Dann möchte ich euch die Graphic Novel „Romeo und Julia“ empfehlen – durch moderne, lebendige und farbige Zeichnungen sowie prägnante, kurze Sätze tauchen ...
Fällt es euch schwer, zu Klassikern zu greifen?
Dann möchte ich euch die Graphic Novel „Romeo und Julia“ empfehlen – durch moderne, lebendige und farbige Zeichnungen sowie prägnante, kurze Sätze tauchen wir in das wohl bekannteste Drama der Welt ein. Jedes relevante Ereignis wurde nahbar dargestellt, sodass dieses Buch mit Spaß an den Illustrationen die Aufmerksamkeit fesselt.
Adaptiert von Steve Barlow und Steve Skidmore
Illustriert von Wendy Tan Shiau Wei
Übersetzt von Katharina Hartwell
Die Texte der fünf Akte sind sehr einfach und minimalistisch gehalten, aber aufgrund der Themen, mit denen sich das Stück befasst, sowie der zu Beginn und am Ende verteilten – ebenfalls bunt und ansprechend gehaltenen – Informationen erachte ich die vom Verlag angegebene Altersangabe „ab 12 Jahren“ als angemessen.
Interessant waren vor allem die Abschnitte, die vor und nach der eigentlichen Adaption aufgeführt wurden. Denn die an dieser Graphic Novel Mitwirkenden stellen den LeserInnen den ursprünglichen Schaffer William Shakespeare u. A. in einer Autoren-Vita und durch eine Art Zeitstrahl vor. Gleichermaßen hilfreich für NeueinsteigerInnen wie für KennerInnen ist die Aufführung der Personen und Familien. Zusätzlich werden die Entstehung und die Zeit, in der Romeo und Julia spielt, das Theater selbst, Shakespeares Sprache und seine Stilkunst betrachtet. Besonders schön fand ich, wie auf die Motive der Liebesgeschichte eingegangen wird, sowie die Aufschlüsselung von Themen und Werten.
Diese Hintergründe machen das Verstehen und Greifen der Tragödie leichter und wecken zusätzlich die Neugier nach weiteren Adaptionen und an das ursprüngliche Drama angelehnte Werke – Bücher, Filme, Opern oder Theateraufführungen (…).
Denn Fakt ist: „Romeo und Julia“ erzählt nicht nur von einer tragischen Liebe, sondern auch von Hass und Rivalität, von Unverständnis, mangelnder Zeit und den nicht planbaren Umständen des Lebens.
Menschen, die Wert auf visuelle Eindrücke und eine einfache Sprache legen, werden mit dieser komprimierten Adaption und all den Informationen viel Freude haben!
„Emma Bell“ ist ein historischer Roman in atmosphärischem Setting, der mit ruhigen Nuancen, zarten Gefühlen und einem unerwarteten Plottwist aufwartet.
England 1846.
Von ihrer Mutter verstoßen, landet ...
„Emma Bell“ ist ein historischer Roman in atmosphärischem Setting, der mit ruhigen Nuancen, zarten Gefühlen und einem unerwarteten Plottwist aufwartet.
England 1846.
Von ihrer Mutter verstoßen, landet die unverheiratete Ruth Thomas im abgelegenen Anwesen ihres Onkels. Mit Verständnis und Freundlichkeit empfangen, umgeben von dem verwilderten, märchenhaften Hochmoor, eingehüllt in die melancholische Erhabenheit von Camley Hall fühlt sich die 22-Jährige in ihrem neuen Zuhause schnell angekommen. Was vor allem an der Hausherrin liegt: Emma Bell sieht aus wie ein Engel, strahlt vor Güte, beweist sich als liebliche Ehefrau, herzliche Mutter und wird zu Ruths Freundin. Doch rasch werden die vertrauten Gespräche und die Tänze im Mondschein von scheuen Küssen, heimlichen Berührungen und intensiven Blicken abgelöst. Zwischen den Frauen entwickelt sich mehr. Jenes mehr, weswegen Ruth schon einmal davongejagt wurde und das ihr so viel Angst macht …
Aber je mehr die junge Frau von Emmas tragischer Geschichte und ihrer tiefen Sehnsucht nach Freiheit erfährt, umso sicherer ist sich Ruth, dass die beiden mit Clara jeder Hürde trotzen und zusammen einen Neuanfang wagen können …
Josephine Ashford hat hier einen einnehmenden viktorianischen Roman geschrieben, in dem sie die damaligen Konventionen mit zeitgemäßen Worten hervorragend ausarbeitete – seien es die verschiedenen Standesschichten, die Rolle der ziemlichen Frau und die Gefahren für jene, die nicht der Norm entsprechen. Dies, wie auch eine gewisse Distanz, geben der Handlung Authentizität.
