Frausein und Körperlichkeit
Wie die GorillasDer Coming-of-Age-Roman enthält kurzweilige Episoden dreier Freundinnen, die gemeinsam erwachsen werden. Zentrale Themen sind die Solidarität und Freundschaft der Freundinnen und die gesellschaftlichen ...
Der Coming-of-Age-Roman enthält kurzweilige Episoden dreier Freundinnen, die gemeinsam erwachsen werden. Zentrale Themen sind die Solidarität und Freundschaft der Freundinnen und die gesellschaftlichen Erwartungen, denen sie als junge Frauen ausgesetzt sind, die zu einer großen Belastung werden.
In 32 Episoden erzählt Esther Becker von unterschiedlichen körperlichen Erfahrungen. Die drei Mädchen wollen herausfinden, wer sie sind, wie sie aussehen wollen bzw. sollen und wie sie sich als Mädchen verhalten zu haben. Die Scham und der Leistungsdruck, die auf den jungen Mädchen lastet, wird fragementarisch angedeuet und lässt mir als Leserin Raum zum Nachdenken.
Esther Becker gelingt mit "Wie die Gorillas" ein authentischer gesellschaftskritischer Roman, der sich mit Selbstoptimierung, Körperlichkeit und dem Druck, perfekt sein zu wollen, auseinandersetzt. Der wiederkehrende Satz "Was machst du, wenn deine Kinder Frauen werden?" bringt die Frage nach Verantwortung und Generationenwechsel auf den Punkt, legt die Mechanismen unserer Gesellschaft offen und übt damit eine subtile Kritik an Körpernormen und Rollenbildern.
Der schmale Gegenwartsroman (154 Seiten) lässt nicht viel Raum für eine vielschichtige Figurenausarbeitung und tiefe Dialoge. Dies ist meiner Meinung nach auch nicht nötig, da die thematische Tiefe im vielschichtigen Bild von "Frauwerden" liegt und eine ganze Generation junger Frauen sichtbar macht.