Profilbild von Franci

Franci

Lesejury Star
offline

Franci ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Franci über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.12.2025

Mein Serien-Highlight des Jahres

Die Arcyrion-Akten – Fall 5: Das Versprechen
0

Nun heißt es Loslassen …

„Das Versprechen“ ist der fünfte Band über die „Arcyrion-Akten“ und schließt diese wundersame Fantasy-Geschichte mit einem epischen Finale ab, mit einem, das all den Problemen, ...

Nun heißt es Loslassen …

„Das Versprechen“ ist der fünfte Band über die „Arcyrion-Akten“ und schließt diese wundersame Fantasy-Geschichte mit einem epischen Finale ab, mit einem, das all den Problemen, Hürden, Wundern, Verlusten und dem emotionalen Chaos gerecht wird. Ja, dieses Buch ist definitiv ein würdiger – und daher kein leichter – Abschluss.

Zuallererst: Um das volle Ausmaß der tiefschürfenden Veränderungen von Kiara Brooks’ Leben und des Abenteuers, in das die junge Frau gezogen wurde, der weitreichenden Entwicklungen, die sich durch verschiedene Welten ziehen, zu verstehen, sollte man die Bücher als Serie, heißt in der richtigen Reihenfolge, lesen.

Auch in diesem Teil empfangen uns eine kurze Zusammenfassung der vorherigen Geschehnisse und ein Überblick über die wichtigsten Charaktere. Erklärungen zu einzelnen Begrifflichkeiten finden sich im Anhang.
„Das Versprechen“ setzt dort an, wo wir aus „Die verlorene Heldin“ und Kiara aus ihrer Realität gerissen wurden.
Unterteilt in drei große Abschnitte begleiten wir die Talentierte in der Fremde, in der veränderten Heimat, in wankenden Dimensionen, im schlauchenden Kampf und in Zuständen, in denen die Verzweiflung droht, die Überhand zu gewinnen. In denen der Schmerz – seelisch und körperlich – so überwältigend ist, dass Aufgeben verlockend klingt. Kiara Brooks: bar jeder Hoffnung. Und doch sind es ihre FreundInnen, ihre Mutter, die unzähligen Menschen und Nicht-Menschen, Arik, der so viel gegeben hat, und die Opfer, die nicht sinnlos gewesen sein sollen, die die Ermittlerin immer wieder antreiben und aufstehen lassen, die sie an ihre Grenzen und weit darüber hinaus treiben.

Evelyne Aschwanden hat es sich nicht nehmen lassen, sich zum letzten Mal eine glorreiche Story zu ersinnen, die kaum Zeit lässt, um Luft zu holen. Dabei braucht Kiara genau das: Zeit. Etwas, das ihr durch die Finger rinnt, das weder sie noch Draven, noch Neith oder die Universen haben … Teil fünf war aufregend, spannend, tempo- und abwechslungsreich, gleichzeitig tragisch und voller Gefühl. Obgleich der Fülle an Ereignissen und den unerwarteten wie komplexen Entwicklungen wirkte die Handlung nie wirr, willkürlich oder überladen. Das System, welches die Autorin erschaffen hat, ist faszinierend, groß gedacht, logisch und interessant. Zudem besitzt es die Wirkung, zum Nachdenken zu animieren – denn wer sind wir, zu glauben, die intelligenteste Spezies im Universum zu sein? Wer sind wir, dass wir glauben, einzigartig zu sein?
Durch allerhand Details und stimmig verstreute Erklärungen war das Worldbuilding griffig und die Charaktere – mit einem Background, der zumeist kaum grausamer sein könnte – nahbar, nicht schwarz oder weiß, sondern von Wut verzerrt, von Erfahrungen geprägt, von Rache getrieben und von Angst gelähmt.

