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Veröffentlicht am 04.01.2026

Rückkehr nach Leipzig

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Auch der vierte Band rund um das Graphische Viertel in Leipzig hatte es wieder in sich. Wir kehren zurück in die Bücherstadt Sachsens, und Bücher stehen natürlich erneut im Mittelpunkt des Romans.

Diesmal ...

Auch der vierte Band rund um das Graphische Viertel in Leipzig hatte es wieder in sich. Wir kehren zurück in die Bücherstadt Sachsens, und Bücher stehen natürlich erneut im Mittelpunkt des Romans.

Diesmal geht es um den fiktiven Club Casaubon: Vier Freunde und eine junge Frau stehlen besondere okkulte Bände. Geheime Mächte ziehen sie dabei immer tiefer in ihren Bann. Die zweite Zeitebene spielt 15 Jahre später. Die Alliierten haben Deutschland besetzt, und Felix kehrt nach Deutschland zurück. Seit seiner Flucht hat er Leipzig nicht mehr betreten. Er war einst Mitglied des Club Casaubon und muss sich nun seiner Vergangenheit stellen.

Der Roman ist in zwei Teile sowie einen Prolog und einen Epilog gegliedert. Die Zeitsprünge werden jeweils im Vorfeld kenntlich gemacht. Größtenteils wird die Geschichte aus der Sicht von Felix erzählt. Zusätzlich kommt im späteren Verlauf noch eine dritte Zeitebene während des Zweiten Weltkriegs hinzu.

Ich mag die Bücher rund um das Graphische Viertel bekanntermaßen sehr gern, doch dieser Band hat es mir vor allem zu Beginn recht schwer gemacht. Die okkulten und esoterischen Elemente konnten mich zunächst überhaupt nicht abholen und haben mich eher gelangweilt. Erst als alte Bekannte in Form von Figuren aus den vorherigen Romanen auftreten, war ich gefesselt und wollte unbedingt wissen, was damals geschehen ist und was Felix letztlich zur Flucht bewogen hat.

Der Schreibstil des Autors ist flüssig und gut lesbar. Auch die Ausarbeitung der Charaktere ist gelungen. Man erfährt vieles über okkulte Strömungen, Sekten sowie über sogenannte Kreuzkorrespondenzen.

Für mich ist dieser Band leider der schwächste der Reihe. Dennoch würde ich mich sehr über einen weiteren Roman rund um das Graphische Viertel freuen.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Ich hatte die große Freude, Vea Kaiser auf einer Veranstaltung der Frankfurter Buchmesse kennenlernen zu dürfen. Sie hat mich so neugierig auf ihren Roman gemacht, dass ich einfach nicht widerstehen konnte. ...

Ich hatte die große Freude, Vea Kaiser auf einer Veranstaltung der Frankfurter Buchmesse kennenlernen zu dürfen. Sie hat mich so neugierig auf ihren Roman gemacht, dass ich einfach nicht widerstehen konnte.

Angelika Moser arbeitet in der Buchhaltung eines Grandhotels in Wien. Sie ist eine echte Partymaus, macht die Nacht zum Tag, und ihr Job entführt sie tagsüber in eine völlig andere Welt. Als ihr Chef sie bittet, ihm bei der Rettung des Hotels zu helfen, sieht Angelika ihre Chance auf einen beruflichen Aufstieg gekommen. Mit Fleiß, Einfallsreichtum und Engagement arbeitet sie sich bis zur Abteilungsleiterin hoch. Privat hingegen ist sie als alleinerziehende Mutter ständig knapp bei Kasse und weiß oft nicht, wie sie ihrem Kind geben soll, was es braucht. So beginnt sie schließlich, Rechnungen zu manipulieren und Geld auf ihr eigenes Konto zu transferieren. Erst Jahre später kommt ihr Tun ans Licht.

Vea Kaiser erzählt nach einer wahren Begebenheit von einer Mutter, die wie eine Löwin für ihr Kind kämpft und sich nimmt, was sie eines Tages zurückgeben will, um ihrem Kind und sich selbst ein besseres Leben ermöglichen zu können.

Die Figuren sind gut gezeichnet, wirken facettenreich und entwickeln sich im Laufe des Romans weiter. Auch ernste Themen wie Demenz oder die Wohnverhältnisse in Wien werden angesprochen, was eine stimmige Mischung ergibt und einen guten Gegenpol zum humorvollen Ton des Romans bildet.