Wenn die „Liebesgeständnisse“ aufgrund der Plötzlichkeit nicht nachvollziehbar waren, die Heftigkeit gar übertrieben, so spürte ich doch die Unsicherheit von Ruth, ihren verzweifelten Wunsch, zurückgeliebt und gesehen zu werden, ihre Hoffnung, in Emma DEN einen Menschen gefunden zu haben. Bittersüß und poetisch lässt Ashford die Gefühle der Protagonistin aufleben, während sich zeitgleich – eher subtil – eine beklemmende Dunkelheit über das Geschehen legt. Denn wieso meidet ein ganzes Dorf die Herrin von Camley Hall?
Als ein Happy End in greifbarer Nähe scheint, überschlagen sich die Ereignisse, Wahrheiten, vor denen Ruth versucht, die Augen zu verschließen, reißen sie aus ihrem Traum und stürzen sie in eine grausame Realität …
„Emma Bell“ ist hauptsächlich gemütlich und bedacht, erst spät erhöhen Wendungen das Tempo. Das „Finale“ verging meiner Meinung nach jedoch viel zu rasch und unspektakulär, wenn die Geschichte auch einen stimmigen Abschluss findet.
~ Ein Roman über eine gestörte Psyche, unerwiderte Liebe und perfide Pläne. ~
In „Her Aria of Blood and Light“ führt uns Mila Rosgeber in ein Land, das noch immer unter den Auswirkungen eines längst verjährten Bürgerkriegs leidet, in ein Reich des Ewigen Winters, zu einem verängstigten ...
In „Her Aria of Blood and Light“ führt uns Mila Rosgeber in ein Land, das noch immer unter den Auswirkungen eines längst verjährten Bürgerkriegs leidet, in ein Reich des Ewigen Winters, zu einem verängstigten Volk, mitten hinein in weitreichende Veränderungen, aufglimmende Rebellion und zu der Härte ungeahnter Mächte …
Hauptsächlich verfolgen wir das Geschehen aus der Perspektive von Katerina Taviles – heute eine für ihre Stimme gefeierte und bis in die Riegen des Kaiserlichen Hofstaates bekannte Opernsängerin, doch hinter Professionalität und Höflichkeit versteckt die junge Frau eine vor Trauer verzerrte Seite – denn seit dem großen Aufstand ist sie eine Waise und nur durch einen glücklichen Zufall in Gestalt ihres Ziehvaters noch am Leben.
Zu Beginn werden wir Teil von Katerinas Alltag, von ihrer musikalischen Leidenschaft und der alles verändernden Begegnung mit dem geheimnisvollen Jason Sanseran. Die Treffen mit dem Fremden werden von einem aufgeregten, jedoch nicht deutbaren Kribbeln begleitet. Von Fragen und Unklarheiten. Von Erinnerungslücken und nagenden Kopfschmerzen bis hin zu Gefühlen der Unruhe und Unsicherheit …
„Egal, wie viele Leben sie leben würde. Egal, zu was für einer Kreatur sie geworden war. Ihn würde sie immer erkennen.“
Einblicke in Jasons Gedanken und Abschnitte in sein Tun geben der Story etwas Mystisches, Bedrohliches – und dem vor langer Zeit Erwachten Kontur. Je mehr wir seinem obsessiven Wesen und der Wahrheit seines Seins auf die Schliche kommen, umso unberechenbarer wird der Elidat.
Hier und da werden wir in Vergangenes zurückgeworfen, was zum einen Katerinas Verhalten, ihre Ängste, noch greifbar werden lässt, zum anderen Jasons – herrische, besitzergreifende, manipulative – Art mit etwas durchtränkt, das gleichermaßen Verständnis wie Mitgefühl entfacht. Zwischendurch schnappen sich auch andere Figuren eine Sequenz, gewähren uns ihre Sicht auf gegenwärtige Ereignisse und – wie auch das Auftauchen und die Rolle von Dave Merdian – verleihen dem Ganzen neue Blickwinkel sowie die dringend nötige Abwechslung.
