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Veröffentlicht am 02.12.2025

Ein Kammerspiel-Krimi

Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste
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Ein Krimi, konzipiert als Kammerspiel, mit einer guten Möglichkeit, selbst das Rätsel zu lösen. Rosemary „Mimi“ und ihre Enkelin Addie ermitteln in einem sehr interessanten Mordfall. Mimi wirkt auf den ...

Ein Krimi, konzipiert als Kammerspiel, mit einer guten Möglichkeit, selbst das Rätsel zu lösen. Rosemary „Mimi“ und ihre Enkelin Addie ermitteln in einem sehr interessanten Mordfall. Mimi wirkt auf den ersten Blick etwas schrullig und schroff, und sie war mir am Anfang gar nicht so sympathisch. Im Laufe der Erzählung hat sich dieses Bild jedoch zum Positiven gewendet.

Addie ist ein kleiner Nerd und liebt das Krimirätseln wie ihre Oma. Sie geht etwas überlegter vor als ihre sehr spontane und manchmal etwas zu flink agierende Großmutter. Die Nebencharaktere sind teilweise interessant gezeichnet, wobei mir hier Unterschiede aufgefallen sind: Bei manchen Figuren ist die Charaktertiefe wesentlich ausgeprägter als bei anderen. Hier hätte die Autorin die einzelnen Charaktere vielleicht gleichmäßiger entwickeln können. Gerade der Charakter Gus, der Koch des Hauses, ist der Autorin hingegen sehr gut gelungen.

Der Schreibstil der Autorin ist humorvoll und gut lesbar. Ich konnte der Erzählung leicht und locker folgen. Sehr gelungen ist auch die atmosphärische Tiefe des Settings. Ich konnte mich ausgesprochen gut in dieses große Anwesen mit seinen zahlreichen Zimmern in einer verschneiten Landschaft auf der Insel hineinversetzen. Die vielen Mysterien des Gebäudes werden geschickt an verschiedenen Stellen der Erzählung eingebaut, sodass die Spannung immer wieder aufs Neue geweckt wird.

Ein paar Wendungen in den Ermittlungen sorgen für zusätzliche Spannung beim Lesen. Insgesamt ein gut geschriebener Krimi mit einem Ermittlerduo, das Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Die Biografie der Schauspielerin verwoben mit einer historischen Kriminalgeschichte

Tod bei den Salzburger Festspielen
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Ein Roman, der eher eine literarische Biografie als ein reiner historischer Kriminalroman ist. Sehr gut hat die Autorin das Leben von Else Heims, Max Reinhardts erster Frau und einer Schauspielerin Österreichs ...

Ein Roman, der eher eine literarische Biografie als ein reiner historischer Kriminalroman ist. Sehr gut hat die Autorin das Leben von Else Heims, Max Reinhardts erster Frau und einer Schauspielerin Österreichs jener Zeit, beleuchtet. Mit einem schwungvollen und imposanten Schreibstil versteht sie es, die Lesenden bei Laune zu halten. Die opulente Sprache hat mir durchaus imponiert.

Das Leben der mir bislang unbekannten Schauspielerin wird mit Zeitsprüngen in ihre Kindheit und ihr Wirken in den 1930er-Jahren sehr gut dargestellt. Was mir persönlich weniger gefallen hat, waren die kriminaltechnischen Aspekte. Im Vergleich zu anderen Kriminalromanen war mir hier zu wenig „Krimi“ vorhanden. Ich hätte mir mehr Ermittlungsarbeit und Nebenschauplätze gewünscht – vielleicht bin ich aber auch mit anderen Erwartungen an diesen Roman herangegangen.

Die Biografie der Schauspielerin, verwoben mit einer historischen Kriminalgeschichte, hatte für mich eher den Charakter eines biografischen Romans. Besonders interessant fand ich die vielen Einblicke in die Theaterwelt, in die Gefühlswelt der Schauspielerei und in deren schöne wie auch weniger schöne Momente, die die Autorin sehr gut beleuchtet. Auch die politische Problematik des Judentums in den 1930er-Jahren ist gut in die Geschichte integriert.