Wir müssen Abschied nehmen, Tatsachen verkraften und uns mit V. A. U. L. T. herumärgern. Aufgrund der sich wandelnden Umstände, all des Neuen, das wir erkunden und erleben, Amos, der noch immer da, noch immer in Draven ist, und der nicht abklingenden Sorge steht der Verlauf zu keiner Zeit still. Wir trauern und leiden mit den Figuren, schmieden Pläne, verfangen uns in Konflikten und spüren die Bürde auf den Schultern der Versieglerin. Denn der Fortbestand jeglichen Seins hängt von ihr ab.
Kiara hat – seit der ersten Begegnung mit den BewohnerInnen des Arcyrions – einen beachtlichen (mentalen) Wandel dargeboten. Parallel zu der menschlichen Talentierten haben sich auch Neith, Luke, Arik und Gina Monroe verändert. Sind gewachsen, zerbrochen und erstarkt. Mindy bereicherte die großartige Gemeinschaft zusätzlich mit Frische, Feingefühl und Höflichkeit. Und natürlich belebten auch andere DreuanerInnen die Story, gaben ihr Abwechslung, Facetten und sorgten für die eine oder andere Überraschung.

Neben Elementen aus Sci-Fi, (Cozy-)Crime und Urban-Fantasy finden sich in den „Arcyrion-Akten“ Found-Family, queere Liebe, Gesellschaftskritik sowie weitere aktuelle Themen – wie bspw. Integration, Selbstfindung und -liebe, Trauer und deren Verarbeitung. Am Ende der 5-teiligen Serie warten Wendungen, bewegende Momente, schwere Entscheidungen, solche, die den LeserInnen das Herz brechen, Vergebung, Weltenwanderungen und dieser eine, letzte Kampf darauf, erkundet und gelebt zu werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.12.2025

Absolute Empfehlung!

Pen Pal
0

„𝐏𝐞𝐧 𝐏𝐚𝐥“ ist die neueste Romance von JT Geissinger und verspricht „𝗗𝗮𝘀 𝗛𝗮𝘂𝘀 𝗮𝗺 𝗦𝗲𝗲 𝗺𝗶𝘁 𝗱𝘂𝗻𝗸𝗹𝗲𝗺, 𝘀𝗽𝗶𝗰𝘆 𝗧𝘄𝗶𝘀𝘁“.

Und Leute? Dieses Buch ist ein absolutes Muss, übertrifft die Story doch sämtliche Erwartungen ...

„𝐏𝐞𝐧 𝐏𝐚𝐥“ ist die neueste Romance von JT Geissinger und verspricht „𝗗𝗮𝘀 𝗛𝗮𝘂𝘀 𝗮𝗺 𝗦𝗲𝗲 𝗺𝗶𝘁 𝗱𝘂𝗻𝗸𝗹𝗲𝗺, 𝘀𝗽𝗶𝗰𝘆 𝗧𝘄𝗶𝘀𝘁“.

Und Leute? Dieses Buch ist ein absolutes Muss, übertrifft die Story doch sämtliche Erwartungen –

Noch in Trauer um ihren Mann, mit ihrer Arbeit in Verzug, muss sich Kayla Reece eingestehen, dass ihr Haus oberste Priorität hat, bevor es genauso in sich zusammenfällt wie die Witwe. Während der lange erfolglosen Suche nach einem Handwerker trifft sie letztendlich auf den selbstüberzeugten, wortkargen Aidan Leighrite. Trotz anfänglicher Differenzen und spritziger Diskussionen kommen sich die beiden schon bald näher – und Kayla beginnt, sich seit sehr langer Zeit wieder lebendig zu fühlen. Ausgefüllt. Gesehen.
Wären da nur nicht der Geist ihres toten Mannes, ihr Ehering, von dem sie sich nicht lösen kann, Schuld und ein Hauch Scham …

Gleichzeitig bringen die mysteriösen Zeilen eines Gefängnisinsassen die junge Illustratorin aus dem Gleichgewicht. Obgleich sie die ersten Briefe des Fremden lediglich aus einer impulsiven Stimmung heraus und mit unguten Vorahnungen beantwortet, vertraut sich Kayla „Dante“ an. Die Frage, woher der Mann sie kennt, rückt immer weiter in den Hintergrund. Denn Kylas Haus scheint plötzlich ein Eigenleben entwickelt zu haben. Bedrohliche Sichtungen, unheimliche Vorkommnisse, Erinnerungslücken und das nagende Gefühl, dass etwas mit ihr ganz und gar nicht stimmt, übertönen jede Minute, die sie nicht in Aidans Armen – in der Sicherheit seines Seins – verbringt …

