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Veröffentlicht am 16.11.2025

Die Suche nach äußerer und innerer Wahrheit – tiefsinnig!

Der unsichtbare Elefant
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In drei Teilen geht es vordergründig um einen Unfall, keinen Selbstmord, in einer renommierten, international agierenden Kanzlei in Düsseldorf, am Arbeitsplatz von Rechtsanwalt Dr. Thomas Siebenmorgen ...

In drei Teilen geht es vordergründig um einen Unfall, keinen Selbstmord, in einer renommierten, international agierenden Kanzlei in Düsseldorf, am Arbeitsplatz von Rechtsanwalt Dr. Thomas Siebenmorgen Damit beschäftigen sich drei sympathische Hauptfiguren. Deren Blick auf die Schuldfrage, auf die äußere und innere Wahrheit in diesem bitteren Fall, teils in präzisem juristischem Sprachduktus, führt auch zu deren Kindheitserinnerungen und zur archivierten Familiengeschichte des Toten. Diese Nachforschungen in deutsche Vergangenheit, bis in die Großeltern-Generation, lässt alle Hauptfiguren die eigene Vergangenheit hinterfragen. Geht es zunächst auf einer Erzählebene mit Viktor Kemper vom Kriseninterventionsteam, kurz KIT, und der Arbeitskollegin María Polonio um Betreuung der Betroffenen und um Absicherung des Unfallortes, kümmert sich auf der zweiten Ebene Simon Nyakuri,35, Juniorpartner der Münchner Dependance, um den juristischen Beistand der Familie neben internen Strategien zur Mitarbeiterberuhigung und Aufklärung der Hintergründe. Das harte, übel mitspielende Arbeitsklima voller Manipulation und Druck innerhalb der Düsseldorfer Kanzlei in dominantem Machismo macht sehr betroffen, wirkt überzeugend. Reizvolle Landschaftsbilder vom Niederrhein rund um Goch mit Scharen von überwinternden Graugänsen, mit Weiden und ausgebauten Fahrradwegen werden gezeichnet zwischen Erwähnungen von dort gebürtigen Künstlern wie Wilhelm Lehmbruck und Joseph Beuys. Passagen rund um das Klassentreffen mit Viktor stören eher.
Insgesamt ein kritischer Blick auf die Arbeit in einer Anwaltskanzlei, auf die Juristerei an sich, aber auch auf schwierige Vergangenheitsbewältigung.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Aufbaujahre voller Scherben in Hamburg – berührend!

In den Scherben das Licht
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Das zerstörte Hamburg in der Nachkriegszeit, vom Oktober 1946 bis zum Jahreswechsel 1955/56 angefüllt mit historischen Hintergrundinformationen, bildet den Rahmen für drei Hauptfiguren. Ihre Handlungen ...

Das zerstörte Hamburg in der Nachkriegszeit, vom Oktober 1946 bis zum Jahreswechsel 1955/56 angefüllt mit historischen Hintergrundinformationen, bildet den Rahmen für drei Hauptfiguren. Ihre Handlungen und Reflektionen sind von teils schweren Vorkommnissen in ihrer Vergangenheit getragen und teils zunächst ums Überleben kreisen. Wie sich das Chaos inmitten der Trümmer langsam lichtet, ist überzeugend und atmosphärisch beschrieben. Um die sehr mitmenschliche, mütterliche Figur der Volksschauspielerin Friede Wahrlich in ihrem zerbombten Zuhause kreisen junge, aus ihrer Familie gerissene Menschen, auf der Suche nach Verschollenen. In Zusammenhang mit deren frühen harten Schicksalen weben sich Vermisstensuchmeldungen im Nordwestdeutschen Rundfunk, der Suchdienst vom Roten Kreuz, Hungerkarten, Lebensmittelmarken – typische Aktionen der Hoffnung auf Familienzusammenführung und des kargen Überlebens. Historische Fakten wie z.B. das Todeslager Osaritschi bei den Nürnberger Prozessen, Währungsreform, die Aktion Pinguin - KINDER SUCHEN IHRE ELTERN. der Fliegende Hamburger, Ghettos und Provenienzforschung oder Adenauers Reise nach Moskau zwecks Befreiung der restlichen Gefangenen 10 Jahre nach Kriegsende fließen zeitlich passend mit ein. Die charakterliche Zeichnung der sympathischen Hauptfiguren Friede, Gisela und Gert wird ergänzt durch eine Reihe diverser Nebenfiguren in teils schillernder, geistvoller, sehr hilfsbereiter, aber auch in teils missgünstiger, boshafter, eifersüchtiger Darstellung. Gefühle wie Scham, Verdrängung und Verrat existieren neben Vertrauen, Liebe und starkem Zusammenhalt.
Ein warmherziger Roman mit Lokalkolorit!

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Veröffentlicht am 12.11.2025

Erfolgreich gegen Rechtsextremismus im herbstlichen Südschweden

Dann ruhest auch du (Ein Fall für Maya Topelius 3)
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Sehr Persönliches und Berufliches ist angenehm miteinander verwoben in diesem dritten Band der Trilogie mit der sympathischen Kriminalinspektorin Maya Topelius. Das spannende Szenarium spielt im nebligen, ...

