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Veröffentlicht am 31.01.2026

Neuauflage Rezension

Von Blut & Magie
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So viel habe ich von Melanie Lanes „Anderswelt-Serie“ gehört, dass ich jetzt, wo die Neuauflage erschienen ist, selbst einen Blick wagen musste.



Lilly ist eine attraktive, introvertierte Kellnerin – ...

So viel habe ich von Melanie Lanes „Anderswelt-Serie“ gehört, dass ich jetzt, wo die Neuauflage erschienen ist, selbst einen Blick wagen musste.



Lilly ist eine attraktive, introvertierte Kellnerin – und allein. Schon immer hat sich die Mittzwanzigerin eine Familie gewünscht, gab es doch immer nur sie und ihre Mum, die eher einer Freundin gleichkam.

Als sie eines Nachts plötzlich von zwei Männern entführt wird, in einem luxuriösen Zimmer erwacht und einer der Übeltäter gar nicht so fremd ist, kann sie nicht glauben, was diese von sich geben: Sie soll Lillianna Callahan sein? Thronfolgerin Alliandoans und der sieben Welten? Herrscherin über ein Paralleluniversum, das es eigentlich nur in Büchern gibt? Tz … (Un-)Glücklicherweise sind die Beweise hierfür beängstigend real. Das Knistern von Magie in der Luft, blaue Flammen, die auf ihrer Haut tanzen, die Verbundenheit zu Nickolas, der ihr Bruder ist, und die überirdisch attraktiven Unsterblichen um sie herum. Vor allem Lucan Vale, der zwar nicht das Haupt vor ihr senkt, sie aber stetig mit einem herablassenden, intensiven Blick mustert, und seine dunkle Kriegerschar ziehen Lilly in ihren Bann.

Je mehr die vermeintlich „einfache Sterbliche“ über ihre Herkunft und die tragische Geschichte der Anderswelt erfährt, umso sicherer ist sich die Prinzessin, dass sie hier richtig ist, dass das ihre Bestimmung, ihr Platz ist. Denn sie sieht, was jenen, die schon immer in einem System aus Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt gefangen sind, nicht sehen. Fokussiert nicht ihre eigenen Vorteile, Annehmlichkeiten und den Prunk, sondern gräbt in Abgründen, in Sklavenhandel, in Hass und Niedertracht. Hinterfragt altbackene, ideologische Gedankenmuster, archaische Strukturen und eine Regentschaft, die sich bereichert, alles hat und nichts gibt. Dass es gerade der Engelsadel, ihre Spezies, ist, der an der Spitze der Unsterblichen steht, hält Lillianna nicht davon ab, ihre Wut zu zeigen, sich Gehör zu verschaffen und die Veränderungen einzuleiten – schon bald werden die ersten Bündnisse geschlossen, Buße getan, Opfer befreit. Lilly wirbelt mit ihrer taffen Art und dem frischen Blick, mithilfe von neuen FreundInnen und Kriegern, die Anderswelt auf. Sehr zum Verdruss der snobistischen Minister. Aber weder die Vorbehalte aus dem engsten Kreis, Feinde, die nicht einzig aus dämonischen Reihen stammen, noch die Anschläge auf ihr Leben, halten den Halbengel davon ab, verstehen zu wollen und nach Lösungen zu suchen.

Während die Magie Lilly noch im Stich lässt, widmet sich die junge Frau mit Euphorie und Tatendrang ihrem körperlichen Training, lebt sich in die Politik der Reiche und in ihre Verantwortung ein. Immer an ihrer Seite, immer in ihrem Kopf: Lucan Vale – König der Assassinen, der gefürchtetste und geächtetste Mann der Anderswelt. Gefährlich für ihr Herz.