♡ „𝘌𝘴 𝘪𝘴𝘵 𝘦𝘪𝘯 𝘭𝘢𝘦𝘳𝘮𝘦𝘯𝘥𝘦𝘴, 𝘸𝘶𝘦𝘵𝘦𝘯𝘥𝘦𝘴 𝘚𝘱𝘦𝘬𝘵𝘢𝘬𝘦𝘭, 𝘥𝘢𝘴 𝘴𝘪𝘤𝘩𝘵𝘣𝘢𝘳𝘦 𝘊𝘩𝘢𝘰𝘴 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘴 𝘶𝘯𝘴𝘪𝘤𝘩𝘵𝘣𝘢𝘳𝘦𝘯 𝘨𝘦𝘣𝘳𝘰𝘤𝘩𝘦𝘯𝘦𝘯 𝘏𝘦𝘳𝘻𝘦𝘯𝘴.“

Weder Cover noch Klappentext schaffen es, auch nur in die Nähe der Vibes, der emotionalen Tiefe, der subtilen Spannung zu kommen, die „Pen Pal“ bereithält. Schien es anfänglich, als hätten die verschiedenen Ereignisse, die den Alltag der früh Verwitweten dominieren, nichts miteinander zu tun, überrascht Geissinger letztlich auf mehr als nur eine Weise. Neben schlagfertigen Dialogen, purer Unterhaltung und einer Menge – richtig gutem! – Spice ziehen sich Distanz und melancholische Töne, Schwere und sensible Themen durch den Verlauf. In Kombination mit den leise im Hinterkopf aufploppenden Fragen, den mysteriösen Geschehnissen und einer geheimnisvollen, durchdringenden Atmosphäre konzipierte die Autorin eine fesselnde Story, die keine Wünsche offenlässt.

Hauptsächlich verfolgen wir die Geschichte aus Kaylas Perspektive, zwischendurch brechen die ausgetauschten Zeilen mit Dante ihre Erzählung auf, und durch die intimen, offenen Gespräche mit Aiden bekommt auch der so hart wirkende Kerl ausreichend Kontur. Eine ihn prägende Vergangenheit. Sind die beiden auch grundverschieden, ergeben sie zusammen etwas unglaublich Perfektes. Dynamisches. Verletzliches.

♡ „𝘐𝘤𝘩 𝘸𝘪𝘭𝘭 𝘦𝘴 𝘩𝘢𝘦𝘳𝘵𝘦𝘳. 𝘚𝘤𝘩𝘯𝘦𝘭𝘭𝘦𝘳. 𝘐𝘤𝘩 𝘸𝘪𝘭𝘭, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘦𝘳 𝘮𝘪𝘤𝘩 𝘻𝘦𝘳𝘴𝘵𝘰𝘦𝘳𝘵. 𝘐𝘤𝘩 𝘸𝘪𝘭𝘭, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘦𝘳 𝘮𝘪𝘤𝘩 𝘮𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯 𝘦𝘪𝘨𝘦𝘯𝘦𝘯 𝘕𝘢𝘮𝘦𝘯 𝘷𝘦𝘳𝘨𝘦𝘴𝘴𝘦𝘯 𝘭𝘢𝘦𝘴𝘴𝘵.“

In den expliziten – vorstellbar geschilderten, direkten – Szenen geht es hart zur Sache, ein Spiel aus Dominanz und Unterwerfung, aus Grenzen austesten und überschreiten, dennoch basieren diese Momente auf Kommunikation und Konsens. Ich fand die Romance wirklich sehr, sehr gut – abwechslungsreich, emotional, ehrlich und hotasfck!

Geissingers Stil ist wie gewohnt authentisch und klar, mit einer eindringlichen, poetischen Nuance; an passender Stelle detailliert, ohne ausschweifend zu sein. Die komplette Stimmung des Buches ist bedrückend und bedrohlich, der Verlauf ungewiss.
Es war leicht, mit Kayla mitzufühlen, mit ihr zu wüten, zu zweifeln. In ihren Wahnsinn zu verfallen. Genauso einfach war es, sich in Aiden und seine spezielle Art – abweisend und zugleich voller Fürsorge, so aufmerksam – zu verlieben und hinter seinen Selbstschutz dringen zu wollen.

Im letzten Viertel bringen tief vergrabene Erinnerungen und schmerzliche Wahrheiten Licht ins Dunkle, die Ereignisse überschlagen sich und wir VERSTEHEN.