Losgelöst vom Krimiaspekt hat mich diese Geschichte, die von einem äußerst formidablen Schreibstil getragen wird, sehr gut unterhalte

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Was wissen wir eigentlich über unsere Familien?

Die Verlorene
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Ein Roman, der zum Nachdenken über die eigene Familiengeschichte anregt und einen Blick in eine fiktive Familie wirft, die aber doch so viel gemeinsam hat mit den Familien von heute.

Miriam Georgs Bücher ...

Ein Roman, der zum Nachdenken über die eigene Familiengeschichte anregt und einen Blick in eine fiktive Familie wirft, die aber doch so viel gemeinsam hat mit den Familien von heute.

Miriam Georgs Bücher waren für mich immer ein Abtauchen in eine andere Welt. Diesmal schildert sie den Roman nicht nur aus verschiedenen Perspektiven, sondern sie hat einen generationenübergreifenden Roman geschrieben, der auf zwei Zeitebenen spielt. Im Gegenwartsstrang haben wir die Großmutter Änne, die Mutter Ellen und Laura. Laura und ihre Mutter machen sich Sorgen um Änne, die alte Dame ist schwer gestürzt. Doch was hat sie bewogen, auf einen wackeligen Hocker zu steigen? Und was hat es mit dem Karton auf sich? Die beiden Frauen stehen vor einem Rätsel.

Im Vergangenheitsstrang ist Karl an der Front auf der Krim, und wir lernen Änne und Luise in Schlesien kennen. Wir tauchen ein in die Vergangenheit von Lauras Großmutter Änne.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich eine tiefere Beziehung zu Laura aufbauen konnte als zu Luise und Änne. Ich kann nicht genau beschreiben, woran das lag, aber die Figuren in der Vergangenheit haben mich nicht so berührt wie Lauras Schicksal. Meine Großmutter mütterlicherseits stammt ebenfalls aus Schlesien, daher war es für mich interessant, etwas über diesen Landstrich zu erfahren, aber es hat mich nicht so bewegt, wie ich im Vorhinein gedacht hatte.

Der Zweite Weltkrieg und der Nationalsozialismus sind in diesem Roman sehr präsent, ebenso Themen wie Heimatverlust, Identitätsfindung und die damit verbundenen Traumata. Krieg und Vertreibung haben bei vielen Menschen tiefe Wunden hinterlassen. Im Nachwort stellt die Autorin die berechtigte Frage, wie viel wir heute eigentlich über unsere Familien wissen und über was alles geschwiegen wurde. Zumindest in meiner Familie gibt es viel Unausgesprochenes, dessen bin ich mir sehr sicher. Leider sind meine Großeltern teilweise sehr früh gestorben, sodass ich mit ihnen nicht darüber reden konnte oder sie haben sich ein Leben lang geweigert, darüber zu sprechen.

Viele Traumata werden an die nächsten Generationen weitervererbt, und die Lücken in unseren Familien bleiben. Ein wichtiger Roman, der zum Nachdenken, aber auch zum Reden anregt. Sprechen wir über das Unausgesprochene.

Die Figurenzeichnung ist der Autorin vor allem in der Gegenwart sehr gut gelungen. Leider konnte ich gerade mit der jungen Änne nur sehr wenig anfangen, geschweige denn mich mit ihr identifizieren. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, allerdings gab es für mich ein paar Längen im Roman. Zudem empfand ich den Erzählfluss zwischen Gegenwart und Vergangenheit als unausgewogen, die Zeitebenen sind meines Erachtens nicht gleichgewichtig dargestellt.

Nichtsdestotrotz empfehle ich diesen Roman allen, die sich intensiver mit der Vergangenheit ihrer Familien auseinandersetzen möchten. Er ist ein wichtiges Zeugnis dafür, dass es oft noch eine andere Wahrheit in unseren Familien gibt.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Die Tiere im Mittelpunkt der lustigen Geschichte

Der Doktor und der liebe Mord
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Ein äußerst humorvolles Buch, dessen Geschichte zum Lachen und Schmunzeln einlädt. Der junge Tierarzt Severin Herr steht dabei im Mittelpunkt des Geschehens. Er ist ein zurückhaltender Charakter, der eigentlich ...

