Langeweile und Antriebslosigkeit
Die Kunst, einen Dinosaurier zu faltenoder aber vielleicht beides: das sind die - fraglos nicht gerade starken Motivationen, die Abiturientin Annika durchs Leben führen. Wobei: Abiturientin ist sie schon seit einigen Jahren und seitdem? Nun, ...
oder aber vielleicht beides: das sind die - fraglos nicht gerade starken Motivationen, die Abiturientin Annika durchs Leben führen. Wobei: Abiturientin ist sie schon seit einigen Jahren und seitdem? Nun, seitdem jobbt sie sich durch diverse Praktika, lässt sich treiben.
"Machen lassen" ist sowieso die passende Bezeichnung, denn von allein macht Annika nix. Ihre neueste Freundin Marie-Louise hat sie durch den gegenseitigen Blick durchs Fenster in die Unterkünfte kennengelernt - Annika hat Marie-Louise beim Langeweilen, Marie-Louise Annika beim Rumhängen zugesehen. Bis sie schließlich mal rüberkam. Umgekehrt wäre das nie passiert.
Ich bin schon ein paar Jahre älter, gehöre den geburtenstarken Jahrgängen an, die sich ganz schön auf die Hinterbeine stellen mussten, um ein Praktikum, geschweige denn einen Job zu bekommen. Annikas Rumhängerei, die gottseidank nur teilweise für ihre Generation, die, wie ich gelernt habe, auch Generation Praktikum genannt wird, ist mir fremd.
In der Hinsicht war es interessant, sich über dieses Buch mit dem Geist der Zeit, der ein überaus passiver ist, vertraut zu machen. Wobei: irgend etwas passiert im Laufe der Handlung mit Annika, aber ob das gut ist? Sie entfremdet sich immer mehr ihrem vertrauten Umfeld, orientiert sich neu, aber das passiert so saft- und kraftlos, dass ich mich trotz des durchaus ansprechenden und nicht unoriginellen Stils der Autorin Kristina Pfister zeitweise schwer damit tat, am Ball zu bleiben.
Denn: Eloquent ist sie ja, die Generation Praktikum, die gleichzeitig die Generation Facebook, Handy, What's app und was weiß ich noch alles ist. Sie kommuniziert eben (auch) schreibend. Diese Aussage von Marie-Louise bspw. ist aus meiner Sicht signifikant für die Atmosphäre, die so im Buch herrscht und die mich insgesamt befremdet: "...man muss aufpassen, dass freihändig Fahrrad fahren nicht das einzige Abenteuer bleibt, das man je erlebt hat."
Annika wünsche ich nach der Lektüre dieses Buches, das genau so endet, wie es anfängt, plätschernd eben, ein bisschen mehr Leben. Abenteuer - das wäre etwas zu ambitioniert!