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Veröffentlicht am 11.02.2018

Die Magie englischer Gärten

Je tiefer man gräbt
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entfaltet bei mir ihre volle Wirkung und so war ich gleich gespannt, als ich diesen Krimi mit der jungen Gärtnerin Mags als Protagonistin in die Finger bekam. Dazu spielt er im Frühsommer in Cornwall - ...

entfaltet bei mir ihre volle Wirkung und so war ich gleich gespannt, als ich diesen Krimi mit der jungen Gärtnerin Mags als Protagonistin in die Finger bekam. Dazu spielt er im Frühsommer in Cornwall - was kann es Schöneres geben!

Die junge Witwe Mags ist nach einer großen Enttäuschung aus den Vereinigten Staaten in ihre Heimat England - genauer gesagt Cornwall - zurückgekehrt, wo sie sich völlig ohne Geld ein neues Leben aufbauen muss. Sogar das Erbe ihres Vaters, das Elternhaus nämlich, muss sie verscherbeln, aber eines kann ihr keiner nehmen: das, was ihr Vater ihr beigebracht hat, nämlich die Kunst des Gärtnerns und so hat sie sich binnen zwei Jahren ein ganz gut laufendes Gartenbau- und pflege-Unternehmen aufgebaut, sie selbst ist zwar ihre einzige feste Mitarbeiterin, aber sie hat bereits so einige Erfolge verzeichnet, als sie auf dem herrschaftlichen Anwesen im Ort bei einer Gartenführung aushelfen soll, was sie nur zu gern tut. Den Garten hat nämlich ihr geliebter Vater angelegt und die Umgebung ist für sie mit wunderbaren Kindheitserinnerungen verknüpft - nicht zuletzt an den attraktiven Sohn der Familie, Thomas. Wobei dieser nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt hat, obwohl er vor einigen Jahren eine furchtbare Enttäuschung hinnehmen musste, seine Verlobte verließ ihn nämlich direkt nach der Verlobung. Und nun macht Mags im Garten seiner Familie einen grausigen Fund.

Man merkt teilweise, dass dieser Krimi aus der Feder einer deutschen Autorin stammt, es werden nämlich alle Klischees in Bezug auf England bemüht, die man sich nur denken kann. Aber es kommen auch interessante Hintergrundinformationen hinzu, die darüber hinausgehen und vor allem ist die Schilderung der Gärten und der kornischen Landschaft derart atmosphärisch, dass das mich beim Lesen gleich wieder versöhnlich gestimmt hat und ich auch darüber hinwegsehen konnte, dass der eigentliche Kriminalfall recht absehbar und zudem nicht allzu spannend war.

Spannend fand ich vielmehr Mags als Person und die Figuren um sie herum - da ist noch viel Potential, denn Vieles aus Mags`persönlicher Geschichte wird nur angedeutet, weswegen ich mir fast sicher bin, dass da noch was kommt - nämlich weitere Bände mit der sympathischen Gärtnerin in der Hauptrolle. Ich freue mich sehr darauf, denn trotz meiner kleinen Meckerei - einer auf sehr hohem Niveau, möchte ich betonen - habe ich regelrecht darin geschwelgt! Ein Krimi für alle, die es nicht zu blutig haben müssen und England mögen!

Veröffentlicht am 10.02.2018

Eine frische Leiche

Stumme Wut
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wenn auch nicht im Keller und DCI Matilda Darke darf nicht ran. Sie ist nach einer mehrmonatigen Abwesenheit aus Krankheitsgründen nach einem privaten Zusammenbruch auf dem Abstellgleis gelandet und soll ...

wenn auch nicht im Keller und DCI Matilda Darke darf nicht ran. Sie ist nach einer mehrmonatigen Abwesenheit aus Krankheitsgründen nach einem privaten Zusammenbruch auf dem Abstellgleis gelandet und soll in einem Cold Case, einem lange zurückliegenden Mordfall, einer Familientragödie, ermitteln: dem Harkness-Fall.

Ben Hales, ihr ewiger Kontrahent, wittert bereits Morgenluft, denn zu seiner Freude ereignet sich ein neuer Mordfall. Doch scheint der mit den Harkness-Morden zusammenzuhängen, so dass er mehr mit Matilda zu tun bekommt, als ihm lieb ist. Und mit ihrem Team, das aus ganz besonderen Figuren besteht und immer noch an ihr hängt.

Ein wirklich toller und ungewöhnlicher Krimi mit eindringlich gestalteten Figuren. Einiges war noch nicht so ganz stimmig und logisch, da hätte ich mir mehr Überarbeitung seitens des Verlags gewünscht.

