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Veröffentlicht am 16.11.2025

Frausein und Körperlichkeit

Wie die Gorillas
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Der Coming-of-Age-Roman enthält kurzweilige Episoden dreier Freundinnen, die gemeinsam erwachsen werden. Zentrale Themen sind die Solidarität und Freundschaft der Freundinnen und die gesellschaftlichen ...

Der Coming-of-Age-Roman enthält kurzweilige Episoden dreier Freundinnen, die gemeinsam erwachsen werden. Zentrale Themen sind die Solidarität und Freundschaft der Freundinnen und die gesellschaftlichen Erwartungen, denen sie als junge Frauen ausgesetzt sind, die zu einer großen Belastung werden.

In 32 Episoden erzählt Esther Becker von unterschiedlichen körperlichen Erfahrungen. Die drei Mädchen wollen herausfinden, wer sie sind, wie sie aussehen wollen bzw. sollen und wie sie sich als Mädchen verhalten zu haben. Die Scham und der Leistungsdruck, die auf den jungen Mädchen lastet, wird fragementarisch angedeuet und lässt mir als Leserin Raum zum Nachdenken.

Esther Becker gelingt mit "Wie die Gorillas" ein authentischer gesellschaftskritischer Roman, der sich mit Selbstoptimierung, Körperlichkeit und dem Druck, perfekt sein zu wollen, auseinandersetzt. Der wiederkehrende Satz "Was machst du, wenn deine Kinder Frauen werden?" bringt die Frage nach Verantwortung und Generationenwechsel auf den Punkt, legt die Mechanismen unserer Gesellschaft offen und übt damit eine subtile Kritik an Körpernormen und Rollenbildern.

Der schmale Gegenwartsroman (154 Seiten) lässt nicht viel Raum für eine vielschichtige Figurenausarbeitung und tiefe Dialoge. Dies ist meiner Meinung nach auch nicht nötig, da die thematische Tiefe im vielschichtigen Bild von "Frauwerden" liegt und eine ganze Generation junger Frauen sichtbar macht.

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Veröffentlicht am 08.11.2025

Eine Hommage an mutige Frauen während des 2. Weltkriegs

Wir dachten, das Leben kommt noch
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"In Frankreich war alles so aufregend gewesen, und ich fühlte mich wichtig und gebraucht, aber nach dem Krieg wollte niemand mehr etwas über uns wissen, und erzählen durften wir auch nichts. ...

"In Frankreich war alles so aufregend gewesen, und ich fühlte mich wichtig und gebraucht, aber nach dem Krieg wollte niemand mehr etwas über uns wissen, und erzählen durften wir auch nichts. Dabei dachten wir, das Leben kommt noch. Wir Agentinnen sind unsichtbar geworden, und das, obwohl sie doch dauernd betont haben, wie bedeutend wir gewesen seien, aber die toten Männer waren wichtiger." (S. 262f.)

In dem historischen Roman "Wir dachten, das Leben kommt noch" von Elisabeth Sandmann geht es um die mutigen Frauen, die selbstlos und unerschrocken in Frankreich ab 1942 im Untergrund spionierten, funkten, sabotierten und damit ihr Leben riskierten.

Der Roman spannt einen Bogen von 1998 zurück in die Zeit des Nationalsozialismus.
Gwen Farleigh ist Redakteurin in London bei der BBC und soll ein Buch verlegen, über Frauen, die während des 2. Weltkriegs für die "Special Operations Exectutive" (SOE) in Frankreich tätig waren.
Auf der zweiten Zeitebene wird von Pat Conway berichtet, die als junge Frau für die von Winston Churchill gegründete spezielle Einsatzgruppe im Einsatz war. Pat wurde nach Paris rekrutiert und nahm eine neue Identität als Emma Fleury an.

Die Autorin hat die Frauenfiguren stark und realistisch ausgearbeitet. Es ist beeindruckend, was diese mutigen Frauen geleistet haben. Sie haben ihr Leben riskiert oder sogar verloren, um den Widerstand gegen die Nazis zu unterstützen. Vor allem wird deutlich, dass die Frauen in der gleichen Intensität wie die Männer ausgebildet wurden.

Spannend ist es mitzuerleben, wie aus dem trotzigen und schüchternen Mädchen Pat eine gefasste, mutige und aufmerksame Agentin wurde. Besonders gelungen finde ich, dass Pat menschlich dargestellt wird mit Schwächen. Dies ist meiner Meinung wichtig, da deutlich wird, dass diese Heldinnen alltägliche Menschen waren, die Zweifel, Nöte und Probleme hatten. Dies regt zum Nachdenken an. Wie weit würde ich selbst gehen?

Elisabeth Sandmann gelingt es, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich: Es sind einfach zu viele Figuren, die in dem Roman auftauchen, die trotz Personenverzeichnis am Ende des Romans, etwas verwirrend sind.

Der Roman ist tiefgründig und vor allem lehrreich.

Ich sehe den Roman als große Hommage an die Frauen, die im 2. Weltkrieg einen selbstlosen und kriegsentscheidenden Dienst erwiesen haben. Diese Frauen dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Sie sind inspirierend und tragen dazu bei, die Wahrnehmung der Fähigkeiten der Frauen in der Geschichte und Gesellschaft zu beeinflussen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Männer als Kriegshelden gefeiert, die vielen unerschrockenen Frauen gerieten dabei in Vergessenheit. Elisabeth Sandmann zeigt daher mit dem Roman ein bisher wenig beleuchtetes Kapitel der Kriegsgeschichte.