„Pen Pal“ ist ein Wechselbad der Gefühle, ein Potpourri der Empfindungen. Eine spannungsgeladene, intensive Dark-Romance, aus der es, einmal begonnen, kein Entrinnen gibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.11.2025

Eine weihnachtliche Geschichte fürs Herz.

Christmas, Love and other Disasters
0

Seit elf Monaten lebt Elle nun schon in Inwood und versucht händeringend, einen Job zu finden. Nachdem es eine Absage nach der anderen hagelte, ist jetzt der Tag gekommen, in den die Event-Managerin ihre ...

Seit elf Monaten lebt Elle nun schon in Inwood und versucht händeringend, einen Job zu finden. Nachdem es eine Absage nach der anderen hagelte, ist jetzt der Tag gekommen, in den die Event-Managerin ihre verbleibende Hoffnung legt. Wochenlang hat sich Barnes präzise auf das Vorstellungsgespräch bei einer renommierten, auch international hoch angesehenen Agentur vorbereitet. Jedes Detail ist haargenau geplant und bedacht – bis auf das über Nacht einbrechende Schneechaos … Und so kommt Elle Barnes durchnässt, gestresst und von Vorschriften aufgehalten zu spät. Ihren Frust nicht länger bei sich behalten könnend, macht sie diesem im Fahrstuhl lautstark und unverblümt Luft. Drauf geschissen, was der fremde Anzugträger von ihr hält. Nur dass Mr. Stillschweigen weder unbekannt noch unbedeutend ist: Keane Waters, der Junge, mit dem sie zu Schulzeiten schmetterlingsfreisetzende und herzzerfetzende Momente teilte. Und der CEO der ‚Waters Corporation‘ … Dass Keane, allseits beschmachteter Highschoolschwarm, nicht nur Erinnerungen, die bittersüß schmecken, und die Frage „Was wäre gewesen, wenn …?“ in ihrer stechendsten Form heraufbeschwört, sondern noch immer eine unwiderstehliche Anziehung auf sie auszuüben vermag, macht es Elle doppelt schwer, sich mit dieser neuerlichen Blamage auseinanderzusetzen und sich auf ihre berufliche (deprimierende) Zukunft zu fokussieren. Doch dann scheint die magischste Zeit des Jahres auch für Elle Barnes – impulsiv, vorschnell und bis in die Knochen verunsichert – ein Wunder bereitzuhalten: Mr. hotasfck Waters gibt ihr trotz der ungehaltenen Schimpftirade vier Wochen, um ein Christmas-Event für 500 Personen auf die Beine zu stellen, mit der Aussicht auf die Leitung einer eigenen Abteilung. Die Zeit läuft … denn so kurz vor Weihnachten braucht Elle alle Zufälle und jeden Funken Glück, den sie kriegen kann …

Anja Tatlisu hat es wiederholt geschafft, mich vollkommen zu verzaubern, durchweg zu unterhalten, zu berühren und letztlich sogar einen Funken Weihnachtsfeeling in mir zu wecken. Erzählt wird aus Elles Perspektive, sodass wir in ihre aktuelle Lage eintauchen und ihre Probleme, die in einer durch Rastlosigkeit und Unsicherheit geprägten Kindheit begründet liegen, nachvollziehen können. Denn obgleich sich die ambitionierte Protagonistin der Tatsache bewusst ist, ihr Leben mittlerweile selbst bestimmen zu können, ihr nicht mehr die Gefahr droht, plötzlich aus ihrem Umfeld gerissen zu werden und alles und jeden zurücklassen zu müssen, so tief pulsieren die Bindungsängste in ihr. So fest verankert ist die emotionale Sperre, die sie davon abhält, Menschen wirklich und aufrichtig an sich heranzulassen, sich verletzlich zu machen. Zumindest gibt es Ernest, dem sie als Stammkundin fast täglich einen Besuch abstattet, und ihre zwei Nachbarinnen/besten Freundinnen, die Elle mit gemütlichen Abenden und cozy Terrassen-Ritualen regelmäßig aus dem Einsiedlerinnen-Dasein locken.

