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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2026

Ein richtiger Pageturner

Das Signal
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Bei Ursula Poznanski greife ich normalerweise lieber zu ihren Jugendbüchern, als zu ihren Thrillern, da letztere für meinen Geschmack sprachlich manchmal einen etwas zu jugendlichen Touch haben. Umso gespannter ...

Bei Ursula Poznanski greife ich normalerweise lieber zu ihren Jugendbüchern, als zu ihren Thrillern, da letztere für meinen Geschmack sprachlich manchmal einen etwas zu jugendlichen Touch haben. Umso gespannter war ich daher auf ihren neuesten Thriller „Das Signal“.
Bereits nach der Leseprobe stand für mich fest, dass ich das Buch unbedingt lesen möchte. Denn schon von den ersten Seiten an, hat mich die Geschichte absolut gefangen genommen.

Innenarchitektin Viola Decker erwacht im Krankenhaus. Sie hat beim Einsturz des noch nicht fertig renovierten Weinkellers ihres Mannes ein Bein verloren. Viola kann sich nicht erinnern, was sie im Weinkeller wollte, der nachweislich nicht sicher ist. Ehemann Adam kümmert sich liebevoll um sie und doch hat Viola das Gefühl, dass er ihrer ziemlich sicher bald überdrüssig werden wird, denn Adam ist ein Perfektionist und Viola ist nicht mehr perfekt. Außerdem scheint er es nicht wirklich eilig zu haben, dass gemeinsame Haus barrierefrei umzubauen. Während Viola im Erdgeschoss gefangen zu sein scheint und von der neu eingestellten Pflegerin überwacht wird, fühlt sie sich immer hilfloser.

Ursula Poznanski widmet sich diesmal dem Genre des Domestic Noir (d.h. das vermeintlich sichere Zuhause der meist weiblichen Protagonistin verwandelt sich in einen Schauplatz der Bedrohung).
Nach ihrem schweren Unfall ist Viola ans Bett gefesselt und vollständig auf Hilfe angewiesen. Ihre Pflegerin Otilia überwacht sie mit einer Strenge, die eher an Gefangenschaft als an Fürsorge erinnert. Zunehmend verschwinden Gegenstände aus Violas unmittelbarer Umgebung - ihre Krücken oder der Rollstuhl. Aus Angst, die Kontrolle vollends zu verlieren, bestellt sie GPS-Tracker, um ihre Sachen schneller wiederzufinden. Doch bald wird ihr Misstrauen größer. Als sich ihr Mann immer merkwürdiger verhält, steckt sie heimlich einen der kleinen Sender in seine Stiefeletten. Was sie daraufhin entdeckt, offenbart immer mehr Widersprüche in seinen Erzählungen und lässt die Grenzen zwischen Fürsorge, Manipulation und Bedrohung endgültig verschwimmen.

Erzählt wird aus der Sicht von Viola in der Ich-Form. Sie war für mich eine nahbare und sympathische Protagonistin. Der Verlust ihres Beines und die plötzliche Abhängigkeit von anderen, wurde sehr gefühlvoll und realitätsnah dargestellt. Auch das Gefühl, im eigenen Zuhause gefangen zu sein, wird so realitätsnah beschrieben, dass ich es gut nachempfinden konnte.
Die Erzählung einzig aus ihrer Sicht lässt allerdings auch die Frage aufkommen, ob Viola eine verlässliche Erzählerin ist? Oder ob sie manches falsch interpretiert?

Die unterschwellige Bedrohung und Spannung ist allgegenwärtig. Es geht aber nicht nur um Spannung, sondern auch um Manipulation, Kontrolle und Vertrauensverlust. Ursula Poznanski verteilt ihre Informationen gut dosiert. Ihr Schreibstil wirkt diesmal erwachsener und nicht wie in "Die Burg" eher jugendlich angehaucht. Deshalb hatte ich hier auch immer das Gefühl einen "richtigen Thriller" zu lesen und nicht einen Jugendthriller, der auf erwachsen programmiert ist.

