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Veröffentlicht am 21.12.2025

Leider wurde Ignaz Semmelweis von vielen Kollegen verkannt

Der Retter der Mütter
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Stolz steht draußen und grübelt. Er wartet auf seinen Freund Semmelweis. Wann hat sich das Verhältnis zu seinem besten Freund so sehr verändert? Warum ist Naz so furchtbar wissbegierig und muss jede Frage ...

Stolz steht draußen und grübelt. Er wartet auf seinen Freund Semmelweis. Wann hat sich das Verhältnis zu seinem besten Freund so sehr verändert? Warum ist Naz so furchtbar wissbegierig und muss jede Frage beantwortet haben? Und noch schlimmer, warum ist er der Lieblingsschüler des Professors? Fragen über Fragen beschäftigen Stolz und er hat zu keiner eine Antwort parat.

So viele Frauen sterben am sogenannten Kindbettfieber und kein Arzt hat eine schlüssige Erklärung dafür. Auch Ignaz Semmelweis ist ratlos. Bis, ja bis er eine zündende Idee hat. Er ist überzeugt davon, dass einzig das ausgiebige Händewaschen mit Desinfektionsmitteln dazu führt, dass viele Frauen nach der Geburt überleben. Leider gibt es nur wenige Fachleute, die Semmelweis unterstützten.

Die Biographie des großen Semmelweis zeigt genau das, was bis heute Fakt ist. „Der Prophet im eigenen Lande gilt nicht.“ Neben kleinlichen Eifersüchteleien sind es die falschen Ratgeber, welche das Schicksal dieses großen Mannes verursachen. #DerRetterderMütter ist ein kurzer Abriss über Leben und Werk Semmelweis´. Nach seinem Tod wurden Denkmäler errichtet und seine Erkenntnis für die hohe Sterblichkeit von Wöchnerinnen gilt bis heute. Gäbe es sonst die strengen Hygienevorschriften?

Ignaz Semmelweis wurde zur Zeit seines Lebens verkannt. Sei es aus Eifersucht oder Desinteresse. Seine Erkenntnisse bekamen keine Beachtung. Seine Kollegen taten seine Erkenntnisse als spektakulären Unfug ab. Dass es nach seinem Tod Briefmarken mit seinem Konterfei gab. Was hatte er davon? Oder dieses monumentale Grabmal? Wem nutzt es? Leider ist es nicht nur Semmelweis, der niemals die Anerkennung erhielt, die er verdiente.

Das Buch konnte mich zwar nicht fesseln, es animierte mich allerdings dazu, dass ich mich im www über seine Forschungen informierte. Etliche Fakten gibt es über Semmelweis zu lesen und ich werde mit Sicherheit auch die weiterführende Literatur zu seinem Leben und Wirken studieren.

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Veröffentlicht am 19.12.2025

Unvorstellbares Leid durch Flucht und Vetreibung

Heimat aus Eis und Asche
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Das Buch beginnt mit der Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Und was dann folgt ist eine Geschichte, die berührt. Lena von Schweig sitzt am Bett ihrer sterbenden Mutter. Die möchte ihr noch etwas ...

Das Buch beginnt mit der Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Und was dann folgt ist eine Geschichte, die berührt. Lena von Schweig sitzt am Bett ihrer sterbenden Mutter. Die möchte ihr noch etwas sagen, aber ihr fehlt die Kraft. Auch wenn Lena ihrer Mutter nicht sehr nahe stand, sie trauert trotzdem. Bis, ja bis sie eine Adoptionsurkunde findet und aus allen Wolken fällt. Damit hat sie niemals gerechnet. Waren ihre Eltern deshalb so unnahbar? Wer sind denn nun ihre „richtigen“ Eltern? Lena fühlt sich, als stände ein riesiger Berg vor ihr, den sie erklimmen muss.

Der Roman wird in zwei Zeitsträngen erzählt. Einmal geht es um die Vergangenheit. Das Leben in Ostpreußen auf einem Hof. Die Furcht vor den Russen und dann die Flucht nach Deutschland. Der andere Erzählstrang spielt im Leben von Lena. Lena macht sich auf die Suche nach ihren Wurzeln. Dabei steht ihr der langjährige Anwalt der Familie zur Seite. Und nicht nur der. Noch lange nach dem Krieg gab es Einrichtungen, die sich um die Zusammenführung von Familien bemühten. Es ist also durchaus denkbar, dass noch nach 1993 die Suche nach Angehörigen erfolgreich war.

Die Bücher der Autorin gefallen mir immer wieder. Auch dieses entwickelte sich aus Tatsachen, die zu einem spannenden Roman verarbeitet wurden. Die Geschehnisse um Lena sind dabei für meinen Geschmack zu ausführlich geschrieben. Hier hätte ich mir mehr Fakten zur Flucht aus Ostpreußen gewünscht. Eine Leseempfehlung gebe ich aber sehr gerne.

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Veröffentlicht am 13.12.2025

So wurden psychisch Kranke stigmatisiert

Fräulein Hedwig
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Hedwig ist das erste Kind von Margarete und Franz Poschenrieder. Schon sehr früh zeigt sich ihre enge Verbindung zur Religion. Sie beichtet oft, nahezu täglich, und fühlt sich dennoch unzulänglich. Nicht ...

