Profilbild von hapedah

hapedah

Lesejury Star
offline

hapedah ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit hapedah über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.01.2026

Spannend zu lesende Dystopie, dennoch fehlte mir stellenweise der Tiefgang

To Cage a Wild Bird
0

Fünfzig Jahre nach dem Ende eines nuklearen Krieges existieren auf dem amerikanischen Kontinent nur noch fünf bewohnbare Städte, von denen jede autonom regiert wird. Dividium ist in drei Sektoren aufgeteilt, ...

Fünfzig Jahre nach dem Ende eines nuklearen Krieges existieren auf dem amerikanischen Kontinent nur noch fünf bewohnbare Städte, von denen jede autonom regiert wird. Dividium ist in drei Sektoren aufgeteilt, der Wohnort ist vom jeweiligen Rang der Menschen abhängig. Die Kopfgeldjägerin Raven Thorne lebt mit ihrem Bruder Jed im unteren Sektor, wo der Alltag von Hunger und Armut geprägt ist, dennoch weigert sie sich standhaft, der Rebellenorganisation beizutreten, die für ein besseres Leben der Bevölkerung kämpft.

Als Jed allerdings eines Tages festgenommen wird, verbündet sich Raven mit den Rebellen und folgt ihrem Bruder in das gnadenlose Gefängnis Endlock, das früher oder später für jeden Inhaftierten den Tod bedeutet. Hier soll sie einer Insassin zur Flucht verhelfen, dafür erhalten auch Raven und Jed die Chance auf ein Leben in Freiheit, weit entfernt von den strengen Regeln Dividiums. Zunächst müssen sie allerdings erst einmal die mörderischen Jagden überleben, die in Endlock an der Tagesordnung sind, unerwartete Hilfe erhält Raven von dem Wachmann Vale, dessen Verhalten ihr immer wieder Rätsel auf gibt.

"To Cage a Wild Bird" von Brooke Fast ist ein dystopischer Roman, der mich zwar schnell in seinen Bann gezogen und bis zum Ende gefesselt hat, dennoch komme ich nicht umhin, den einen oder anderen Kritikpunkt anzumerken. Raven war mir schnell sympathisch, durch die Verhaftung ihrer Eltern und deren Tod in Endlock war sie bereits im jugendlichen Alter auf sich allein gestellt und hatte außer der Kopfgeldjagd keine Möglichkeit, sich und ihren jüngeren Bruder durch zu bringen. Dabei war ihr wohl bewusst, was die Gefangenschaft für die Gejagten bedeutet, sie wählte ihre Ziele nach dem eigenen moralischen Kompass aus - wodurch sie mir nicht willkürlich gnadenlos, sondern überlegt und durchaus auch liebenswert erschien. Sie selbst und auch alle anderen Figuren habe ich authentisch und lebensecht empfunden.

Der Schreibstil hat mich bis zur letzten Seite mit gerissen, ich war tief in der Handlung versunken, dennoch hält sich meine Begeisterung rückblickend in Grenzen. Denn insgesamt hat sich die Geschichte für mich wie eine oberflächliche Mischung aus Elementen bekannter Dystopien wie "Divergent - Die Bestimmung" und "Die Tribute von Panem" angefühlt, nett zu lesen aber ohne wirklichen etwas Neues mit zu bringen. Dabei ist mir schon klar, dass nicht jeder Schriftsteller das Rad ganz neu erfinden kann, aber dieser Debütroman schien mir, als wäre die Handlung einer Fan-Fiction der genannten Bücher bzw. deren Verfilmungen entsprungen, ohne viel eigenen Ideenreichtum der Autorin und ohne emotionale Ausgewogenheit.

Ganz besonders hat mich Vales Verhalten irritiert, nicht dass ich ihn nicht gemocht hätte, aber ich konnte mir nicht erklären, wie und weshalb er so plötzlich so intensive Gefühle für Raven entwickelte, nachdem er sie nur ein einziges Mal kurz getroffen hatte. So kann ich zwar von einem unterhaltsamen Leseerlebnis sprechen, wahrscheinlich bin ich trotz aller Kritik auch neugierig genug auf die Fortsetzung, uneingeschränkt empfehlen möchte ich den Roman allerdings nicht.

Fazit: Die dystopische Geschichte hat mich durchweg gefesselt, wirkte schlussendlich allerdings wie eine nette, etwas klischeehafte Mischung bekannter Romane / Verfilmungen. Die emotionale Entwicklung war für mich nicht immer nachvollziehbar, ich habe mich dennoch recht gut unterhalten gefühlt.