Der Roman gliedert sich in drei Akte sowie Prolog und Epilog. Mehrere Einschübe finden sich ebenfalls, in denen die Autorin selbst zu Wort kommt, von ihren Besuchen im Gefängnis erzählt und Einblicke in ihre Recherchen gibt.

Die Geschichte ist sehr authentisch geschildert und hält sich größtenteils an die Fakten des wahren Falls. Die Wiener Lebensart und das spezifische Flair transportiert Kaiser hervorragend; ein kleines Wiener Wörterbuch im Anhang unterstützt zusätzlich. Der Schreibstil ist humorvoll und lebendig, lediglich mit den ersten rund 100 Seiten hatte ich etwas Schwierigkeiten – hier hätte man meiner Meinung nach etwas straffen können. Man erfährt viel über das Leben in Wien in den 80er- und 90er-Jahren, aber auch darüber, wie es auf dem berühmten Opernball tatsächlich zugeht.

Für mich war es der erste Roman von Vea Kaiser, aber sicherlich nicht der letzte, denn gerade durch ihre Authentizität hat die Autorin mich überzeugt.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Ein Kammerspiel-Krimi

Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste
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Ein Krimi, konzipiert als Kammerspiel, mit einer guten Möglichkeit, selbst das Rätsel zu lösen. Rosemary „Mimi“ und ihre Enkelin Addie ermitteln in einem sehr interessanten Mordfall. Mimi wirkt auf den ...

Ein Krimi, konzipiert als Kammerspiel, mit einer guten Möglichkeit, selbst das Rätsel zu lösen. Rosemary „Mimi“ und ihre Enkelin Addie ermitteln in einem sehr interessanten Mordfall. Mimi wirkt auf den ersten Blick etwas schrullig und schroff, und sie war mir am Anfang gar nicht so sympathisch. Im Laufe der Erzählung hat sich dieses Bild jedoch zum Positiven gewendet.

Addie ist ein kleiner Nerd und liebt das Krimirätseln wie ihre Oma. Sie geht etwas überlegter vor als ihre sehr spontane und manchmal etwas zu flink agierende Großmutter. Die Nebencharaktere sind teilweise interessant gezeichnet, wobei mir hier Unterschiede aufgefallen sind: Bei manchen Figuren ist die Charaktertiefe wesentlich ausgeprägter als bei anderen. Hier hätte die Autorin die einzelnen Charaktere vielleicht gleichmäßiger entwickeln können. Gerade der Charakter Gus, der Koch des Hauses, ist der Autorin hingegen sehr gut gelungen.

Der Schreibstil der Autorin ist humorvoll und gut lesbar. Ich konnte der Erzählung leicht und locker folgen. Sehr gelungen ist auch die atmosphärische Tiefe des Settings. Ich konnte mich ausgesprochen gut in dieses große Anwesen mit seinen zahlreichen Zimmern in einer verschneiten Landschaft auf der Insel hineinversetzen. Die vielen Mysterien des Gebäudes werden geschickt an verschiedenen Stellen der Erzählung eingebaut, sodass die Spannung immer wieder aufs Neue geweckt wird.

Ein paar Wendungen in den Ermittlungen sorgen für zusätzliche Spannung beim Lesen. Insgesamt ein gut geschriebener Krimi mit einem Ermittlerduo, das Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Die Biografie der Schauspielerin verwoben mit einer historischen Kriminalgeschichte

Tod bei den Salzburger Festspielen
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Ein Roman, der eher eine literarische Biografie als ein reiner historischer Kriminalroman ist. Sehr gut hat die Autorin das Leben von Else Heims, Max Reinhardts erster Frau und einer Schauspielerin Österreichs ...

Ein Roman, der eher eine literarische Biografie als ein reiner historischer Kriminalroman ist. Sehr gut hat die Autorin das Leben von Else Heims, Max Reinhardts erster Frau und einer Schauspielerin Österreichs jener Zeit, beleuchtet. Mit einem schwungvollen und imposanten Schreibstil versteht sie es, die Lesenden bei Laune zu halten. Die opulente Sprache hat mir durchaus imponiert.

Das Leben der mir bislang unbekannten Schauspielerin wird mit Zeitsprüngen in ihre Kindheit und ihr Wirken in den 1930er-Jahren sehr gut dargestellt. Was mir persönlich weniger gefallen hat, waren die kriminaltechnischen Aspekte. Im Vergleich zu anderen Kriminalromanen war mir hier zu wenig „Krimi“ vorhanden. Ich hätte mir mehr Ermittlungsarbeit und Nebenschauplätze gewünscht – vielleicht bin ich aber auch mit anderen Erwartungen an diesen Roman herangegangen.

