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Veröffentlicht am 07.12.2025

Matcha mit mildem Nachgeschmack: Ein Roman ohne grosse Überraschungen

Matcha-Tee am Montag
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Matcha Tee am Montag ist ein Roman, der mit einer einladenden Atmosphäre und einer charmanten Grundidee punktet: Ein kleines Café, das nur an jedem ersten Montag im Monat öffnet, dient als Zufluchtsort ...

Matcha Tee am Montag ist ein Roman, der mit einer einladenden Atmosphäre und einer charmanten Grundidee punktet: Ein kleines Café, das nur an jedem ersten Montag im Monat öffnet, dient als Zufluchtsort für Menschen in persönlichen Krisen. Doch so ansprechend diese Prämisse auch ist, die Autorin schöpft ihr erzählerisches Potenzial nicht immer konsequent aus.

Der Roman setzt stark auf Wohlfühlmomente und symbolische Gesten, was einerseits warmherzig wirkt, andererseits aber zu einer gewissen Vorhersehbarkeit führt. Die Figuren, eine unglückliche Geschäftsfrau, eine Ladenbesitzerin mit Vergangenheit, eine Grossmutter im Streit mit ihrer Enkelin , sind zwar sympathisch gezeichnet, bleiben jedoch häufig in bekannten Rollenmustern gefangen. Ihre inneren Konflikte werden eher angerissen als wirklich vertieft, was manche Wendungen konstruiert erscheinen lässt.

Auch der „Master“ des Cafés, der als ruhender Pol und emotionaler Fixpunkt fungiert, wirkt gelegentlich fast über idealisiert. Sein unerschütterliches Verständnis ist rührend, aber dramaturgisch wenig überraschend. Dadurch verliert das Café Marble etwas von der Ambivalenz, die dieser Art von heilendem Rückzugsort zusätzliche Spannung verleihen könnte.

Aoyamas ruhiger Stil erzeugt zwar eine friedliche, teils meditative Stimmung, doch zugleich nimmt er der Erzählung Dynamik. Leser*innen, die mehr narrative Schärfe, psychologische Tiefe oder echte Reibung erwarten, könnten das Buch als zu sanft, zu glatt oder zu formelhaft empfinden.

Am Ende bleibt Matcha Tee am Montag ein gefälliges, aber nicht durchgehend überzeugendes Wohlfühlbuch: angenehm zu lesen, atmosphärisch stimmig , jedoch ohne jene überraschenden Perspektiven oder emotionalen Brüche, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen würden.

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Ein Hörbuch voller Herz, das wunderschöne, intime Augenblicke schenkt, aber auch Geduld verlangt.

Die Bibliothek meines Großvaters
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Die Bibliothek meines Grossvaters“ ist ein Hörbuch, das mich zwiegespalten zurückgelassen hat. Auf der einen Seite berührt die Beziehung zwischen Kaede und ihrem Grossvater tief. Ihre gemeinsamen Momente ...

Die Bibliothek meines Grossvaters“ ist ein Hörbuch, das mich zwiegespalten zurückgelassen hat. Auf der einen Seite berührt die Beziehung zwischen Kaede und ihrem Grossvater tief. Ihre gemeinsamen Momente voller Erinnerung, Verlust und leiser Hoffnung tragen eine Wärme in sich, die man nicht so schnell vergisst. Gerade die Szenen, in denen Kaede versucht, ihren Grossvater trotz seiner Demenz wieder in die Welt der Bücher zurückzuholen, treffen einen mitten ins Herz.

Doch gleichzeitig bleibt genau dieser emotionale Kern oft von einer sehr gemächlichen Erzählweise überlagert. Das Hörbuch baut eine melancholische, poetische Stimmung auf, aber die Handlung wirkt häufig zu langsam, fast so, als würde sie sich im Kreis drehen. Die Spannung, die sich hinter den mysteriösen Zeitungsausschnitten verbirgt, flackert zwar immer wieder auf – aber sie entfaltet sich nie so kraftvoll, wie man es sich wünschen würde.

Auch der später auftauchende bedrohliche „Schatten“ lässt einen emotional eher ratlos zurück. Zwar soll er Gefahr und Dringlichkeit in die Geschichte bringen, doch seine Einführung kommt spät und wirkt erzählerisch etwas erzwungen. Man spürt, dass viel Gefühl in dieser Geschichte steckt, aber nicht alle Fäden greifen sauber ineinander.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Sommer ohne Plan – nett erzählt, hat mich aber nicht überzeugt.

Sommer ohne Plan
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Sommer ohne Plan hat mich leider nicht wirklich abgeholt. Die Ausgangslage klingt zwar sympathisch: eine überarbeitete, perfektionistische Frau, die nach einem Burnout ihr altes Leben hinter sich lässt ...