„Von Blut & Magie“ ist Band 1 einer sechsteiligen Urban-/High-Fantasy-Serie und der Beginn eines komplexen, aufregenden Abenteuers. Die Geschichte geht sofort los und bleibt in großen Teilen bis zum Schluss unterhaltsam und interessant. Mir persönlich fehlte es aber stellenweise an Ereignissen und Abwechslung. Viele ausführliche (oder sich wiederholende) Monologe, Beobachtungen und Zweifel der Protagonistin sowie Stillstand ziehen die Story in die Länge. Zudem geschehen etliche zwischenmenschliche Entwicklungen im Off, sodass es schwierig war, Resultate – wie Freundschaften oder romantische Gefühle – wirklich nachzuvollziehen. Zwar wirkt Lilly – abgesehen von ihren politischen Ambitionen und ihrem Verständnis – nicht immer wie die 27-Jährige, die sie ist, schafft es aber dennoch, mit Mut, Stärke und Schlagfertigkeit einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Denn Alliandoans Thronfolgerin hat Feuer, bietet dem Adel die Stirn, ist sich der Vorurteile und Gegenwinde bewusst und schreckt trotzdem nicht davor zurück, Altes auszuhebeln und für sich und die unterdrückten Unsterblichen einzustehen.

Schon in diesem Band vollzieht die Protagonistin eine deutliche Entwicklung. Wir dürfen also gespannt sein, womit uns Lillianna Callahan in den weiteren Büchern überrascht.


Lucan ist der geheimnisvolle Bad-Boy – kühl, harsch und abweisend. Obgleich ich ihn als mysteriösen Loveinterest anziehend fand, blieb er lange ein nicht zur Gänze einschätzbares Hintergrundrauschen, ebenso konturlos wie Lillys aufkeimende Empfindungen für ihn. Nur stückchenweise entsteht aus heimlichen Informationen, harten Wahrheiten, kleinen Gesten, Fürsorge und Rückhalt ein konturiertes Bild dieses Mannes. Eines, das sein Verhalten, seine Distanz erklärt und ihn gleichzeitig zugänglicher und weicher macht.


Was mich besonders faszinierte, war das ausgefeilte, aufwendige Worldbuilding; der Fokus deutlich auf den Missständen, die gleichzusetzen sind mit denen, die wir in unserer Welt finden. Melanie Lane beschäftigt sich in ihrer Serie viel mit Politik, dem Patriarchat und mit der Ausgrenzung von „Minderheiten“, von Wesen, deren Wert ihnen von der herrschenden Rasse abgesprochen wird. Allein dieser ernste und detailreich ausgearbeitete Aspekt und die Botschaft, die die Autorin durch das Handeln ihrer Protagonistin ausdrückt, heben die Story auf ein komplett anderes Level. Denn manchmal braucht es nur einen anderen Blickwinkel, nur eine Person, um Veränderungen zu generieren. Weil Stillstand nie besser ist als Wandel. Weil „das war schon immer so“ selten „gut“ ist. Dementsprechend ereilen uns in „Von Blut & Magie“ zahlreiche Informationen über die Anderswelt, um die Strukturen – und Lillys Zorn, ihr Bestreben – zu verstehen. Einige Reiche lernen wir in diesem Band bereits genauer kennen – und es war ein Erlebnis, die Thronfolgerin bei ihren Erkundungstouren zu begleiten; mächtigen Gelehrten, Ausgestoßenen, Dämonen und Harpyien, Ghoulen und Formwandlern zu begegnen.

Lane lässt uns bildreich in die Welten eintauchen, die Wunder samt den Flecken hinter dem glänzenden Schein sehen, Wut und die Faszination fühlen. Abgesehen von diesen Ortswechseln, den königlichen Verpflichtungen und Lillys Einfinden in ihre neue Rolle sind es die Nebenfiguren, die Abwechslung bringen, für Leben sorgen, Vielfalt symbolisieren. Vor allem ins Herz geschlossen habe ich Duncan, aber auch King, Alina, Malik, Olli und Nick sind stets an der Seite der zukünftigen Regentin und wurden mit Feinheiten gezeichnet, mit Tiefe und Entwicklung. Gerade Nick, festgefahren und glatt, wächst durch Lillys Sichtweise. Und Cora, Drake und Odile? Die wirbelten die Handlung mit Individualität und Direktheit gehörig auf.