„Christmas, Love and other Disasters“ ist durchweg herrlich zu lesen, gewissermaßen frisch und amüsant. Durch bildhafte Beschreibungen war es unglaublich leicht, sich in das verschneite, von bunten Lichtern erhellte Manhattan zu begeben und gemeinsam mit Elle nichts unversucht zu lassen, um diese einmalige Chance zu nutzen. Dass sie dabei wider Erwarten nicht auf sich allein gestellt ist, sich der „Scheißschuppen“ als großartig und mitarbeiterInnenorientiert erweist und selbst der CEO weit von einem Arschl*ch-Boss entfernt ist, treibt Elle so sehr in Christmas-Feels wie noch nie. Gleichzeitig macht ihr es die Konfrontation mit Keane nicht leicht: Sein Auftreten, seine Fürsorge und sein immer noch anbetungswürdiger, verschmitzter Charme wecken in der introvertierten Frau kribbelige Unruhe und ihren berüchtigten Fluchtinstinkt. Denn wo Keane direkt und offen ist, blockt Elle schweigend ab. Dass es der ehemalige Footballspieler zudem spielerisch leicht schafft, ihr Herz (erneut) für sich zu gewinnen, bereitet Elle größere Sorgen, als sie bereit ist, zuzugeben ... Zwischen geschäftlichen Meetings, der besten heißen Schokolade „für zwei“, dem innigen Weihnachtsbaum-Kauf und Omas Plätzchen, zwischen Versteckten-Bar-Besuchen und heimlichen Küssen kommen sich die beiden immer näher … bis Elles voreiliger Selbstschutz zuschlägt und härter trifft als jemals zuvor …

Diese Christmas-Romance kommt mit Humor, Cuteness und Romantik daher, mit funkelndem Schnee und kitschigen Seufzern, mit dem GOOD GUY, der Herzen zum Schmelzen bringt, und einer verletzten, aber einsichtigen Protagonistin. Es war durchweg schön, die Entwicklung zwischen Elle und Keane zu verfolgen, sich in Missverständnissen zu verheddern und diese ohne großes Drama, ohne Vorhaltungen zu überwinden. Tiefe erhält die zwischenmenschliche Beziehung zusätzlich durch Rückblenden in die gemeinsame Highschool-Zeit, Abschnitte, die Spaß machen und Keane auf Platz 1 der Bookboyfriends heben. Neben der hervorragenden Kulisse platzierte die Autorin mit Carli und Lin zwei großartige Freundinnen an Elles Seite, solche, die sich jede/r nur wünschen kann, und spickte die Story mit allerhand weihnachtlichen Details. Jedes Kapitel wird von einer originellen Überschrift eingeleitet und am Ende warten relevante Informationen sowie ein Rezept, das ich GENAUSO wie im Buch beschrieben backen werde … Apropos Anzüglichkeiten: Für alle, die keinen Wert auf zig und seitenlange explizite Szenen legen, denen die Andeutung reicht, die trotzdem Lust auf prickelnde Empfindungen und Dauergrinsen haben, ist dieses Buch perfekt.

„Christmas, Love and other Disasters“: Christmas-Feels x Schmunzelgarantie.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.11.2025

Absolut großartig

A Taste of Bitter Secrets
0

Habt ihr schon mal ein Buch gelesen, das nicht enden sollte? Das wie eine warme Decke war, wie eine Umarmung? Wie ein Abend mit den besten FreundInnen, voller Lachen und Liebe? Ein Buch, das sich so anfühlte ...

Habt ihr schon mal ein Buch gelesen, das nicht enden sollte? Das wie eine warme Decke war, wie eine Umarmung? Wie ein Abend mit den besten FreundInnen, voller Lachen und Liebe? Ein Buch, das sich so anfühlte wie „Ich sehe dich“, „Du bist nicht allein“ und „Go, Girl!“? Das den Geruch von Zimt und Kürbis verströmt und gleichzeitig die Wirkung von einem Haufen Zwiebeln hat?