Denn Milas sehr, sehr ruhige Erzählweise in Kombination mit einem langsamen Tempo, das durch ausschweifende und bis ins Kleinste festgehaltene Beschreibungen von jedem Handgriff, jedem Lichtstrahl, jeder Regung zusätzlich gedrosselt wird, lässt die Romantasy oftmals langwierig erscheinen. Dabei war der Stil der Autorin wirklich toll – atmosphärisch, klar und regelrecht malerisch, während sich ein Hauch Melancholie und Schwermut, eine gewisse Distanz, die die Stimmung des Buches unterstreicht, durch die Seiten zieht.
An so mancher Stelle, die für Verständnis und Authentizität wichtig gewesen wäre, kommt Rosgebers Detailverliebtheit hingegen zu kurz – bspw. fehlte es mir an Hintergründen über die unsterbliche Art, auch die romantische Entwicklung zwischen Dave und Katerina oder die Verwandlung der Opernsängerin waren eher abrupt und genauso wenig nachvollziehbar wie die rasche Akzeptanz. Ehrlich gesagt kam ich auch nicht umhin, in der frisch erwachten Protagonistin ein typisches Klischee zu sehen – erstmalig, augenblicklich kontrolliert, kaum anfällig für Irritationen und sofort kampffähig.
Das Finale ging meinem Erachten nach zu schnell und zügig vonstatten, schließt die Geschichte jedoch – trotz des einen oder anderen offenen Handlungsstrangs – größtenteils stimmig ab.
Insgesamt konnten das historisch angehauchte Setting, die hier geschilderte Idee der „Unsterblichkeit“, die Romantik in den Worten und der Aufbau der Geschichte, die von einer tragischen, tiefsinnigen Note begleitet wird, überzeugen. Immer wieder finden sich neben Spannung, Dunkelheit und Opfern auch Gefühl und einschneidende Wendungen. Im Verlauf begegnen wir allerhand Charakteren – von FeindIn zu FreundIn, von Mensch zu Ewigem –, werden mit aufkommenden Unruhen und der politischen Lage des Landes konfrontiert, mit Rebellion und Kampf, Täuschung, Bündnis und totgeglaubten Mächten.
Mila Rosgeber führt uns in das Leben und die Veränderungen von Katerina Taviles, in eine Welt, in der weder Winter noch Kälte je versiegen. Erzählt von Schicksalsschlägen, prägenden Verlusten und von der Stärke, die es braucht, immer wieder aufzustehen. Weiterzugehen.
»Sein Ende ist meine Freiheit«, wisperte Katerina an die funkelnden Sterne gerichtet. So wertlos diese Freiheit auch geworden war.“
Dividium ist eine grausame Welt, in der die Reichen stetig reicher werden und die Armen verhungern. Mit strikten Regeln, harten Strafen und gezielter Manipulation wird vor allem der Untere Sektor kontrolliert. ...
Dividium ist eine grausame Welt, in der die Reichen stetig reicher werden und die Armen verhungern. Mit strikten Regeln, harten Strafen und gezielter Manipulation wird vor allem der Untere Sektor kontrolliert. Doch damit nicht genug: Um Einnahmen zu generieren, haben sich die Mächtigen einen perfiden Vergnügungspark geschaffen …
Raven würde alles tun, um ihren Bruder zu beschützen.
Als dieser verhaftet und in das gefürchtete Gefängnis – die Endstation – Endlock gebracht wird, schleust sie sich mithilfe des Widerstands und einem Fluchtplan in das Loch ein. Aber als bekannte Kopfgeldjägerin, die nicht wenige der Insassen selbst nach Endlock befördert hat, hat es Raven nicht leicht, das Vertrauen der Häftlinge zu gewinnen. Schon bald ist es gerade Vale, ein ihr nicht unbekannter Wachmann, auf den die 23-Jährige angewiesen ist, wenn sie den tödlichen Spielen des Rates entkommen und das Gefängnis mitsamt ihrem Bruder lebend verlassen will. Doch wie kann sie einem Menschen vertrauen, der weder Freund noch Feind ist, wankelmütig zwischen den Seiten und für all das steht, was ihr nicht nur ihre Unschuld und ihre Kindheit, sondern auch ihre Eltern genommen hat?
Einzig aus der Sicht der Kopfgeldjägerin verfolgen wir das Geschehen, sodass diese im Verlauf eine greifbare Figur wird, eine mit Fehlern und Eigenheiten, die impulsive Entscheidungen trifft, manchmal naiv hofft, wütend ist und bis zum Ende kämpft. Für den letzten Rest Familie, den sie noch hat, und für die Freiheit.