Durch Misstrauen, allerhand Fragen und die erwarteten Bedrohungen ist der Verlauf oft angespannt. Hingegen sind spritzige Geplänkel, wagemutige Pläne, Trotz und offene Gespräche der Leichtigkeit zuträglich, während die Schlagabtausche und Flirts zwischen Lilly und Lucan eine gewisse Reibung bringen. Es warten actionreiche Szenen, bewegende Momente, erschütternde Offenbarungen und einiges an Humor, wunderschöne Freundschaften und nötige Konflikte. Aufgrund des authentischen, direkten und klaren Stils von Melanie ist es unproblematisch, sich in die Story einzufinden und alles zu verstehen. Lillys Ängste und Verzweiflung, ihren Schmerz und ihre Enttäuschung zu spüren. In den letzten Kapiteln nehmen Tempo und Spannung nochmal Fahrt auf, Entdeckungen und Ereignisse überschlagen sich und münden in einem Ende, dem unbedingt weiter nachgegangen werden muss. Aber auch die Neugier auf die übrigen Teile der Anderswelt, die scheinbar aussichtslose Romance und Lilliannas Pläne animieren dazu, diese Geschichte weiterzuverfolgen.


Kritisch anmerken möchte ich die Fehlerzahl, die in der überarbeiteten Neuauflage zu finden ist. Und den nicht durchweg optimalen Buchsatz.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Romantasy mit märchenhaftem Flair und dunklen Tönen

A Beauty for the Beast
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Für den geächteten Prinzen, der sein Volk mit harter Hand regiert, läuft langsam die Zeit ab – der Moment, der ihn wahrhaftig und unwiderruflich in ein Monster verwandeln wird, naht. Nur die Liebe, echt ...

Für den geächteten Prinzen, der sein Volk mit harter Hand regiert, läuft langsam die Zeit ab – der Moment, der ihn wahrhaftig und unwiderruflich in ein Monster verwandeln wird, naht. Nur die Liebe, echt und aufrichtig, kann ihn retten … Als sich ein Fremder Zutritt zu seinem Schloss verschafft, von Hunger und Kälte getrieben, bietet er dem Bettler einen Deal an, denn Varek sieht seine Chance, den Fluch, der auf ihm lastet, endlich zu brechen: Er will für ein Jahr die Tochter des Eindringlings. Und plötzlich findet sich Isabell in prächtigen Gemächern wieder, ihrer Freiheit beraubt. Doch statt vor dem Hochmut des Prinzen in die Knie zu gehen, bietet Bell ihm die Stirn. Und schneller als gedacht entbrennen zwischen der Schönen und dem Biest Gefühle, die über Verlangen und Leidenschaft hinausgehen …

In „A Beauty for the Beast“ adaptiert Liz Rosen den französischen Klassiker „La Belle et la Bête“ und schenkt dem Bekannten mit bildreichen Worten „frische“ Nuancen, überraschende Wendungen und dunkle Töne. Die Autorin schuf ein vorstellbares, märchenhaftes Setting, lässt uns an Bells Seite die Kälte des mystischen Schlosses durchdringen. Mitten hinein in furchteinflößende Schatten, hallende Einsamkeit, einst dekadente Säle. Schmerzhafte Geheimnisse.

Aufgrund der Kürze der Dark-Romantasy ist nicht mit allzu viel Tiefe innerhalb der Storyline zu rechnen. Hier und da wirkten die (romantischen) Entwicklungen und auch der Stil sehr einfach. Nichtsdestotrotz waren Isabell und Varek, die aus wechselnder Perspektive erzählen, interessante Figuren mit Eigenheiten, Hintergründen und einer Geschichte. Gerade das „Biest“ überzeugt mit seinem – unberechenbaren, wankelmütigen – Wesen, das aus seiner Vergangenheit und dem Fluch geboren, von Einsamkeit, Schuld und (Selbst)Hass gezeichnet ist. Auch Bell hinterlässt Eindruck, beweist sie mehrfach Stärke und Mut, wächst im Heim ihres vermeintlichen Wärters über sich hinaus. Die Dynamik der beiden wandelt sich von distanziert und argwöhnisch, von Misstrauen bei jeder Begegnung, zu einer, in der Achtsamkeit und Respekt dominieren, Verlangen in jedem Blick.
Im Verlauf werden wir mit actionreichen Szenen und einer vor allem zu Beginn düsteren Atmosphäre konfrontiert, mit schlagfertigen, offenen Gesprächen und den verschiedensten Gefühlen. Rose würzt ihr dunkles Märchen mit ausreichend (und direktem) Spice, der sich stimmig in die Handlung fügt.
Wichtiger sind jedoch die Erkenntnisse und Erinnerungen, die „A Beauty for the Beast“ bereithält: Jeder Mensch ist mehr als sein Äußeres, als der Schein; besteht aus einem Sammelsurium aus Facetten. Und die größte Liebesgeschichte ist immer die, die wir mit uns selbst schreiben.