Veröffentlicht am 21.11.2025

Seichte Handlung, der fesselnde Schreibstil konnte das Buch leider nicht retten

Mordscoach
0

Psychotherapeutin Sophie Stach hält ihr Leben für ausbalanciert, sie führt eine glückliche Ehe, in der alle Probleme harmonisch gelöst werden. Als unerwartet eine Frau in ihrer Praxis auftaucht und behauptet, ...

Psychotherapeutin Sophie Stach hält ihr Leben für ausbalanciert, sie führt eine glückliche Ehe, in der alle Probleme harmonisch gelöst werden. Als unerwartet eine Frau in ihrer Praxis auftaucht und behauptet, die Geliebte von Sophies Mann Jakob zu sein, kommt es zu einem Gerangel, bei dem sich die Unbekannte versehentlich einen tödlichen Genickbruch zuzieht. Kann ja mal passieren, denkt sich Sophie und entsorgt die Leiche kurzerhand - damit enden die Probleme zwar nicht, doch im Lauf der Zeit bemerkt die reflektierte Therapeutin, dass ein kleiner Mord ab und an das Leben durchaus erleichtern kann.

"Mordscoach" von Lilli Pabst ist eine Kriminalkomödie, die sich zwar locker-flockig weg lesen lässt, mich jedoch nicht wirklich überzeugen konnte. Meiner Meinung nach tut sich der Verlag keinen Gefallen, indem er dieses Buch mit der "Achtsam morden" Reihe vergleicht, wer Karsten Dusses Bücher kennt und hier etwas Ähnliches erwartet, kann nur enttäuscht werden. (Da ich mich bemühe, diese Erwartung und die damit verbundene Enttäuschung nicht in meine Bewertung einfließen zu lassen, vergebe ich einen Stern mehr, als ich ursprünglich geplant hatte.)

Der Einstieg in die Geschichte las sich recht viel versprechend, auch den "Unfall" von Jakobs Geliebter habe ich noch entspannt hin genommen - erst beim zweiten Mord habe ich mich gefragt, ob es wirklich so leicht und unkompliziert ist, ein Menschenleben gewaltsam zu beenden. (Nicht dass ich in der Hinsicht Erfahrung hätte, aber allein nach dem einen oder anderen Krimi zu urteilen, den ich gelesen habe, stirbt es sich selten so widerstandslos.) Dieses "das kann doch nicht sooo einfach sein" - Gefühl hat sich bei mir dann durch den gesamten Roman fort gesetzt.

Jedes auftauchende Problem, jeder durch Sophies Achtlosigkeit aufgetretene Fehler wurde durch das gnädige Schicksal in Form vieler glücklicher Zufälle wieder ausgebügelt, damit hat die Handlung in meinen Augen immer mehr an Glaubwürdigkeit verloren. Als sich zu guter Letzt der ermittelnde Kommissar in Sophie verguckt und dadurch offenbar schlagartig zu absoluter Dämlichkeit mutiert, war ich emotional endgültig raus. Da konnte dann auch der fesselnde Schreibstil das Leseerlebnis nicht mehr retten, trotz des offenen Endes verspüre ich keinerlei Verlangen, mir die Fortsetzung zu Gemüte zu führen.

Fazit: Die Geschichte liest sich zwar locker flockig weg, bleibt aber meiner Meinung nach seicht und konnte mich nicht wirklich überzeugen.

Veröffentlicht am 26.09.2025

Eine Villain-Origin-Story, die mich nicht so ganz begeistern konnte

Star-Crossed Hearts
0

Obwohl Catherine Pinkerton die Tochter eines Markgrafen ist, träumt sie von einer eigenen Bäckerei, denn nichts liebt sie mehr, als ihre süßen Kreationen herzustellen. Damit kann in ihren Augen nicht einmal ...

Obwohl Catherine Pinkerton die Tochter eines Markgrafen ist, träumt sie von einer eigenen Bäckerei, denn nichts liebt sie mehr, als ihre süßen Kreationen herzustellen. Damit kann in ihren Augen nicht einmal die Brautwerbung des Herzkönigs mit halten, der zwar äußerst freundlich ist, mit seinem etwas albernen und oberflächlichen Wesen aber keinerlei romantische Gefühle in Cath erweckt. Erst als sie auf einem Ball den neuen Joker trifft, schlägt ihr Herz schneller, doch welche Pläne verfolgt der geheimnisvolle Jest? Und wird es ihnen gelingen, ihrer Liebe eine Chance zu geben und dem Schicksal zu entkommen?