Aber insgesamt kann ich mich für Matilda und ihr Team absolut begeistern und freue mich schon auf deren nächsten Fall! Nordengland hat eine neue und schlagkräftige Ermittlerin, die es mit einigen skandinavischen Kriminalbeamten durchaus aufnehmen kann, auch wenn sie ihnen ganz und gar nicht ähnelt. Dafür ist sie (und ihr Autor Michael Wood, ein Journalist, der hier seinen Krimi-Erstling vorlegt) einfach viel zu englisch! Very british indeed .

Wer also Spaß an den Krimis von Peter Robinson und auch Elizabeth George hat, wer Kriminalisten mag, die ein Privatleben haben und oft innerlich zerrissen hat und wer auch nichts dagegen hat, wenn ab und zu ein wenig Humor durchdringt - der sollte sich an diesen Krimi wagen und wie ich auf eine baldige Fortsetzung - hoffentlich nicht nur eine - hoffen!

Veröffentlicht am 04.02.2018

Leben in Holt

Lied der Weite
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Verschiedene Leben werden in diesem Roman zusammengewürfelt, ihre Gemeinsamkeit: alle Protagonisten dieses Romans leben in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado, Schauplatz aller Romane des US-amerikanischen ...

Verschiedene Leben werden in diesem Roman zusammengewürfelt, ihre Gemeinsamkeit: alle Protagonisten dieses Romans leben in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado, Schauplatz aller Romane des US-amerikanischen Autors Kent Haruf. Was nicht bedeutet, dass sie die Stadt nie verlassen. Nein, aber die wichtigsten Player kehren stets dorthin zurück.

Eine Familie, Tom Guthrie mit seinen Söhnen Bobby und Ike, der die Mutter verlorengeht. Ein 17jähriges Mädchen, nämlich Victoria Roubideaux, das von seiner Mutter verstoßen wird. Eine Lehrerin, Maggie Jones, die sich um ihren alten Vater kümmert und anderen hilft, während sie von einem eigenen Leben träumt. Ein altes Brüderpaar, Raymond und Harold McPheron, das allein auf einer Farm lebt und unerwartet Gesellschaft bekommt: das sind die maßgeblichen Charaktere, deren Schicksale sich im Erzählverlauf verbinden.

Kent Haruf erzählt mit einer gewissen Distanz, dennoch warmherzig von seinen Helden des Alltags und immer wieder ist es ganz schön starker Tobak, den sie da durchmachen müssen. Doch immer wieder sind es Momente des Zusammenhalts, der Hilfsbereitschaft, die eine Wendung bringen und so klappt der Leser - zumindest ich - am Ende das Buch mit einem sehr warmen, wohligen Gefühl im Bauch zu.

Die Erzählweise des Autors ist sicher nichts für jeden, denn er schildert ausschließlich die jeweilige Gegenwart, blickt nicht zurück. Es sind also keine Figuren mit einer Historie, die wir kennenlernen bzw. erfahren wir nur ganz wenig und auch nur durch Hinweise der Charaktere selbst, wie sie zu dem wurden, was sie sind. Allerdings erstreckt sich die geschilderte Zeitspanne über etliche Monate, bzw. etwa ein Jahr und so gibt es durchaus Entwicklungen zu verfolgen , sowohl äußere als auch innere - beide sind spannend dargestellt.

Es ist ein leises Buch, aber dennoch eines mit Schwung, eines, in dem ordentlich Handlung drin vorkommt, man sollte nur bereit sein, sich darauf einzulassen. Mit seinem Roman über Helden des Alltags in Nordamerika stellte sich der Autor Kent Haruf - leider bereits 2014 verstorben - in eine Reihe mit Autorinnnen wie Anne Tyler, deren Romane alle in Baltimore spielen oder auch die kanadische Nobelpreisträgerin Alice Munro, deren Erzählungen ebenfalls an einem Ort angesiedelt sind. Ein Autor, den es sich kennenzulernen lohnt!

Veröffentlicht am 02.02.2018

Einen grausigen Fund

Dein Tod komme
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macht Rina Decker bei einer bis dahin entspannten Wanderung durch den Wald: sie tritt auf einen menschlichen Knochen und löst dadurch eine wahre Lawine aus. Ihr Mann Peter ermittelt gemeinsam mit seinem ...

macht Rina Decker bei einer bis dahin entspannten Wanderung durch den Wald: sie tritt auf einen menschlichen Knochen und löst dadurch eine wahre Lawine aus. Ihr Mann Peter ermittelt gemeinsam mit seinem Assistenten Tyler McAdam bald in mehreren Fällen und die Spur führt zum nahegelegenen Unicampus.

Das erste Opfer ist ein überaus intelligenter und charismatischer Transgender-Typ. Hat die Ermordung etwa damit zu tun. Möglich ist alles, doch in weiteren Ermittlungen stösst das Team um Peter Decker auf weitere Spuren, die in Richtung Drogenhandel und/oder sexuelle Motive diverser Art führen.