Die Biografie der Schauspielerin, verwoben mit einer historischen Kriminalgeschichte, hatte für mich eher den Charakter eines biografischen Romans. Besonders interessant fand ich die vielen Einblicke in die Theaterwelt, in die Gefühlswelt der Schauspielerei und in deren schöne wie auch weniger schöne Momente, die die Autorin sehr gut beleuchtet. Auch die politische Problematik des Judentums in den 1930er-Jahren ist gut in die Geschichte integriert.

Losgelöst vom Krimiaspekt hat mich diese Geschichte, die von einem äußerst formidablen Schreibstil getragen wird, sehr gut unterhalte

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Was wissen wir eigentlich über unsere Familien?

Die Verlorene
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Ein Roman, der zum Nachdenken über die eigene Familiengeschichte anregt und einen Blick in eine fiktive Familie wirft, die aber doch so viel gemeinsam hat mit den Familien von heute.

Miriam Georgs Bücher ...

Ein Roman, der zum Nachdenken über die eigene Familiengeschichte anregt und einen Blick in eine fiktive Familie wirft, die aber doch so viel gemeinsam hat mit den Familien von heute.

Miriam Georgs Bücher waren für mich immer ein Abtauchen in eine andere Welt. Diesmal schildert sie den Roman nicht nur aus verschiedenen Perspektiven, sondern sie hat einen generationenübergreifenden Roman geschrieben, der auf zwei Zeitebenen spielt. Im Gegenwartsstrang haben wir die Großmutter Änne, die Mutter Ellen und Laura. Laura und ihre Mutter machen sich Sorgen um Änne, die alte Dame ist schwer gestürzt. Doch was hat sie bewogen, auf einen wackeligen Hocker zu steigen? Und was hat es mit dem Karton auf sich? Die beiden Frauen stehen vor einem Rätsel.

Im Vergangenheitsstrang ist Karl an der Front auf der Krim, und wir lernen Änne und Luise in Schlesien kennen. Wir tauchen ein in die Vergangenheit von Lauras Großmutter Änne.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich eine tiefere Beziehung zu Laura aufbauen konnte als zu Luise und Änne. Ich kann nicht genau beschreiben, woran das lag, aber die Figuren in der Vergangenheit haben mich nicht so berührt wie Lauras Schicksal. Meine Großmutter mütterlicherseits stammt ebenfalls aus Schlesien, daher war es für mich interessant, etwas über diesen Landstrich zu erfahren, aber es hat mich nicht so bewegt, wie ich im Vorhinein gedacht hatte.

Der Zweite Weltkrieg und der Nationalsozialismus sind in diesem Roman sehr präsent, ebenso Themen wie Heimatverlust, Identitätsfindung und die damit verbundenen Traumata. Krieg und Vertreibung haben bei vielen Menschen tiefe Wunden hinterlassen. Im Nachwort stellt die Autorin die berechtigte Frage, wie viel wir heute eigentlich über unsere Familien wissen und über was alles geschwiegen wurde. Zumindest in meiner Familie gibt es viel Unausgesprochenes, dessen bin ich mir sehr sicher. Leider sind meine Großeltern teilweise sehr früh gestorben, sodass ich mit ihnen nicht darüber reden konnte oder sie haben sich ein Leben lang geweigert, darüber zu sprechen.

Viele Traumata werden an die nächsten Generationen weitervererbt, und die Lücken in unseren Familien bleiben. Ein wichtiger Roman, der zum Nachdenken, aber auch zum Reden anregt. Sprechen wir über das Unausgesprochene.

Die Figurenzeichnung ist der Autorin vor allem in der Gegenwart sehr gut gelungen. Leider konnte ich gerade mit der jungen Änne nur sehr wenig anfangen, geschweige denn mich mit ihr identifizieren. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, allerdings gab es für mich ein paar Längen im Roman. Zudem empfand ich den Erzählfluss zwischen Gegenwart und Vergangenheit als unausgewogen, die Zeitebenen sind meines Erachtens nicht gleichgewichtig dargestellt.

Nichtsdestotrotz empfehle ich diesen Roman allen, die sich intensiver mit der Vergangenheit ihrer Familien auseinandersetzen möchten. Er ist ein wichtiges Zeugnis dafür, dass es oft noch eine andere Wahrheit in unseren Familien gibt.

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