"Star-Crossed Hearts" von Marissa Meyer ist die fantasievoll erdachte Vorgeschichte der Herzkönigin aus Lewis Carolls "Alice im Wunderland", allerdings hat es reichlich lange gedauert, ehe ich mit der Handlung warm werden konnte. Zum Einstieg hätte ich mir eine umfassendere Beschreibung der Figuren gewünscht, besonders wenn es um die Spielkarten ging, hatte ich immer die Bilder aus der Zeichentrickserie vor Augen und es fiel mir schwer, sie als denkende und fühlende Wesen zu betrachten. Auch die Vorstellung von Catherine blieb vor meinem geistigen Auge relativ blass und so ist einige Zeit verstrichen, ehe ich ihr emotional näher gekommen bin.

Den Schreibstil der Autorin kenne ich bereits aus der "Gilded"-Dilogie und im Mittelteil des Buches hatte sie mich genau so gefesselt und bezaubert. Die zarten Gefühle zwischen Jest und Catherine, die Wortspiele und Reime mit dem Raben und der märchenhafte Hintergrund haben mich in ihren Bann gezogen, dieser Part war ganz nach meinem Geschmack. Allerdings hätte ich wohl dem Hinweis des Verlags, dass es sich um eine Villain-Origin-Story handelt, mehr Aufmerksamkeit schenken sollen, denn das Ende der Geschichte hat für mich den Zauber zerstört, so dass ich schließlich doch recht unzufrieden zurück geblieben bin. Für eingefleischte Fans von Lewis Caroll ist dieser Roman sicher dennoch ein Highlight, daher spreche ich eine eingeschränkte Leseempfehlung aus.

Fazit: Der märchenhafte Hintergrund, die an das Original angelehnten Wortspiele und die zarte Romanze haben mich stellenweise durchaus bezaubert, allerdings hat es lange gedauert, ehe ich mit den Figuren warm werden konnte, daher fiel es mir nicht leicht, emotional in die Geschichte einzutauchen.

Veröffentlicht am 27.08.2025

Gemütliche Halloween-Geschichte ohne jeglichen Tiefgang

Spookily Yours
0

Pleasant Grove hat einen magischen Schutzzauber, so können die hier ansässigen Hexen friedlich leben, ohne ihre Zauberkräfte vor den Mitmenschen verheimlichen zu müssen. Seit dem Tod von Willows Eltern ...

Pleasant Grove hat einen magischen Schutzzauber, so können die hier ansässigen Hexen friedlich leben, ohne ihre Zauberkräfte vor den Mitmenschen verheimlichen zu müssen. Seit dem Tod von Willows Eltern vor einigen Jahren besteht ihr Leben hauptsächlich aus Arbeit in dem kleinen Café ihrer Schwester, wirkliche Leidenschaft bringt sie dafür allerdings auch nicht auf. Als sie im Tierheim den schwarzen Kater Damien auswählt und zu sich nach Hause holt, ahnt Willow noch nicht, dass es sich bei ihm um einen Dämon handelt, der durch einen Fluch in seiner Katzengestalt gefangen ist. Nachdem sie Damien geholfen hat, wieder seine menschliche Form anzunehmen, fühlt sie sich sofort zu ihm hin gezogen - doch darf sie diese Gefühle für einen Dämon zulassen?

"Spookily Yours" von Jennifer Chipman ist eine Halloween-Geschichte, die zunächst mit gemütlicher Herbststimmung und jeder Menge Kürbis-Leckereien beginnt - im Prinzip genau das, was das wunderbare Cover mit dem passenden Farbschnitt verspricht. Sowohl das kuschelige Städtchen als auch die Protagonistin waren mir schnell sympathisch und ich habe mich in die entspannte Atmosphäre des Buches eingehüllt, wie in eine warme Decke. Nachdem Damien seine menschliche Gestalt zurück hatte, war das Knistern zwischen ihm und Willow deutlich zu spüren, bis es dann schließlich sehr deutlich zur Sache ging. Obwohl ich Liebesromane mag, in denen die erotischen Szenen explizit beschrieben sind, war ich vom Rest des Buches ein wenig irritiert.

Den Schreibstil fand ich durchaus angenehm zu lesen, allerdings hatte die Handlung meiner Meinung nach absolut keinen Tiefgang. Das begann schon damit, dass Damien zwar ein Dämon ist, aber abgesehen von seinen roten Augen und den magischen Kräften auch irgendein beliebiger Durchschnittsmann hätte sein können. Es wurde erwähnt, dass Hexen keine Dämonen mögen, ich frage mich nur warum, denn die sind ja in diesem Universum offenbar kein bisschen böse - außer natürlich die Untertanen von Damiens Bruder, die alle etwas von Willow wollen.....das ganze Dämonenreich war für mich nicht überzeugend dargestellt, ein klein wenig mehr Düsternis und Spannung hätte die Stimmung sicherlich nicht zerstört.