Während mich bei Poznanski häufig die Charaktere nicht ganz überzeugen konnten, gibt es diesmal nichts zu bemängeln.
Viola ist eine starke und intelligente Protagonistin, die versucht hinter den Aktivitäten ihres Mannes zu kommen. Doch auch sie hat ein düsteres Geheimnis, welches sie lange verbergen konnte. Die wortkarge und strenge Pflegerin Otilia verursacht einem oftmals Gänsehaut, aber Ehemann Adam hat mir fast noch mehr Angst eingejagt. Dabei fragt man sich beim Lesen lange, ob er nur fürsorglich oder berechnend ist. Er bleibt lange nicht greifbar. Mein Lieblingscharakter war eindeutig Benno, der Nachbarsjunge mit Down Syndrom, der ihr unwissentlich eine große Hilfe ist.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist die etwas dubiose Vergangenheit von Viola, die nicht ganz glaubwürdig wirkt. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau.
Das Ende ist gelungen und glaubwürdig.

Gefallen hat mir auch der Stadtplan von Wien auf der Innenseite des Covers. Oftmals gibt es keine genaueren Ortsangaben bei Posznankis Büchern. Umso mehr freue ich mich über diesen Wien-Thriller.

Fazit:
Ursula Poznanski konnte mich mit ihrem neuen Thriller diesmal richtig abholen, den ich innerhalb von zwei Tagen verschlungen habe. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite! Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 18.12.2025

Sehr bewegend erzählt

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges wird ein kleiner Junge während eines Kindertransportes von seiner Schwester getrennt. Zuvor ist die Mutter vor ihren Augen verstorben. Der erst dreijährige ...

Mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges wird ein kleiner Junge während eines Kindertransportes von seiner Schwester getrennt. Zuvor ist die Mutter vor ihren Augen verstorben. Der erst dreijährige Junge wird in ein Kinderheim gebracht. Da er seinen Namen nicht kennt und nicht spricht, wird er einfach Hartmut genannt und gilt als schwachsinnig.
Im Kinderheim herrscht Zucht und Ordnung. Die Kinder werden "entmenschlicht" und erhalten Nummern. Hartmut wird zur Nummer 104 und erlebt viel Grausames. Nur die fünf Jahre ältere Margret kümmert sich um den kleinen Jungen, den sie Hardy nennt. Sie erkennt, dass er nicht schwachsinnig, sondern völlig verstört ist. Doch die beiden werden später getrennt und erleben noch weitere Grausamkeiten, bis ihr Weg sie wieder zusammenführt.

In der Gegenwart sind Margret und Hardy seit langem verheiratet. (Das ist kein Spoiler, denn es ist direkt auf den ersten Seiten zu lesen). Niemand aus der Familie kennt ihre gemeinsame Vergangenheit. Hardy leidet besonders darunter, dass er nicht weiß, wer er wirklich ist. Seine Selbstzweifel und Ängste lassen ihn auch Jahrzehnte danach nicht los.
Tochter Sabine und Enkelin Julia sind beide alleinerziehend und keine guten Mütter. Julia ist mit der Erziehung ihrer Tochter überfordert und fliegt lieber als Stewardess in der Weltgeschichte herum. Emily lebt deshalb bei den Urgroßeltern. Trotzdem bleibt das Familienleben und das schwierige Aufwachsen von Emily zwischen der unzuverlässigen Mutter, der selbstsüchtigen Großmutter und der extrem besorgten und kontrollierenden Urgroßmutter schwierig.
Als Emily in ein Heim eingewiesen werden soll, weil Julia sich nicht richtig um sie kümmern kann und die Urgroßeltern zu alt sind, weckt das traumatischer Erinnerungen in Margret und Hardy. Vor allem Hardy setzt sich sehr dafür ein, dass Emily bei ihnen bleiben kann. Ihre Beziehung zueinander ist sehr liebevoll. Und nur Emily erkennt, dass es etwas gibt, was ihre Urgroßeltern verheimlichen und geht der Sache auf den Grund...

Susanne Abel hat mit ihren neuen Roman eine bewegende Geschichte geschrieben, die sich dem Thema der Heimkinder und den damaligen Missständen widmen. Es ist nicht mein erster Roman zu diesem Thema und trotzdem bleibt mir immer wieder die Luft weg, wenn ich über derartige Grausamkeiten an Kinder lesen muss. Es kommt sogar zu Medikamententests, die Ärzte an den Heimkindern immer wieder durchführen - denn es gibt ja niemand, der sie dafür anklagen könnte.
Man spürt die Hilflosigkeit der Kinder, die den Erwachsenen ausgeliefert sind und kann einfach nicht verstehen, wie Menschen sich an ihnen abreagieren oder sie als "Versuchskaninchen" benutzen.