Hedwig ist das erste Kind von Margarete und Franz Poschenrieder. Schon sehr früh zeigt sich ihre enge Verbindung zur Religion. Sie beichtet oft, nahezu täglich, und fühlt sich dennoch unzulänglich. Nicht berechtigt, zur heiligen Kommunion zu gehen. Heiraten wollte sie nie, fand ihre Erfüllung beim Besuch der Messe und ihren Beichtvätern. Als der Vater starb, starben auch die Träume der Mädchen. Hedwig wurde genötigt, sich als Lehrerin ausbilden zu lassen. Die Brüder durften studieren. Das war damals so üblich, dass die „Stammhalter“ mehr Rechte hatten als ihre Schwestern.

"Fräulein Hedwig" ist ein Buch, das die Problematik von „lebensunwertem Leben“ im Dritten Reich thematisiert. Auch wenn der Autor Christoph Poschenrieder am Anfang immer mal wieder humorvolle Szenen beschreibt, es täuscht nicht über die Ernsthaftigkeit des Buches hinweg. Zeigt es doch eindrücklich, wie hilflos Patienten und Angehörige waren, wenn es um psychische Erkrankungen ihrer Lieben ging. Es gab keine Therapien. Die Menschen wurden durch Barbiturate ruhig gestellt. Der Kern der Krankheit nicht ergründet.

Nein, der Roman lässt sich nicht mal eben zwischendurch lesen. Er verlangt die ganze Aufmerksamkeit und ich werde ihn mit Sicherheit ein zweites Mal lesen. Zu wertvoll sind die Gedanken des Autors. Ein wenig störte mich das Hin und Her von Zeit und Ort. Das Cover ist mal wieder, wie bei Diogenes üblich, perfekt gewählt. Meine Leseempfehlung gilt uneingeschränkt.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Gute Unterhaltung mit unvorhersehbaren Wendungen

Wem du traust
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Als Susanne ungeplant schwanger wurde, steht Eva zu ihr. Sie überredet ihre Freundin nicht abzutreiben. Sie macht den Vorschlag, dass sie das Baby gemeinsam großziehen. Sie mieten eine kleine Wohnung und ...

Als Susanne ungeplant schwanger wurde, steht Eva zu ihr. Sie überredet ihre Freundin nicht abzutreiben. Sie macht den Vorschlag, dass sie das Baby gemeinsam großziehen. Sie mieten eine kleine Wohnung und kümmern sich abwechselnd um die Tochter. Das ist mittlerweile 15 Jahre her. Eva lebt mit Mann und Sohn in einem schönen Haus und Susanne seit wenigen Wochen ebenfalls mit ihrem Lebensgefährten zusammen. Oft ist Sofia, die Tochter Susannes, bei Eva. Sie mag Linus, den kleinen Sohn des Ehepaars und versteht sich auch mit Daniel, dem Vater von Linus bestens. Nach einer Geburtstagsfeier bringt er Sofia nach Hause. Das war zwar so nicht geplant aber der Wunsch der Jugendlichen. Erst am nächsten Morgen erfahren Eva und ihr Mann, dass Sofia nie zuhause angekommen ist. Was geschah in der Nacht? Was hat Daniel mit dem Verschwinden zu tun?

Als die Ermittlerin ihren Mann verdächtigt, ist Eva zunächst entsetzt. Sie glaubt fest an seine Unschuld. Aber es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass ihr Mann als Täter in Frage kommt. Für mich war das Lesen ein Auf und Ab. Zwischen Verdächtigen, die glasklar etwas mit dem Verschwinden zu tun haben und der Enttäuschung, dass sich der Verdacht dann schließlich in Luft auflöste. "Wem du traust" überzeugte mich durch die schlüssigen Wendungen. Immer wieder gab es Spuren zum Täter, die sich nur wenige Seiten später als haltlos erwiesen. Der Schluss war mir dann aber doch zu konstruiert. Eine Leseempfehlung gibt es aber trotzdem. Die lebendige und bildhafte Sprache ist ein Garant für beste Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 22.11.2025

So grausam ist die Natur und zudem nicht vorhersehbar

Pompejis letzter Sommer
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Glaukus und Kloidus sind Freunde. Sie spazieren durch Pompeji und freuen sich ihres Lebens. Immerhin gewannen sie beim Glücksspiel und sind um einige Sesterzen reicher geworden. Dabei hätten sie es gar ...

Glaukus und Kloidus sind Freunde. Sie spazieren durch Pompeji und freuen sich ihres Lebens. Immerhin gewannen sie beim Glücksspiel und sind um einige Sesterzen reicher geworden. Dabei hätten sie es gar nicht nötig, sich durch Zockerei ihren Geldbeutel zu füllen. Beide stammten aus wohlhabenden Familien. Das Würfeln um Geld brachte ihnen einen angenehmen Zeitvertreib und sie genossen es sehr.

„Pompejis letzter Sommer“ liest sich fast wie ein Krimi. Die Beschreibung der Häuser und Straßen sind so plastisch dargestellt, dass ich sie mir gut vorstellen konnte. Auch die Sprache empfinde ich perfekt wiedergegeben. So stelle ich mir die Unterhaltungen damaliger Zeit vor. Ein Miteinander zwischen Sklaven und Herren gab es kaum. Die Schere zwischen Armen und Reichen konnte kaum weiter auseinander sein. Aber alle ereilte das gleiche Schicksal. Niemand ist vor den Unbilden der Natur geschützt.

Von dem Buch hatte ich mir mehr versprochen. Es dreht sich hier hauptsächlich um Liebe und Verrat. Für meinen Geschmack kommt die Historie dabei zu kurz. Es gibt zwar ein wenig Spannung, die Auflösung ist jedoch vorhersehbar. Sehr gut gefiel mir die Beschreibung der neuen „Sekte“ der Christen. Wie sie angefeindet wurden und welche Vorbehalte die alten Priester gegen sie hatten.

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