Mit 15 Jahren hat Gwendoline Whitmore ihre Heimatstadt und somit auch ihren Vater und ihre kleine Schwester verlassen. Nur selten zieht es sie zurück nach Canterbury, und wenn, dann nur mit Widerwillen, nur für eine Aufgabe, nur kurz. Auch jetzt ist es ein Job, ein Gefallen, der sie nach Hause drängt. Denn das Chaucer's Rest, das urige Restaurant, das einst das Herzstück ihrer Eltern war, heute nur noch von ihrem Vater geführt wird, mit Melancholie behaftet ist, mit schrecklichen Erinnerungen, braucht dringend Kundschaft und einen frischen Schliff. Und wer könnte besser für Aufmerksamkeit sorgen als eine bekannte Social-Media-Managerin? Doch statt Cozy-Autumn-Core ist es gerade der neue Koch, der Gwens Konzept unfreiwillig mit Dark-Romance-Vibes versetzt – und viral geht!

Henry Griffin kann sich nur schwer vorstellen, dass die verlorene Tochter des Bosses mit so einem Quatsch ihr Geld verdient. Unter keinen Umständen stellt er sich vor die Kamera, um die fragwürdigen Fantasien irgendwelcher Hausfrauen zu befeuern … Oder doch?

In „A Taste of Bitter Secrets“ führt uns Anne Goldberg in die Leben und Gedanken zweier erwachsener Menschen, auf deren Seelen Unausgesprochenes lastet, tiefe Narben, Wut und Trauer.
Obgleich der Ton ein fluffig-leichter war, humorvolle Situationen, anzügliches Geplänkel und anrüchige Provokationen warten, ist die Schwere, die Nostalgie, der Schatten, der so oft über beide Gemüter – über die Handlung – huscht, unübersehbar. Nicht wegzufühlen. Bestärkt durch reine Poesie war es so einfach, sich gemeinsam mit Henry und Gwen fallen zu lassen. Hinzusehen.
Welche Geschichte hinter dem wortkargen, unnahbaren Küchengenie liegt, kristallisiert sich ebenso langsam heraus wie Gwens Vergangenheit, jener wahre Grund, der sie antrieb, ihr Zuhause zu verlassen, und sie doch nie davon abhielt, immer wieder zurückzukehren. Sei es nur für einen gestohlenen Augenblick. Für einen Hauch dessen, was sie aufgegeben hat, um sich selbst zu schützen. Sei es nur, um erneut zu flüchten. Vor dem Mädchen, das sie damals war, dem Geist ihrer Mama, der Wehmut. Vor der Angst, der Scham und all den zu schwerwiegenden Emotionen, die mit jedem Kapitel, jedem Einblick in die ungefilterte Gwen deutlicher werden.
Kleine Metaphern und Spitznamen, die knisternde Anziehung zwischen dem Hot-as-fck-Koch und der bösen Fee, die Verletzlichkeit und Vorsicht in ihrem Sein und ihrem Näherkommen – zwischen Herantasten, Ausreizen und Grenzen wahren – brachten wohlige Seufzer und Unterhaltung mit sich. Ein auf die LeserInnen übergreifendes Prickeln, schieres Herzklopfen und Mitschmunzeln. Unglaublich beeindruckt hat mich neben der nuancenreichen Ausarbeitung der Figuren auch ihr Mut, die schleichende Veränderung und die zarte romantische Entwicklung, die wunderbar ohne drölf S*xszenen auskam.
Goldberg lässt zu, dass die Fassaden ihrer Protagonisten Stück für Stück bröckeln, in einem gemächlichen, passenden Tempo, untermalt von vagen Andeutungen und unguten, Bauchweh verursachenden Vorahnungen. Je weiter der Verlauf voranschreitet, umso dichter scheint die Beklemmung, umso schwerer wiegt das Ungesagte, umso intensiver beleuchtet Anne nicht nur die Erlebnisse und Entscheidungen, die Gwen und Henry zu ihrer jetzigen Version werden ließen, sondern auch (gesellschaftliche) Missstände, essenzielle, sensible und reale Themen. Wie beispielsweise die Kritik an einem System, das Kinder und Jugendliche alleine lässt, um sie auszugrenzen, aufzugeben und zu bestrafen. Das ,Nein’, das übergangen wird, und das Trauma, das nie mehr vergeht. Mobbing und das, was es in einem Menschen – nachhaltig – zerstört. Ganz zu schweigen von all den anderen relevanten und tiefschürfenden Dingen, die die Autorin einfließen lässt – ohne zu überladen, sondern so, als lege sie den Finger gerade lang genug auf eine Wunde, bis sie ziept, nach Aufmerksamkeit verlangt und dir nichts weiter übrig bleibt, als hinzusehen – oder vielleicht auch hinzuspüren.

