Intrigen aus der Downing Street
So ganz vorbei war der Kalte Krieg für die Geheimdienste ja vermutlich nie. Und spätestens mit dem Aufstieg Putins dürften die einschlägigen Analysten wieder on high alert gewesen sein. Diana Taverner ...
So ganz vorbei war der Kalte Krieg für die Geheimdienste ja vermutlich nie. Und spätestens mit dem Aufstieg Putins dürften die einschlägigen Analysten wieder on high alert gewesen sein. Diana Taverner ist daher alles anderes als amused, als sich vor einem scheinbar harmlosen Fest der russischen Botschaft herausstellt, dass ihr russischer Amtskollege seit mehr als 24 Stunden unerkannt in London unterwegs sind, weil einige der "boys and girls" der MI5-Zentrale beim Monitoring der anreisenden Russen leider gepennt haben.
Doch noch etwas anderes gibt Rätsel aus: Die Schweizer Superforecasterin, die ein Sonderberater des Premierministers angeheuert hat, ist verschwunden. Und Jack Sparrow, besagter Sonderberater, ist nicht nur ein gewaltiger Intrigant, sondern gewissermaßen die graue Eminenz in der Downing Street, der ausgerechnet Taverners Vorgänger, den glücklosen Claude Whelan, damit beauftragt, zum Verbleib seiner Mitarbeiterin zu recherchieren. Ihr letzter Anruf, so stellt sich heraus, ging an die Nummer von Jackson Lamb, den exzentrischen Chef des "Slough House" für abgehalfterte Spione.
Mit "Bad Actors" lässt Mick Herron zum achten Mal die "slow horses" los. Mit Jack Sparrow hat er einen Intriganten geschaffen, der in den Spielchen, die man zwischen Taverner und Lamb kennt, durchaus ebenbürtig ist.
Die zuletzt entstandenen Lücken in Slough House wurden mit der neuen Mitarbeiterin Ashley Singh aufgefüllt, die zugleich für einen gewissen Generationswechsel steht, ist sie doch relativ frisch aus der Ausbildung und ähnelt auch in ihrem Verhalten eher einem spätpubertären Teenager. Shirley Danders wiederum, bekannt für Koks und Krawall, ist gerade in einem Zwangsurlaub in einem "Sanatorium" des Service, um ihre Aggressionsimpulse besser unter Kontrolle zu bekommen. Dass ihre Schlagkräftigkeit dort mal gefragt sein könnte, hätte sie sich vermutlich nicht träumen können.
Auch in "Bad Actors" liefert Herron einmal mehr tiefschwarzen britischen Humor, boshafte Dialoge und das übliche Sparring zwischen Lamb und Taverner. Kalter Krieg und eine neue Generation von Spionen, Machtspiele zwischen Downing Street und Regent Park, das Chaos, das unausweichlich scheint, wenn die "lahmen Gäule" galoppieren - es macht einfach Spaß, den Abenteuern der MI5-Outcasts zu folgen.