»Es ging nie darum, geliebt zu werden – es ging darum, lieben zu können. Mich selbst. Andere. Das Leben.«

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Kurzweilige Romantasy

Legenden aus dem Wunderland - Fluch der Herzkönigin
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„Der Fluch der Herzkönigin“ ist die erste Geschichte, die uns in die Reihe um die „Legenden aus dem Wunderland“, in eine Welt aus Magie, Verrat und Intrigen, führt.

Als amtierende Herzkönigin wird Nyxia ...

„Der Fluch der Herzkönigin“ ist die erste Geschichte, die uns in die Reihe um die „Legenden aus dem Wunderland“, in eine Welt aus Magie, Verrat und Intrigen, führt.

Als amtierende Herzkönigin wird Nyxia allseits gefürchtet. Zu grausam regierten ihre Vorfahrinnen. Was kaum einer weiß: seit Jahrhunderten hat Nyxia den Thron nicht verlassen, denn ein Fluch hält sie fest. Gebunden an diesen, ist sie gezwungen, Könige zu wählen und Herzen zu opfern, um die dunkle Hexe zufriedenzustellen und sich nicht in dem Wahnsinn, der in ihr ruht, zu verlieren. Bei der diesjährigen Auswahlprozedur trifft die Regentin der Schlag, denn einer der Kandidaten ist Elion, der Junge, der ihr einst das Leben rettete. Nyxia versucht alles, um ihn loszuwerden, doch das Wunderbiest kämpft – für Nyxia und ihr Herz. Wohl wissend, sein eigenes zu verlieren …

Lasst uns kurz einen Blick auf die Aufmachung der Romantasy werfen: Dieses Buch ist erneut unglaublich schön geworden! Auch stilistisch führt uns B. E. Pfeiffer in dem gewohnt bildreichen Ton durch die Handlung, lässt uns Teil von Nyxias innerem ringen, den bedrohlichen Gesprächen mit der Hexe und der überkochenden Verrücktheit werden. Gerade Letzteres gibt der Handlung Skurrilität und Crazy-Vibes, während Misstrauen durch die Seiten fließt. Denn die Wahl des Königs hält Überraschungen und Angriffe bereit. Nur Elion bildet eine Konstante, die Nyxia hoffen lässt, die sie unerwartet erdet. Trotz der Sticheleien der zischenden Stimme in ihrem Kopf, fasst die baldige Königin vertrauen …

Pfeiffers Protagonistin wankt – zwischen dem, was sie nicht kontrollieren kann, dem, was sich ihrer bemächtigt, einer grausamen Seite, die Leben nimmt, und dem, was sie so dringend will: Freiheit. Elion hingegen scheint voller Zuversicht, akzeptiert Nyxias Dunkelheit ebenso wie sie seinen vermeintlichen Makel. Dass beide noch weitere Geheimnisse voreinander verbergen, könnte ihren Plan zum Scheitern verurteilen und beide alles, gar ihre Leben, kosten … Obgleich ich keine wirkliche Wunderlandnote vernommen habe, das Worldbuilding recht flach war und es mir an Tiefe und Zeit in der Entwicklung der romantischen Komponente fehlte, fand ich „Der Fluch der Herzkönigin“ unterhaltsam, kurzweilig und schön zu lesen. Schade ist, dass wir die Ereignisse nur aus einer Perspektive verfolgen und die Nebenfiguren Schatten bleiben, während ich es positiv bewerte, dass Pfeiffer auf überzogenes Drama und Spice verzichtete. Spannende Sequenzen und Intrigen, schockierende, alles aus den Fugen bringende Wendungen und rollende Köpfe sowie die Schübe aus Wahnsinn und der aus diesen resultierenden Unberechenbarkeit Nyxias entfalten eine Sogwirkung, der es sich kaum entziehen lässt. Das Ende war gefühlvoll und stimmig. Ich werde die Geschichte von der Herzkönigin und dem Wunderbiest auf jeden Fall weiterverfolgen.