Die Handlung ist fesselnd und bewegend und doch beschreibt die Autorin diese eindringlichen Szenen mit sehr viel Fingerspitzengefühl. Sie erzählt detailliert und doch schnörkellos. Die Handlungen wechseln zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Dabei wird aus mehreren Sichtweisen erzählt.

Die Traumata, die Hardy und Margret erleben, werden unbewusst an die nachfolgenden Generationen weitergegeben und beeinflussen die Familiengeschichte negativ. Verhaltensmuster prägen und bestimmen nachhaltig das Leben aller Familienangehörigen.
Deshalb möchte auch ich mich, als Tochter von Eltern, die den Zweiten Weltkrieg als junge Menschen miterlebt haben, endlich mit diesem Thema weiter beschäftigen und erkennen, wie es mich und meine Tochter in unserem Leben beeinflusst hat.

Fazit:
"Du musst meine Hand fester halten Nr. 104" ist kein Buch, welches man schnell weglesen kann. Es ist emotional, bewegend und man muss ab und zu kleine Pausen einlegen. Aber es ist eine Geschichte, die nachhallt und die man nicht so schnell vergisst! Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Ich zähl ein, ich zähl zwei

Der Kuckucksjunge
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Wow, was war das für eine Geschichte! Schon seit Ewigkeiten hat mich kein Thriller mehr so gepackt, wie "Der Kuckucksjunge". Am liebsten hätte ich ohne Unterbrechung gelesen und jeden Abend wollte ich ...

Wow, was war das für eine Geschichte! Schon seit Ewigkeiten hat mich kein Thriller mehr so gepackt, wie "Der Kuckucksjunge". Am liebsten hätte ich ohne Unterbrechung gelesen und jeden Abend wollte ich sofort das Buch wieder zur Hand nehmen, was leider nicht immer möglich war.

Schon die ersten Seiten, die ich bei vorablesen gelesen habe, habe mich sofort gepackt. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich das Buch gewonnen habe und lesen durfte. Es erscheint nämlich erst am 24. Dezember. Macht euch schon mal ein Kreuzerl in den Kalender!

Der Thriller beginnt mit einem Schulausflug Anfang der Neunziger Jahre. Dabei wird beim Verstecken spielen von einem der Schüler die Leiche eines vermissten Jungen im Schilf gefunden.
Danach sind wir in der Gegenwart. "Hab dich" ist die letzte Nachricht auf Silje Thomsens Handy, bevor die in Scheidung lebende Mutter einer Tochter spurlos verschwindet.
Naja Thulin arbeitet seit kurzem bei der NC3, dem nationalen Zentrum für Cyberkriminalität. Als Naja und ihr Kollege Raheem sich Siljes Handyverlauf näher ansehen, entdecken sie einen Abzählreim "Ich zähl eins, ich zähl zwei...", der sofort Erinnerungen an einen noch ungelösten Fall vor zwei Jahren weckt. Die damals 19jährige Gymnasiastin Caroline Holst wurde gestalkt und hatte ähnliche Nachrichten auf ihrem Handy.
Nachdem eine Frauenleiche gefunden wird und weitere Stalkingfälle mit ähnlichen Nachrichten bei der Polizei angezeigt werden, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Thulins ehemaliger Partner Mark Hess, den sie nach ihrem letzten gemeinsamen Fall nie mehr wiedersehen wollte, wird hinzugezogen. Doch der Stalker ist intelligent und versteht seine Spuren zu verwischen. Fotos der zukünftigen Opfer, die er stalkt, können selbst von der Cyberkriminalität nicht zurückverfolgt werden. Das Ermittlerteam muss an einigen Fronten gleichzeitig arbeiten, denn die Fälle beginnen sich zu häufen und weitere Personen verschwinden spurlos. Hess und Thulin geraten unter Druck...
Kurze Zeit später kommt es zu einem weiteren Zwischenfall und der Täter scheint gefunden. Doch einige lose Enden und Ungereimtheiten lassen Naja und Hess keine Ruhe. Obwohl Hess an einer privaten Tragödie knabbert und sich nur schwer auf den Fall konzentrieren kann, irritiert ihn einiges an der Beweislage des mutmaßlichen Täters und er ermittelt weiter, was ihn in tödliche Gefahr bringt....