Ich muss sagen, dass vor allem die früher so tiefgründige und nachdenkliche Rina sich zu einer etwas langweiligen Familienchefin entwickelt hat, die überall ihre Nase mit reinstecken muss - ob es nun sinnvoll ist oder nicht. Ich erlaube mir dies als jahrzehntelanger Fan dieser Krimireihe zu sagen und es ist auch Kritik auf hohem Niveau. Doch ein wenig hat es mich schon gestört, wie oft auf sie und Peter als stimmiges Paar in jeder Hinsicht eingangen wurde. Auch die Beziehung von Tyler McAdams, der quasi als Ziehsohn der beiden gehandelt wird, wurde ein wenig überstrapaziert.

Dagegen waren die Einschübe zu jüdischen Traditionen - Rina und Peter sind orthodoxe Juden und befolgen religiöse Vorschriften - sehr bereichernd und auch atmosphärisch.

Es fällt mir nicht schwer, weitere positive Punkte zu finden, die Zeichnung der Charaktere ist klar und stimmig, der eigentliche Kriminalfall ist ein geschickter Mix zwischen actionreichen Handlungen und Verhören mit nur wenigen Längen und gerade am Ende auch mit ein bisschen Mut zur Lücke an der ein oder anderen Stelle. Eine andere Verteilung bzw. Schwerpunktsetzung hätte dem Kriminalfall sicher gut getan, doch auch so habe ich das Buch mit Genuss gelesen!

Veröffentlicht am 02.02.2018

Kriegstraumata

Alles, was folgte
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Ein Kriegstrauma können auch Menschen haben, die selbst gar keinen Krieg miterlebt haben, beispielsweise dadurch, dass sie von Nahestehenden vieles mitbekommen haben. Ich selbst habe beispielsweise vieles ...

Ein Kriegstrauma können auch Menschen haben, die selbst gar keinen Krieg miterlebt haben, beispielsweise dadurch, dass sie von Nahestehenden vieles mitbekommen haben. Ich selbst habe beispielsweise vieles nacherleben und auch mitfühlen können durch Erzählungen meines Vaters - 16jährig eingezogen und schwer verwundet und meiner Mutter, deren Kindheit durch den 2. Weltkrieg geprägt war. Ich selbst möchte nie in die Nähe solcher Ereignisse geraten, es ist für mich das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann.

Die Fotografin Katharina Ehlbracht, 1945 geboren, reagiert da ganz anders: Kriegsschauplätze sind sozusagen ihr täglich Brot, sie fotografierte in Vietnam, Nordirland, Südafrika und an anderen ausgesprochen gefährlichen Orten.

Anfang 1990, kurz nach der Öffnung der Mauer, erhält sie einen Umschlag mit Briefen von ihrer Mutter, aus dem hervorgeht, dass ihre Familiengeschichte eigentlich eine ganz andere ist, als sie es bisher annahm. Von einem Tag auf den anderen ist alles ganz anders. Gleich mehrere Kriegstraumata offenbaren sich nun und Katharina wird peu á peu bewusst, wie sehr die Menschen in ihrem Umfeld - und darüber hinaus - gelitten haben.

Ein spannendes und wichtiges Thema, das von Autorin Renate Ahrens überaus mitreißend und eindringlich beschrieben wird. Katharina ist längst nicht die Einzige, deren Geschichte durch die Öffnung der Grenzen und die darauf folgende Wiedervereinigung neu geschrieben wurde, wenn es auch in vielen Fällen sicher nicht so dramatisch zuging wie in dem ihrigem.

Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, so spannend las sich für mich Katharinas Geschichte, der zudem eine Parallelgeschichte mit Rückblenden zugeordnet ist - aber ich will nicht zu viel verraten.

Sehr enttäuscht war ich allerdings davon, dass die Autorin zahlreiche vielversprechende und gut gezeichnete Charaktere einführt, deren Bedeutung für die Geschichte nur angerissen wird, die quasi nur einen Kurzauftritt haben, obwohl hinter ihnen ebenfalls spannungsreiche Entwicklungen stehen - wie vielschichtig diese sind, nun, da muss der Leser seine Phantasie entwickelt und seine eigene(n) Geschichte(n) schaffen. Das fand ich ein bisschen schade, denn in der zweiten Hälfte des Romans häufen sich diese Andeutungen, mir kam es so vor, als ob die Autorin mir etwas verspricht, was sie dann nicht einlöst.

Da ich die Geschichte so sehr genoss, fand ich es besonders schade. Trotz der erwähnten Einschränkung also eine dicke Empfehlung von mir an alle, die gern über die jüngste deutsche Vergangenheit lesen und bereit sind für einen spannenden, mitreißenden, dramatischen , allerdings auch sehr traurigen Familienroman!