Eine dysfunktionale Familie
Der Titel des Buches umfasst die sieben Jahre zwischen 1756 und 1763, die Zeit des Siebenjährigen Krieges Friedrichs des Großen gegen Österreich, Frankreich, Russland, Schweden, also große Teile Europas.
Friedrich ...
Der Titel des Buches umfasst die sieben Jahre zwischen 1756 und 1763, die Zeit des Siebenjährigen Krieges Friedrichs des Großen gegen Österreich, Frankreich, Russland, Schweden, also große Teile Europas.
Friedrich II. hatte kurz nach seinem Machtantritt Schlesien überfallen, seine Kontrahentin Maria Theresia in Österreich konnte sich mit diesem Verlust nie abfinden und schmiedete in den Folgejahren Allianzen mit den großen Mächten Europas, um Schlesien zurückzugewinnen.
Das Buch ist mitnichten eine Wiederholung dessen, was man im Geschichtsunterricht gelernt hat oder zwischenzeitlich in Sachbüchern, Biografien oder Romanen gelesen hat. Der Ansatzpunkt ist ein anderer, denn es steht nicht Friedrich im Vordergrund, sondern sein jüngerer Bruder Heinrich.
Die Kinder sind geprägt von der unglücklichen Ehe der Eltern, des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. und der Prinzessin aus Hannover Sophie Dorothea. Der Soldatenkönig war ein Choleriker, der von seinen Kindern absoluten Gehorsam forderte, zwei seiner Kinder leiden ein Leben lang darunter, dass sie vom Vater zu Dingen gezwungen wurden, die sie ablehnten. Dennoch wiederholt sich dieses Muster, auch Friedrich wird später als Vormund seiner Geschwister diesen Gehorsam einfordern, auch wenn er selbst als Ältester am meisten unter seinem Vater leiden musste.
Entlang der Geschehnisse des Siebenjährigen Krieges begleiten wir den König und drei, manchmal auch vier seiner Geschwister in Berlin und Magdeburg, auf den Schlachtfeldern und in den eroberten Städten.
Heinrich war 14 Jahre jünger als Friedrich, Sein ältester Bruder wurde nach dem Tod des Vaters sein Vormund. Ihr Verhältnis zueinander war schwierig. Während Friedrich vor allem ein inniges Verhältnis zu der nur leicht jüngeren Wilhelmine hatte, so hatten sich die jüngeren Geschwister ebenfalls zusammengetan. Heinrich hatte sich eng an Wilhelm, den Thronfolger angeschlossen, später ergab sich auch ein enges Verhältnis mit der Schwester Amalie.
Während des Krieges wurde von den Preußenprinzen Engagement für ihr Land gefordert und Heinrich lag der Beruf des Soldaten. Ganz anders Wilhelm, er wurde beim Militär nicht glücklich und nach einem Misserfolg vom König, seinem Bruder mit Schimpf und Schande entlassen.
Der König forderte Unterwerfung und eine Entschuldigung, die Wilhelm nicht zu geben bereit war, Heinrich stand lange zwischen beiden, aber eine Versöhnung der beiden Brüder gelang ihm nicht. Wilhelm starb 1758, ohne den König noch einmal wiedergesehen zu haben.
Heinrich wird, anders als Friedrich, als ein General mit Gewissen dargestellt. Es belastete ihn, dass dieser lange Krieg so viele Opfer forderte. Seine Soldaten liebten ihn dafür, dass er sich für sie einsetzte, dass er die Verwundeten im Lazarett besuchte und dass er eher einer Schlacht aus dem Weg ging und dem Gegner auswich, als weitere Tote und Verletzte zu riskieren. Friedrich schien oft genug eifersüchtig auf den jüngeren Bruder zu sein, im Endeffekt mussten sie aber aufeinander zugehen und Kompromisse schließen.
Ich fand das Buch hochinteressant. Es war genial von der Autorin, die Position Heinrichs zum Ausgangspunkt ihres Romans zu machen. Zum einen rückte damit einer der weniger bekannten Brüder Friedrichs, der einen großen Anteil am letzendlichen Sieg hatte, in den Vordergrund, zum anderen erlaubte es aber auch, die komplizierten Familienverhältnisse unter den Hohenzollern näher unter die Lupe zu nehmen. Tanja Kinkel hat sehr gut dazu recherchiert, im Nachwort beschreibt sie ihre Faszination für die Familie und die vielen Quellen, die sie für das Buch zu Rate zog.
Der Schutzumschlag in Gelb oder Sepiabraun, der sich auch im Farbschnitt fortsetzt, weist auf ein historisches Buch hin. Ich musste allerdings näher hinschauen, um das zu erkennen. In der Buchhandlung wäre es mir nicht direkt ins Auge gefallen.