Ein zwiespältig angelegter Ermittler
Bretonische BrandungCommissaire George Dupin lebt sich langsam aber stetig in der Bretagne ein. Die Lebensart der Bretonen, die von Wind und Wetter gegerbt, archaischen Gedankengut angehören, ist ihm nach wie vor fremd. Allerdings ...
Commissaire George Dupin lebt sich langsam aber stetig in der Bretagne ein. Die Lebensart der Bretonen, die von Wind und Wetter gegerbt, archaischen Gedankengut angehören, ist ihm nach wie vor fremd. Allerdings die Vorliebe für gutes Essen, vornehmlich Fisch und anderes Meeresgetier, hat er schon übernommen. Staunend betrachtet er das Farbenspiels des Atlantiks und kämpft andererseits mit der Phobie auf Boote zu steigen.
In diesem, seinem zweiten Fall muss er gleich mehrmals auf größere und kleinere Schiffe steigen, gibt es doch drei Tote auf den Glenans, den zauberhaften Inseln. Was ursprünglich wie ein Schiffsunglück während eines Sturmes aussieht, entwickelt sich zu einem veritablen Mordfall, bei dem es mehr Verdächtige gibt, als Dupin lieb ist.
Die Ermittlungen sind langwierig und stellenweise langatmig (vermutlich „normaler“ Polizeialltag). Die Auflösung des Falles kommt dann ein wenig abrupt, da die Figur des Täters bis zu seinem Geständnis nur eine marginale Nebenrolle spielt.
Bannalec hat seinen Dupin zwiespältig angelegt. Einerseits lässt er ihn sich sehr gewählt ausdrücken, verwendet Wörter, die manchmal gestelzt daherkommen, andererseits ist sein Lieblingssatz „So ein Scheiß“.
Die Vorliebe des Commissaires für starken Kaffee ist ebenso ein Markenzeichen, wie die etwas rüde Art Telefongespräche zu beenden. Der Kampf mit den schlechten Mobiltelefonverbindungen und das häufige wortlose Auflegen, sind in dieser Geschichte ein wenig inflationär. Inzwischen haben es alle Leser mitbekommen, dass die Dichte der Sendestationen in der Bretagne zu wünschen übriglässt.
Man merkt, dass er mit sich nicht im Reinen ist. Er, der „echte“ Pariser, strafversetzt in die Bretagne, deren Bewohner sich wie Asterix und Obelix gegen die Römer, gerne gegen die Franzosen und da vor allem gegen Paris, stellen. Man lässt ihn häufig auflaufen, doch trägt er durch sein schroffes Wesen auch dazu bei. Seine Mitarbeiterin Nolwenn gibt sich alle Mühe ihm nicht nur dienstliche Informationen zu geben.
Die Meinung, dass die „Bretonischen Krimis“ denen von Donna Leons Brunetti stark ähneln, teile ich nicht. Ja, es gibt hier wie dort einen Präfekten/Vice-Questore der sich mehr oder weniger geschickt in die operativen Geschehnisse einmischt. Sowohl Nolwenn und Signorina Elettra versorgen ihren Ermittler mit Informationen, aber damit hat es sich schon auch. Da gibt es eine Reihe von Krimis, die ähnlich aufgebaut sind.
Bin schon auf den nächsten Fall gespannt.