„Die Rache der Herzkönigin“ erscheint im Februar als dritter Teil der Reihe um die „Legenden aus dem Wunderland“. Zuvor wartet ein neues Paar darauf, bei ihrer Reise begleitet zu werden.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Düstere Romance – perfekt für gemütlich-schaurige Leseabende

House of Rayne
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„House of Rayne“ ist eine spicy Sapphic-Romance mit atmosphärischen Horror-Elementen und düsteren Geheimnissen: perfekt für herbstliche Lesestunden.

Als Salem auf die Inhaberin des Bed and Breakfasts ...


„House of Rayne“ ist eine spicy Sapphic-Romance mit atmosphärischen Horror-Elementen und düsteren Geheimnissen: perfekt für herbstliche Lesestunden.

Als Salem auf die Inhaberin des Bed and Breakfasts trifft, in dem sie sich für zwei Wochen eingemietet hat, verstummt die Grafikerin. Immerhin steht sie ihrem One-Night-Stand der letzten Nacht gegenüber. Auch Rayne verschlägt der Anblick des Gastes die Sprache, sieht sie ihre Bettgeschichten üblicherweise nie wieder.
Da Salem die Insel wie jede/r UrlauberIn bald verlassen muss, atmet die verschlossene Besitzerin auf. Denn so sehr sie Salems Art und Anwesenheit schätzt, so gefährlich wäre es, wenn sie bliebe … doch manchmal ist das Schicksal ein Miststück und so ist Salem selbst dann noch auf Blackridge Island, als alle BesucherInnen und die letzte Fähre der Saison längst zurück auf dem Festland, in Sicherheit sind …

Harley Laroux führt uns in einem einnehmenden, teilweise verführerisch poetischen, von Distanz und Vorsicht durchtränkten Stil durch ihren Roman. Unheimliche Dinge geschehen auf der Insel, geisterhafte Gestalten suchen das B&B heim, Menschen verschwinden und ein groteskes Geschöpf hinterlässt nichts als Verderben. Schon bald droht Salem inmitten geflüsterter Angst und dem gefährlichen Wispern verloren zu gehen. Aber Rayne wird ihr Anker in tiefster Dunkelheit, in blutigen Albträumen. Ein Fels. Von Rissen gezeichnet, doch scheinbar unbrechbar.

Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, was uns einen direkten Zugang zu den Protagonistinnen ermöglicht. Obwohl Salem nur wegen eines gebrochenen Herzens und zerstörter Pläne im Balfour Manor gelandet ist, genießt sie die Auszeit an der Seite der verschwiegenen Frau. Hier kann sie ihre Gelüste und Begierden ausleben, findet sich in nie gefühlter Ekstase wieder. Stellt sich dem Verlangen, das schon viel zu lange in ihr existiert, und sprengt die Fesseln der Gesellschaft, Konventionen und ihre Unsicherheiten.
Rayne, deren eng mit der Tragödie verwoben ist, die seit knapp zwei Jahrzehnten zur Winterzeit den Tod über ihre Heimat bringt, lässt langsam ihre Mauern, erbaut aus herben Verlusten und tiefgreifendem Schmerz, fallen. Gleichzeitig wächst Schuld in ihr – denn wie kann sie einen so guten Menschen, wie Salem es ist, zu solch einer Bürde verdammen?
Beide Frauen, ihre Ängste und Probleme, der Mangel an Selbstakzeptanz und -liebe, waren nachvollziehbar und echt ausgearbeitet, genau wie ihre individuelle, von den gemeinsamen Erfahrungen und der intensiven Zweisamkeit geebnete Entwicklung. Dafür empfand ich die Basis – den Anfang – der romantischen Komponente als substanzlos und zu schnell. Zudem wirkt Salem – außerhalb der im Bett stattfindenden Kapitel – größtenteils naiv und gewissermaßen einfach, sodass ich für die eine oder andere (fehlende) Reaktion kein Verständnis erübrigen konnte. Abgesehen von den Protagonistinnen begegnen wir auch anderen Figuren, diese bleiben aber blasse Schemen. Tatsächlich hätte ich mir mehr von der „tief religiösen Inselgemeinschaft“ erhofft.

