Mein Serien-Highlight des Jahres
Die Arcyrion-Akten – Fall 5: Das VersprechenNun heißt es Loslassen …
„Das Versprechen“ ist der fünfte Band über die „Arcyrion-Akten“ und schließt diese wundersame Fantasy-Geschichte mit einem epischen Finale ab, mit einem, das all den Problemen, ...
Nun heißt es Loslassen …
„Das Versprechen“ ist der fünfte Band über die „Arcyrion-Akten“ und schließt diese wundersame Fantasy-Geschichte mit einem epischen Finale ab, mit einem, das all den Problemen, Hürden, Wundern, Verlusten und dem emotionalen Chaos gerecht wird. Ja, dieses Buch ist definitiv ein würdiger – und daher kein leichter – Abschluss.
Zuallererst: Um das volle Ausmaß der tiefschürfenden Veränderungen von Kiara Brooks’ Leben und des Abenteuers, in das die junge Frau gezogen wurde, der weitreichenden Entwicklungen, die sich durch verschiedene Welten ziehen, zu verstehen, sollte man die Bücher als Serie, heißt in der richtigen Reihenfolge, lesen.
Auch in diesem Teil empfangen uns eine kurze Zusammenfassung der vorherigen Geschehnisse und ein Überblick über die wichtigsten Charaktere. Erklärungen zu einzelnen Begrifflichkeiten finden sich im Anhang.
„Das Versprechen“ setzt dort an, wo wir aus „Die verlorene Heldin“ und Kiara aus ihrer Realität gerissen wurden.
Unterteilt in drei große Abschnitte begleiten wir die Talentierte in der Fremde, in der veränderten Heimat, in wankenden Dimensionen, im schlauchenden Kampf und in Zuständen, in denen die Verzweiflung droht, die Überhand zu gewinnen. In denen der Schmerz – seelisch und körperlich – so überwältigend ist, dass Aufgeben verlockend klingt. Kiara Brooks: bar jeder Hoffnung. Und doch sind es ihre FreundInnen, ihre Mutter, die unzähligen Menschen und Nicht-Menschen, Arik, der so viel gegeben hat, und die Opfer, die nicht sinnlos gewesen sein sollen, die die Ermittlerin immer wieder antreiben und aufstehen lassen, die sie an ihre Grenzen und weit darüber hinaus treiben.
Evelyne Aschwanden hat es sich nicht nehmen lassen, sich zum letzten Mal eine glorreiche Story zu ersinnen, die kaum Zeit lässt, um Luft zu holen. Dabei braucht Kiara genau das: Zeit. Etwas, das ihr durch die Finger rinnt, das weder sie noch Draven, noch Neith oder die Universen haben … Teil fünf war aufregend, spannend, tempo- und abwechslungsreich, gleichzeitig tragisch und voller Gefühl. Obgleich der Fülle an Ereignissen und den unerwarteten wie komplexen Entwicklungen wirkte die Handlung nie wirr, willkürlich oder überladen. Das System, welches die Autorin erschaffen hat, ist faszinierend, groß gedacht, logisch und interessant. Zudem besitzt es die Wirkung, zum Nachdenken zu animieren – denn wer sind wir, zu glauben, die intelligenteste Spezies im Universum zu sein? Wer sind wir, dass wir glauben, einzigartig zu sein?
Durch allerhand Details und stimmig verstreute Erklärungen war das Worldbuilding griffig und die Charaktere – mit einem Background, der zumeist kaum grausamer sein könnte – nahbar, nicht schwarz oder weiß, sondern von Wut verzerrt, von Erfahrungen geprägt, von Rache getrieben und von Angst gelähmt.
Wir müssen Abschied nehmen, Tatsachen verkraften und uns mit V. A. U. L. T. herumärgern. Aufgrund der sich wandelnden Umstände, all des Neuen, das wir erkunden und erleben, Amos, der noch immer da, noch immer in Draven ist, und der nicht abklingenden Sorge steht der Verlauf zu keiner Zeit still. Wir trauern und leiden mit den Figuren, schmieden Pläne, verfangen uns in Konflikten und spüren die Bürde auf den Schultern der Versieglerin. Denn der Fortbestand jeglichen Seins hängt von ihr ab.
Kiara hat – seit der ersten Begegnung mit den BewohnerInnen des Arcyrions – einen beachtlichen (mentalen) Wandel dargeboten. Parallel zu der menschlichen Talentierten haben sich auch Neith, Luke, Arik und Gina Monroe verändert. Sind gewachsen, zerbrochen und erstarkt. Mindy bereicherte die großartige Gemeinschaft zusätzlich mit Frische, Feingefühl und Höflichkeit. Und natürlich belebten auch andere DreuanerInnen die Story, gaben ihr Abwechslung, Facetten und sorgten für die eine oder andere Überraschung.
Neben Elementen aus Sci-Fi, (Cozy-)Crime und Urban-Fantasy finden sich in den „Arcyrion-Akten“ Found-Family, queere Liebe, Gesellschaftskritik sowie weitere aktuelle Themen – wie bspw. Integration, Selbstfindung und -liebe, Trauer und deren Verarbeitung. Am Ende der 5-teiligen Serie warten Wendungen, bewegende Momente, schwere Entscheidungen, solche, die den LeserInnen das Herz brechen, Vergebung, Weltenwanderungen und dieser eine, letzte Kampf darauf, erkundet und gelebt zu werden.