Aufgrund des klaren und recht einfachen Stils von Brooke Fast gelingen das Ankommen in Dividium und das Einfühlen in Raven problemlos. Nach und nach, wenn auch zumeist eher knapp und oberflächlich, bringt uns die Autorin die Gegebenheiten, die diesem für eine Dystopie typischen (Kasten-)System zugrunde liegen, das Unrecht, das Leid, die Missstände näher.
In den ersten Kapiteln bekommen wir einen Eindruck des Lebens der Unterschicht außerhalb des Gefängnistraktes – von Gesetzen und gnadenlosen Strafen über den Mangel an Credits bis hin zu dem von der Oberschicht inszenierten, gezielten Aufwiegeln der ärmeren Bevölkerungsschicht gegeneinander. Auch die Existenz des Kollektivs, einer Rebellengruppe, gibt dem Ganzen eine dunkle, Vorsicht heischende Note.
Ebenso trist und grau, von Hierarchien gespalten, von Gewalt und Überwachung gezeichnet, kam Endlock zur Geltung. Angst und Anspannung ziehen sich durch die kalten Korridore, aufgestaute Aggressionen sowie Sorge und die nagende Ungewissheit, wer als Nächstes auf Leben und Tod rennen muss. Obgleich die Art der Spiele kein neues Element ist, wirkten sie originell aufbereitet. Denn in dieser Haftanstalt bezahlen die Gutbetuchten dafür, selbst zu jagen …
Durch eine gewisse Cliquenbildung, deren Basis auf der Verfolgung ähnlicher Ziele – Überleben und Flucht – und dem Hass auf den Oberen Sektor und die Strippenzieher beruht, bedient Fast den Found-Family-Trope auf stimmige Weise. So sind es Jed, August, Momo, Kit und Yara, die mit ihren Eigenheiten für Abwechslung sorgen und auf individuelle Weise Interesse schüren.
Wie nicht anders zu erwarten, hält „To Cage a Wild Bird“ neben aufregenden, temporeichen Momenten und solchen, die Achtsamkeit verlangen, ein Wagnis erfordern und Risiko bedeuten, auch solche bereit, die Verlust, Opfer und Wahrheiten, die alles verändern könnten, mit sich bringen. Die nach Hoffnungslosigkeit schmecken, nach bitterer Verzweiflung.
Vale, der in Raven und den anderen mehr zu sehen scheint als eine Nummer, bleibt unnahbar, ein Schemen, und ist doch die einzige Rettung. So sehr sich Raven auch gegen ihre Gefühle wehrt, wird der hochrangige Wärter, von dem sie kaum etwas weiß, zu jemanden, an den sie sich inmitten der Tristesse klammert. Aber trotz Hilfsbereitschaft und Charme sind es Vales verborgene Intentionen sowie die unbeantworteten Fragen, die dazu ermahnen, ihn mit Argwohn zu betrachten. …
Bezeichnet als Enemies-to-Lovers-Romance, war das Verhältnis von Raven und Vale weder von Feindschaft noch von Abneigung geprägt, und auch nicht sonderlich „slow“. Dies ändert aber nichts daran, dass in so manchen Diskussionen die Funken sprühen und die Dynamik Unerwartetes wie Unterhaltsames bereithält. Meiner Meinung nach haben die expliziten/anrüchigen Szenen nichts für die Story getan, schienen sie doch im Angesicht der Umstände unpassend. Statt diesen hätte ein ausgefeilteres, genauer betrachtetes Worldbuilding die Dystopie aufgewertet. Wie sich der Verlauf entwickelt und ob es Raven und ihren neuen FreundInnen gelingt, Endlock zu verlassen? Lest unbedingt selbst nach!
So viel noch: Das Ende von „To Cage a Wild Bird“ bietet zwar Spielraum für eine Fortsetzung, doch die Autorin verzichtet auf einen riesengroßen Cliffhanger und darauf, uns mitten aus der Geschichte zu reißen. Dafür gibt's auf jeden Fall einen Pluspunkt!
Edith Lane ist mittlerweile dreißig und weiß noch immer nicht, was sie im Leben will. Den Großteil ihres Erwachsenwerdens hat sie sich selbst, ihre eigenen Wünsche und Ziele, zurückgestellt, um für ihre ...