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Veröffentlicht am 24.10.2025

Zwei Mädchen kämpfen um die Anerkennung ihrer Mutter

Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen
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Eine Mutter und ihre zwei erwachsenen Töchter - beide Mädchen kämpfen ihr Leben lang um die Anerkennung der Mutter.

In dem Buch geht es um Wanda und Antonia. Sie sind Schwestern und unterschiedlicher ...

Eine Mutter und ihre zwei erwachsenen Töchter - beide Mädchen kämpfen ihr Leben lang um die Anerkennung der Mutter.

In dem Buch geht es um Wanda und Antonia. Sie sind Schwestern und unterschiedlicher als die beiden kann man kaum sein. Antonia ist alleinerziehend und bekommt oftmals nichts auf die Kette. Wanda ist die Fleißige, Erfolgreiche und kämpft ihr Leben lang mit einer Essstörung.

Die Mutter ist sehr dominant, lässt ihre Töchter auch immer wieder spüren, was sie für sie aufgegeben hat bzw. was für Abstriche sie in ihrem Leben für sie machen musste.

Der Roman zeigt sehr gut, wie subtil oftmals das Mutter-Tochter-Verhältnis ist und wie schwer es ist, sich selbst als Erwachsene von den Erwartungen eines Elternteil zu lösen.

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Veröffentlicht am 24.10.2025

Eine ungleiche Mädchenfreundschaft

Meine geniale Freundin
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Eine Freundschaft zwischen 2 Mädchen in Neapel in den 1950er Jahren.

Elena und Lila sind zwei unterschiedliche Mädchen. Elena ist ruhig und zurückhaltend, während Lila eine Person ist, die macht was sie ...

Eine Freundschaft zwischen 2 Mädchen in Neapel in den 1950er Jahren.

Elena und Lila sind zwei unterschiedliche Mädchen. Elena ist ruhig und zurückhaltend, während Lila eine Person ist, die macht was sie will und auch immer bekommt, was sie möchte. Auch Elena gegenüber ist sie dominant.

Es ist eine ungewöhnliche Freundschaft. Beide Mädchen wohnen im Arbeiterviertel Neapels und versuchen mit Bildung und fleißigem Lernen dem gewalttätigen Leben im Rione zu entfliehen. Die Handlung spielt in den 1950er Jahren.

Ich habe „Meine geniale Freundin“ gern gelesen. Allerdings sind es mir zu viele Personen und Figurenkonstellationen, mit denen ich mich als Leser erst einmal zurecht finden musste.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Wie sehr prägen uns unsere Rollenbildee?

Die bärtige Frau
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M
„Sie fragt sich, warum sie unbedingt ein Kind wollte und es ihr Herz bestimmt gebrochen hätte, keines zu bekommen. (…) War ihr Wunsch nicht einfach das Ergebnis ihrer Sozialisierung als Frau? Oder stand ...

M
„Sie fragt sich, warum sie unbedingt ein Kind wollte und es ihr Herz bestimmt gebrochen hätte, keines zu bekommen. (…) War ihr Wunsch nicht einfach das Ergebnis ihrer Sozialisierung als Frau? Oder stand er mit ihrer Mutter in Verbindung? Weil ihr Muttersein sie definierte? Sie diese Identität hochhielt und an sie weitergab?“ (S.31)


Bettina Wilpert setzt sich in diesem Roman mit Lebensrollen, selbstgewählten Entscheidungen und Prägung auseinander.

Alex, vor einem Jahr Mutter geworden, ist das erste Mal getrennt von ihrer Tochter Paula. Alex hilft ihrer Mutter ein Zimmer zu entrümpeln und setzt sich dabei immer wieder mit ihrer Rolle als Frau und Mutter auseinander. In Gedanken setzt sie sich noch einmal mit ihrer Schwangerschaft auseinander: „Sie hatte ständig Angst: Angst zu fallen, Angst geschubst zu werden(…). (S.78)

Die Verunsicherung als Neu-Mutter sich im Alltag zurechtzufinden in unserer (kinderfeindlichen) Gesellschaft, die oftmals von Kindern erwartet, leise zu sein und ja nicht mit einem Kind aufzufallen. Auf sich allein gestellt zu sein, Kind und Beruf zu vereinigen - mit unserem Gesellschaftsmodell oftmals nicht kompatibel. Hier schafft Bettina Wilpert in ihrem zeitgenössischem Roman „Die bärtige Frau“ uns als Gesellschaft einen Spiegel vor das Gesicht zu halten.

„Sie verstand plötzlich, was sie bereits vor der Geburt wusste, bevor sie sich für ein Kind entschieden hatte, denn sie sah es bei Freundinnen: Das System funktioniert nicht. Es funktioniert nicht, wenn beide arbeiten. Man bräuchte neben den Eltern und dem Tagespapa noch eine vierte Person, die einspringen kann, wenn das Kind krank ist.“ (S.169)

Wilperts Sprachstil ist ausdrucksstark. Sie beschönigt nichts.

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