Der Schreibstil ist absolut fesselnd und der Spannungsbogen bleibt die fast 700 Seiten konstant hoch. Die Charaktere sind sehr authentisch gezeichnet. Die Angst und die Panik der Stalkingopfer ist permanent spürbar. Ein richtiger Alptraum!
Überraschende Wendungen und emotionale Konflikte geben dem Thriller zusätzlich Dramatik.

Die Gefahr, die immer näher kommt, ließ mich Nägel kauend in meinem Lesesessel versinken und mit fiebern. Trotz der 672 Seiten kann man das Buch kaum aus der Hand legen und man möchte alles um sich herum ausblenden. Der Showdown war purer Nervenkitzel. Große Leseempfehlung!

Søren Sveistrups Vorgänger "Der Kastanienmann" ist damals bald nach Erscheinen bei mir eingezogen und liegt seitdem auf meinem SuB. Das Buch wird jetzt definitiv sehr bald gelesen werden!

Fazit:
Ein psychologisch ausgefeilter und komplexer Thriller der Hochspannung vermittelt. Für mich ein absolutes Highlight und endlich wieder großartige Thriller-Literatur. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Der (Un-)glücksbote

Aurelia und die Jagd nach dem Glück
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"Aurelia und die Jagd nach dem Glück" ist der bereits dritte Band dieser sehr gelungenen Reihe von Beate Maly, die Ende des 19. Jahrhunderts während der Kaiserzeit in Wien spielt.
Diese Reihe ist mittlerweile ...

"Aurelia und die Jagd nach dem Glück" ist der bereits dritte Band dieser sehr gelungenen Reihe von Beate Maly, die Ende des 19. Jahrhunderts während der Kaiserzeit in Wien spielt.
Diese Reihe ist mittlerweile meine liebste Reihe der Autorin geworden, weil sie nicht ganz so "cosy", wie die Ernestine und Anton Reihe ist.

Es ist Januar 1872. In Wien hat die Faschingssaison ihren Höhepunkt erreicht und die ganze Stadt tanzt und singt. Zu dieser Zeit geben die Menschen ihr Geld auch gerne für ein Glückslos aus. Das Glücksspiel boomt und Lottokönig Freiherr von Sothen scheffelt noch mehr Geld - bis er eines Tages vor seinem Schlössl erschossen wird.

Janek Pokorny, mittlerweile zum Oberinspektor ernannt, bekommt den Mord am Freiherren zur Aufklärung. Das fällt ihm alles andere als leicht, denn der Weg zum Cobenzl ist weit und die Witwe des Ermordeten eine extrem unsympathische Person, die ihm gleich einen weiteren Kriminalfall aufhalst. Doch dabei bleibt es nicht, denn im Umfeld der Witwe kommt es zu einem weiteren Mord....
Die angeblichen Wilderer, die die von Sothens schon seit einiger Zeit Ärger bereiten, sind für Pokorny zwar Verdächtige, aber nicht unbedingt in allen Fällen.
Aurelia, deren einige Gerüchte bei diversen Veranstaltungen zu Ohren kommen, wird neugierig und trägt diese an Janek weiter. Gemeinsam versuchen sie Licht in die Kriminalfälle zu bringen.
Abwechselnd wird aus der Sicht von Aurelia und Janek erzählt.

Beate Maly hat wieder einige reale historische Begebenheiten als Idee für ihren Roman verwendet. Diesmal ist es der Tod des Lotteriekönigs Johann Carl Freiherr von Sothen, der damals tatsächlich durch Betrug jede Menge Menschen in den Ruin und Selbstmord getrieben hat.
Wir erhalten einen authentischen Blick in die damalige Zeit und in die strikten gesellschaftlichen Normen, die in der "guten alten Kaiserzeit" gegolten haben.
Auch auf die Rolle der Frau im 19.Jahrhundert wird diesmal noch intensiver darauf eingegangen. Aurelia fühlt sich - obwohl aus der Oberschicht kommend - als Frau immer wieder wie eine Person zweiter Klasse. Sie möchte sich genauso frei in der Gesellschaft bewegen können, wie Männer und sie fordert Bildung für jede Schicht. Natürlich stehen auch die gesellschaftlichen Normen zwischen einer Verbindung zwischen ihr und Janek. Alles Themen, die Aurelia sehr beschäftigen. Als sie auch noch ihre geliebten Karikaturen nicht mehr veröffentlichen darf und ihr Vater plötzlich mit einem reichen, aber alten Heiratskandidaten aufwartet, ist Aurelia am Boden zerstört. Doch so schnell gibt eine Aurelia von Kolowitz nicht auf!