Sehr Persönliches und Berufliches ist angenehm miteinander verwoben in diesem dritten Band der Trilogie mit der sympathischen Kriminalinspektorin Maya Topelius. Das spannende Szenarium spielt im nebligen, verregneten, aber auch sonnigen Oktober auf der Insel Öland, rund um die Schlossruine von Borgholm und Kalmar mit Umland. Zusammen mit ihrem eingespielten Teamkollegen Pär stößt sie nicht nur auf die urige Außenseiter-Figur Johan, sondern völlig unerwartet über eine damals vermisste Mitschülerin auf ein europaweites Netzwerk von gefährlichen Rechtsradikalen. Diese sorgen mit drei Morden für spannende, gut nachvollziehbare Aufklärungsarbeit in neun strapaziösen Tagen. Dabei wird die eingespielte, vertrauensvolle Zusammenarbeit dieses Duos aus Stockholm stark strapaziert. Die Passagen rund um die vier Freundinnen, auch besonders um Clara, wirken ab und an langatmig.

Insgesamt ein spannender, überzeugender Plot. 4*

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Veröffentlicht am 08.11.2025

Eine wahre, tragische Mutter-Tochter-Geschichte

Brief an mein Kind
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Dieses preisgekrönte, autofiktionale Buch mit darin enthaltenen Briefen richtet die fast 50-jährige Mutter, ehemalige Balletttänzerin, an ihre schwerst behinderte Tochter. Bis zu deren 16-ten Lebensjahr ...

Dieses preisgekrönte, autofiktionale Buch mit darin enthaltenen Briefen richtet die fast 50-jährige Mutter, ehemalige Balletttänzerin, an ihre schwerst behinderte Tochter. Bis zu deren 16-ten Lebensjahr begleitet die krebskranke Mutter in Rom bis 2022 das mühsame, aber auch liebevolle Miteinander, teils in poetischer Schreibweise. Man verfolgt zunächst den geplatzten Traum vom Muttersein als Spätgebärende, nachdem ihre Tochter mit Corpus-callosum-Agenesie (CCA) diagnostiziert wird. Wie überfordert und unwissend man nicht nur nach der Geburt im Umgang mit einem solch heftigen Krankheitsbild ist, wird drastisch, ehrlich und klar beschrieben. Wie auch das Leben der Mutter dadurch aus den Fugen geraten ist, wird nachvollziehbar dargelegt. Verfolgen kann man ihren Kampf gegen die Abtreibungsgegner in Debatten um den Abtreibungsparagraphen 194 in Italien, auch ihre Suche nach praktischen Antworten über das Carter Center in den USA. Dass Krankheit entfremden, trennen, isolieren und zerstören kann, gilt nicht nur für die Corona-Pandemie. Ständige Probleme in der Inklusionsschule der Tochter mit Eingaben, Beschwerden, Anträgen und sogar Anzeigen belasten den ohnehin stressbeladenen Alltag, der sich schließlich noch verschärft durch die fatale Krebsdiagnose der Mutter. Besonders ihren beruflichen Werdegang als Tänzerin greift sie auf, erinnert z.B. an Balletttänzer wie Vaslav Nijinsky und Olivier Dubois. Wie sie sich beide nun als Menschen zweiter Klasse sieht, wie sie aber auch rechtzeitig Vorsorge trifft nach „Legge dopo di noi“ (Gesetz „nach uns“), zeigt ihre Verzweiflung, aber auch ihre Kraft und Sorge um ihre geliebte Tochter.

Schriftlicher Abschied der krebskranken Mutter Ada von ihrer schwerbehinderten Tochter Daria – eine bewegende Szenerie insgesamt.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Spannende, realistische Aufklärungen

Wem du traust
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In eine idyllische Familiensituation platzt ein Konstrukt aus menschlichem Fehlverhalten und Lügen. All das führt letztendlich zur Aufklärung zweier polizeilich bearbeiteter Fälle: die Lösung des Vermisstenfalles ...

In eine idyllische Familiensituation platzt ein Konstrukt aus menschlichem Fehlverhalten und Lügen. All das führt letztendlich zur Aufklärung zweier polizeilich bearbeiteter Fälle: die Lösung des Vermisstenfalles Sofia Ziemiak, 15 Jahre alt und die Aufklärung des Discomordes an der 18-jährigen Schülerin Jennifer Mann vor 15 Jahren. Die systematische und akribische Arbeitsweise der einfühlsamen Kriminalhauptkommissarin Heidi Westphal, 55, gefällt besonders durch ihre nachvollziehbare und logische Ermittlungsarbeit. Neben ihr als sympathische Hauptfigur agieren Eva Kramer und ihre Freundin Suzanne Ziemiak vor allem als liebevolle Mütter. Aus der Sicht dieser drei Frauen entspinnt sich ein spannendes Gefüge voller Verdächtigen. Die Thematik rund um das Asperger-Syndrom wird eingeflochten neben häuslicher Gewalt. Anfangs nur in kursiv gestalteten Passagen ohne Zuordnungsmöglichkeit, jedoch große Angst und Schmerzen andeutend, klärt sich dieser Missbrauch schließlich gegen Ende der Ermittlung. Im tiefgründigen Finale geht es aber auch um den Verlust von Gefühlen wie grenzenlosem Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit in der Familie bzw. in der Ehe.

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