„A Taste of Bitter Secrets“ wartet mit einigen Überraschungen auf, mit Ernst, der sich einfühlsam in die atmosphärische Story fügt, mit Nebencharakteren, die Licht bringen, Freundschaft und Familie symbolisieren. Mit der Lust auf Zimt und der Sehnsucht nach einem Shadowdaddy. Mit einer Entschuldigung und Vergebung – an das Kind, das wir waren.
Mit dem letzten Twist wirft uns Anne Goldberg wie gewohnt aus der Bahn, generiert den letzten Rest fehlenden Verständnisses, rührt zu Tränen, entfacht Gänsehaut und die eigene Wut.
Diese Romance ist gleichzeitig eine warme, tröstende Umarmung wie sie ein Pulverfass ist, ebenso gemütlich wie tragisch, amüsant und schmerzlich in einem. Ich liebte die Geschichte und die Protagonisten, liebte Elise und Rory, all die verstreuten Details, die verführerische Tension, die Versuche, Stärke zu wahren, um doch zu zerbrechen, um doch menschlich zu sein. Annes Stil war wunderschön zu lesen – authentisch und echt, gespickt mit puren Emotionen, realitätsnahen Problemen und harten Themen. Solche, über die nicht genug gesprochen werden kann, über die geredet werden muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.11.2025

Absolute, von Herzen kommende Empfehlung

Wenn heute unser Morgen wäre
0

♡Du hast „𝐃𝐚𝐬 𝐒𝐜𝐡𝐢𝐜𝐤𝐬𝐚𝐥 𝐢𝐬𝐭 𝐞𝐢𝐧 𝐦𝐢𝐞𝐬𝐞𝐫 𝐕𝐞𝐫𝐫𝐚𝐞𝐭𝐞𝐫“ geliebt?

Dann lies „𝐖𝐞𝐧𝐧 𝐡𝐞𝐮𝐭𝐞 𝐮𝐧𝐬𝐞𝐫 𝐌𝐨𝐫𝐠𝐞𝐧 𝐰𝐚𝐞𝐫𝐞“!♡



Für Grace McIntyre ist das Musikprojekt mehr als nur eine lästige Pflicht, die es zu bestehen ...

♡Du hast „𝐃𝐚𝐬 𝐒𝐜𝐡𝐢𝐜𝐤𝐬𝐚𝐥 𝐢𝐬𝐭 𝐞𝐢𝐧 𝐦𝐢𝐞𝐬𝐞𝐫 𝐕𝐞𝐫𝐫𝐚𝐞𝐭𝐞𝐫“ geliebt?

Dann lies „𝐖𝐞𝐧𝐧 𝐡𝐞𝐮𝐭𝐞 𝐮𝐧𝐬𝐞𝐫 𝐌𝐨𝐫𝐠𝐞𝐧 𝐰𝐚𝐞𝐫𝐞“!♡



Für Grace McIntyre ist das Musikprojekt mehr als nur eine lästige Pflicht, die es zu bestehen gilt, um ihr Stipendium zu behalten. Denn die Teenagerin liebt, lebt und fühlt Melodien, Lieder und Klänge. Half ihr die Musik doch selbst durch die dunkelsten Zeiten. Doch ihre Vorfreude wird rigoros getrübt, als sie gerade Callum Hayward – ihren einstigen Konkurrenten, den Jungen, der keinerlei Interesse mehr an „Zeitverschwendungen“, an Freude und Freundschaften hat – als Partner zugeteilt bekommt. Auch der angehende Jurist ist alles andere als begeistert, neun Wochen mit Grace zusammenarbeiten zu müssen. Denn nicht nur geht ihm das optimistische Mädchen unter die Haut, auch hat er seinem Talent, ihrer gemeinsamen Leidenschaft, vor Jahren den Rücken gekehrt. Alles in Callum sträubt sich dagegen, sich erneut für Grace und die Musik zu öffnen …



Sophie Herbst erzählt ihr Own-Voice Jugendbuch in einem altersgerechten, klaren und einfachen Stil, dennoch gehen bildreiche, poetische Empfindungen, die unübersehbare Melancholie, die Tragik nah, berühren tief.

