Gelungene Familiengeschichte aus dem Jahr 1974
In diesem Roman begegnet uns ein viertes Mal der Protagonist Siegfried (Sigi) mit seiner Familie aus den früheren Romanen des Autors „Die Welt war eine Murmel“, „Die Welt war voller Fragen“ und „Wenn die ...
In diesem Roman begegnet uns ein viertes Mal der Protagonist Siegfried (Sigi) mit seiner Familie aus den früheren Romanen des Autors „Die Welt war eine Murmel“, „Die Welt war voller Fragen“ und „Wenn die Welt nach Sommer riecht“. Er schließt nahtlos an diese an. Doch lassen sich alle vier Bücher auch völlig unabhängig voneinander lesen, ohne dass man zuvor einen früheren Band gelesen haben muss.
Der Erzähler Sigi ordnet in der Gegenwart die Diafotoaufnahmen seiner verstorbenen Mutter. Dieses ist für ihn Anlass, aus seiner Jugend im Jahr 1974 auf einem österreichischen Dorf zu erzählen, als er 16 Jahre alt war. Dabei geht es vor allem um seine Schulzeit auf dem Gymnasium kurz vor der Matura und sein Alltagsleben zu Hause. Gerade in mir, die ich auch ein Kind der 1960er Jahre bin, wurden viele schöne Erinnerungen geweckt. Denn auch ich habe einen Ferienjob gehabt, um mir wie Sigi einen Plattenspieler kaufen zu können, und habe ähnliche Musik wie er gehört und die Tanzstunde besucht. Von den damaligen gesellschaftlichen Einstellungen der Menschen wird ein realistisches Bild gezeichnet, wenn es etwa um die Mitbestimmung der Schüler in der Schule geht. Sigi lässt beim Erzählen so manche Anekdote einfließen, wodurch alles recht humorvoll erscheint und er als rundum sympathischer Erzähler rüberkommt, gerade auch, weil er oft redet, ohne zuvor darüber nachzudenken. Als erfrischend und authentisch empfinde ich, dass die eine oder andere typisch österreichische Vokabel in den Text einfließt. Was ich überhaupt nicht in der epischen Breite wie geschehen lesen wollte, war, wie oft Sigi allein oder mit seinen Mitschülern zu Glimmstengel und Bierflasche greift. Ich kann mir kaum denken, dass zu damaliger Zeit die Schüler gleich nach Schulschluss in die Kneipe gegenüber gegangen sind. Trotzdem:
Ein Buch, dem ich eine volle Leseempfehlung gebe, auf noch eine Fortsetzung hoffend.