Im Verlauf werden die dunklen Gegebenheiten logisch aufgegriffen. Durch temporeiche und adrenalingeladene, haarscharfe Konfrontationen mit dem „Engel“ erhält die namenlose Bedrohung Kontur, während es die Entdeckungen der Frauen, Visionen und verwaschene Hinweise sind, die dem Monster nach all den Jahren einen unerwarteten Ursprung verleihen und Rayne Antworten schenken. Dabei mangelte es insgesamt mehrfach an Aktivismus, verlieren sich die Liebenden gerade im Mittelteil in Passivität, in stillem Warten, was zu Längen führt.
Nichtsdestotrotz schuf Laroux mit ihren Worten eine dichte, atmosphärische Story, die von Dunkelheit und einer subtilen Bedrohung durchzogen, von düsteren Bildern besprenkelt ist. Das mystisch wirkende, abgeschiedene Insel-Setting war eine hervorragende Wahl, denn in Kombination mit den schaurigen Horror-Elementen, den Wendungen und den actionreichen Sequenzen erzeugt die Autorin Gänsehaut. Animiert zum Miträtseln, lässt vorsichtig werden. In dieser paranormalen Romanze zeigt Harley außerdem, dass WW nicht gleichbedeutend ist mit soft und kuschelig, zaghaft und sanft, sondern dass es auch unter Frauen heiß, derb und hart zugehen kann. Salem und Rayne geben sich Spielen aus Dominanz und Unterwerfung, ihren Fantasien hin, nutzen Toys, lieben laut. Die expliziten Szenen waren anschaulich, stimmungsvoll und direkt, jedoch möchte ich einerseits die Vielzahl dieser bemängeln, andererseits sind einige der intimen „Zusammenkünfte“ vollkommen deplatziert – man müsste doch meinen, dass ein undefinierbares, blutrünstiges und scheinbar unaufhaltsames „Geschöpf“ wie auch die Gegenwart einer geisterhaften Erscheinung eher ab- statt anturnend sind …
Am Ende warten noch einige Wahrheiten darauf, die Protagonistinnen und uns zu überraschen.

„House of Rayne“ ist eine mystische Romance, die vor allem mit der geheimnisvollen, düsteren Note und der Ungewissheit auf jeder Seite fesselt.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Schwächster Teil der Reihe

My Dark Prince
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»𝗕𝗮𝗯𝘆, 𝗶𝗰𝗵 𝗹𝗶𝗲𝗯𝗲 𝗱𝗶𝗰𝗵 𝗺𝗲𝗵𝗿 𝗮𝗹𝘀 𝗣*𝗿𝗻𝗼𝘀, 𝗣𝗶𝘇𝘇𝗮 𝘂𝗻𝗱 𝗲𝗶𝗻 𝗸𝗮𝗹𝘁𝗲𝘀 𝗯𝗲𝗹𝗴𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲𝘀 𝗕𝗶𝗲𝗿 𝗮𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗺 𝗔𝘂𝗴𝘂𝘀𝘁𝗻𝗮𝗰𝗵𝗺𝗶𝘁𝘁𝗮𝗴 (…)«

Willkommen zurück auf der 𝗗𝗮𝗿𝗸 𝗣𝗿𝗶𝗻𝗰𝗲 𝗥𝗼𝗮𝗱 – hier ist das Wetter kalt und die Männer noch kälter ...