Sommer ohne Plan hat mich leider nicht wirklich abgeholt. Die Ausgangslage klingt zwar sympathisch: eine überarbeitete, perfektionistische Frau, die nach einem Burnout ihr altes Leben hinter sich lässt und in einer Waldhütte neu anfangen will. Auch das Missverständnis, dass sie im Dorf für eine Selbsthilfe Guru gehalten wird, verspricht eigentlich Humor. In der Umsetzung bleibt das Ganze für meinen Geschmack jedoch zu harmlos und vorhersehbar.

Die Geschichte nimmt sich viel Zeit, kommt aber erzählerisch nicht richtig in Fahrt. Viele Szenen wirken etwas langgezogen, und die Handlung dreht sich öfter im Kreis. Anstatt an Tiefe zu gewinnen, wiederholen sich ähnliche Situationen, wodurch die anfängliche Idee relativ schnell an Reiz verliert. Der Humor ist nett gemeint, hat bei mir aber nur selten ein echtes Schmunzeln ausgelöst.

Auch die Hauptfigur Cassi konnte mich nicht vollständig überzeugen. Ihre innere Entwicklung bleibt eher oberflächlich, und gewisse Entscheidungen wirken mehr der Handlung zuliebe als wirklich glaubwürdig. Die Dorfbewohner sind zwar skurril angelegt, bleiben aber oft Klischees, die wenig Überraschung bieten.

Für mich persönlich war Sommer ohne Plan jedoch eher nett als packend und damit schlicht nicht mein Fall.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Eine nette Fortsetzung, die jedoch nicht ganz überzeugen konnte

Die Rätsel meines Großvaters
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Nachdem mir der erste Teil sehr gut gefallen hat, bin ich mit positiven Erwartungen an die Fortsetzung herangegangen. Dieses Mal hat mich die Geschichte jedoch leider nicht im gleichen Mass abgeholt, und ...

Nachdem mir der erste Teil sehr gut gefallen hat, bin ich mit positiven Erwartungen an die Fortsetzung herangegangen. Dieses Mal hat mich die Geschichte jedoch leider nicht im gleichen Mass abgeholt, und ich habe mich stellenweise etwas durchs Buch kämpfen müssen.

Die neuen Fälle von Kaede und ihrem Grossvater sind, durchaus einfallsreich, wirken für mein Empfinden aber teilweise etwas konstruiert. Obwohl die Ansätze vom verschwundenen Weihnachtsmann bis hin zu einer rätselhaften Suizidserie, spannend klingen, blieb die Umsetzung für mich eher zurückhaltend.

Auch die Entwicklungen im persönlichen Umfeld der Figuren und das Auftauchen eines alten Widersachers konnten mich weniger fesseln als im ersten Band. Insgesamt fehlte mir etwas von der Leichtigkeit und dem Charme, die den Auftakt so ansprechend gemacht haben.

Leserinnen und Leser, die Freude an ruhig erzählten, episodenhaften Geschichten haben, könnten dennoch Gefallen daran finden. Für mich persönlich reicht die Fortsetzung jedoch nicht ganz an Teil 1 heran.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Für mich leider kein Duft, der lange nachhallt.

Der Duft. Er führt dich ins Paradies. Oder in die Hölle
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Leider hat mich Der Duft insgesamt nicht überzeugt. Obwohl die Grundidee, eine kostbare Erinnerung in eine chemische Formel zu übersetzen, grosses erzählerisches Potenzial bietet, bleibt die Geschichte ...

Leider hat mich Der Duft insgesamt nicht überzeugt. Obwohl die Grundidee, eine kostbare Erinnerung in eine chemische Formel zu übersetzen, grosses erzählerisches Potenzial bietet, bleibt die Geschichte für mich weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Ich bin überhaupt nicht richtig in die Handlung hineingekommen. Die Figuren wirkten blass, und die geheimnisvolle Atmosphäre rund um die Firma Fragrancia konnte bei mir keine nachhaltige Spannung erzeugen.

Der 24-jährige Helias, der dank seines aussergewöhnlichen Geruchssinns zur «Nase» aufsteigt, hätte ein faszinierender Protagonist sein können. Doch seine Entwicklung blieb für mich zu oberflächlich. Auch die angedeuteten dunklen Geheimnisse der Firma, die umstrittenen Ingredienzen und das skandalöse Ereignis, das schliesslich die Polizei auf den Plan ruft. All das klang vielversprechend, wurde aber erzählerisch nicht konsequent genug ausgeschöpft.

Zum Ende hin gewinnt die Handlung zwar kurz an Fahrt, doch insgesamt fehlte mir die Tiefe und Spannung, die das Thema eigentlich hergegeben hätte. Die Idee ist originell, aber die Umsetzung wirkt unausgereift.

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