Die Figuren sind wieder so lebendig und bildhaft dargestellt. Ich hatte die ganze Zeit über reines Kopfkino und habe mit ihnen mitgelebt. Am Ende überrascht uns Diener Sebastian noch mit einer für ihn ungewöhnlichen Handlung. Ich bin wirklich neugierig, was sich hinter seiner Figur noch verbirgt...

Fazit:
Auch der dritte Band der Aurelia Reihe hat mich wieder vollauf begeistern können und ist vielleicht sogar der bisher Beste der Reihe. Unterhaltsam mit viel Lokalkolorit, Spannung und gesellschaftlichen Einblicken während der Kaiserzeit in Wien. Empfehlung!

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Das letzte Foto

Der Bildersammler
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Kunstrestauratorin Tessa von Linden kenne ich bereits aus Liliane Skaleckis Thriller "Dunkeldorf". In diesem hatte sie aber nur eine kleine Rolle. In "Der Bildersammler" gehört sie definitiv zu den Hauptprotagonisten.

Nach ...

Kunstrestauratorin Tessa von Linden kenne ich bereits aus Liliane Skaleckis Thriller "Dunkeldorf". In diesem hatte sie aber nur eine kleine Rolle. In "Der Bildersammler" gehört sie definitiv zu den Hauptprotagonisten.

Nach ihrer Arbeit an einem Gemälde möchte sich Tessa von Linden die Füße vertreten und unternimmt im nahen Flüsterwald einen Spaziergang. Bei der Kapelle, wo sie normaler Weise immer den Rückweg antritt, steht das erste Mal das Gitter offen, was Tessa irritiert. Als sie hineingeht und näher hinsieht, erblickt sie einen Toten mit Wundmalen. Die Leiche ist drapiert wie der Heilige Sebastian auf einem ihr bekannten Gemälde.
Als Tessa die Kunstausstellung eines berühmten Fotografen besucht, der Fotografien nach bedeutenden Gemälden humorvoll inszeniert, findet sie in einem zweiten Raum verstörende Fotos, die Menschen in Todesangst zeigen. Diese orientieren sich ebenfalls an bekannten Gemälden. Tessa möchte mit dem Fotografen sprechen, doch diesen trifft sie nicht mehr lebend an...
Hauptkommissar Lennart Wiedmeyer erkennt schnell, dass er Tessas Blick auf die Sprache der Kunst bei den Morden benötigt, die ihm und seinem Team meist fehlen. Gemeinsam machen sie sich auf die Jagd nach dem Bildersammler, der noch lange nicht zu Ende ist mit seinen Morden.

Die Idee nach bedeutenden Gemälden zu morden, fand ich großartig. Nachdem Tessa den jungen Mann in der Kapelle gefunden hat, der nach einem Kunstwerk nachempfunden wurde, wollte ich einfach über all die erwähnten Gemälde, die im Thriller vorkommen, mehr wissen. Schnell wird man bei Dr. Google fündig. Liliane Skalecki hat damit nicht nur mein künstlerisches Interesse geweckt, sondern mich auch total in die Handlung hineingezogen.

Wir lesen diesmal aus der Sicht von Tessa, aber auch aus Täter- und Opfersicht. Das ist oftmals grausam, denn die Autorin spart nicht mit genauen Beschreibungen und Details. Da bekommt man schon des Öfteren Gänsehaut - vor allem, wenn man aus der Perspektive des Opfers liest.

Wie auch schon in "Dunkeldorf" hat Liliane Skalecki ihren Thriller raffiniert aufgebaut. Waren mir bei ihrem Vorgänger manche Stellen zu sehr detailliert, passt hier einfach alles. Die Autorin hat Kunst und Krimi perfekt zusammengeführt. Sie schreibt temporeich und die kurzen Kapitel lassen einem schnell durch die Seiten fliegen.


Fazit:
Ein spannender und temporeicher Krimi, der auch für Kunstmuffel eine grandiose Geschichte bereithält, die man schwer aus der Hand legen kann. Ich hoffe es wird noch weitere Fälle mit Tessa von Linden geben.

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