»𝗕𝗮𝗯𝘆, 𝗶𝗰𝗵 𝗹𝗶𝗲𝗯𝗲 𝗱𝗶𝗰𝗵 𝗺𝗲𝗵𝗿 𝗮𝗹𝘀 𝗣*𝗿𝗻𝗼𝘀, 𝗣𝗶𝘇𝘇𝗮 𝘂𝗻𝗱 𝗲𝗶𝗻 𝗸𝗮𝗹𝘁𝗲𝘀 𝗯𝗲𝗹𝗴𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲𝘀 𝗕𝗶𝗲𝗿 𝗮𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗺 𝗔𝘂𝗴𝘂𝘀𝘁𝗻𝗮𝗰𝗵𝗺𝗶𝘁𝘁𝗮𝗴 (…)«

Willkommen zurück auf der 𝗗𝗮𝗿𝗸 𝗣𝗿𝗶𝗻𝗰𝗲 𝗥𝗼𝗮𝗱 – hier ist das Wetter kalt und die Männer noch kälter – eigentlich …

15 Jahre sind vergangen, seit Oliver wortlos aus dem Leben von Briar verschwunden ist und ihre Selbstzweifel gefüttert, ihre Abscheu geschürt hat. Bis heute blieb ihr der unverschämt reiche Unternehmer-Sohn sowohl eine Erklärung als auch eine Entschuldigung und einen endgültigen Abschluss schuldig.
Dem milliardenschweren Partyhengst war immer bewusst, dass das erste Aufeinandertreffen mit seiner Rose kein kuscheliges Wiedersehen wird, aber dass Briar prompt durch einen Unfall ihr Gedächtnis verliert und er binnen weniger Augenblicke von der verhassten Jugendliebe zum besorgten Verlobten aufsteigt, ist eine Wendung, die vor allem seine besten Freunde köstlich amüsiert – ganz im Gegensatz zu Oli selbst. Denn sein Anwesen, verborgen in den hintersten Winkeln, teilt er sich bereits mit etwas – oder jemandem –, der jeden Funken Glück absorbiert …

Schon in den vorigen Bänden haben wir Oliver von Bismarck, seine anzüglichen Sprüche und seine unbeschwerte Einstellung kennenlernen und genießen dürfen. Nun zeigt sich, dass hinter dem Image des „unterbelichteten, ziellosen Playboys“ weitaus mehr steckt: von einer arbeitsintensiven Karriere über ein nicht überwundenes Trauma bis hin zu zerfressenden Schuldgefühlen und Angst.
Während er alles versucht, um seine Scharade, die Briars Amnesie erfordert, glaubhaft zu inszenieren und aufrechtzuerhalten, ahnt er nicht, dass das Mädchen seiner Jugend – getroffen von der Hinterlist, erschüttert vom Lügengerüst – im Begriff ist, zurückzuschlagen.
Der Klappentext von 𝐌𝐲 𝐃𝐚𝐫𝐤 𝐏𝐫𝐢𝐧𝐜𝐞 verspricht eine düstere, perfide, von Abscheu getragene Story – letztlich ist der dritte Band der Billionaire-Romance-Reihe von L. J. Shen & Parker S. Huntington im Vergleich zu 𝐌𝐲 𝐃𝐚𝐫𝐤 𝐑𝐨𝐦𝐞𝐨 und 𝐌𝐲 𝐃𝐚𝐫𝐤 𝐃𝐞𝐬𝐢𝐫𝐞 deutlich softer und seichter, weniger prickelnd und aufregend. Kein ernstzunehmender Funke von Enemies-to-Lovers. Das heißt nicht, dass die Wortgefechte keinen Spaß machen, die Figuren langweilig sind oder die Schicksale und Themen nicht berühren. Jedoch hinterlassen inkonsequente Aussagen und Vorhaben, die nicht umgesetzt werden und den Protagonisten ihre Glaubhaftigkeit nehmen, einen faden Geschmack. Aufgrund von unnötigem Hin und Her kam es mehrfach zu Längen und Stillstand. Es wird von Verlassen und Loslassen gesprochen, um im nächsten Satz zu bleiben und einen Versuch zu wagen, von Rache, die nie serviert wird. Lässt man irrelevante Überlegungen und Augenblicke außen vor, findet man hinter der detailverliebten Aufmachung eine amüsante, gefühlvolle Second-Chance-Liebesgeschichte über zwei Menschen, die Schweres ertragen mussten, deren Vergangenheit Narben hinterlassen hat. Schmerz, Schuld und Bürden.