Edith Lane ist mittlerweile dreißig und weiß noch immer nicht, was sie im Leben will. Den Großteil ihres Erwachsenwerdens hat sie sich selbst, ihre eigenen Wünsche und Ziele, zurückgestellt, um für ihre Eltern da sein zu können. Diese Entscheidung bereut die bis dato Barista keine Sekunde lang, doch nun treibt es sie in die Ferne, Richtung Neuanfang.
Eine Stellenausschreibung für eine Führungsposition in einer Bäckerei in der Hauptstadt Frankreichs kommt ihr da gerade recht. Mit ausbaufähigen Sprachkenntnissen, aber voller Tatendrang und Euphorie macht sie sich auf den Weg nach Paris.
Um erschüttert festzustellen, dass sich die bezaubernde Bäckerei nicht in der Liebesstadt, sondern in einem kleinen Dorf außerhalb befindet. Kaum ist die erste Enttäuschung abgeflaut, trifft sie schon der nächste Tiefschlag: Geneviéves Moreau, ihre zukünftige Chefin, tritt alles andere als herzlich oder gar freundlich auf. Und selbst Manu, der Auszubildende, spart an Wärme und Worten …
Eigentlich sollte sich Edie zurück -und an die Regeln halten, immerhin will sie weder die rüstige Inhaberin verärgern noch ihren Job in der Fremde und das dazugehörige Dach über dem Kopf riskieren. Doch die Auflage, der sich im Keller befindlichen Backstube fernzubleiben, und die Geräusche des Nachts, die nicht dem urigen Gemäuer geschuldet sind, treiben die Irin dazu an, dem Geheimnis der Boulangerie et Pâtisserie de Compiègne auf den Grund zu gehen, nur um etwas zu entdecken, das ihr Weltbild und ihren Glauben aus den Angeln hebt. Gleichzeitig sorgt die Wahrheit, ungeschönt, dafür, dass sie das abweisende Verhalten von Madame Moreau und die eindrucksvolle wie tragische Geschichte der Bäckerei versteht, sie fühlt.
Nichts kann sie von jetzt an noch davon abhalten, sich der Welle aus Problemen, die unaufhörlich durch die Straße schnellt und das Lebenswerk der Moreaus mit sich zu reißen droht, mit aller Macht entgegenzustellen. Selbst wenn das bedeutet, ihr Herz bei diesem Akt zerspringen zu lassen.
Bereits in den beiden vorigen Romanen von Evie Woods habe ich ihre Art, verschiedene Schicksale und Zeitebenen miteinander zu verknüpfen und alles mit einem Hauch Magie zu spicken, sehr genossen und die Geschichten fasziniert verfolgt! So auch jetzt.
„Die geheimnisvolle Bäckerei in der rue de Paris“ wird hauptsächlich aus der Sicht von Edith Lane wiedergegeben, sodass wir die junge Frau, ihre Zweifel und Ängste, ihren Verlust und die bis heute nicht abgeflaute Sehnsucht greifen können. Ebenso spürbar waren ihre Hoffnung, die der Wechsel von Wohnort und Beruf entfachte, und die Enttäuschung, die über Edie hinwegrollte. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten, die die Verständigung mit den Franzosen und Französinnen sowie die angespannte, unterkühlte Situation am eigentlich gemütlichen Arbeitsplatz mit sich brachten, überwindet die Irin ihre sprachlichen Unsicherheiten nach und nach, kommt aus sich heraus und knüpft Freundschaften. Auch der charmante, aufmerksame Hugo Chadwick hilft Edie dabei, sich einzuleben. Ihr Herz zu öffnen, ohne zu ahnen, dass der attraktive Hobby-Fotograf etwas Wichtiges vor ihr verbirgt …
Woods versteht es, emotional verletzte, nahbare und authentische Charaktere zu zeichnen und diese in Storys zu platzieren, die nicht nur relevante Themen ansprechen – Verlust, Selbstfindung, Neuanfänge oder, wie hier, das Sterben von echtem Handwerk und kleinen Betrieben –, sondern auch historische Ereignisse umreißen, Romantik und Geheimnisse beinhalten und zusätzlich etwas magisch-wundersames. An passender Stelle wird die Gegenwart unterbrochen, sodass wir etwas über Madame Moreaus Heimlichkeit und die Geschichte über ihre herzige Bäckerei erfahren. Diese Rückblenden in ein Frankreich des Zweiten Weltkriegs geben dem Roman etwas Echtes und gleichsam Tragisches.
Macht es euch gemütlich in der Boulangerie et Pâtisserie de Compiègne, denn diese Handwerksbäckerei lässt euch nicht so schnell los …