Ein äußerst humorvolles Buch, dessen Geschichte zum Lachen und Schmunzeln einlädt. Der junge Tierarzt Severin Herr steht dabei im Mittelpunkt des Geschehens. Er ist ein zurückhaltender Charakter, der eigentlich nur das Wohl der Tiere im Blick hat. Dabei ist er jedoch leicht beeinflussbar und glaubt an das Gute im Menschen. Dieses Vertrauen steht ihm allerdings bei seiner eigentlichen Arbeit oft im Weg.

Sehr skurril sind die einzelnen Protagonisten der Handlung: Tristan, der etwas „sonderbare“ Tierarzthelfer, pendelt charakterlich ständig zwischen seiner harten Schale und einem äußerst weichen Kern. Oder die Reinigungshilfe Jedna, die ihre Gefühle irgendwo in ihrem alten Leben abgestellt zu haben scheint. Die Handlung lebt von ihrer Skurrilität und Morbidität. Beim Lesen spürt man deutlich die Liebe des Autors zu den Tieren. Er beschreibt sehr detailliert die verschiedenen Krankheitsbilder und Verhaltensweisen der Tiere, sodass man einiges über unterschiedliche Tierarten lernt.

Es handelt sich weniger um einen klassischen Krimi, sondern eher um eine Art Cozy Mystery, bei dem das Morbide und Skurrile im Vordergrund steht. Der Autor erzählt die Geschichte unterhaltsam und flüssig, der Schreibstil ist angenehm zu lesen. Viel Humor und die liebevolle Beschreibung der Tiere und ihrer Eigenheiten sorgen für ein besonderes Lesevergnügen.

Einzig die etwas fahrig agierende Polizei war mir persönlich etwas zu unstrukturiert dargestellt. Insgesamt jedoch habe ich beim Lesen oft gelacht, und mir hat vor allem die einfühlsame Darstellung eines Arztes gefallen, der Tiere eindeutig mehr mag als Menschen

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Ein Start Up und die Kirche

Salute - Das letzte Gebet
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Ein Krimi, der nicht nur die Kirche, sondern auch das Geschäftsgebaren in Bardolino dieses Mal in den Fokus rückt. Was hat ein junges Start-up mit der Kirche zu tun? Oder gibt es in der Bardolinoer High ...

Ein Krimi, der nicht nur die Kirche, sondern auch das Geschäftsgebaren in Bardolino dieses Mal in den Fokus rückt. Was hat ein junges Start-up mit der Kirche zu tun? Oder gibt es in der Bardolinoer High Society ein Leck? Besonders gut gefallen hat mir die Verzweigung der Story auf verschiedene Persönlichkeiten und Konstellationen, die diesem Krimi eine angenehme Abwechslung in der Erzählung verleiht.

Commissario Lanza ist ein sehr prinzipientreuer Kriminalist, der aber durchaus auch seine menschliche Seite zu zeigen weiß. An seiner Seite steht immer wieder der ehemalige deutsche Kommissar Zeitler, der nun ganz entspannt sein Café „Monaco“ in Bardolino betreibt. Zeitler ist ein humorvoller Geselle, der trotz seines beruflichen Ausstiegs aus dem deutschen Polizeidienst nie ganz von seiner Kriminalspürnase lassen kann. So unterstützt er Lanza immer wieder ungezwungen – was dieser mal mehr, mal weniger bereitwillig akzeptiert.

In diesem Krimi hat Zeitler nicht ganz so viel Anteil an den Ermittlungen wie in den vorherigen Bänden, was mir jedoch durchaus plausibel erscheint. Besonders interessant fand ich die Nebengeschichte rund um ein Start-up, die mich zu einigen Spekulationen verleitet hat. Auf den Täter oder die Täterin bin ich auch dieses Mal nicht gekommen.

Der Schreibstil des Autors ist locker und humorvoll, und ich konnte der Geschichte sehr gut folgen. Die Spannung wird stetig aufgebaut und mündet in einem gelungenen Finale. Ein Krimi aus Bardolino, der sich von den beiden Vorgängern etwas unterscheidet, aber mit einer spannenden Handlung und interessanten Nebenfiguren zu überzeugen weiß.

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