„𝗘𝘀 𝘄𝘂𝗲𝗿𝗱𝗲 𝗺𝗲𝗶𝗻 𝗧𝗼𝗱 𝘀𝗲𝗶𝗻, 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗻 𝗠𝗮𝗻𝗻 𝗹𝗼𝘀𝘇𝘂𝗹𝗮𝘀𝘀𝗲𝗻.“

Shen und Huntington führen uns in einem modernen, direkten und bildhaften Ton durch ihre Romance, die mit einem traumhaft dekadenten Setting zum Schwärmen verführt. Durch die wechselnden Perspektiven in der Gegenwart und die Einblicke in das Damals zeigt sich deutlich, dass sich beide verändert und weiterentwickelt haben. Nicht mehr die sind, die sich einst liebten.
Musste Briar Rose durch ihr Aufwachsen als unerwünschtes Anhängsel, zahlreiche Tiefschläge und zuletzt durch Olis Verrat auf die harte Tour lernen, allein klarzukommen, ist sie heute eine Frau mit Prinzipien, die sich ihren Erfolg hart erarbeitet hat; stets darauf bedacht, keine Schwäche zu zeigen. Dass die Intimitätskoordinatorin in der Lage ist, für sich einzutreten und jedem/r die Stirn zu bieten, werden schon bald ihre vermeintlichen Freundinnen aus der „Nachbarschaft“, der Mann, der ihr das Herz gebrochen, und die Frau, die sie geboren hat, am eigenen Leib erfahren.
Oli hingegen kam nie über das hinweg, was er seiner ersten Liebe und seiner Familie angetan hat, quält sich des Nachts und vermeidet es, echte Freude zu empfinden. Festgefahren in dem Versuch, Buße zu tun, erhofft er sich täglich Vergebung, ohne sich selbst zu verzeihen; trägt eine Fassade zur Schau, die die Wahrheit und sein echtes Selbst verbirgt.
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Im Verlauf kristallisiert sich nach und nach heraus, was vor anderthalb Jahrzehnten geschah, welchen Einfluss ein tragischer Unfall auf die Bismarcks und Briar hatte. Fragen werden beantwortet und eine nachvollziehbare Basis geschaffen. Auch Briars erschütternde, berührende (Familien)Geschichte wird näher beleuchtet und hält (Un)Erfreuliches bereit. Zusätzlich wird das Geschehen durch die Nebenfiguren und deren Eigen- und Besonderheiten bereichert: Frankie, Dallas, Romeo, Zachary und Farrow sowie Sebastian sind ein tragender, wichtiger Bestandteil der Story. Diesen ungewöhnlichen GesellInnen verdanken wir allerhand unterhaltsame, skurrile und interessante Momente und Dialoge. Der rege, trockene Schlagabtausch zwischen Oliver und seiner „Knuddelmaus“, die „Entwicklung ihrer Beziehung“, das erwachsene, neue Kennenlernen sorgen für einige Lacher, Romantik und Spaß. Anstelle von Spice, moralischer Verwerflichkeit und Dunkelheit, wie von einer Geschichte aus der 𝗗𝗮𝗿𝗸 𝗣𝗿𝗶𝗻𝗰𝗲 𝗥𝗼𝗮𝗱 erwartet, fokussieren sich die Autorinnen auf Themen wie Vergebung, Wachstum, Kompromisse und die Anerkennung der eigenen Relevanz. Billionaire-Boys, Found-Family und Second-Chance statt deepe Dark-Romance.

Insgeheim hoffe ich darauf, dass L. J. Shen & Parker S. Huntington auch für Frankie und Sebastian noch eine Liebe (er)finden und „My Dark Prince“ nicht unser letzter Besuch in der von Dekadenz und ungewöhnlichen Persönlichkeiten durchzogenen Straße war …

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