paar alte Beatles-Lieder reinzuhören.