Mit nennenswerten Problemen musste sich unser Liebespaar ebenfalls nicht auseinander setzen, was immer gerade geschah, wurde in wenigen Sätzen wieder in Luft aufgelöst. Mir kam es so vor, als ob sich die Autorin nicht entscheiden konnte, ob sie einen kitschigen Liebesroman voller rosaroten (bzw. kürbis-orangenen) Zuckerguss oder einen magisch angehauchten Erotikroman schreiben wollte, die Mischung blieb für mich leider ziemlich flach. Wenn die reichlich häufigen, sehr heißen Szenen nicht gewesen wären, hätte ich angenommen, das Buch wäre für eine jüngere Zielgruppe gedacht, denen man dämonische Bosheit noch nicht zumuten kann. Insgesamt kann ich zwar von einem recht unterhaltsamen Leseerlebnis sprechen, von dem aber sicherlich nichts in meinem Gedächtnis hängen bleiben wird.

Fazit: Die Mischung aus so harmloser Gemütlichkeit, dass selbst die Dämonen eher an Kuschelmonster erinnern, und ausgesprochen expliziter Erotik passte für mich nicht zusammen, die Geschichte hat meines Erachtens keinerlei Tiefgang und konnte mich trotz des angenehmen Schreibstils nicht überzeugen.

Veröffentlicht am 31.07.2025

Atmosphärische Schreibweise und doch etwas langatmig

Bury Our Bones in the Midnight Soil
0

Maria, geboren im Jahr 1511 in einem spanischen Dorf, hat sich schon immer gegen die Beschränkungen aufgelehnt, die in ihrer Zeit für Mädchen und Frauen gelten. Mehr Freiheit erhofft sie sich in der Ehe ...

Maria, geboren im Jahr 1511 in einem spanischen Dorf, hat sich schon immer gegen die Beschränkungen aufgelehnt, die in ihrer Zeit für Mädchen und Frauen gelten. Mehr Freiheit erhofft sie sich in der Ehe mit einem Edelmann, doch schon bald muss sie feststellen, dass sie lediglich in ein luxuriöseres Gefängnis gewechselt ist.

1827 soll Charlotte auf ihre erste Saison vorbereitet werden, denn lediglich das Leben als Ehefrau wird in ihren Kreisen als angemessen betrachtet. Doch als sie den ersten Antrag bekommt, zieht sie es vor, mit einer geheimnisvollen Adligen zu fliehen.

2019 erlebt die schüchterne Alice einen wilden One-Night-Stand, doch am nächsten Morgen fühlt sie sich krank und ausgehöhlt. Der plötzliche Heißhunger auf Blut zeigt, wonach ihr Körper verlangt und Alice begibt sich auf die Suche, denn sie will unbedingt heraus finden, warum ihr das angetan wurde.

"Bury Our Bones in the Midnight Soil" von V. E. Schwab hat mich anfangs zwar schnell in seinen Bann gezogen, allerdings nicht über die gesamte Dauer der Geschichte fesseln können. Der vielversprechende Anfang um die aufmüpfige Maria, die bereits in jungen Jahren danach strebt, die Grenzen zu sprengen, die ihr allein wegen ihres Geschlechts von der Gesellschaft und ihrer Familie auferlegt sind, ließ mich auf eine spannenden Geschichte mit feministischen Grundzügen hoffen. Leider verlor sich meine Begeisterung recht bald in der einen oder anderen Länge der Erzählung. Es dauerte nicht lange, bis aus der Protagonistin mit dem feurigen Charakter eine in meinen Augen recht eindimensionale Figur wurde, die sich lediglich durch ihre Kälte und Bosheit von anderen unterschied.

Auch Charlotte konnte ich nicht wirklich nahe kommen, beinahe ihr gesamtes Leben wurde in einer Rückblende von ihr selbst erzählt und ich neigte beim Lesen dazu, Alice zuzustimmen, die sie auffordert, endlich zum Punkt zu kommen. Dabei schreibt die Autorin hier genau so poetisch und atmosphärisch, wie ich es aus anderen ihrer Büchern bereits kenne, dennoch konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass die Handlung teilweise auf der Stelle tritt. Trotz der emotionalen Distanz fand ich die Figuren umfassend dargestellt, ich hatte sowohl von den Protagonistinnen als auch von einigen der Nebenfiguren deutliche Bilder vor Augen und ich denke, dass der Plot viel Potential hatte, das sich allerdings in der Länge des Geschehens etwas verlor.

Fazit: Trotz der atmosphärischen Schreibweise konnte mich dieses Buch nicht so ganz begeistern, ich hätte mir mehr emotionale Nähe zu den Hauptfiguren gewünscht (damit meine ich nicht zwingend Sympathie, auch boshafte Protagonisten können emotionale Spannung übermitteln) und es gab besonders im Mittelteil die eine oder andere Länge.