Wir verfolgen das Geschehen aus wechselnder Perspektive, was die 16-Jährigen, ihre individuellen Lebenssituationen und den Wandel, den beide vollziehen, greifbar werden lässt. Während Callums Vater zwar für einen wohlhabenden, privilegierten Lebensstil, aber auch für ein kaltes, einsames Zuhause sorgt, den Jungen mit hohen Anforderungen und Zielen, seinem eigenen Schmerz unter Druck setzt, haben Grace’ Eltern ihre Karrieren auf Eis gelegt und damit das vorher schon knappe Einkommen geschmälert. Und doch fehlt es der begabten Musikerin an nichts, vor allem nicht an Aufmerksamkeit, an Wärme, Wertschätzung und Liebe.

Mr. & Mrs. McIntyre und Gracies FreundInnen sind großartige Menschen, die besten. Wie auch die Teenagerin selbst – ein Mädchen, das zu früh erwachsen werden musste. Das alles versucht, um weder Last, noch zu viel zu sein; das die Musik atmet und aus ihr zehrt. Das für jede/n das größtmögliche Glück erhofft. Auch für Callum, diesen verbitterten Jungen, der gebeugt ist von Selbsthass, Verlust und Erwartungen, die er nicht erfüllen kann. Erst durch die Wochen mit seiner Konkurrentin – die ihn an das erinnert, was er verloren hat – erkennt er, dass jene Zukunft, für die er ununterbrochen ackerte, für die er alles aufgab, vielleicht niemals eintreffen wird. Was abweisend und kalt beginnt, wird zu einer intensiven Zusammenarbeit, die nicht nur einen Song mit Gänsehautgarantie hervor-, sondern die beiden einander näher bringt. Die zeigt, was wirklich wichtig ist: das Heute und das Jetzt.



Abgesehen der Protagonisten, die auf ihre eigene Art gebrochen sind, sich herausfordern und ergänzen, die auf verschiedene Weise und doch gemeinsam erstarken, begegnen wir mit Eric, Val, Will und Lou TeenagerInnen, die beeindrucken. Von denen man sich wünscht, sie selbst zu kennen. Auch Grace' Eltern sind eine Komponente, die zu Tränen rührt, während Mr. Hayward Zeit braucht, um zu verstehen, um endlich wieder hinzusehen.

Die Liebesgeschichte ist sanft, dominiert weder die Handlung noch die Gefühlslage des Buches. Was ich hier besonders schön finde: Die Autorin kreierte eine Greenflag-Beziehung, die sich entwickelt. Eine gesunde Liebe. Eine, die abwägt, die nicht verletzt. Die hält und heilt.



„Wenn heute unser Morgen wäre“ ist ein bittersüßer Coming-of-Age-Roman, den ich allen Altersklassen empfehlen möchte, spricht Herbst doch von dem Mut, der in jedem von uns steckt, von der Angst, die es zu überwinden gilt, manchmal jeden Tag. Von Erfahrungen und Erlebnissen, die uns unwiderruflich verändern. Von Musik, Leidenschaft und von der Vergänglichkeit des Seins. Unglaublich einfühlsam und authentisch gibt die Autorin einer Krankheit Kontur, schafft die dringend benötigte Aufmerksamkeit, ohne in rosarote Töne zu driften. Neben Klischees und Stigmatisierung wird auch Medical Gaslighting angesprochen – etwas, was so selten Beachtung findet, dabei aber alltäglich ist. Wir werden mit schmerzlichen, realen Themen konfrontiert, mit Tod und Verlust, mit Hoffnung und Panik. Mit der Bedeutung, die Familie hat, und mit bedingungsloser Freundschaft, solche, die auch in den dunkelsten Tälern noch Bestand hat. Sophie führt uns vor Augen, was wirklich zählt im Leben, erinnert uns, wofür es sich lohnt zu kämpfen und daran, dass wir manchmal nicht in einem „Danach“ ankommen werden, sondern das „mit“ akzeptieren müssen. Oder das „ohne“.



Dieser Roman ist bedrückend, intensiv und echt. Eine Hommage an das Heute. Das Heute, das nicht zurückkommt, und das es wert ist, in jeder Nuance genossen zu werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere