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Veröffentlicht am 24.01.2026

Eine Freundschaft zweier Mädchen in den 80er Jahren in Moskau

Das Leben vor uns
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"Das Leben vor uns" von Kristina Gorcheva-Newberry erzählt die Geschichte von Anja und Milka, die in den 1980er Jahren in einer Plattenbausiedlung am Rand von Moskau aufwachsen. Ihr Leben ist geprägt ...


"Das Leben vor uns" von Kristina Gorcheva-Newberry erzählt die Geschichte von Anja und Milka, die in den 1980er Jahren in einer Plattenbausiedlung am Rand von Moskau aufwachsen. Ihr Leben ist geprägt von Enge und Unsicherheit. Die Datscha mit dem Apfelgarten von Anjas Eltern wird für die 2 Jugendlichen ein Zufluchtsort. Die Sowjetunion steht kurz vor dem Zerfall.

Der Roman ist in zwei Teile geteilt. Im 1. Teil wird von Anjas und Milkas Kindheit und Jugend erzählt. Wir erfahren von ihrem Alltag, ihren ersten Liebeserfahrungen mit den beiden Jungen Trifonow und Lapotin, ihren innersten Sehnsüchten und ihrem großen Wunsch nach Freiheit. Sie diskutieren über Politik und Literatur. Tschechows Werk "Der Kirschgarten", dass die Jugendlichen diskutieren, spiegelt sich auch in der Handlung des Romans wider. Beide Werke zeigen Figuren, die an Vertrautem festhalten und tief verunsichert sind, während gesellschaftliche und historische Veränderungen unaufhaltsam voranschreiten. Die Datscha mit dem Apfelgarten und auch die ähnlichen Namen zeigen Parallelen auf.

Im 2. Teil wird von Anjas Heimatbesuch erzählt. Anja lebt mittlerweile in den USA, unterrichtet an einer Universität und ist mit einem Amerikaner verheiratet. 20 Jahre war sie nicht in ihrer Heimat und wird mit einem völlig veränderten Russland konfrontiert. Ihre Vergangenheit beschäftigt sie immer noch sehr und vor allem Milkas tragisches Schicksal.

Ich habe den Roman sehr gern gelesen, da ich einen guten Einblick in das Leben und den Alltag junger Menschen in der Sowjetunion erhalten habe. Der Coming-of-Age- und Gesellschaftsroman zeigt die Unsicherheiten und politischen Spannungen. Den Roman durchzieht eine düstere Grundstimmung. Politische Restriktionen werden nüchtern beschrieben. Man spürt als Leser die bedrückende, rohe und kalte Welt.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Ein warmherziges Adventskalenderbuch

Der Wunschzetteldieb
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„Der Wunschzetteldieb“ von Amelie Benn ist ein warmherziges Adventsbuch. Es ist eine gelungene Mischung aus weihnachtlicher Magie und abenteuerlicher Detektivgeschichte.
Das Buch ist in 24 Kapitel eingeteilt, ...

„Der Wunschzetteldieb“ von Amelie Benn ist ein warmherziges Adventsbuch. Es ist eine gelungene Mischung aus weihnachtlicher Magie und abenteuerlicher Detektivgeschichte.
Das Buch ist in 24 Kapitel eingeteilt, sodass es sich gut als Adventskalenderbuch eignet. Die Kapitel haben genau die richtige Länge für Grundschüler und Leseanfänger. Auch die hervorgehobenen Worte und Teilsätze erleichtern das Lesen ungemein. Die eingefügten Bilder auf jeder Seite unterstreichen die Handlung visuell. Sie erzeugen eine heimelige, wohlige und weihnachtliche Stimmung.

Gut finde ich, dass Themen wie „Mut“, „Zusammenhalt“ und „sich gegenseitig helfen“ hier in dem Buch ihren Platz finden.

Zwei kleine Kritikpunkte habe ich dennoch: Die beiden Geschwister wirken etwas zu „perfekt“ und auch die Handlung ist vorhersehbar, sodass vor allem geübte Leser oder Vielleser sich eher langweilen würden. Auch der Satzbau und die Formulierungen sind einfach gehalten. Deshalb denke ich, dass das Buch vor allem für ungeübte Leser und eher für Vorschulkinder / 1./2. Klasse geeignet ist.

  • Einzelne Kategorien
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  • Cover
  • Bilder und Illustrationen
Veröffentlicht am 05.12.2025

Die Kraft des Erzählens

Elf ist eine gerade Zahl
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Puh, eine Rezension zu dem Buch "Elf ist eine gerade Zahl" von Martin Beyer fällt mir nicht leicht. Dies liegt definitiv an der Schwere des Themas.

Paula, ist ein 14-jähriges Mädchen, das schwer erkrankt ...

Puh, eine Rezension zu dem Buch "Elf ist eine gerade Zahl" von Martin Beyer fällt mir nicht leicht. Dies liegt definitiv an der Schwere des Themas.

Paula, ist ein 14-jähriges Mädchen, das schwer erkrankt ist. Der Autor erzählt von dem Krankenhausaufenthalt, den Schmerzen, denen Paula ausgesetzt ist, vom Hoffen und Bangen. In dieser schweren Zeit wird Paula von ihrer Mutter Katja unterstützt und begleitet. Vor allem erfährt man als Leser, wie es in Katja aussieht. Die Hilflosigkeit und die seelische Belastung, die mit der tückischen Krankheit einhergehen, schildert Beyer authentisch und menschlich. Das Innenleben Paulas kommt, meiner Meinung nach, etwas zu kurz.

In aller Unbegreiflichkeit dieses Schicksals fängt Katja an, eine Geschichte zu erzählen, um ihrer Tochter Trost und Hoffnung zu spenden und wieder einen Zugang zu ihr zu finden, da sich beide durch die Krankheit und die einhergehende Pubertät immer mehr voneinander entfernt haben.
Diese fantastische Parallgeschichte nimmt die zweite Erzählebene ein. Es sind dann quasi zwei Geschichten in einem Buch.

Der Roman verbindet somit die harte Realität mit einer fantastischen Parallelgeschichte, die Trost und Hoffnung spendet.

Alle Gefühle und Gedanken sind so menschlich beschrieben und nachvollziehbar. Martin Beyer zeigt in dem Roman, wie stark, aber auch zerbrechlich die Beziehung zwischen Eltern und Kindern sein kann. Zugleich wird man mit den Fragen konfrontiert, wie viel Last man als Elternteil tragen kann und wie viel ein Kind ertragen muss. Wie kann man so etwas Unbegreifliches überhaupt aushalten? Wie würde man nach einem so schweren Verlust weiterleben?


Der Roman ist keine leichte Kost. Er ist vor allem für Leserinnen und Leser geeignet, die emotionale und authentische Geschichten mögen. Auf gar keinen Fall ist das Buch für jemanden geeignet, der bedrückende Themen wie "Krankheit" oder "Verlust" nur schwer ertragen oder verkraften kann.

Auch die märchenhafte Parallelgeschichte ist bestimmt nicht für jedermann. Da ich überhaupt nicht gern Fantasy o.ä. lese, empfand ich die Parallelgeschichte als zu langatmig. Dennoch ist die Idee gut umgesetzt und zeigt, was für eine Kraft im Erzählen steckt.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Frausein und Körperlichkeit

Wie die Gorillas
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Der Coming-of-Age-Roman enthält kurzweilige Episoden dreier Freundinnen, die gemeinsam erwachsen werden. Zentrale Themen sind die Solidarität und Freundschaft der Freundinnen und die gesellschaftlichen ...

Der Coming-of-Age-Roman enthält kurzweilige Episoden dreier Freundinnen, die gemeinsam erwachsen werden. Zentrale Themen sind die Solidarität und Freundschaft der Freundinnen und die gesellschaftlichen Erwartungen, denen sie als junge Frauen ausgesetzt sind, die zu einer großen Belastung werden.

In 32 Episoden erzählt Esther Becker von unterschiedlichen körperlichen Erfahrungen. Die drei Mädchen wollen herausfinden, wer sie sind, wie sie aussehen wollen bzw. sollen und wie sie sich als Mädchen verhalten zu haben. Die Scham und der Leistungsdruck, die auf den jungen Mädchen lastet, wird fragementarisch angedeuet und lässt mir als Leserin Raum zum Nachdenken.

Esther Becker gelingt mit "Wie die Gorillas" ein authentischer gesellschaftskritischer Roman, der sich mit Selbstoptimierung, Körperlichkeit und dem Druck, perfekt sein zu wollen, auseinandersetzt. Der wiederkehrende Satz "Was machst du, wenn deine Kinder Frauen werden?" bringt die Frage nach Verantwortung und Generationenwechsel auf den Punkt, legt die Mechanismen unserer Gesellschaft offen und übt damit eine subtile Kritik an Körpernormen und Rollenbildern.

Der schmale Gegenwartsroman (154 Seiten) lässt nicht viel Raum für eine vielschichtige Figurenausarbeitung und tiefe Dialoge. Dies ist meiner Meinung nach auch nicht nötig, da die thematische Tiefe im vielschichtigen Bild von "Frauwerden" liegt und eine ganze Generation junger Frauen sichtbar macht.

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Veröffentlicht am 08.11.2025

Eine Hommage an mutige Frauen während des 2. Weltkriegs

Wir dachten, das Leben kommt noch
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"In Frankreich war alles so aufregend gewesen, und ich fühlte mich wichtig und gebraucht, aber nach dem Krieg wollte niemand mehr etwas über uns wissen, und erzählen durften wir auch nichts. ...

"In Frankreich war alles so aufregend gewesen, und ich fühlte mich wichtig und gebraucht, aber nach dem Krieg wollte niemand mehr etwas über uns wissen, und erzählen durften wir auch nichts. Dabei dachten wir, das Leben kommt noch. Wir Agentinnen sind unsichtbar geworden, und das, obwohl sie doch dauernd betont haben, wie bedeutend wir gewesen seien, aber die toten Männer waren wichtiger." (S. 262f.)

In dem historischen Roman "Wir dachten, das Leben kommt noch" von Elisabeth Sandmann geht es um die mutigen Frauen, die selbstlos und unerschrocken in Frankreich ab 1942 im Untergrund spionierten, funkten, sabotierten und damit ihr Leben riskierten.

Der Roman spannt einen Bogen von 1998 zurück in die Zeit des Nationalsozialismus.
Gwen Farleigh ist Redakteurin in London bei der BBC und soll ein Buch verlegen, über Frauen, die während des 2. Weltkriegs für die "Special Operations Exectutive" (SOE) in Frankreich tätig waren.
Auf der zweiten Zeitebene wird von Pat Conway berichtet, die als junge Frau für die von Winston Churchill gegründete spezielle Einsatzgruppe im Einsatz war. Pat wurde nach Paris rekrutiert und nahm eine neue Identität als Emma Fleury an.

Die Autorin hat die Frauenfiguren stark und realistisch ausgearbeitet. Es ist beeindruckend, was diese mutigen Frauen geleistet haben. Sie haben ihr Leben riskiert oder sogar verloren, um den Widerstand gegen die Nazis zu unterstützen. Vor allem wird deutlich, dass die Frauen in der gleichen Intensität wie die Männer ausgebildet wurden.

Spannend ist es mitzuerleben, wie aus dem trotzigen und schüchternen Mädchen Pat eine gefasste, mutige und aufmerksame Agentin wurde. Besonders gelungen finde ich, dass Pat menschlich dargestellt wird mit Schwächen. Dies ist meiner Meinung wichtig, da deutlich wird, dass diese Heldinnen alltägliche Menschen waren, die Zweifel, Nöte und Probleme hatten. Dies regt zum Nachdenken an. Wie weit würde ich selbst gehen?

Elisabeth Sandmann gelingt es, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich: Es sind einfach zu viele Figuren, die in dem Roman auftauchen, die trotz Personenverzeichnis am Ende des Romans, etwas verwirrend sind.

Der Roman ist tiefgründig und vor allem lehrreich.

Ich sehe den Roman als große Hommage an die Frauen, die im 2. Weltkrieg einen selbstlosen und kriegsentscheidenden Dienst erwiesen haben. Diese Frauen dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Sie sind inspirierend und tragen dazu bei, die Wahrnehmung der Fähigkeiten der Frauen in der Geschichte und Gesellschaft zu beeinflussen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Männer als Kriegshelden gefeiert, die vielen unerschrockenen Frauen gerieten dabei in Vergessenheit. Elisabeth Sandmann zeigt daher mit dem Roman ein bisher wenig beleuchtetes Kapitel der Kriegsgeschichte.

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